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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-20 · Heft 8 (20.2.1920) · p. Seite 93

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 8 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 93 (sequence 9)
Language
German
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93 Freund in der Lindenstraße geschickt gehabt, das er sich von dort abholen sollte, habe er lieber Postgeld bezahlen als den Weg nach der. Lindenstraße machen wollen und daher an Abbt nach Rinteln geschrieben, er möchte doch seinen Freund in der Lindenstraße bitten, daß er ihm das Manuskript zuschickte. — Nicht wahr, die Philosophen sind die scholae non vitae apti? a3etnt Apoll, ich mache Mendelssohn zu meinem Kommissionär nicht. Lieber einen Faktor oder Visitator. In des WielandS Dialogen des Diogenes von Sinope findet der Freund viel vortreffliche Sachen und freut sich auf dessen Geschichte der Menschheit, falls es mehr ein Werk der Vernunft als der Laune würde. Von Lessing auch ein Wort! Der Herzog und der Erbprinz sind ihm sehr gnädig und wollen ihn nach Italien schicken. Abe^ hier ereifert sich mein friedfertiger Philosoph. Das verwünschte antiquarische Studium, sagt er im Eifer, macht uns noch Lessingen am Ende zu einem Erzpedanten.' Warum unterhält ihm der Herzog nicht lieber eine deutsche Schaubühne? — Auch ich sage, warum nicht?" Die große Bedeutsamkeit des vorstehenden Briefauszuges ist auch ohne besondere Bemerkung klar, nur auf einiges sei hier hingewiesen. Herder war 1769 aus Ostpreußen nach Aufgabe seines Amtes nach Frankreich, gereist. Das war für ihn eine Befreiung, nicht, wie Mendelssohn anzunehmen scheint, ein leichtsinniger Streich. — Bei Basedow handelt es sich um das Philanthropin, über das Mendelssohn einen ungemein merkwürdigen Brief geschrieben hat, der vor einiger Zeit in diesen Blättern berührt worden ist. Die Lavater-Mendelssohnsche Streitigkeit ist zu bekannt, als daß hier näher darauf eingegangen zu werden braucht. — Für die damaligen Berliner Verhältnisse ist es charakteristisch, daß der Weg von der Spandauer nach der Lindenstraße als eine Reise erscheint, und die Entfernung von Mendelssohns Wohnung nach der Realschulbuchhandlung (in der Wikhelmstraße) dem Philosophen so weit dünkt, daß er sich erst nach Jahren zu einer solchen Reise entschließen könnte. — Die lateinische Phrase heißt zu deutsch: „Für die Schule, Nicht für das Leben passend." Auch die Stelle über Lessing ist recht bemerkenswert; es ist seltsam genug, daß Mendelssohn eine Reise nach Italien für den Anfang der Erzpedanterie ansieht. — Außer dem mannigfachen bemerkenswerten Inhalt ist aber unser Brief dadurch bedeutsam, daß er von einer langen Verbindung zwischen unserm Weltweisen und jenem protestantischen Theologen spricht, eine Verbindung, hon der man bisher nichts wußte. Es würde sich lohnen, diesen Spuren weiter nachzugehen. Im Anschluß an diese über Mendelssohn handelnden Stellen sei aus den Briefen desselben Korrespondenten, und zwar aus einem Schreiben des Jahres 1763 folgende Notiz hervorgehoben: „Die Abhandlung vom-- Genie hat Resewitz, Hauptpastor in Quedlinburg, der Sohn eines getauften Juden, den Moses sehr achtet, geschrieben." Der hier genannte Schriftsteller ist Friedrich Gabriel Resewitz, 1729 bis 1806, ein bekannter Schulmann. Er lebte 1755 in Berlin und wurde damals mit Mendelssohn, Nicolai der Begründer einer gelehrten Gesellschaft. Er bekam im Jahre 1757 die Stelle des ersten Predigers in Quedlinburg und unterhielt von dort aus einen gelegentlichen Briefwechsel mit Mendelssohn. Seine hier erwähnte Abhandlung „lieber das Genie" ist in der „Sammlung vermischter Schriften zur Beförderung der schönen Wissenschaften und Künste", Berlin 1753, Band II abgedruckt. Wichtiger als, diese Notiz ist aber die von unserem Briesschreiber erwähnte, von Mendelssohn selbst bezeugte Tatsache; daß Resewitz der Sohn eines getauften Juden, gewesen sein soll. Von dieser Tatsache weiß Kayserling ebensowenig zu melden wie Holstein in der „Allgemeinen deutschen Biographie", Bd. 28, S. 241 ff. Auch die von dem letzteren erwähnten größeren Abhandlungen über Resewitz wisien davon nichts. In der größten Arbeit über den Genannten von Kabreau, „Geschichtsblätter für Stadt und Land", Magdeburg, Bd. XX, 1885, S. 149 ff., heißt es: „am empfindlichsten macht sich der Mangel aller Urkunden für Resewitz' Jugendgeschichte bemerkbar. Wir wissen nur, daß er 1728 in Berlin geboren wurde." Der Name deutet nicht geradezu auf das Judentum. Von dem Vater erfahren wir nichts — auch nicht den Namen, den er früher geführt hat; da es aber an unserer Stelle heißt, daß Mendelssohn selbst den jüdischen Ursprung des von ihm geschätzten Mannes berichtet, so ist jedenfalls dieser Bericht nicht kurzerhand abzuweisen. Endlich mag auch folgende Bemerkung noch hier ihren Platz finden. In dem Briefwechsel, der zu diesen Auszügen und Bemerkungen Anlaß gegeben hat, wird kein jüdischer Korrespondent genannt, auch keine jüdische Angelegenheit behandelt. Nur einmal kommt ein Jude vor. I. I. Engel, der gleichfalls Mendelssohn nähestand, schreibt an Schefsner am 11. Dezember 1779: „Nur zwei Worte an Sie kann ich einem Manne mitgeben, der mir durch nichts so interessant ward, als dadurch, daß er Sie kennt. Sie beobachtet. Sie liebt." In einem zweiten Briefe vom 8. Februar 1781 weist derselbe Briefschveiber auf einen Brief hin, „den Ihnen Herr Gumpertz von mir wird eingehändigt haben". Dieser Gumpertz ist gewiß ein Berliner Jude. Mit Aron Samuel Gumpertz, dem Lehrer Mendelssohns, darf er natürlich nicht identifiziert werden, denn dieser ist bereits 1770 gestorben. Wohl aber dürfte er einer Berliner Familie angehören, die in der Preußischen Hauptstadt ziemlich verbreitet war. Lur Methodik des jüdischen Geschichtsunterrichts. . Von Bezirksrabbiiier Dr. Bc ermann (Heilbronn). (3. Fortsetzung.) Vertreibung der Juden aus Spanien. I. Ziel: Wie die spanischen Juden in Verfolgung und Vertreibung ihre Glaubenstreue bewährten. II. Vorbereitung: Stellung und Reichtum der Juden. Neid. Seit dem 14. Jahrhundert Judenverfolgung. Inquisition unter Ferdinand. Torquemada (Schiller!). Das arabische Spanien von Ferdinand erobert. Streben nach Glaubenseinheit. Hk. Darbietung: Marranen, glänzende Stellung, Verschwägerung mit dem Adel. Mißtrauen, Inquisition, Bluttribunal, Folter, Tortur, Kerker. Lasciate ogni usw. Zuerst 1480 in Sevilla. Marranen treten den Ketzerrichtern mit Gewalt entgegen. Vergeblich. Jedem Spanier wird auf die Seele gebunden, Ketzer anzuzeigen. Wer von den Marranen am Sabbat ein besseres Kleid anhat oder sonst irgendeinen jüdischen Brauch übte, in den Kerker! 6. Januar 1482. 1. act. fidei. Heuchelei der Kirche, die als gnadenreiche dem Ketzer nichts tun wollte, sondern ihn dem weltlichen Arme zum Feuertvde auslieferte. Am Portale der Blutstätte wie zum Hohn Bibelworte: Auf Gott richte deine Sache, und andere. Der Platz ei quemadero sah Ketzer im Flammentode bis zum 19. Jahrhundert. Auch die Juden, verstrickt durch ihre innige Liebe zu den Marranen, denen sie Rituälgegenstände gaben. Man verlangte von den Rabbinern, sie follten> Marranen verraten. Sie aber starben lieber. Daher Pfaffen für Judenvertreibung. Vor Sonnenuntergang strahlendes Abendrot. Don Isaak Abarbanel erst Finanzminister in Portugal (löst kriegsgefangene Juden aus). Ungnade. Flieht nach Spanien, schreibt Kommentar zu Jofua, Richter, Swmuelis. Dann Finanzminister

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