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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-20 · Heft 8 (20.2.1920) · p. Seite 95

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 8 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 95 (sequence 11)
Language
German
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95 RabbenuGerschomaufderOberstufe deK Gymnasiums. I. Ziel: Wie in Deutschland das Talmudstudium erblüht. II. Vorbereitung: Sächsische Kaiser servi eamerae spseisles. Die Juden wandelnde Geldschiränke für die Kaiser. Bedrückungen, Trost; die Lchre: geistige Anregung im Talmudstudium. III. Darbietung: Gerschmn den Jehuda (960 bis 1040) schrieb Talmudevläuterungen, sorgte für gute Texte. Seine Tekanot: 1. keine Vielweiberei, 2. keine 2"r2 I nach den betreffenden Bibel- 3. kein 012'» nur' stellen zu erklären. 5. Briefgeheimnis, 5. Schutz der Anutzirn. 6. Verbot des Ausmietens. Judenverfolgung. Sein Sohn Scheinchrist. Sein Schmerz. Auch Shnagogendichter. Sein Lied: rp*0 112* IV. Vertiefung: Sein Ehrenname. Seine Tekanot: Tr “’xnt’ "ll«ö ad 1. Sfrt der Ehe nach der Bibel Ideal Monogamie, vgl. Gen. 2,24. Die Mehrweiberei der Patriarchen besonders motiviert, ad 4. Damalige Verhältnisse. ad 5. Lage der Zwangsbekehrten. Man durste «'einen erzwungenen Abfall ihm später nicht vorwerfen, ad 6. Allgemach ward den Juden das Recht entzogen, Grundbesitz zu erwerben', sie konnten nur von Christen mieten. Die Judenverfolgung unter Heinrich II. ist wahrscheinlich durch eine christenfeindliche Schmähschrift eines zum Judentum übergetretenen, mit dem Kaiserbause verwandten Kaplans Wetzel veranlaßt. Hinweisung auf dieAguila-Sage. V. Zusammenfassung: 1. Rabbenu Gersch-om als Gelehrter. Eerschoms Einfluß auf die LeLeusverhältniss-e der Juden. VI. Anwendung: 1. Wir lesen m: *YC7 2. Welche Bedeutung hat für uns die 4. und 6. Tekana? H Lenjamins Llkbrsiied. ( 2'd]ilit|V) N onau von L a ut it e t 1U c i f e ( s. ie Gaffe war ^rnkel. Weit im Kreise war kein Lichtschimmer zu sehen. Narr über den Mauern des abgebrannten Häuschens, das schräg gegenüber stand, lag der silberne Mondschein gebreitet und zauberte die Reste einer ärmlichen Wohnstätte zu einer melancholisch! wirkenden Ruine. Sara-Lea war gebannt im Anblick des mondscheinbeglänzten, zerstörten Bauwerks. Solange es dastand, das bockende Häuschen, und, zur Wohnstätte diente, da sah es gar zu--häßlich, gar zu schmutzig aus; jetzt, zerfallen, leuchtet es in eigentümlicher Schönheit herüber! Der Gedanke daran hatte für Sara-Lea etwas Tröstliches, und merkwürdig, je mehr sie der Anblick des zerstörten Häuschens entzückte, um so lebhafter suchte sie sich sein früheres greisenhaftes, altersschwaches Ausseihen zu vergegenwärtigen. Während sie dieser Gedächtnisübung nachging, hörte, sie Benjamin ihren Namen rufen. Sie verließ das Fenster und eilte zu ihm. Er lag wie in Verzückung, mit offenen Augen, die unheimlich brannten. '„Lies mir etwas vor, Sara-Lea", bat er. Sie setzte sich zu ihm. „Was soll ich dir vsrlesen?" fragte sie. Mit einer schwachen Handbewegung deutete er auf das Buch, das auf dem Schränkchen neben dem Bette lag. Sara- Lea nahm's zur Hand und begann zu lesen: „Wohl sind des Himmels Höhen, wohl der Erde Tiefen erforscht, aber der Geist des Menschen --" - „Nicht das, Sara-Lea", unterbrach er sie, „nicht das; lies das achte Kapitel." Sie wendete im Buche einige Blätter um, rückte dann den Stuhl etwas näher an die Petroleumlampe heran und las: „Ein rasendes Meer ist die Welt; voll grundloser. Tiefen, Eine morsche Brücke die Zeit, schwankend darüber gebaut. Wank ist der Bogen der Brücke, leicht an Seilen befestigt, > Die, noch etst sie entstehn, sind zum Vergehen bestimmt." Wie klingt deine Stimme dunrpf . und bang, Sara-Lea/ Denkst du noch: einst saßest du. hier, in diesem Zmuner, und du trugst die herrliche Dichtung „Das Konzert der Konzerte" vor, und Benjamin, jugendstart und hoffnungsfroh, hing an deinen Lippen. Damals trug ihn deine biegsame Stimme durch, die wogenden Fluten eines wechstlrckchen Zhmbelspiels zu den klang-reinen -Höhen, wo - es allenthalben läutet, wo es jauchzend erklingt von Leben und Kampf, vom Kampf fürs Leben, und wo helle und starke Töne Botschaften künden, „aus heiligster Hoffnung oebouen"! Da me-Ls lasest du gut und schön, Saoa-Lea, du schöne Vorlrags küustlcri;-, dir. die du von der Vortraasknnst und ihren Regeln uckhck oa'st'. Tanncks klang damals deine Liede ntnx Loben und nr Beuinonln. o.n du in das Licht des L'Wns führen wolltest . . . H-mck? arm sitzest 'du in dem dn.nbn Zimmer, in b.nn nur? ein er.-"''' ller Winkel fahl l stützest 'st,' u od du!an , X' t;. >; nee Welt", die wchdurchtränkte Elegie, und domo Soinnne kckugt dumpf und bang, melancholisch eintönig, wie Gr^bguanq . . . Sara-Lea las immer weiter, in demstlbcn Toi-'.-ll, ohne Unterbrechung, ohne Pause, als fürchte sie. eine ä.'1-a* i; entstehen zu..lassen, in -die• sich der (wdanke an d'e b' ' c Hoffnung und an -das entschwindende Le een dräng n f " w. Und während sie las, schien Benjamin immernstun '-hckn abgrundtief zu versinken. Gespenstisch flackerte es in stinni Aug.n und rötliche Flamuren . stuckten ans seinen Wa-n-en. Wae -abwch-end lag er da, als trüacn ihn „dos zürrwn.d.ur Meeres wildbrandende Wogen" weit, weit von dannen. Plötzlich machte er eine jähe Wendung. Er stöhnte . . . . Sara-Lea hörte auf zu lesen und beugte steh über ihn. . „Ach, Sara-Lea", sprach er mit fiebernder Stimme, indem rr sich ein wenig, aufrichtete, „die Welt ist ein rasendes Äcker, darin wurden meine Leiden ertränkt. Ich komme von einer Wanderung her, ich war auf der Suche: ich suchte mich selber . ich fand mich nicht. Hast du nicht den Benjamin Glück gesehen? £ Sard-Lea, du sähest mich einst, als ich noch in meiner Ganzheit, in meiner Ungebrochenheit 'war; ich mar aber auch noch ich, als mein Lebensbaum einen Knacks in der Wüte erhalten hat. Vieles wurde mir genommen, und viele Lücken entstanden in meinem Harzen; aber jede Lücke fällte ein Schmerz aus, die Glut eines Schmerzes, und ich fühlte mich.. Im großen Leid der Welt wurde mein Leid ertränkt, und so einem seine Leiden -genommen -sind, ist ihm der letzte Ertrag des Lebens genommen." Er hielt inne. Sein Atem ging flatternd mit Windmühlengeräusch, wie ein geöorstencll Uhrwerk, das raschelnd die letzte Kraft noch zu einigen Schwingungen verbraucht. Fröstelnd stand Sara-Lea am Bett; sie war angst und bange.

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