Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-06 · Heft 6 (6.2.1920) · p. Seite 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 6 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229443-3229449--75521-3288033
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

64 willig, muß mcm sagen, daß sie ein gutes Vorbild geben. %m aus solcher @.ntndlage kann ein Staat zu einem gesunden Wiederaufbau gelangen. Wenn man jetzt durch die Straßen -der Stadt geht, lieft man auf den Begrüßungs-Plakaten oft das anheimelnde Wort: „czolem!" Jedoch das hat mit „scholem aleichem" nichts zu tun, sondern bedeutet eher: „Wir grüßen euch in ehrfurchtsvoller Verneigung!" Aber wir wallen die Aehnlichkeit der Worte und den GleickMa-ng gern als eine güte Vorbedeutung dafür an sehen, daß auch fernerhin hier ein friedliches und gutes Verhältnis Mischen Polen und Juden walten möge. * Aus der Schweiz wird gemeldet: Angesichts der in Mittel- und Osteuropa herrschenden Not, der vor allem die Kinder zum Opfer fallen, hat die „Schweizerische Hilfsaktion zur Versorgung jüdischer Kinder aus Wien", die im vergangenen Jahr gegen 1100 Kinder aus Wien und Deutschland zur Erholung in die Schweiz hatte kommen lassen, ihr Programm erweitert. Sie heißt nunmehr „Schweizerische Hilfsaktion für notleidende jüdische Auslandskinder". Auf einer im vorigen Monat in Baden stattgesundenen Konferenz der Schweizerischen Lokalkomitees wurde beschlossen, so schnell wie möglich wieder einen Transport von jüdischen Kindern aus Wien kommen zu lassen. Zu diesem Behüte wurde eine Zentralstelle in Zürich, Falkenstraße 4 geschaffen, welche die nötige Propaganda und Vorarbeiten zu leisten hat. Die Anmeldungen taufen so zahlreich ein, daß man den nächsten Zug mit 500 Kindern im Laufe des Monats Februar erwarten darf. Das Wiedererwachen des ungarischen Judentums. Ein Teil der Personen, die, teils aus Furcht vor dem Bolschewismus, teils aus Furcht vor der Reaktion, aus dem Judentum ansgetreten sind, lassen sich wieder in die Listen der jüdischen Gemeinde aufnehmen. Die Vertreter der freien Berufe im ungarischen Judentum, die den allergrößten Teil der geistigen Arbeiten im Zeitungswesen und der wissenschaftlichen Forschung Ungarns geleistet haben, hoffen die Heranwachsende Jugend dadurch schützen zu können, daß eine eigene jüdische Universität und technische Hochschule gegründet wird. Es> ist bereits eine Art jüdisch--medizinisch-naturw!ssenfchaftliche Akademie geschaffen worden. Auch wird das jüdische Spital der Budapester Kultusgemeinde als Forschungszentrum ausgestaltet. Selbst jüdische assimilatorische Politiker Sekunden warmes Interesse für diese Pläne. In versöhnlicher Weise schreibt Ministerialrat Persian, ein betannter katholischer Publizist, der unter Karolpi Regierungskommissar für katholisch-kirchliche Angelegenheiten war und zurzeit Präsident des Christlichen Verbandes ist, über die Schulfrage. Er schüttelt den ungarischen Antisemitenbund ab und stellt den Kampf gegen den Einfluß des Judentums! so dar, als ob er sich nur gegen die eingewanderten galizischen und russischen Juden richte. * Uftwine. Die russische Zeitung „Priafowfikh Kraj" enthält einen Bericht von Dr. Lander, einem Mitgliede des vom russischen Roten Kreuze organisierten Hilfskomitees für die pogromierten Juden. Dr. Lander, der direkt von Kiew nach Rostow gekommen ist, schildert die Lage in den schwärzesten Farben. Der schrecklich kalte Winter ist in seinen Wirklingen mn so furchtbarer, als hunderttaufende Juden nicht nur hungrig, sondern absolut nackt herumirren. Die halbzerstörten jüdischen Häuser, Ueberbleibfel der Pogromwelle, wurden letztens von merkwürdig mysteriösen Bränden heimgesuchtr Wo früher in der Ukraine jüdische Städte und Städtchen blühten, herrscht jetzt eine Wüste. Kälte, Hunger und Epidemien vollenden die früheren Taten der Pogromisten. Bloß für Nahrungsmittel und Medikamente benötige man 150 AMillionen Rubel wöchentlich. Es gebe wenig große Städte, die von Pogromen unberührt geblieben sind, so Charkow und Rostow a. Don. Der Kampf gegen die Sonntagsruhe in Polen. Der Kampf der jüdischen Bevölkerung iit Polen gegen das unlängst vom Ssejm.angenommene Sonntagsruhegesetz will nicht zur Ruhe kommen. Fortwährend bilden sich iit verschiedenen Kreisen Deputationen, die an die Behörden mit Eingaben gegen das Gesetz herantreten-. So hat sich z. B. eine Delegation aus den jüdischen Ssejmabgeordneten zu diesem Zweck gebildet. Ferner hat sich eine Delegation von Rabbinern mit dem Rabbiner Perlmutter an der Spitze zum Premierminister mit der Bitte um Atschassung des genannten Gesetzes begeben. Ter Premierminister hat der Abordnung erklärt, daß er durch den Beschluß des Ssejm gebunden ist, gab aber die Versicherung ab, alle Mittel zur Linderung des Gesetzes bei seiner Ausführung anzuwenden. Während die Rabbiner noch beim Premierminister weilten, kam bereits eine andere Delegation, nämlich die Abordnung der Kausleute, deren Empfang daher verschoben werden mußte. Es ist natürlich nicht zu erwarten, daß das Gesetz als Ganzes abgefchasft werden wird; höchstens sind gewisse Erleichterungen bei der Ausführung möglich!. - K. f- <1. 0. # Aus London wird gemeldet: Auf der letzten Versammlung des „6oarä of Deputies“ in London, die mit Lord Rothschild als Vorsitzendem abgehalten worben ist, hat Dr. Teichus dagegen protestiert, daß die englischen Juden sich -indifferent gegenüber den Judenpogromen in der Ukraine verhalten. Lucien Wolf hat darauf erwidert, daß jüdifcherseits alles, was man nur konnte, getan wurde, die englische Regierung jedoch sich weigerte, nach der Ukraine wegen der dort herrschenden Unordnung eine jüdische Kommission zu entsenden. Dann ersuchte man «die englische Regierung um Ernennung einer englischen Untersuchungskommisston, was zugesagt wurde. Rabbiner Prof. Dr. S. Salfeld und Frau (Mainz) begingen am 18. Januar das Fest der goldenen Hochzeit. Siehe im „Gemeindeboten'* der vorigen Nummer den Bericht aus Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.