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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-30 · Heft 5 (30.1.1920) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 5 (30.1.1920)
Date
1920-01-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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thal. Herr Sanitätsrat S te i n t h a I stellt den Antvag, mit der Vertretung der Beamten zu beraten, wie es möglich ist, das Beamtenheer zu verringern und nur brauchbare Beamte mit auskömmlichem Gehalt anzustellen. — Für Anschaffung von.Gebetbüchern soll in Zukunft ein neuer Modus eingeführt werden. Auch sollen zur Festsetzung des Tarifs der Plätze die Vorsteher aller Synagogen zu Rate gezogen werden. EXV Berlin, 27. Januar.. Der Ausgang des Krieges hat das Hilfskomitee für Palästina (früher „Zenstralhilfskom itee") vor neue, bedeutende Aufgaben gestellt. Die verstärkte Notlage der' Juden in Osteuropa macht ein großzügiges Rettungswerk unerläßlich Gleich zeitig aber schafft der Umschwung der politischen Verhältnisse in Palästina die Möglichkeit einer ausgedehnten jüdischen Siedlung. Im Frühjahr 1919 schritt daher das Komitee an eine Neuorganifierung, die seine Leistungsfähigkeit bedeutend erhöhen sollte. Etwa vierzig der nanchaftesten Persönlichkeiten der Jüdischen Gemeinde Berlins traten nun dem Komitee bei! und Unterzeichneten seinen Aufruf. Ebenso schlossen sich ihm in etwa neunzig größeren Gemeinden Deutschlands die führenden Glaubensgenossen an. Ferner wurde ein R a b b i n e r a u s s ch u ß ins Lebengerufen., -der zum erstenmal die Vertreter aller religiösen R ich t unge n iw Rahmen einer gemeinsamen, planmäßigen Werbetätigkeit für das Palästina- Werk vereinigte. Gleichzeitig wurde ein Ausschuß von Vertrau e n s m ä n n e r n gebildet, der die Tätigkeit des Rabbinerausschusses aufs wirksamste unterstützte. Insbesondere gelegentlich der hohen Festtage fanden fast in sämtlichen jüdischen Gemeinden Deutschlands Sammlungen für das Werk des Hilfskomitees statt. Das Ergebnis dieser Sammeltätigkeit war ein recht erfreuliches. Es flössen im Laufe von wenigen Monaten über 130 000' Mark ein. Obwohl die Sammlungen des Komitees als dauernde gedacht sind, so daß mit der Zeit ein größerer Fonds aufgebracht werden dürfte/wird ein Teil der gesammelten Gelder ohne Aufschub zur Ver wendu n g gelangen. Hierbei wird die deutsche Mark unabhängig von dem niedrigen Valutastande bestmöglichst verwertet werden. Es werden in Deutschland Geräte, Maschinen und sonstiges Material für jüdische Bauern und Handwerker in Palästina erworben, ebenso die Ausstattung, von Herbergen für jüdische Einwanderer. Ein anderer Betrag wurde für die berufliche Vorbildung organisierter Gruppen jun ger Au sw a n der-er in Deutschland und Polen bestimmt. Auch bei dem Ausbau von Kolonien wird sich das Komitee durch Gewährung von Darlehen beteiligen. Zunächst wird der durch die „A l l g-e m e i n e jüdische Kolonisativnsorgan i s a t i o n" gemeinsam mit einer B i a l h st o k e r Gruppe gegründeten Kolonie „K i r i a t h M o s ch e", ein verzinslicher Vorschuß gewährt. Das „Hilfskomitee für Palästina" umfaßt Mitglieder sämtlicher Parteien und steht auf einem streng neutralen Boden. Seine Tätigikeit ist ausschließlich der humanitär-wirtschaftlichen Förderung des Kolonisationswerkes gewidmet. Zwecks Vermeidung von irrigen Verrechnungen und lieber- , Weisungen ist es wichtig sestzustellen, daß das parteilose „Hilfskomitee" mit dem „Hilfskomitee für Palästina" nicht identisch ist. Im neuen Jahre setzt das Hilfskomitee seine Werbetätigkeit mit Hilfe von Sammellisten und Werbeblocks auf erweiterter Grundlage fort. Gelegentlich des Pe ss a ch fe sie s wird in ganz Deutschland eine Werbeaktion größeren Umfanges vo r genommen werden. Vorbereitungen hierfür sind bereits getroffen. In der nächsten Zeit dürfte das Hilfskomitee zu einer fest organisierten Vereinigung umgestaltet werden, um so mehr, als es bereits zahlreiche Mitglieder in ganz Deutschland besitzt. Gegenwärtig ruht bk Leitung in den Händen der Herren Kommerzienrat Gerson Simon (Präsident), Dr. Alfred Nossig (Geschäftsführender Ausschuß), Alois A. F. Marcus (Schatzmeister), Rabbiner Dr. B a e ck und Dr. Meier Hildesheimer (Vertreter des Rabbinerausschusses). Der Leitung steht ein Arbeitsausschuß und der Ausschu ß der Vertrauensmänner zur Seite. Sämtliche Zuschriften sind an das Bureau des „Hilfskomitees für : Palästina", Borlin-Halensee, Kurfürstendamm 150, zu. richten, Geldüberweisungen an das Bankhaus Veit, Selberg u. Cie., Berlin W 8, Französische Straße 49, Postscheckkonto Nr. 4396. 22 Berlin, 27. Januar. Die Bewerbung um die Preise der Moritz-Manheimer-Stiftung -der Grotzloge für Deutschland VIII N. O. U. B. hat folgendes Resultat ergeben: 1. Preis Herr Dr. Walter ' Brinitzer (Chemnitz i. Sa.), 2. Preis Herr Referendar Dr. Erwin S e l i g m a n n (Frankfurt a. M.), 3. Preis Herr Rechtsanwalt Dr. Wiener (Thorn), 4. Preis Herr 8tuck. rßr. pol. Hans Felitz Zeck (Köln-Lindenthal). Außer den vorgeschriebenen Preisen wurden' einer Auszeichnung ftlr wert befunden und mit Preisen bedacht' die Arbeiten der Herren Adolf Mhräu (Hamburg), Generälöberarzt a. D. Otto Philipp N e u m a n n (Elberfeld), sMä. jur. Ludwig Frank (Nürnberg). E. M. Berlin, 27. Januar. Rabbiner Dr. B. K ö n i g s b e r g e r begeht am 1. Februar sein 26jähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar empfing seine jüdische Ausbildung an der Jeschiba Dr. Auerbachs in Halberstadt und im Berliner Rabbinerseminar. 1895 übernahm er das Bezirksrabbinat in P a se.w a l k, von wo er 1898 nach Plescheu berufen wurde. Nach 14jähriger segensreicher Tätigkeit folgte er 1912 einer Berufung des Berliner Synagogenvereins Aha was Scho l au m, um in der Großstadt' einen ausgedehnten Wirkungskreis zufinden. Schon früh wandte sich K ö n i g s b e r g e r fleißiger, wissenschaftlicher Forschung zu. Im Alter von 23 Jahren begründete er die „Monatsblätter für Vergangenheit und Gegenwart des Judentums" (1890). Bald daraus erschienen das erste Heft seiner „Quellen der Halacha" (der halachische Midrasch) und seine an originellen Resultaten reiche Schrift „Aus Mafsora.und Talmudkritik". Von seinen anderen Werken feien, genannt: „Fremdsprachliche Glossen jüdischer Kommentatoren-des Mittelalters" .(Heft 1: Gerschom b. Jehuda), „Hiobstudien", der hebräisch kommentierte „Midrasch Sifre suter", „Monographie des R. Jsmael b. Rabbi Jose". Zahlreiche jüdische und nichtjüdische Zeitschriften wie „Rahmers Literaturblatt", die Monatsschrift „Jüdische Presse", der „Israelit", die „Allgemeine Zeitung des Judentums", „Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie" u. a. enthalten! beachtenswerte Artikel aus Königsbergers Feder. Auch auf belletristischem Gebiete, u. a. durch die Uebersetzung des großen französischen Romans „Das neue Jerusalem" von Guh-Valvor, bewährte sich der Jubilar. Eine neue Psalmenübersetzung und eine erstmalige Uebersetzung des jerusalemischen Talmuds (Traktat Berachot) harren der Drucklegung. Die Schilderung der wissenschaftlichen. Betätigung gibt jedoch nur einen kleinen. Ausschnitt aus dein Leben des immer rege gebliebenen Gelehrten. Zur ganzen Charakteristik gehört seine Würdigung als Rabbiner, als Lehrer des Gotteswortes, als Seelsorger und als Lehr>er der Jungend. Mögen dem um das Judentum und seine Wissenschaft verdienten Jubilar noch viele Jahre segensreichen- Wirkens und Schaffens vergönnt sein! E. L. Berlin, 27. Januar. Am Mittwoch, den 21. d. M., sprach im Jüdisch-liberalen Jugendverein Herr Rabbiner Dr. Blumenthal über das Thema: „Die soziale Gesetzgebung der Bibel". Der Herr Redner führte ungefähr folgendes aus: Genau so wie man ein Kunstwerk erst dann richtig sieht, wenn man einen richtigen Standort hat, so kann man auch die Bibel erst in ihrem wahren Wert schätzen, wenn man sie von der richtigen Seite betrachtet und ohne Vorurteil an sie herangeht. Denn unsere Bibel ist ein Kunstwerk allererstes Ranges. Nicht nur die Bibel als ganzes Werk, sondern auch in ihren einzelnen Partien, zu denen die soziale Gesetzgebung als eine der wichtigsten zu zählen ist. Gerade diesem Teil der Bibel aber ist viel Unrecht geschehen, einmal von denen, die sich keine Mühe geben, die Bibel zu verstehen, und dann von denen, die von einem falschen Standpunkt urteilen. Und falsch ist jeder ungeschichtliche Standpunkt, denn die Bibel ist ein Buch aus grauer Vorzeit und ist in einem Lande entstanden, in dem andere Verhältnisse als bei uns herrschten. Die eigentl'ichen geschichtlichen Grundlagen beschränken sich im wesentlichen auf drei Momente. Das erste Moment ist, daß die Israeliten auch in Aegypten, also zu einer Zeit der körperlichen und seelischen Knechtschaft, doch die Erinnerung an ihre Stammväter bewahrt haben. Das zweite Moment ist die Befreiung aus Aegypten. Daß . dies wirklich ein geschichtliches Moment ist, beweisen die zahlreichen Stellen der Bibel, die aus diese Tatsache anspielen, wie z. B. das erste Gebot, die Begründung des vie-rten Gebots im Deuteronomium oder der Hinweis auf die Zeit der Knechtschaft, wenn es geboten wird, auch dem Fremdling 'gegenüber das Recht der Persönlichkeit nicht zu verletzen. Das dritte geschichtliche Moment ist die Bundesschließung am Sinai, besonders die Worte, die der Verkündigung unmittelbar vorausgehen: Ihr sollt mir fein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk. Dieses Wort erklärt alles, was wir Großes in der sozialen Gesetzgebung finden. Dann ging der Herr Redner aus einzelne prinzipielle Gesetze ein und nannte besonders den Sabbat, das Sabbatjahr und das Job-eljähr. Mit der Bestimmung, daß am

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