Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1920)
- Date
- 1920-01-30
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Tr. Hermann Coh n aus Dessau sandte ein Glückwunschschreiben, dem wir, nach einer Einleitung über das Leben des jungen Ehepaares Salfeld in Dessau, folgendes entnehmen: „Keiner Ihrer .Amtsnachfolg-er wurde wie Sie Stadtverordneter; die Gemeinde verlor mit Ihnen die Verbindung mit dem öffentlichen, dem geistigen Leben der Stadt, eine Lücke, die sich lange nicht schließen sollte. Denn leider — für uns, zum Glücke für Sie; bald nahm die altberühmte Mainzer Gemeinde Sie aus unserem Kreise, und in .Mainz nahm Ihre Tätigkeit in Praxis und Wissenschaft, als Redner, Seelsorger, Religionslehrer, Historiker, den Aufstieg, der Sie. zu einer, der bewundertsten und populärsten Kanzelgrößen des deutschen Judentums gemacht hat. Unter den Geistesgrößen der alten Dessauer „Ketillah" steht Ihr Name auf eherner Tafel eingegraben, als Ihr Vorsteher danke ich Ihnen für die Treue, die Sie uns jederzeit bewahrt haben. Als Mensch und Freund danke ich Ihnen für all die Anregungen, die ich in Ihrem Hause und bei Ihren Kindern finden durfte, für alle Beweise von Anhänglichkeit und Freundschaft, die Sie und die Ihren mir stets entgegengebracht haben. Gott verleihe Ihnen und Ihrer Gattin noch lange Jahre der Gesundheit, des Glückes und der Ehre im Kreise der lieben Ihren, das ist der meinen und mein innigster Wunsch!" Nicht minder herzlich und ehrenvoll lautet das Schreiben, welches der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde zugehen ließ und in welchem die großen Verdienste aufgezählt werden, welche sich Herr Dr. Salfeld um die Gemeinde erworben hat. Wir schließen uns mit vollem Herzen dem Glückwunsch an, den Hofrat Professor A. Börckel zugleich im Namen seiner Gattin dem Jubelpaare gewidmet hat: „Wohl jeder, der wie wir Euch kennt. Heut „golden" Eure Ehe nennt, Tenn immer fiel in sie hinein Ter Nächstenliebe golpner Schein. Und stiegen manchmal Wolken auf. Gleich schien die goldne Sonne drauf. Und golden war, was Ihr erdacht An edlen Werken und vollbracht. Drum blieb Euch auch der Himmel hold Und wird Euch Lob und Dank gezollt An Eurem goldnen Jubelt-age, Denn „golden" seid Ihr ohne Frage." Von Msh und Fern. — Der. preußische Kultusminister hat dieser Tage eine Verfügung erlassen, wonach die staatilichen höheren Lehranstalten zum April neue Schüler für die Vorschulen nicht mehr annehmen dürfen. Damit ist das Schicksal der Vorschulen besiegelt. Dre Groß-Berliner Gemeinden haben in Erwartung einer derartigen Verordnung fast ausnahmslos schon keine neuen Anmeldungen für die Vorschulen mehr zugelassen. Nachdem nun die endgültige Entscheidung, des Ministers erijoßg-t ist, werden auch die Groß-Berliner Vorschulen abgebaiU't werden. Eharlot-tenburg^ hat bereits .einen« entsprechenden Beschluß gefaßt. — Infolge der in jüngster Zeit entstandenen Berkehrsschwierigkeiten wird die Ostjüdische Konferenz bis auf weiteres verschoben. Der neue Konferenz,termin wird noch bekanntgegeben werden. — Oberkantor Wilhelm Friedmann, der erste Kantor der Synagoge Levetzowstraße, ist durch die anfangs November v. I. erfolgte Verleihung des Verdienstkreuzes für Kriegshitse ausgezeichnet worden. — Aus Posen wird uns berichte fr: Die Kör per schäften der hiesigen Sy naacgengemeinde haben den Rabbiner Tr. G o t t schal k (Könitz) zum Genre inderabbin er für die Synagoge 6 gewählt. Professor Dr. Bloch, der bisher hier amtiert hat, dürfte demnächst in den Ruhestand treten und nach Berlin übersiedeln. Herr A. A b ra h a m, h,ier, beging feinen neunzigsten Geburtstag. Herr Gemeinderabbiner Tr. Fr ei mann überbrachte namens der Gemeinde herzliche Glückwünsche. Der Jubilar machte zwei Feldzüge mir Auszeichnung mit. — In Pinne starb der Kaufmann Paul Becher. Etwa ein Jahrzehnt gehörte der. Dahingeschiedene der jüdischen Gemeindevertretung an. Den Bestrebungen des Vereins der Chewra. K-adischa, zu dessen Vorstand er eine Reihe vyn Jahren gehörte, hat er großes Interesse entigegengebracht. — Vom Vorstand der Synagogengemeinde Liffa i. P. wurde eine Kommission eingesetzt, welche die Vorschläge für eine neue Besoldung der Beamten-machen, sollte. In Kiefer/vertrat-'Wbbiner.Dr^G.e l l.e s warmherzig die Interessen sämtlicher .Gemeindebeamten, schlug Abschaffung der TeuerungsAllagen vor und-dafür Erhöhung des Grundgehalts um das Doppelte »und sogar Dreifache. Die Kommission machte sich diese Vorschläge zu eigen, der Vorstand trat ihnen, einstimmig bei;ü»tiit> erweiterte sie noch aus die Altpensionäre. Auch die Repräsentantenver)s»a.mmlung nahm einstimmig die Vorlage des Vorstandes an, ja fte ging bei einzelnen Beamten noch über die Vorschläge des Vorstandes, hinaus und beschloß auch die rückwirkende Kraft der. neuen. GehalWtabelle. — In Jülich beging Frau Theodora G a p e l l den 100. Geburtstag und in Stommeln Frau Amalie Kappel igeb. Kaufmann den 91. Geburtstag. — Ueber einen Streik - der Minjanmänner wird aus Köln berichtet: Unsere Minjanleute waren in den Streik eingetreten. Der Vorstand glaubte tm Interesse der Kaddischsprechenden auch der neuen Fordernulg, Nachkommen» zu sollen. und d-i>e Gebühren für die Minjanleute wiederum zu erhöhen. — Der „Badische Beobachter" (Karlsruhe) vorn 20. d. M. berichtet aus Nonnenweiher (Amt Lahr): Der Heimatsort des» gefallenen Sozialisten Frank hat ein Gendarmeriekommando erhalten, weil dort schon 'einige Male gegen, die Juden mit Maschinengewehr und ° Handgranaten gezielt wurde. Die Neujahrsnacht haben -die Israelitenin den Kellern verbracht. — Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein in Mos»- bach wurde zum Konserenzrabbiner und Mitglied, des Badischen Oberrats der Israeliten ernannt. — Aus Laupheim wird uns ge schrieben: Die Z in sen der Fanny -Stei n er-Stistung in Höhe von 120 Mark, welche als Beisteuer zur beruflichen -Ausbildung junger jüdischer Leute aus Württemberg dienen, wurden »in diesem. Jahre einem sich dem Postsache widmenden Mädchen» zu gewiesen. Die Vertei'lung erfolgt jeweils am- Gebnritsta.ge der Sttsterin. — In Winzenheim starb eine -der -ältesten Personen des: Oberelfaß, nämlich bie 99jährige Witwe Jakob Bloch, die. ms zu ihrem Lebensende geistig und körperlich rüstigwar. — Oberrabbiner Dr. Chajes aus Wien weilt im Haag, um eine Hilfsaktion zur Beschaffung von Mazzoth für die jüdische Bevölkerung Wiens einzuleiten. Die holländische Regierung hat die Genehmigung zur Ausfuhr erteilt, so daß die Hauptschw-ierigkett in >der gewaltigen Differenz zwischen der holländischen und dev österreichischen Valuta liegt. — Oberrabbiner Wilhelm Re i ch in Baden begeht am 3. Februar sein 40jähriges Amtsjubiläum. — Am 16. Dezember feierte der frühere Gemeinderat und Ehrenpräsident der Oesterreichisch-israelitischen Union, Siegmund Mayer in Wien, seinen 89. Geburtstag. Von den Schriften Mayers liegt das Buch „Die Wiener Juden" in zweiter Auflage vor; von dem Werke „Ein jüdischer Kaufmann" wird jetzt die dritte Auflage vorbereitet. — Der bekannte Philanthrop Baron Manfred Weiß hat dem Verbände der ungarischjüdischen Hochschüler in Budapest, der trotz seines kurzen Bestandes bereits eine höchst segensreiche Tätigkeit entfaltet, eine Spende von 20 000 Kronen Angewiesen. — Aus Warschau wird berichtet: Demnächst wird ein schaurig-interessantes Buch erscheinen: „Pogrome". In dem Buche, das in jüdischer Sprache geschrieben wird, sollen all die Qualen geschildert werden, welche das jüdische Volk während der Kriegsjahre in Rußland, Polen und Galizien erlitten hat. Das Werk, an dem die bekanntesten jüdischen Publizisten und Gelehrten des alü.n Rußlands mitarbeiteten, wird außer belletristischen Aufsätzen auch viel wichtiges authentisches statistisches Material enthalten. — Die hebräische Realschule in Haifa macht erfreuliche Fortschritte. Aus Raummangel war man gezwungen, einige Klassen im Volkshause einzurichten. Der Schulleiter Herr Dr. Biram ist bestrebt, das Lehrprogramm dahin zu erweitern, daß auch der Unterricht in der Landwirtschaft an der Realschule erteilt wird. — Die Kanalifationsarbeiten in Jerusalem schreiten gut fort. Der Unternehmer, Herr B o n d h, der nach Aegypten gereist war zwecks Anschaffung von Röhren, Arbeitsgeräten und Baumaterialien, ist zurückgekehrt und hat die unterbrochenen Arbeiten wieder ausgenommen. Zurzeit werden 25 Juden beschäftigt; demnächst soll ihre Zahl auf 100 steigen. Die Arbeiter verdienen durchschnittlich fünf Francs pro Meter. — Eine Gruppe jüdischer Politiker in Amerika mit Jakob Schiff an der Spitze hat dem amerikanischen Außenministerium ein Memorandum vorgelegt, in welchem, sie vorschlägt, daß das neue Jmmigrationsverbot sich aus die Familien der Pogromopfer in der Ukraine und in anderen. Ländern nicht beziehen soll. Einige führende Kongreßmitglieder versprachen, diesen Vorschlag zu unterstützen. Verantwortlicher Redakteur: A l b e.ct ß a tz in Berlin-Pankows Florastratze 58. ' Verantwortlich fürden Anzeigenteil: M a x /Z U n g e,. Berlrn-Friedeuau. Druck und Verlag von Rudolf Moste.