Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1920)
- Date
- 1920-01-30
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 - Sabbat alles ruhen soll, der Herr und der Knecht, der Fremdling und sogap das Vieh, ist grundsätzlich der Unterschied zwischen« Herr undKnecht ausgehoben. . Mit dem Sabbatjahr waren zwei bemerkenswerte Einrichtungen , verknüpft:1., die Freilassung. der israioli tischen .Knechte,. ,s %■ die UngMig^rt^rklärung -aller Schulden-.. Jm. Jaheljahr Wrde Freiheit -verkündet für alle Knechte und alles Land, das in vorhergehenden Jahren in fremde Hände gekommen war/ Diese Bestimmung hatte zwei Folgen: 1. wurde dadurch verhindert, daß eine starke Anhäufung, von Grund und Boden stattfand. Ein Großagrariertum war dadurch unmöglich. 2. wurde eine völlige Verarmung verhindert. Wohl hat es auch einzelne arme Familien gegeben. Aber ein Massenproletariat hat es zur Zeit der nationalen Selbständigkeit nie gegeben. Es gab auch im alten Israel keine Bettler, da für Heruntergekommene gesetzlich gesorgt war. Was hat uns nun die soziale Gesetzgebung heute noch zu sagen? Natürlich sind die einzelnen Gesetze nicht ohne weiteres aus unsere heutigen Verhältnisse zu übertragen, denn der Staat, in dem wir heute leben, ist ein viel komplizierteres Gebilde als der Patriarchalische des alten Israels. Wenn es aber in unserer Kulturwelt besser werden soll, dann müssen die Prinzipien der sozialen Gesetzgebung der Bibel noch heute völlige Gültigkeit haben; denn was diese, außer ihrer Würdigung der menschlichen Persönlichkeit, anstrebt, ist der soziale Friede, die soziale Gerechtigkeit. - ne. Breslau, 23. Januar. In der letzten Sitzung der Repräsentanten -am 18. d. M. gelangte zur Mitteilung, daß die | Repräsentantenwahl Sonntag, 7. März, von 9 bis 2 Uhr im Saale der Gesellschaft der Freunde stattfindet; die Auslegung der Wählerlisten erfolgt vom 4. bis 18. Februar, die Einreichung der Wahlvorschläge bis spätestens 15. Februar. Die Kosten der Mazzothbeschaffung für 1919 wurden mit 9225 Mark genehmigt und dem Bezirksgemeindeverband Breslau-Liegnitz eine einmalige Beihilfe von 2000 Mark bewilligt. Mit der Wahl des Rabbiners Dr. Josef P r h s in Breslau zum Stistungsrabbmer der Mora, Salomon Leipziger--Beth.amidrasch!-Stist.ung zu Breslau erklärte man sich einverstanden. Zugestimmt wurde den neuen erhöhten Gebührensätzen für die Herstellung und Pflege der Gräber auf den Friedhöfen der Synagogengemeinde zu Breslau mit Gültigkeit vom 1. Oktober 1919. In geheimer Sitzung gelangte die Vorlage des Gemeindevorstandes zur Beratung, betreffend die Gehälter der Rabbiner unter Ablösung ihrer Kasualien. Dabei ist unter anderem mitzuteilen, daß der Gemeindevorstand beschlossen hat, es bei dem früheren Beschlüsse zu belassen, daß den Gemeinderabbinern das Jnspektorai über die Religionsanstalt verbleibt und die beiden Gemeinderäbbiner den Titel „Oberrabbiner", die stellvertretenden Rabbiner den Titel „Rabbiner" führen; in beiden Fällen ist der Zusatz „der Gemeinde Breslau" zulässig. Neu eingetreten in die Versammlung ist als Repräsentant Sanitätsrat Dr. Köbner. Schivelbeirr, 23. Januar. Der Drang nach Freiherr bei unseren, bisher widerrechtlich in französischer Sklaverei zurückgehaltenen Gefangenen ist so, groß, daß drohende schwere Arreststrafen, Versetzung in Straskompagnien, Bajonette und geladene Gewehre dieselben nicht von der häufig unter den schvierigsten Verhältnissen zu bewerkstelligenden Selbstbefreiung abzuhalten vermögen. Hierbei erfüllt die Tatsache mit besonderer Genugtuung, daß Juden bei dieser ausgeprägten Betätigung persönlicher Heldenhaftigkeit mit an erster Stelle stehen. Im Monat September v. I. unternahmen die kriegs'gefangenen Unteroffiziere Sallh und Georg Saul, Söhne des Predigers und Lehrers der Shnagogengemeinde zu Schivelbein in Pommern, von der Kriegsgefangenenkompagnie 509 in Douai aus einen gemeinschaftlichen Fluchtversuch. Während es dem letzteren gelang, in 52 Stunden sein Ziel zu erreichen/ wurde jener aus den Vorbereitungsmaßnahmen ertappt und deswegen mit Arreststrafe belegt. Aber der Erfolg seines Bruders ließ ihn nicht ruhig schlafen. Nach Verbüßung seiner Strafe nach Valenciennes versetzt, suchte, er alsbald das Weite. Vom 13. bis. 16. Dezember v. I. gelang es ihm ebenfalls, das sichere rechte Rhemuferzu gewinnen,'um nach langer schmerzlicher, Trennung;5ie Seinen wicderzusehen. L. Wittert, 23, Januar.. Hier fand, am 18. d,.M, in vollbesetztem ' Gotteshause, die feierliche Einweihung einer Gedenktafel. für unsere auf dem Felde d:r Ehre. gefallenen. Gemeindemitglieder statt. Nach, einem Orgelvorspiel trug. ein. aus Mitgliedern des, Shnagogenchors, nämlich den - Herren Hanf und Ostermann^soivie den Damen Fräulein Martha Ka u f m.a n n und Frau Helene L ö we n st e-im/^ gehitdetes Quartett weihevolle Lieder vor. Die Solovortrage der Frau Helene Löwenstein waren wie immer künstlerisch vollendet und tief ergreifend. Auchdie Weiherede unseres Predigers des Herrn Lehrers Mayer, machte auf die Zuhörer, unter denen sich zahl» reiche Andersgläubige , befanden, ersichtlich tiefen Eindruck. Den^kantoralen Teil der Feier hatte, als Ersatz für den anläßlich eines Vortrages in unserer Gemeinde bestellten, aber wegen Unpäßlichkeit leider verhinderten Oberkantor Davidsohn (Berlin), der erste Kantor der Dortmunder Synagogengemeinde, Herr Rektor Hey mann, übernommen, der sich seiner Aufgabe zur allgemeinen Zusriedmheit .entledigte. S>o verlief diie schöne -Feier würdig und erhebend. er. HUdeshoim, 23. Januar. Die B l u t st e n e r d e r hies i g e n j ü.d i s ch e n G e m e i n d -e im Weltkrieg hat das Mißsalleu der hiesigen Antisemiten erregt. In einer vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus einberufenen Versammlung hielt Pfarrer Bl eher (Charlottenbnrg) mm Vortrag, m dem er daraus hinwies, daß die -hiesige jüdische Gemeinde 662 Mitglieder zählte, davon waren 93 gleich 15 Prozent zum Heeresdienst eingezogen. Bon diesen waren 63 gleich 10 Prozent an der Front, 20 gleich 3 Prozent sind gefallen, 14 gleich 2 Prozent sind verwundet, 8 gleich 1,5 Prozent befinden sich in Gefangenschaft, 2 erhielten das Eiserne Kreuz 2. Klasse und 3 sind zu Offizieren befördert worden. Nach diesen Ausführungen verursachten die anwesenden Antisemiten eine tumultuarische Kundgebung, so daß die Versammlung vorzeitig geschlossen werden mußte. L. Mainz, 23. Januar. Wie bereits mitgeteilt, begingen am Sonntag, den 18. d. M., Herr und Frau Professor Dr. S. Salseld das Fest der goldenen Hochzeit, nachdem am 4. bereits das goldene Doktorjubiläurn des Herrn - Salseld vorausgegangen war. Viele Ehrungen häuften sich bei diesen Gelegenheiten auf das ehrwürdige Haupt des Jubilars sowie der Jubilarin. Am Samstag, den 17. Januar, fand in der Synagoge eine religiöse Feier statt. Unter dem Chorgesang „Gesegnet sei, der da kommt" wurde das Jubelpaar begrüßt und zu ihren mit Girlanden geschmückten Sitzen geleitet. Nach dem Vortrag eines Psalms durch Herrn Kantor London sprach Herr Rabbiner Dr. Levi ein Gebet für das Paar und hielt darauf eine Rede über den Namen Gottes. Anknüpfend an diese formvollendete und tiefeindringliche Rede wandte er sich mit herzlichen Worten an das Jubelpaar, das daraufhin näher trat und mit dem alten Priesterreden „Der Herr segne dich" -eingesegnet wurde. Schon am Freitag und Samstag zeigte sich dre treue Anhänglichkeit der Gemeindemitglieder, die durch Besuche, Blumenspenden und Geschenke aller Art ihrer unentwegten Treue Ausdruck gaben. Ein ganz besonders feierlicher Akt fand am Sonntag nachmittag in der Wohnung des Jubelpaares statt. Die Wohnung konnte die Gäste nicht fassen. Seitens des Vorstandes der Israelitischen Religionsgemeinde begrüßte Herr Kommerzienrat Bernhard Albert Mayer in herzlicher Weise die Jubilare, worauf Herr Dr. Salseld in längerer Rede erwiderte. Herr Rabbiner Dr. Levi, begleitet von den Lehrern und- Gemeindevorständen des Rabbinatsbezirkes Mainz- Oppenheim-. überreichte nach warmherziger Ansprache eine Urkunde über eine reiche Siegmund-und-Zippora-Salseld-Stiftung, die den Zweck hat, die Namen des Jubelpaares dauernd ehrend zu erhalten. Die Zinsen dieser Stiftung, welche den Betrag von 12 000 Mark bereits übersteigt, sollen alljährlich am 18. Januar zur Förderung des jüdischen Religionsunterrichts, des Lehrerstandes oder des geistigen Lebens im Rabbmatsbezirk Mainz-Oppenheim Verwendung, fürden. Vertreter sämtlicher Vereine der Israelitischen Religionsgemeinde gratulierten Persönlich. Von auswärts tauen Glückwunschschreiben von den großen Vereinen der deutschen! Judenheit, des Centralveneins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, des Verbandes der Deutschen, Inden, - des Hilfsvereins, des Gemeindebundes, des Rabbinerverbandes, des -hessischen Lehrer Vereins, der Wormser Gemeinde, der Großloge von Deuitschland, des Mainzer Jonrnalisten- und Schxiftstellervereins. und vieleranderer. * Auch die Nachbargemei'nden Frankfurt ynd Wiesbaden u. a. sandten Glückwünsche. Die Zahl der' Depeschen; und brieflichen Glückwünsche hat bereits die Zahl Tausend überschritten. Die überaus reichlichen Ehrungenlegen beredtes Zeugms ab von der Verehrung, welche sich das Jubelpaar im Verlaufe, von nahezu 40 Jahren allerseits hier erworben hat., Df^ Umversität Tübingen- -bestätigte in einemüberaus herzlichen .Schveihen -..^e-.-Koktorwürde''.- des Jubilars. Herr. Staatsrat