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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-06 · Heft 6 (6.2.1920) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 6 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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.yii'iimtten der jüdischen Flüchtlinge toirten ztt wollen, verband der Ostjuden in Deutschland, Berlin 24, Auguststraße 17. E/D Königsberg i. Pr., 30. Januar. In den Monaten Juli dis Dezember ist Weiler in der Schükerg.rttppe d-esl Jüdischen Jn>gendvereins eifrig gearbeitet tvorden. Es fanden dreistilg Veranstaltungen statt. An den Tiskusisionsabenden (die in den Soutnteruwnaten au spielen) wurden s.olgende V«or träge gehalten: Hertha Vogelstei n : Mohammed und sein Werk. Erwin L i chl t e n - stein: Ter Versöhnungstag. Max N em e n o s f>: Buddhismus. Theo dar Neu mann aus Elbing: Die Religion i:m Altertum und im Judentum. Mar Vogelstein: Religiöses und nationales Judentum. Hans M eher o wist: Religion und Leben. Gerhard Birnbaum: Lilien und 'sein Merk. Hilde Orkowitz; Tie Juden in Spanien. Hans Zolki : Grundlehren des Judentums. I. Monotheismus. Erwin Lichtenstein: Referat über Antisemitismus. Harry I a öl o n o w s k y : Die deutschen Juden int Akittelalter. Fritz E i ch e l b a u nt: Jerttfalettt, Athen, Rom . Rosa Raöinowitz: Jüdische Frauen nach der Emanzipation. In den Monaten Juli und August fanden wöchentliche Wanderungen statt, ebenso für die zweite Schülergruppe. Für diese sind jetzt Zweiwöchige Kurse für Handfertigkeit, , die vor: geeigneten Mitgliedern der ersten Schülergruppe geleitet werden, eingerichtet. Tie Größeren der zweiten Gruppe hören aste 14 Tage leichte, belehrende Borträge. Zu Chanuka war in der zweiten Sch über gritphe eine größere Veranstaltung in der Stadkhalle, in der ersten ein geselliger Abend. Zum Verbandstage der Jugendorganisation „Kanternden" sind ztvei Tlel'eg-ierte nach Berlin gewählt worden und werden demnächst dorthin entsandt werden. Außerdem wurde noch ein Elternabend ein berufen, bei dem über die Tätigkeit der ersten und zweiten Schüler gruppe Bericht erstattet wurde. In den Bibelabenden ist das Bull) Josua gelesen worden. Ter Borstand ist der Neberzeugung, daß die Tätigkeit der Schülergruppe artch int neuen Jahre eben io erfolg re ich sein wird alle bisher. — Kattokütz, 30. Januar. Vor einiger Zeit bat die „Kriegssträberabteilung Oswiecim - Ost", welche angeblich die in der Umgebung von Oswiecim in Wäldern tmd Feldern ruhenden Leichen jüdischer Gefallener sammeln und ans 'dem jüdischen Friedhof Oswiecim bestatten wollte, hierfür um Beihilfen. Ter Bor stand der hiesigen Synagoaengemeinde hat nun auf Erkundigung an zuständiger Stelle aus Oswiecim folgende Auskunft, die als Warnung dienen möge, erhalten: „Tie Israelitische Kriegsgräberaöteilung Oswiecim - Ost existiert nicht, d. h. eine solche Stelle ist von keiner hierzu berufenen Instanz ins Leben gerufen worden. Sie ist insbesondere, wie der Vorstand der hiesigen jüdischen Knltusgemeinde aus Anfrage amtlich inineilte, bei derselben nicht einmal angemeldet, geschweige denn als solche registriert. Bei der Verwaltungsbehörde dürfte man von der Existenz dieser Stelle kaum etwas wissen, da die Notwendigkeit, jüdische Leichen, die in Feldern, Wäldern oder sonstigen rontantichen Lagen seinerzeit beerdigt worden sind, zu exhumieren, für den Bezirk Oslo i ec im, wo int Umkreise von 200 Kilometern keine Schlacht stattgefnnden hat, absolut nicht vorliegt. Von der Israelitischen Kriegsgräberaöteilnng Oswiecim - Ost dürfte nach vielseitigen Erkundigungen für andere jüdische Organisationen nichts mehr vorhanden sein als die betreffende Stampiglie, deren sich die Inhaber, die endlich nach violent Hernmfragen — da man hier von dieser Gräbergeschichte nicht die geringste Kenntnis hat — ausfindig gemacht wurden, zu ihrem Vergttügen und vielleicht aitch Vorteil bedienen. Es ist kein einziger Fall bekannt, daß eine jüdische Leiche exhumiert und nach Oswiecim gebracht worden wärt'." Posen, 30. Januar. Ter „Verein liberaler Inden" hat Herrn Justizrat Tr. K a e m p f e r anläßlich der Verlegung seines Wohnsitzes nach Berlin zum Ehrenmitglied ernannt und ihm folgende Adresse überreicht: „Lehr geehrter Herr Justizrat! Leit tnehr als einent Jahrzehnt sind Sie der Bannerträger des liberalen Jndentnms in Posen. An der Gründung des Vereins liberaler Juden und damit an der Wiederbelebung des religiösen Liberalismus in unserer Gemeinde in hervorragendem Maße beteiligt, haben Sie sich vout Beginn des Bestehens unseres Vereins an mit Ihrem ganzen Können in feinen Dienst gestellt. Mit nie ermüdendem Eifer, mit unbeugsamem Mannesmute und mit nnerschükterlicher Tatkraft, mit Einsetzung Ihrer ungewöhnlichen rednerischen Begabung und Ihres ganzen juristischen Scharfblicks haben Sie gearbeitet und; wenn nötig, gestrittett für die liberale Sache. Als besonders geeignet zur Mitarbeit an der Verwaltung unserer Gemeinde in die Repräsentantenversnmmlung berufen, haben Sie in dieser führend, und fördernd gewirkt im Interesse der Ausgestaltungdes Gemeindelebens im liberalen Sinne, immer dabei zum Ganzen strebend, gerecht gegenüber den Anschauungen und Gefühlen Andersdenkender, das Wohl der Gemeinde als höchstes Ziel vor Augen. Dafür gebührt.Ihnen der Dank unserer Gemeinde; in besonderem Maße aber empfinden die Dankbarkeit wir, die wir aus tmmittelbarer Nähe als Ihre Mitarbeiter Ihr Wirken beobachtet haben, und es drängt uns mtti, da Sie, dem bitteren Zwange der Verhältnisse -folgend, von uns scheiden, dieser Dankbarkeit Ausdruck zu geben. Wir haben daher einstimmig beschlossen. Sie zum E h r e n m i t g l i e de des Vereins liberaler Juden in Posen zu ernennen. Wir bitten Sie, unserem Vereine auch in der neuen Heimat Ihr wohlwollendes Interesse zu bewahren, und wir versprechen Ihnen in der Stunde des Scheidens, daß wir seinen großen Zielen weiterhin i-n> Ihrem Sinne treu bleiben werden. Posen, den 31. Dezember 1919. Der Vorstand des Vereins liberaler Juden in Posen. W. Bromberg, 30. Januar. Der Altwarenhändler Julius Lew in ist'in seinem Kontor von einem Strolche überfallen und bis zur Bewußtlosigkeit gewürgt und dann beraubt worden, worauf der Täter entfloh. Gestohlen wurden eine ganze Anzahl Wertsachen, eine Brieftasche mit Geld, selbst die am Leibe getragene goldene Uhr mit Kette sowie noch aus dem Geldspinde Wertpapiere und Geld. Ter Täter, ein jttnger Bureaugehilfe namens Alexander Pelz von hier, ist infolge der umsichtigen und energischen Tätigkeit der hiesigen Kriminalpolizei in Berlin festgenommen und hierher gebracht worden. Bei ihm wurden bei seiner Durchsuchung gesunden 10 000 Mark bares Geld, die goldene Uhr des Beraubten und mehrere andere Uhren und Ketten und andere Wertsachen. Er legte ein umfassendes Geständnis ab. 11 000 Mark bares Geld und die gestohlenen Wertsachen konnten dem überfallenen Kaufmann Julius Lewin übergeben werden. Der Verbrecher ist Inhaber des Eisernen Kreuzes erster tlnd zweiter Klasse. er. Düsseldorf, 30. Januar. Z it r B e r b reit u n g j ü d i - sehen Wi ssens und zur Festigung der Beziehungen zwischen den Gemeindemitoliedern hat .die hiesige Synagogen gemeinde regelmäßige jüdisch-wissenschaftliche Vorträge eingerichtet, die in der Aula der Louisenschule stattsinden. Die erste Reihe von stchs Vorträgen hält Rabbiner Tr. E s ch e l b a ch e r über „G r u n d l e g ende Idee n d e s I u d e n t u nt s, i h r e n U r s p r u n g u n d i h r e g e g e n - w ä r t i g e Wirk s a nt k e i t". Sein erster Vortrag behandelte die Propheten. In der Zeit etwa von 750 bis 450 v. Ehr. waren diese Männer die geistigen Führer des jüdischen Volkes und die Verkünder seiner Religion. In jener Zeit weltgeschichtlicher Bewegung verdrängten einander im vorderen Asien Assyrer, Babylonier ltnd Perser: Völker standen auf und vergingen. In all dem gewaltigen Wechsel hielten die Propheten unverwandt ihren Blick auf den Ewigen gerichtet, für den sie stärkste Empfänglichkeit besaßen, und in seinem Wanten forderten sie auch von ihrem Volke als die Grundlage seines - dauernden Bestandes Gerechtigkeit gegenüber allen, Hilfe gegenüber den Schwachen. In Gerechtigkeit und in Aufopferung sahen und lehrten sie auch die wahrhafte Religion. ----- Ter nächste Vortrag wird die jüdische Tradition in großen Zügen behandeln. 6. V. Bamberg, 30. Januar. Vor dem Volksgericht Bamberg hatten sich am 23. d. Al. die Gymnasiasten Karl Kolb ans Burghaßlach unb Josef B a uer aus Schweinfurt wegen je eines Vergehens gegen die öffentliche Ordnung nach 8 130 RStGB. zu verantworten. Die beiden Beschuldigten, welche die siebente Klasse des Netten Gymnasiums in Bantberg besuchen, sind überführt und auch geständig, mehrere Male an verschiedenen Häusern mit Kreide die Worte geschrieben zu haben: „Los von Juda". —- Ihre Ueberführnng konnte dttrch einen Zettel geschehen, der von Rabbiner Dr. Eckstein am Schillerplatz gefunden und der Polizei übergeben wurde und auf dem der Name des Mitangeklagten Kolb gestanden hat. Tie Angeklagten wurden vom Unterricht weggeholt und 31t einer Vernehmung auf die Polizei gebracht, wo sie sofort ein offenes Geständnis ablegten. Eine in der Wohnung, der jungen Leute vorgenommene polizeiliche Durchsuchung hatte ein negatives Resultat. Auch in der Verhandlung waren die Angeklagten geständig und führten Übereinstimmend aus, daß sie lediglich ihrer politischen Ueberzeugung Ausdruck verleihen wollten. Während der Ferien 1 hätten sie fleißig die Literatur studiert; auf Grund derselben und ans

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