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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-30 · Heft 5 (30.1.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 5 (30.1.1920)
Date
1920-01-30
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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54. Jahrgang. Nr. 5 > Berlin, 30. Januar 1920 Beilage zur „Allgemeinen Leitung de^ Judentums". . :■■■"..... -.. ' — ' - ■ - •' _ korrefpondknsm und Machrichten. SrutWand. L. BsrNn, 25. Januar. Die Heutige Sitzung der RepräfentaNtenversammlungl, die erste irrt neuen bürgerlich!en Jahre, eröffnete Herr Geheimrat Dr. Georg Minden mit folgender bemerkenswerter Ansprache: „Da wir heute die «erste Sitzung im neuen bürgerlichen Jahre, »das auch zugleich das Geschäftsjahr unserer Versammlung, ist, abhalte-n, so -begrüße ich Sie in demselben Sinne und wünsche, daß. unsere Geschäfte hier ersprießliche seien. Wir haben jetzt nach , Kriegsjahren endlich F r i>e de n. Freilich ist er von der Art, daß man ein starkes Gattvertrauen haben muß, um nicht ganz zu verzweifeln. Unserem armen Vaterlande sind von den siegreichen Feinden, so grausame Bedingungen auserlegt, daß ihm keine moralischen und keine materiellen Nachteile, erspart worden sind. Und das deutsche Volk ist so gedemütigt, daß es . geneigt ist, alle Schuld und allen Fehl an dem Unglück,', welches die Welt betroffen, auf sich selbst zu« nehmen. Dies erscheint, mir ungerechtfertigt, weil es der Wahrheit widerspricht. Wir Deutsche haben Haben freilich unsere Fehler, wie alle Menschen und alle Völker. Wer es ist unrichtig, daß wir bösere Menschen sind als die Angehörigen der anderen Nationalitäten. Und — was recht schlimm ist — diese Zerknirschung ist nicht Buße im religiösen Sinne, wie sie am erhabensten in dem Grundgedanken unseresjüdischen .Versöhnungstages durchgeführt ist, daß nämlich jeder einzelne sein Teil an der Gesamtschuld auf sich nimmt — nein, vielmehr jeder Stand und jede Gruppe versucht, die Schuld von sich abzuwälzen und den anderen Genossen seines eigenen Volkes allein zuzuschieben. Die Geschichte wird gerechter urteilen und ihre Bewunderung nicht demjenigen Volke viersagen, welches, von so unerbittlichen' Feinden umringt und mit so unzuverlässigen Bundesgenossen verbündet, wie sie sich jetzt offenbart haben, dennoch fast ein halbes J a h r - h it udert Hindu r ch den Frie b e n gewahrt und in Wissenschaft und Kunst, in Handel und Gewerbe der Menschheit unzerstörbare Dienste geleistet hat. Daß in dieser allgemeinen gegenseitigen Befehdung ein großer Haß gegen uns Juden sich brei-tmacht, müssen wir hinnehmen. Wir können wenig dagegen ausrichten, wir kennen alle die Ursachen, können sie aber nicht verhindern. Und unter uns selbst, in unserer Gemeinde sind leider die Zustände wenig erfreulich. Unendliche Ansprüche und wenig Neigung zu versöhnlichem. Ausgleich bedrohen ihren Zusammenhalt. Mit besonderer Wehmut muß ich der Umstände gedenken, daß gerade' solche Landesteile, in denen unsere Glaubensgenossen zahlreich waren, vom Vaterlande abgetrennt werden. Jahrhunderte hindurch hatten sie sich trotz aller Bedrückung ihre deutsche Sprache bewahrt, und als ihnen endlich, das Licht deutscher Kultur leuchtete, haben sie sich mit Begeisterung ihr angeschlossen, wie viele Männer beweisen, die auch in diesen Kollegien gewirkt und, vom deutschen Ordnungssinn, und deutschen Fleiß durchdrungen, ihre Pflichten erfüllt haben." — Herzliche Worte richtete dann 0 der Vorsitzende an das Mitglied der Versammlung Herrn Emil Cohn, der am 20. d.'M. seinen 70. Geburtstag beging. Er rühmte seinen Fleiß, seine Ordnungsliebe und die durch seine hingebend-e Wirksamkeit im Ehrendienst der Gemeinde erworbenen Verdienste, die auch in allen jüdischen Kreisen Berlins gebührende Anerkennung und Würdigung finden. Tief ergriffen dankte Herr Cohn für die ihm zuteil gewordene Ehrung und bemerkte: Die ihm gezollte Anerkennung werde diesen Tag zum schönsten seines Lebens gestalten. — Der Vorsitzende verliest, hierauf ein Schreiben des Herrn Siegfried Sachs, .der seines Gehörleidens halber nach Vollziehung der Neuwahlen sein Amt als Repräsentant niederlegen wird. Unter dem Vorsitz des Herrn.Professor Kalifcher wurden alsdann» die Wahlen in den Vorstand der Versammlung vorgenommen. Herr Geheimrat Dr. Minden, der zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde, erklärt sich zur Annahme des Amtes bereit. Hierauf wird der Wahlakt fortgesetzt und Herr Professor Käolischer zum ersten, Herr 'Gewerberat Plö.tke zum zweiten Stellvertreter des Vorsitzendengewählt. Beide -Herren - nehmen die Wahl an, ebenso der zum Schriftführer gewählte Herr Professor T ü r k und der zutn Stellvertreter gewählte Herr Emil P i n c u s. In den Ausschuß I werden gewählt die Herren Ginsberg, Holz, Weile, Caspary, -Benas Levy, Lipschütz, Halle, Grünseld, W e i gert. In den Ausschuß II die Herren Sachs, Emil Cohn, Caspary, Benas Levy, Grünseld, Weile. In den Ausschuß III die Herren Türk, PlotkE Pincus, Cohn, K a l i sch e r, Dr. Levy, Minden, S t e in thal, T i e tz. In die Nevisionskommission die Herren Sachs, Tietz, Pincus, Benas Levy. — Die Versammlung beschließt hierauf die Annahme folgender Zuwendungen: von Herrn Bernhard Leß 15 000 Mark, von Herrn Julius Fr ied lä n der 15 000 Mark, von Herrn Louis H a ck-e-l be r g 2000 Mark, von den Eheleuten Heinrich Bock 4865 Mark, von Herrn Martin K nolle r 23 000 Mark. Es folgen, die .Wahlen in die Verwaltungskommissionen: in die Stiftungskommiffion Herr R. B I u ment h a l, in die Waisenkommission die Herren Moritz B u d, Emil He ns che l, Siegfried I a c o b, -Dr. B. E h r m a n n, Theodor S t e i n t h a l, Dr. L a m m, Frau Professor - S ch a e f e r und Dr. Oskar R o s e n b e r g. — Anläßlich des« bevorstehenden 250jährigen Bestehens der Gemeinde hat der Verein , für jüdische Geschichte und Literatur angeregt, ähnlich wie 1871 die Herausgabe einer Festschrist über die Geschichte der Gemeinde zu veranlassen. In der Sitzung vom 30. Dezember 1919 hat dev Vorstand' den Beschluß gefaßt, in gemischter Deputation, bestehend aus drei Vorstandsmitgliedern und sechs Repräsentanten, über die Frage, in. welcher Weise des 250jährigen Jahrestages der Zulassung der Juden in der Provinz Brandenburg gedacht werden soll, zu beraten. -- Ueber Punkt 20 referiert Herr Benas Levy. Durch Gemeindebeschluß ist den Hilfslehrkräften der Gemeinde, welche mindestens 8 Wochen stunden im Rel igio ns schul die nste der Gemeinde beschäftigt sind, eine Konjunkturbeihilfe von 300. Mark jährlich, und denjenigen, die mindestens 12 Wochenstunden Religionsunterricht erteilen, die laufende Kriegsbeihilfe nach den Sätzen der hauptamtlich Angestellten zugebilligt worden. Bei'der Durchführung des Beschlusses ist zunächst von dem geltenden Grundsätze ausgegangen worden, daß für die Berechnung der Stundenzahl nur diejenigen Unterrichtsstunden in Betracht kommen, die an den Religivnsschulen der Gemeinde erteilt werden. Ter Gemeindevorstand hat beschlossen, bei der Berechnung der für die Gewährung der lausenden Konjunkturzulage, der laufenden Kriegsbeihilfe und der durch Gemeindebeschluß vom 30. September 1919 bewilligten einmaligen Entschuldungssumme zugrunde zu legenden Stundenzahl vom 1. Oktober 1919 ab auch diejenigen Neligionsunterrichtsstunden zu berücksichtigen, welche die Hilsslehrkräfte der Gemeinde an den Neligwnsschulen der subventionierten Neligionsve reine sowie an den staatlichen, städtischen und Privatschulen erteilen, soweit sie seitens der Gemeinde für die betreffenden Schulen in Vorschlag gebracht find, und den' Hilsslehrkväften der Gemeinde mit weniger als 12 Wochen stunden einen Anteil an der durch Gemeindebeschluß vom 30. September 1919 gewährten Entschuldungssumme zuzübilligeu. Der Aufwand für die vor geschlagenen Zulagen und Beihilfen beträgt zusammen 17 500 Mark einmalig. Der Referent tritt mit warmen Worten für die Vorlage ein, die von der Versammlung genehmigt wird. — Der Vertrag zwischen dem Vorstand des» Krankenhauses und dem Verein für jüdische Krankenpslegerinnen wird mit dem Amendement Dr. Ginsberg angenommen. Das Gehalt soll nicht nach den Dienstjahren im Krankenhause, sondern vom Zeitpunkt des bestandenen Staatsexamens festgesetzt werden. — Bewilligt wexden dem Kaiser - Franz - Josef-Jubiläunish.o.spital in Franzensbad 200 Mark und dem Verein Ahawasi Scholaum 13 600 Mark. Dem Verein Ahawas Scholaum wird anheimgegeben, seine Mittel durch eigene Beiträge zu erhöhen. — Bei Punkt 23: Rechnungsabschluß der StistungskoMMission kommt es zu einigen Erörterungen über Wohlfahrtspflege, an welchen sich die Herren Feil che n f e l d, C a s p a r y, Dr. B au m, 'Emil P i n e u s, B a d t, L i p s chü tz, T ü r f, P X o t k e und Sach s beteiligen..— In betreff der Besoldungsordnüng der Beamten-hegt der Gemeindevorstand den Wunsch, einige Mitglieder 'zur 'Beratung hinzüzuziehen. ' Es-'werden deputiert - die Herren Emil' C'ohn, T i'e tz, Benas Lev h,' Pin c u s,' S tein -

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