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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-20 · Heft 8 (20.2.1920) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 8 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 90 (sequence 6)
Language
German
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90 der Städte und des Datums der vorgesallenen Pogronre. Die ihm zügestellten Ziffern beweisen, daß bis zum 9. September 1919 die allgemeine Zah-l der jüdischen Opfer 29 0M. erreichte. * Pogrom in Slawetschno^ Am 11. Januar kam in Slawetschno (Kreis Qwrutsch, Gouvernement Wolhynien) ein neuer schauderhafter Judenpogrom vor. Um die Mitternachtsstunde überfielen Soldaten Petljuras mit dem Rufe: „Haut die Juden!" die Stadt und schlugen 95 Juden die Köpfe ab. Die Köpfe schichteten sie aus dem Marktplatz zu einer Pyramide, die „ein Monument für die kommenden Geschlechter bilden soll, daß es in Slawetschno keine Juden mehr geben werde". Die „Jewish Times", denen wir diese Nachricht, entnehmen, veröffentlichen teilweise auch die Namen der 'Opfer. * Der rumänische Ministerpräsident über die Rechte der nationalen Minderheiten. Am 30. Januar hat der rumänische Ministerpräsident Vaida- Voevod, der sich derzeit in London befindet, in. der rumänischen Gesandtschaft mehrere Journalisten empfangen, darunter die Vertreter der jüdischen Zeitungen „Jewish Times", „Jewish Chronicle" und des New Iorker „Hajnt". Aus der Unterredung mit Morris Myer, die in rumänischer Sprache geführt wurde, geben wir folgende Aeußerungen des rumänischen Ministerpräsidenten wieder: Die jüdische Frage in Rumänien existiert juristisch nicht mehr. Diese Frage ist ein für allemal mit der Untersertigung des Minoritätenvertrages gelöst worden. Was die Frage des Minoritätenrechtes der Juden anbelangt, so ist dies eine Frage für sich. Ein Teil der jüdischen Bevölkerung ist für die Assimilation und er, der Ministerpräsident, ist ganz ihrer Ansicht. Die Juden Rumäniens sollten sich assimilieren, nicht hinsichtlich ihrer Religion oder ihrer Rasse, sondern bezüglich ihrer Interessen und ihres Geistes. Die Juden, die ihre eigene Sprache, das Jiddische, beibehalten wollen, schließen sich ins Getto ein. Er habe jedoch nichts gegen sie. Die rumänische Regierung werde ihnen keine Schwierigkeiten in den Weg legen, und er sei überhaupt gegen jede Zwangsassimilation. Zum Schluß hielt Vaida-Voevod eine längere Ansprache in französischer Sprache an alle versammelten Jounalisten, aus welcher der folgende Abschnitt von Interesse für die Juden ist: Die rumänische Negierung ist bereit, allen Minoritäten vollste Autonomie in ihren eigenen Angelegenheiten zu. gewähren. Die Minoritäten werden eigene Schulen besitzen können und die Negierung wird jeder Minorität Subventionen bewilligen für die Erhaltung der Schulen und religiösen Anstalten. Die Subventionen werden die Minoritäten nach eigenem Gutdünken verwenden können. In krassem Wideöspruch zu diesen Ausführungen steht folgende Meldung: Pogromgefahr in Rumänien. Die rumänische Zeitung „Opium" schreibt: „Man berichtet uns, daß das beklagenswerte System, die jüdischen Reisenden in den Zügen zu mißhandeln, wieder begönnen hat. So wurden in dem Zuge nach Ezernowitz .einige dieser Reifenden übel zugerichtet. Ein Mann, mit einer Mappe unter dem Arm, ging von Wagen zu Wagen und forderte die Passagiere auf, eine Erklärung über die Notwendigkeit der Pogrome zu unterzeichnen. Wir machen die Behörden auf diese Tatsachen aufmerksam, und wir bitten, daß.sie strenge Maßregeln ergreifen, um solch barbarische Handlungen zu unterdrücken, was sehr schnell geschehen muß, damit dieses Beispiel keine Nachahmer findet." Wer geglaubt hat, die Regierung Vaida-Voevod wende eine neue Gesinnung in der rumänischen Haltung gegenüber den Juden einnehmen, befand sich in einem großen Irrtum. Die allgenreine rumänische Kommission für Kriegsentschädigung hat in ihre Bestimmungen einen neuen Artikel 7 eingefügt, der lautet: „Die Juden und alle an>derert Fremden aus Altrumänien, welche im Kriege warenhalben das Recht Nus eine Kriegsentschädigung." Die Abgesandten des Joint Diftribntton Committee im Komitee der Jüdischen Delegationen. Vom Komitee' der Jüdischen " Delegationen wird/ der „I. P. J." mitgeteilt: . Große Begeisterung herrschte am 27. Januar in Hen Räumen des Komitees der Jüdischen Delegationen beim Empfang der Hilfskommissionen des Joint Distribution Committee, welche sich nach Polen, Ukraine und Rumänien begeben. Äie?9 Abgesandten des „Joint" machten sowohl auf das. Komitee der Jüdischen Delegationen als auch auf die anwesenden Gäste durch ihre Energie, durch ihren Mut und ihre Entschlossenheit einen ausgezeichneten Eindruck.; Die Männer, welche nach dem Osten hinausgehen, um dort für die osteuropäischen Juden die amerikanische Hilfsaktion zu organisieren und durchzuführen', redeten dieselbe geistige Sprache wie die Vertreter des Komitees der Jüdischen Delegationen. Es war ein Abend voll ernster Stimmungen und zugleich wahrhaft jüdischer Geistesblitze. Eine Rede nach der anderen war ein Echo der Erlebnisse des Gesamtjudentums und -der einzelnen Teile des jüdischen Volkes' diesseits und jenseits des Ozeans. Die Einleitung dazu gab die glänzende Rede des Vorsitzenden Sokolow, der auf die Heiligkeit der amerikanischen Mission und die Opferwilligkeit der Abgesandten hinwies. Es hielten sodann noch einige andere Herren Ansprachen, die in verschiedenen Variationen und unter großem Beifall der Versammlung den Gedanken zum Ausdruck brachten, daß die Grundlage einer erfolgreichen Hilfstätigkeit einzig und allein in der Leitung der Hilfsaktionen durch die lokalen jüdischen Selbstverwaltungsorganisationen zu suchen sei. Seitens 'der Kommissionen sprachen die Herren' Dr. Bog en, Professor Friedlände r , der Gewerkschaftsführer Pi ne und Dr. Spiwak. Dr. Bogen betonte, daß er selbst auf Grund seiner großen Erfahrungen in Polen auf dorn Standpunkt stehe, Amerika habe für die Auftreibung der Gelder zu sorgen, dagegen seien die Verteilung und die Verwendung der Hilfsgelder einzig und allein von den lokalen Organen durchzuführen. Diese Erklärung von Dr. Bogen rief stürmische Zustimmung seitens der Anwesenden hervor. In sehr warmen Worten schilderten Professor Friedländer und Gewerkschaftsführer Pine ihre Absichten mit Bezug auf die Aktionen in der Ukraine, während. Dr. Spiwak die Wirksamkeit der Kommt sfionsmitglieder in der Heimat darlegte. * Aus London wird unter dem 12. Februar gemeldet: Die erste seit Beginn des Krieges abgehaltene Konferenz des Vollzugsrats der Zionistischen Or g ani s atton wurde heute hier eröffnet. Es waren Vertreter fast aller Länder der Erde zugegen. Dr. W e i z m a n n sagte, die Frage der jüdischen Nationalheimat in Palästina werde wahrscheinlich morgen vor die Londoner Friedenskonferenz kommen; er habe die Versicherung erhalten, daß die Regelung den Ansprüchen der Zionisten Genüge tun werde. - * Registrierung von Gesellschaften in Jerusalem. Das „Board of Trade Journal" meldet: Von, der Verwaltung des besetzten Gebietes in Jerusalem ist eine Verordnung heran sgegeben worden, welche Bestimmungen über die Registrierung von Gelsellschaften und über die Verleihung der Rechtsfähigkeit vor Beginn ihrer Geschäfte enthält. Die Verordnung hat folgenden Text: 1. Eine Handelsgenossenschaft oder Gesellschaft., welche Geschäfte in: besetzten Gebiet (Süd) betreibt, gleichgültig ob mit beschränkter oder unbeschränkter Haftung, ob sie im ottomanischeu Reich: oder außerhalb desselben etabliert ist, soll innerhalb einer Frist von einem Monat nach der Herausgabe dieser Verordnung beim Gerichtshöfe erster Instanz in jenem Distrikt, wo sie -ihren Hauptsitz oder eine Zweigniederlassung hat, registriert werden. Handelsgenossenschaften oder Gesellschaften, welche sich nachher etablieren uüd Geschäfte im besetzten Gebiet (Süd) betreiben, sollen innerhalb einer Frist von einem Monat, vom Zeitpunkt ihrer Gründung an gerechnet, in das Register eingetragen sein. ' 2. Eine Gesellschaft, welche registriert werden will, hat beim Präsidenten des Gerichtshofes erster Jnstanz eine von den Teilhabern unterfertigte Erklärung einzureichen, welche enthalten muß: den vollen Namen, Beschreibung des Gesellschaftszweckes und Sitz dev: Teilhaber sowie ded Anteilfcheininhaber m. b. H. oder .der stillen Gesellschafter

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