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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-06 · Heft 6 (6.2.1920) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 6 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 69 (sequence 9)
Language
German
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Vaterland nicht ausgeschlossen. In Bangen und Zuversicht gingen die letzten Wochen seines Lebens 'hin; das Schwerste blieb ihm erspart, er hat die Schmach des Friedens, hat das Aufspr-ießen des Hasses nicht mehr geschaut. „Er bleibe der Nachwelt erhalten! Das Wort, das Goethe in der Trauerfeier brauchte, die er seinem Schiller Plante, „seine schlummerlosen Nächte haben unseren Dag gehellt", darf man auch auf ihn anwenden. Erhellung und Aufklärung war das Streben seiner arbeitsreichen Tage und seiner schlummerlosen Nächte. Und so kann er als rühmliches Beispiel uns und den folgenden Geschlechtern vorgchalten werden." Es sind die Sätze, in die des- Verewigten? Nachruf für den ihm w-esensverwandten Karl Emil Franzos, in die seine Bekenntnisschrift „Die deutsche Literatur und die Juden" ausklingt. Sie gelten unverändert auch von Ludwig Geiger. Wir dürfen von ihm Abschied nehmen mit seinem Worte: „Er bleibe der Nachwelt erhalten!" Bm Propheten Ions dritte Sendung. Eine unglaubliche Erzählung von Dr. Max St eis (Rautznitz). erbittert und vergrämt wegen des Plötzlichen Eingehens seiner Kikajonpflanze hatte sich, wie man weiß, der Prophet Jona einstmals in die weltentrückte Einsamkeit zurückgezogen, als ihn mit einem Male aus dieser seiner beschaulichen Ruhe der höhere Rrls ansstörte, sich bereit zu halten, um neuerdings aller Welt ob ihres schlechten Wandels ins Gewissen zrr reden. Es läßt sich leicht denken, daß unserem Propheten bei solch unerwarteter, neuerlicher Berufung keineswegs behaglich zumute ward und ihm fürs erste, geradeso wie zu Beginn seiner prophetischen Tätigkeit, der aufrührerische Gedanke durch den Sinn fuhr, einfach wieder durch die Flucht sich allen damit verbundenen Unannehmlichkeiten zu entziehen. Aber kaum erwogen, ließ er ein solches Vorhaben auch schon fallen. Nicht zum wenigsten deshalb, weil er ganz und gar nicht wehr in sich das Verlangen verspürte, vielleicht wiederum, wie damals, da er einen solchen Fluchtgedanken voreilig zur Tat hatte werden lassen, mit dem abscheulichen Naß des Meeirwassers in unerquickliche Berührung zu kommen oder gar — wovor er noch größeres Grauen empfand — in das unleugbar etwas allzu enge und stickige Innere eines Walfischmagens oder in das eines ähnlichen, gefräßigen Seeungcheuers hineinzugeraten. — Wohl hätte er sich jetzt auch modernerer Mittel zuir Ausführung seines Fluchtplanes bedienen können, aber niemand wird es unserem Propheten verargen, wenn er, als Mann der alten Zeit, allem Neuartigen kein rechtes Vertrauen entgegenbrachte und sich darum doch lieber, wenn auch schweren Herzens, ins Unvermeidliche zu fügen entschloß. — Nach langer, mühseliger Reise gelangte unser Prophet endlich in eine große Stadt, die ihm zum Schauplatz seiner mensch enerzieherischen Tätigkeit nicht ungeeignet dünkte. Und wie er so voll Mißmut durch die Straßen derselben langsam dahinschritt, es bei sich erwägend, auf welche Weise er jetzt am besten die ihm lästige Aufgabe in Angriff nehmen könnte, wurde er unversehens durch den Propheten Elia, der bekanntlich auch dort aufzutauchen pflegt, wo es Unglücklichen und Bedrängten beizustehen gilt, aus seinen Gedanken mit der Frage aufgescheucht, welcher Wind denn ihn gerade hierher geführt habe. Ueber das bekümmerte Antlitz unseres Propheten fuhr es wie ein. Schein aufleuchtender Freude, als er so unvermutet den Propheten Elia vor sich stehen sah. „Ah, bist du es wirklich, Elia," rief er aus, „du erscheinst mir wahrhaftig wie ein Retter in der Not und wirst mir gewiß aus meiner Herzensbedrängnis heranshelfen wollen." Und nun fchütteste er allsogleich, ohne eine Gegenfrage abzuwarten, vor jenem sein ganzes beschwertes Herz aus, wie ertrotz aller inneren Unlust und Widerstrebens wiederum dazu gedrängt wurde, moralische Verbesserungsversuche an den Menschen anzustellen, die doch seineir Erfahrung und festen Ueberzeugung nach völlig zweck- und nutzlos wären. Nicht um das Geringste hätten sich die Menschen gebessert, obwohl ihnen schon so häufig der Spiegel' ihres bösen Tuns vorgehalten worden, und jetzt sollte er gleichwohl nochmals hingehen und das unnütze Spiel von neuem beginnen! „Nein, ich mag nicht mehr diese lächerliche Rolle eines Moralpredigers spielen," schloß unser Jona erregt, „ich habe sie übersatt und wäre dir ewig dankbar, wenn du mir behilflich wärest, davon loszukommen, oder noch besser" dies fügte er freilich etwas zögernd hinzu —, „wenn du mir den großen Freundschaftsdienst erweisen wolltest, vielleicht an meiner Statt den mir gewordenen Auftrag durchzuführen." Nicht ohne gewisses Mitgefühl hörte der Prophet Elia solch bewegliche Klage seines Berufsgenossen an, und nachdem er es ihm klar bewiesen, daß Aufträge dieser Art eben unübertragbar und trotz aller Bedenken «und persönlicher Einwände auch durchgeführt werden müßten, meinte er schließlich beschwichtigend, daß sich hier vielleicht doch ein gewisser Mittelweg werde finden lassen: falls er nämlich nicht in milder Form und nur so andeutungsweise die Fehler der Menschen rügen würde, sondern sie bei ihrem rechten Namen nennen, sie in ihrer unverhüllten Nacktheit und Erbärmlichkeit aufzeigen, all' den Heuchlern, Lügnern und Bet-rügern die Maske rücksichtslos vom Gesichte reißen würde — dann werde er sich, geradeso, wie es einstmals ihm widerfahren, als Eiferer und Fanatiker, früher, als er es vermute, ganz und gar unmöglich machen, und hierdurch werde man notgedrungen auch himmlischen Orts ihn seines Prophetenamtes für immer entheben müssen. Einem anderen wäre vielleicht ein derartiger' Ratschlag ganz einleuchtend erschienen, nicht aber unserem Propheten Jona. Allein, ehe er noch seine Zweifel hierüber vorzubringen in der Lage war, schnitt das plötzliche Erscheinen des feurigen Wagens Elias, der diesen auch jetzt wieder, wie schon einst, in unbekannte Fernen entführte, die Möglichkeit jeglichen solchen Versuches ab. Wofür sich unser Jona entschlossen, ist nicht bekanntgeworden. Aber die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß es ihm gelungen, die Sache bis in unsere Zeit hinauszuschieben, wo bekanntlich ein jeder einzelne den Ehrgeiz besitzt, Moralprediger zu sein, und die besondere Mission des Propheten Jona demnach als überflüssig eirschiene. Lur Methodik des Milchen Geschichtsunterrichts. Von Bezirksrcibbinor Dr. Beer mann (Hcilbronn). (1. Fortsetzung.) S a l. G a b i r o l auf der O b e r st u f e der Volksschul e. I. Ziel: Von einem großen jüdischen Dichter, dem Freunde Samuels: II. Vorbereitung: Die gebildeten Juden in Spanien haben von den Arabern viel in Dichtkunst und Weltweisheit gelernt. Samuel Hanaggib ein Beschützer der Dichter, wie früher Chisdai. IH. Darbietung. Gabirol, früh verwaist, schwermütig, „ein Knab von 16 Jahren" ufw. Früh schon Dichter. Sein Freund Jekutiel. Nach dessen Ermordung heimatlos. Sein Trost der Sang in heiliger Sprache. Sein Schmerz über die dem

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