Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1920)
- Date
- 1920-02-13
- Page
- Seite 82 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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82 solchem Kiddusch ha schein nicht gezeigt hat, höre darum noch nicht auf, Jude zu sein, weil er gezwungenerweise sich vergangen hat. Im übrigen sei die Bekenntmsformel des Islam kein Götzendienst. Maimuni und sein Bruder leben im Sinne von Psalm 133. Maimuni schreibt: NL2 2V1' TPH ’JKI ]mn XLN: nvt Sin und nach acht Jahren, so oft er dessen Bücher oder Briefe sieht, neuert sich, wie Maimuni schreibt, sein Schmerz. Der arabische Mischnakommentar Sirag Leuchte. Islam und Karäer sollten sehen, daß auch die mündliche Lehre mit der Vernunft übereinstimme. Sein Sinn für Ordnung und System in den lichtvollen Einleitungen zu den einzelnen Traktaten. Sein Liebe zu den Wissenschaften ließ ihn ausführlich bei physikalischen, astronomischen und philosophischen Partien verweilen, um zu erhärten, daß auch die Weisen der Mischna Wissensfreunde gewesen sind. Besonders aber stellt er ihre kernige Sittenlehre Abot ins Licht und zeigt in seiner Einleitung zu dichem Traktat, wie die Sittenlehre die Arzneiwissenschast der Seele sei. Jede Tugend, lehrt er mit Aristoteles, ist ein Mittleres zwischen zwei Extremen. Menschenadel bestehe im Gebrauche der Willensfreiheit nach Göttes Willen. Schon in seinem Mischnakommentar vertritt er den Standpunkt, man müsse nicht nur das Rechte tun, sondern auch das Rechte glauben; bisher hatte das Judentum keine Dogmatik. Der Einfluß des Christentums mit seinen Dogmen und der Philosophie mit ihren Lehrsätzen wie die Neigung der mohammedanischen Theologie zu dogmatischer Fixierung werden hier wirksam. Daneben zwang die Willkür der Jrrlehrer zu dogmatischer Feststellung der Glaubenslehren. Seine 13 Glaubensartikel drangen nicht durch. Die Gedanken frech eit blieb gewahrt. Als allgemeines Glaubensbewußtsein im Judentum: Gott gab uns die Lehre der Wahrheit, wie in der Thoraberacha es ausgesprochen. 8. III. Darbietung: Oberrabbiner zu Kairo, im Kampfe zwischen Rabbiner und Karäer gemahnt er zur Duldsamkeit, stellt Synagogenmißbräuche ab. Der Geist des Gesetzes geht ihm über den Buchstaben. Dabei streng gesetzestreu gibt er in seiner Mi sch ne Thora ein System des ganzen rabbinischen Gesetzes, und in seinem More Nebuchim zeigt er die Harmonie zwischen Judentum und Philosophie. Daneben gesuchter Arzt, Leibarzt des Sultans. 1204 starb er, fast 70jährig. Sein Sohn Abraham Nagid und Leibarzt. Der Nagid wurde bis ins 15. Jahrhundert in seinem Hause erblich. IV. Vertiefung: Bei der leisen Tephilla Plauderei. Darum sofortige laute Rezitation durch den Kantor angeordnet, gegen die talmudische Vorschrift. Der Zweck der Andacht stand ihm höher als die äußere Satzung. Der Grund, daß Maimuni einen systematischen Gesetzeskodex schuf: 1. persönliche Veranlagung — systematisch organisierter Kopf, 2. die Verfolgungen drängten zur Abfassung eines leicht lesbaren Kompendiums: „die Leiden wuchsen, die Geisteskraft schwand." Nachteile des Jad. Chas. od Mischne Thora für die freie Entwicklung des Judentums: 1. Maimuni gab nicht die Quellen an, so daß die freie kritikvolle Forschung gefährdet war; 2. was im Talmud persönliche Meinung war, die in lebendiger Debatte geäußert wurde, ist bei Maimuni starres Gesetz. Im More wird dem Judentum zugunsten Aristoteles oft Gewalt angetan. Wie anders hat Juda Halewi das Judentum aus sich erklärt. Doch im einzelnen manches Wertvolle. Opfer: Konzession an den Heidensinn. Speisegesetze: Mittel zur Zügelung der Begierden. Vorbedingung der Prophetie: Sittlichkeit (Spitze gegen den Islam, Mohammeds sittliche Schwächen!). Das Werk arabisch, dann hebräisch und lateinisch (Rabb. Moyses bei Albert. Magnus!), lieber seine angestrengte Tätigkeit ist der bekannte Brief vorzulesen. Auf sein Grab in Tiberias schrieb die Liebe Mose, der Engel und der Haß Mose, der Ketzer. Endurteil der Geschichte: reiner, edler Mensch, genialer Systematiker. Seine Auffassung des Judentums für uns unannehmbar, es fehlt ihm wie dem ganzen Mittelalter (ja noch Mendelssohn!) der Sinn für das geschichtliche Werden. V. Zusammenfassung: 1. Hat Luzatto recht, daß Maimuni ein jüdischer Hellenist ist? Nur insofern, als er der griechisch-aristotelischen Philosophie das Judentum angleicht. 2. Wie hat Maimuni seine Glaubenst?eue bekundet? a) Durch sein Leiden, b) durch sein Leben, c) durch seine Lehren. 3. Wie ist der Versuch, das Judentum dogmatisch festzulegen, zu beurteilen? Dogma im Judentum ist nur das in den üblichen Thorabenediktionen Ausgesprochene! Ein Gott, der Israel zu seinem Priestervolk für die Menschheit erkoren. VI. Anwendung: Im Siddur die 13 Artikel besprechen! 1. Inwiefern kann Maimuni einem modernen Juden Vorbild sein? (Glaubenstreue — Zeitbildung!) 2. Inwiefern ist Maimunis Auffassung der sittlichen Voraussetzung der Prophetie ein Protest gegen verstiegenen Geniekult? (Verlangt strenge Selbstzucht, Genie kein Freibrief für alle Laster.) 3. Maimuni und Juda Halewi, worin gleichen sie und worin unterscheiden sie sich? (In ihrer philosophischen Durchdringung des Judentums, aber Juda Halewi erklärt es aus sich, während Maimuni Zugeständnisse an Aristoteles macht.) 4. Maimuni und Mendelssohn ein Vergleich! 5. Maimuni ein Bild des Fleißes! 6. Maimuni als Denker, als Rabbiner, als Arzt. 7. In welchem Sinne nur kann man auf Maimuni Schillers Wort anwenden: Von der Parteien Haß und Gunst verworren Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte? (Fortsetzung solgt.) Drniamins Liebeslied. (32. Forts.) Roman von L a m u e l M e i sei s. ber seine Jugend rang mit dem Tode und gewann ihm mühsam, wie einem Geizhals Heller und Pfennige, Minuten und Sekunden und Tage ab. In demselben Zimmer, in dem er sich einst dem Leben und den reinen Freuden des Lebens verschrieben hatte, lag er jetzt auf den Tod verwundet danieder, und dieselbe Sara-Lea, die ihm einst die strahlenden Herrlichkeiten des Lebens gezeigt, die ihn in eine Welt hatte blicken lassen, von der in den staubigen dicken Folianten! nichts geschrieben stand — dieselbe Sara-Lea bemühte sich jetzt um ihn mit allem Eifer einer pflichtbewußten Schiwester, und sie war so ernst, so still und ernst, als hätte sie die sorglose Heiterkeit des Lebens nie gekannt.