Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1920)
- Date
- 1920-02-20
- Page
- Seite 91 (sequence 7)
- Language
- German
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91 (Komnranditisten), den Firlnennanien^ der Gesellschaft die Namen jener' DeiWaVev, welche' berechtigt'siy!)/ d-ie Geschäfte der Gesellschaft zu verwaltend zu leiten, und Aü Mchnery die Höhe des tattsächil-ich eingezahlteV Kapitals,, welches' auf Aktien von den Kommanditisten einzuzahlen ist, das Datum des, Vertragsabschlusses und des Inkrafttretens -des Gesellschaftsvertvacxes. ' ' 3. Eine Gesellschaft m. b. H. hat eine Erklärung einzureichen, welche untdr anderem feststellt'k das'Lünd/ in welchem die Genossenschaft gegründet wurde, Und Ihre Nationalität/ das behördlich legitimierte und - wirklich eingezahlte' Kapital der GesellsLaft, den Nominalwert und die Iaht ihrer Anteilscheine, den Hauptisitz und jene Orte im besetzten Gebiet (Süd),wo die Gesellschaft Zweigniederlassungen hat. 4- Eine Aktien- oder 'Kommanditgesellschaft m. b. H., eine .geschlossene' Handelsgesellschaft sowie jede wie immer konstruierte kaufmännische Gesellschaft m. >b. H. muß eine Bewilligung von der Verwaltung des besetzten Gebiets (Süd) haben,, bevor sie mit ihrer Geschäftstätigkeit beginnen kann. J. P. Z. O Pogronrflüchtlinge. o .Gin aus J a ff a datierter Aufsatz der „N. Z. Z." schildert, wie folgt, den- Zustrom flüchtiger russischer Juden nach Palästina: Auf den wildschäumenden Wellen des vom eisigen Nordwind durchgepeitschten Schwarzen Meeres wackeln, Nußschalen gleich, Segler, Frachtschiffe, Fischerbarken, Küstenschoner, sämtlich mit eigentümlicher Ladung beschwert: Greise, Frauen, Kinder, Jünglinge mit vor Todesangst und Frost verstörten Gesichtern, vor Külte zitternd, in ihren leichten. Zerschlissenen Kleidern, mit ihren hölzernen Kistchen, in denen Neste armseliger Haushalte Zusanunengepackt sind. Diese von der Seekrankheit gepackten, von Hunger und Durst geplagten Menschen sind pogromflüchtige Juden ans Rußland, welche die letzten Paar tausend Rubel (und in Rußland ist heute der Tausendrubelschein die kleinste, einigen Wert besitzende MünZe) geopfert haben, um in die schrecklichste aller Verbannungen Zu gehen, ohne Paß, ohne sickeren Schutz, ohne daß sich irgendeine organisierte Körperschaft der Welt um sie kümmerte. Viele von ihnen sind letzte Ueberlebende aus einer Stadt, die dem Erdboden gleichgemacht wurde, andere haben ihre Frau, den Vater, einen Sohn verloren und sind selbst durch Aufopferung des ganzen'Vermögens mit knapper Not dem Tode entronnen. Wie einst, nach der Austreibung aus Spanien, wird diesen Leuten, nicht erlaubt, Mittel für mehr als einen Monat Unterhalt mitzunehmen, und genau wie damals, vor vierhundert Jahren, sind sie unterwegs Herren- und rechtlos. Wohin fahren diese Unglücklichen, die ihr Heimatland ausspeit und denen kein anderes Gebiet Asyl gewähren will? Sie segeln gen Osten, ihr Ziel ist die alte -Heimat ihres vielgeprüften Stammes: Palästina. Sie wissen, daß sie Wochen-, ja sogar monatelang unterwegs sein müssen, daß sie durch-Sturm, Kälte oder Krankheit umkommen können,, sie ertragen geduldig alle Demütigungen und die endlos langwierigen Quarantänemaßnähmen, erbetteln bei fremden Leuten oder bei eigenen Stammesgenossen, wenn sie das Glück haben, solche irgendwo anzutresfen, den Unterhalt des nackten Lebens, bis sie sich nach fürchterlichen Reisestrapazen nach Jaffa durchschlagen können. Sie erzählen dann den. Brüdern hier ihre Not, die blutige Not eines für vogelfrei erklärten Volkes in einem Lande, wo sich über die Hälfte desselben beisammen findet. Sie zählen die Namen der Getöteten, Gemarterten, Erhängten, Erschossenen, lebendig Begrabenen, zu ewigen Krüppeln Geschlagenen auf und Ströme heißer Tränen fließen aus ihren und der Zuhörer Augen ob der himmelschreienden Gewalttaten, die ihresgleichen in der-Geschichte suchen. Die Bolschewiki hatten es auf die Reichen unter ihnen abgesehen, sie gewaltsam ihrer Habe beraubt und beim leisesten Widerstand sie wie.die Hunde niedergeknallt. Den Zionisten in Rustland rückten die Bolschewiki ganz , besonders auf den Leib, weil sie im Gerüche standen, ententefreundliche Gesinnung zu haben. Hunderte von Proskriptionslisten wurden mit jüdischen Namen ausgefüllt, und Zahlreiche Opfer ihrem grausamen Schicksal Zugefühct. Was aber vor der Wut der proletarischen Diktatur , sich verbergen konnte, kam unter das. Schwert, der Denikinfchen Kosaken,. die wahre Blutbäder anrichteten. Mstchem-Gchlagworte_ „Die.Juden sind eine Gefahr für das rMMäupige OGümb" als Pa rvle durchzogen Trupps berittener Kosaken - und Freischärler dje. jüdischen Städtchendrangen in die Häuser ein und mordeten die Insassen oft bis auf den letzten Säugling, schändeten die Frauen und steckten die Häuser in Brand. Die Zahl der Getöteten beläuft sich nach vorsichtigen Angaben in die Zehntausende und die Art des Verfahrens bei diesen Massenschlächtereien ist in Worten unmöglich zu schildern. In manchen Gegenden wurde die Brutalität bis zum Wahnsinn getrieben. In einem ukrainischen Städtchen wurde der Rabbiner gezwungen, am User des Stadtslusses unter gezückten Bajonetten' die religiöse Weise „Kol Nid re" zu singen, u m dann mit einem Ste in am Halse ins Wasser geworfen zu werden. An anderen Orten kleideten sich die Mörder in die jüdisch-rituellen Gebettücher und in diesem Aufzuge drangen sie in die jüdischen Häuser ein und schlachteten die Insassen ab. Mtlskmitlsmus und jfrrimaurrrrj. Don Dr. Otto Philipp N e u m >a n n (Elberfeld). u diesem Thema, welches zurzeit in Frage steht und vor allem in den antisemitischen Hetzblättern wie „Vorposten", „Normen", „Bahnbrecher" n. a. erörtert wird, sei hier folgendes beimerkt: Die deutsche Freimaurerei lehnt den Antisemitismus bestimmt und glatt ab. In mehreren offiziellen Verlautbarungen wehrt man sich gegen die von den „Normen" behauptete Ansicht, daß die deutsche Freimaurerei verjudet sei, daß der „christliche deutsche Freimaurer nichts als ein .unbeschnittener Jude sei". Ganz abgesehen von der haßerfüllten Form, ist die Behauptung unwahr. Zahlenmäßig gehören zwei Drittel der deutschen Freimaurer zu dem christlichen System. Das bleibende Drittel setzt sich aus mehr Christen als Juden zusammen. Die deutsche Freimaurerei geht in zwei historisch bedingte Entwicklungsreihen aus, die christliche und die humanitäre. Die Unterschiede bestehen aber keineswegs in der „Judensrage", sondern sind gegeben durch die um 1750 aufgepfropsten Hochgrade, die spezifisch christlichen Charakter tragen und Teilmaurerei sind. Sie stellen nicht das Ganze dar. Das Ganze der deutschen Freimaurerei wird getragen von der Humanität, so wie sie der Freimaurer Lessing vertrat. Nur der freimäurerische Humanitätsgedanke, der getreu den alten Pflichten von 1723 den christlichen Gedanken einschließt, ist der maßgebende. Wenn er den Christen einschließt, so darf er den Juden nicht a u s schließen. Es wäre eine direkte Verkennung des freimaurerischen Grundgedankens, wollte man anders urteilen. In den alldeutschen Hetzblättern, welche die Freimaurerei herabfetzen und die schlimmer sind als die klerikale Gegnerschaft gegen die Logen, wird betont, daß „die Juden die Oberherrschaft in der deutschen Freimaurerei" behaupteten. Das ist eine Unwahrheit. Weder im deutschen Großlogeubund noch im Verein deutscher Freimaurer, noch in sonstigen Organisationen der deutschen Freimaurerei, etwa in den Gauverbänden, ist eine führende Rolle der Juden bekannt. Ja, diese Präponderanz iciire direkt eine Sünde-gegen den sreimaurerischen Geist der Parität und Toleranz. Was die Freimaurerei, und besonders die deutsche, auszeichnet, ist ja gerade der große Dersöhnungsgedanke, der aller Freimaurerei immanent ist. Der Satz in den alldeutschen Hetzschriften: Die deutsche Freimaurerei sei der „wahre Antichrist", beweist, daß seine Behaupter und Nachbeter keine Ahnung haben. Die deutsche Freimaurerei steht auf der allgemeinen christlichen Kulturgrundlage, die der deutsche Juoe ohne weiteres anerkennt, weil sie eine moderne Basis bildet, welche die Weltanschauung der Freimaurerei anerkennt, die sich aus Religion u n d Wissenschaft zusammensetzt. Es ist selbstverständlich, daß die religiöse Seite deutscher Freimaurerei, auch soweit sie als Teilausdruck christlich ist, auf dem Judentum steht, das mit feiner dogmenlosen hervorragenden Ethik und seinem zum Weltgott gewordenen Natioualgott die Basis bilden maß, weil das religionsgeschichtlich