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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-20 · Heft 8 (20.2.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 8 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 unentgeltlich nnb finden in den Räumen des Vereins sowohl mit Tn ge wie auch in. den Abendstunden statt. — Ter Verband der O st j u d e n .in Deutschland verhandelte mit dem Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde wegen- Errichtung einer Herberge Zur Unterkunft und Verpflegung der sich in Berlin vorübergehend aushaltenden obdachlos,en jüdischen Flüchtlinge. Am 31. Januar wurde das Ve-rwaltungskomitee für die Herberge konstituiert, dem die Ausgabe zufällt, das Hi-lsswerk des Verbandes zur Verpflegung und Beherbergung der ostjüdischen Flüchtlinge ztt fördern. — Ter Vorstand der Sy na go geu gemei nde Breslau gibt bekannt: Tie Zinsen der Hermann Auerbachschen Stiftung sollen an einen jüdischen bedürftigen jungen Mann, der sich der Malerei oder Bildhauerkunst widmet, vergeben werden. Ter Bewerber muß deutscher Reichsangehöriger sein und seine Befähigung. durch maßgebende Zeugnisse Nachweisen. Geborene Breslauer oder Schlesier haben bei gleicher Eignung den Vorzug. Meldungen sind unter Beifügung des Geburts- und Befähigungszeugnisses bis 1. April d. I. beim Vorstände einzureichen. — Zum Besten der notleidenden Wiener Wöchnerinnen und Säuglinge veranstaltete der Jüdische Frauenverein „Ruth" -in Leipzig einen Vier-Uhr-Tee mit künstlerischen Darbietungen. Das Publikum verhals dem wohltätigen Zweck der.gesellsch-astlichen Veranstaltung zueinem stattlichen finanziellen- Erfolg. — Aus Dresden wird berichtet: Am. 3. d. M. fand hier eine Kundgebung gegen den Antisemitismus statt. Ter Verein shanssaal war von etwa 3000 Personen gefüllt. Auch die Treppen waren besetzt. Die Polizei hatte die Tore des Vereinshauses geschlossen und ließ niemand mehr ei-n. Es sprachen Arthur Mensing., Schriftleiter Groitzsch, Rabbiner Tr. Lange und Volkskammermilt-glied Fabrikbesitzer Lehnig. Ueber 1000 Anwesende machten gegen die Ausführungen der Redner scharf Front. Es kam zu energischen Zwischenrusen, Zischen, Pfeifen und Johlen. Man schrie in wüsten Ausdrücken gegen die Juden und Judensrennd-e, bis unter riesigent Lärm die Versammlung geschlossen werden mutzte. — Der Vaterländi s. -ch e B u n d j ,ü d i s ch e r Frontsol d,a. t e n , Ortsgruppe Hamburg, sandte an den Reichspräsidenten eine Entschließung -gegen die Ausl'ieferrtng deutscher Staats-angehö'riger an die Entente, in der einst imnt-ig stammender E-inspruch erhoben wird gegen die von der Entente verlangte Auslieferung des ehemaligen deutschen Kaisers sowie aller verdienstvollen Männer, welche im Kriege di-e Führung des deutschen Volkes innehatten, und derjenigen, die nach ihren Weisungen handelten. Sie taten nichts als -ihre Pflicht gegen ihr Vaterland, und Pflichterfüllung kann niemals zum Rechtsgrund einer Verurteilung werden. — Ministerpräsident H i r s ch und Finanzminister Tr. Südekum besichtigten neulich unter Führung des Chefarztes Geheimrat Dr. Auerbach und Justizrat Eltzbacher das Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache in Ehren'feld. — Aus München wird geschrieben: Hier fand vor kurzem in der chemischen Vorlesung eine Kundgebung -der. Studenten für Geheimrat Willstätte r statt. Durch, Blumen spenden suchten die Studenten ihrer Freude darüber Ausdruck zu geben, daß sich Geheimrat Millstätter, unser Gliaubensgenosse, entschlossen hat, den Rus nach Berlin abzulehnen. Einer der Studenten ergriff das Wort und drückte Geheimrat Willstätter mit warmen Worten die Freude der Sntdentenschaft über sein Hierbleiben aus. Hierauf nahm Geheimrat Willstätter das Wort, bedankte sich für die Vlumenspenden und'legte die Gründe dar, d ie ihn zum Hier blei ben veranlaßt hätten. — Im 85. Lebensjahre verstarb in Kirchhain bei Kassel der Kreisvorsteher der Jüdischen Gemeinde, Herr Meyer Strauß. Ter Heimgegangene stand über fünfzig! Jahre an der Spitze des Kreises, war Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Landwirtschaftlichen Kreisvereins zu Kirchhain undgehörte der Stadtverordnetenversammlung -an. Landrat v. Gilsa widmete dem Verstorbenen, der sich allgemeiner Verehrung erfreute, einen warm gehaltenen Nachruf. — Direktor Dr. Josef Koburger in L-u-dwiigshafen ist vom badischen Staatsmi-ni-steri'um zum Professor an der Handelshochschule in Mannheim ernannt worden. Herr Tr.. Koburger ist eine im jüdischen Leben der Pfalz rühmlichst bekannte Persö-nlichkeit und nimmt an allen jüdischen Angelegenheiten bebhästesten Anteil. - - Bez-irksrabbi-ner Dr. Pin kn h in - * Heidelberg nimmt als Vertreter des Oberrats.der Israeliten an der in Karlsruhe tagenden L a n d -e s f ch u l k o n s e r e n z teih — ReckManw-M Samuel Zucker in Heidelberg, Haupt-mann, im Bayerischen Reserve:nsauterieregiment 5, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen..— In Pra>g hat sich -eine Vereinigun-g de u t s-cher Iud en in der T schecho slow-ake-i gebildet. Die. neue Organisation führt den Namen „Jüdische Uclwn". Die Lei-- tU'Ng der „Action" liegt in-den Händen eines Ausschu.sses, dem der -bekannte.. Schriftsteller Jakob W >as s e r m a> n n, Universität^ Professor Dr. Egmont Münzer, Dr. Friedrich Kaufmann und-andere angehören. — Laut der „Jüdischen DoWzeitung" in Pr-eßburg hat ein jüdischer Bürger von Freistadtl durch Vermittelung. der .„Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society os America" in New Uork ein Schreiben von'seinem seit Jahren in ostsibirischer Gefangenschaft befindlichen Sohn erhallten, welches der genannten Gesellschaft durch ihre Zweigstelle Vokohama, zugekommen war. In dem Begleitschreiben der Hebrew Shelterin-g Society gi>bt die Gesellschaft bekannt, daß sie gern bereit ist, Familien-briefe an Angehörige i-m fernen Osten durch ihre dorti-gen Niederlassungen zu befördern, falls eine direkte Korrespondenz nicht möglich ist. — Die Polnische Telegraphenagentur meldet: In Moskau -fand der Prozeß gegen den Prokurator im Beilis-Prozeß Wi.pip.er statt, der von den: früheren Oberkomm-anidierenden der bolschowistischen Truppen Krytenko -angekliaigt war, sich an der Durchführung. des Ritualrnordprozesses gegen Beilis beteiligt zu haben, um dadurch die Gegenrevolution und den Zarismus zu stärken. Das Gericht erkannte gegen Wipper aus lebenslängliche Gefängnisstrafe »und beschloß, nach Bestätigung des Urteils durch die Sowjet behör den den Beilis-Prozeß wieder aufzunehmen. — Eine jüdische Telegraphenagentur in Polen (Zydowska Agencya Telegraf iczna) wird deinnächst in Warschau eröffnet werden. Die Zentrale der Agentttr befindet sich in Londo-n, Ivo sie a^ls -erste jüdische Telegraphen-agentur nti't einem Au.la-gekapital von 3000 Pfund Sterling eingetragen ist. Die Agentur will die Presse ber Welt mit Nachrichten -uns -dem jüdischen Lieben bedienen-. Filialen werden auß,er in Warschau in Jerusalem und- New Port eröffnet. — Der Chacham-Bas-chivon Jerusalem, El rasar, erließ einen Befehl an di-e jüdische Bevölkerung Jerusalems, an der Westtnauer Gebete fü>r di-e Juden von Damaskus zu verri-chten. Die jüdische Bevölkerung. v>on Dam-as-kus schwebt in, Gefahr, da in der Stadt plötzlich eine antisemitische Bewegung ausgebrochen ist. Man b-esürchte-t, daß diese Bewegung, zu Pogromen führen wird. — Die vor einigen Monaten mit einem Kapital von 2000 Pfund Sterling in Jerusalem d-urch den Sohn des bekannten hebräischen Lexikographien E l i e z e r B -e n - I e h o, u d a begründet-e erste jüdische Tageszeitung für Palästina „Dolar H-ayom" hat letzthin einen gro'ßen Ausschwtlng -genommen, so> daß das, Gründungskapit-ala>uf 20 000 Pfund Sterling 'erhöht werden mußte und daneben bereits eine arabische sowie eine en.glische Woch-enausgabe „Palestin-e Weekly" erscheinen konnte. Der Herausgeber der „Doar Hahom" (Tägliche Post), Jttamar Ben A v i, vertritt in seiner Publikation namentlich die geiftigen Interessen der jüngeren Generation Palästinas und ist daneben Anhänger einer anglo-philen. 'Handelspolitik. — Aus New Pork wird gemeldet: Sa lom o n T. H. H u r - w itz, Lektor der semitischen Spriachen an der. Columbi-a-Universität, Gründer und Heraus-geber des „Jüdischen Forum" und Professor der hebräischen und aramäischen. P!h-ilolo>gie an d.em Js>aac Elcha-n-an Theologischen Seminar, ist — 32 Jahre -alt — verschieden. -- Rockeseller hat sich an Oberst Ginsburg, den Leiter der Hilfsaktion für die Ostjuden, mit folgendem Brief -gewandt: Obwohl wir annehmen, 'daß -nur Geldsammlungen von Juden beab-sichti-gt sind, würden mein'Vater und ich es uns zur Ehre anrechnen, wenn man- -auch uns gestatten würde, zugleich mit unseren jüdischen Mi-tbürgern zum Gelingen dieser Aktion beizu>tragen. Wenn also das geehrte Komitee nichts dagegen hat, erlauben wir uns..als Spende 75 000 Dollar (mein Vater 60 000 und ich 25 000) anzubieten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankorv, Florastraße 58. . Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Z u n g e, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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