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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-30 · Heft 5 (30.1.1920) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 5 (30.1.1920)
Date
1920-01-30
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 Das Lied am in Lied fei jetzt gesungen dem Herrn, der hoch und hehr, Der Roß und Mann bezwungen, versenkt hat in das Meer. Er ist uns Sieg und Sang; ihm tön' der Rettung Dank. Wir geben ihm die Ehre durch Spiel und Liedeswort, Es preisen unsre Chöre der Väter treuen Hort. Wir haben Heil erfahren,, er führte unfern Streit, Wir wollen ihm bewahren die Treu' in Ewigkeit. Er hat den Kampf gelenkt, den Feind ins Meer versenkt. Der Helden stolze Glieder, der Wagenkämpser Reih'n, Das Wasser riß sie nieder in Meeresgrund wie Stein. Der Herr stand im Gefechte den Unterdrückten bei. Der Herr hob seine Rechte und tilgte Tyrannei. Die seinen Zorn erweckt, er hat sie hingestreckt. Die wider uns gestanden, gewappnet und bewehrt, Die uns bedroht mit Banden, die sind wie Spreu verzehrt. Wie da die Wogen stürmten und wie das Wasser stand. Wie sich die Wellen türmten, sich schieden Wand von Wand! Da barst die Flut entzwei, der Grund gab Gassen frei; Und alle Schrecken schwanden und Jubelruf erklang, Da unsre Führer fanden den Weg durch Wogendrang. Die gegen uns gezogen mit Schwert und HeereSmacht, Die sanken in die Wogen, die deckte grause Nacht. Der Wasserwall zerbrach, da Gott im Sturme sprach. Des Königs wilde Meute wie Blei ins Meer versank. Sie wurde Todes Beute, da sie die Flut verschlang. Wer ist wie du so mächtig, ein Retter alle Zeit, Wer ist wie du so prächtig in Huld und Heiligkeit? Der ew'gen Wundermacht sei Lob und Dank gebracht. Dem, der uns hals am Meere, erschalle Lied und Ruhm, Man preise seine Ehre in hohem Heiligtum. Wenn seinen Arm er weitet, dann trifft den Feind der Tod, Und wenn sein Volk, er leitet, dann endet alle Not. Er kündet uns sein Wort, der gnadonvolle Hort; Bon lichter Höhe klinget zir uns der Gottesruf, Da sein Gebot uns bringet er, der die Welten schuf. Die Völker in der Runde vernehmen, was geschehn, Und staunen ob der Kunde und fürchten zu vergehn. Und wilde Angst befällt die Mächtigen der Welt, Die Zier der goldneu Krone verliert ihr Gleiß und Licht, Es beben hohe Throne vor Gottes Strafgericht. Doch mutig ziehn die Frommen, das Volk, vom Herrn befreit. Bis sie zum Berge kommen, zur Gottesstatt bereif. Dann singt man Gottes Ruhm in hehrem Heiligtum. Wo sich die Hallen weiten, erbaut in Heiligkeit, Da herrscht für alle Zeiten der Herr der Ewigkeit. Hamburg, den 8. Januar 1920. vr. phil. Joses Zolin ski. Litrrsrilche Mitteilungen. — „Die Iudenfrage d e r Gegenwart", Dokumentensammlung, herausgegeben unter der Redaktion von Leon Chasanowitsch und Leo Motzkin. 166 Seiten Großformat. Verlag Judea, Stockholm. Die uns vorliegende Schrift -ist eine wertvolle Bereicherung, der jüdischen.'politischen Literatur. lieber ihren- "Zweck- HeiH-t esm der Einleitung: . : r \; v- „Die vorliegende Schrift verfolgt einen. bescheidenen -und 'zugleich - wichtigen Zweck. Ihre Herausgeber wollen eine Lücke -in der zeit-' genosstschen pvMifche'n Literatur ärrsfüllen; sie ' wollen:'denan der - Jüdenfrage inte re Merten Politikery- 7— und "kein Pol-it,iker kann heute umhin, zur Jüdenfrage Stellung zu nehmen — ein Dokumente nbuch -in die Hand geben,- das der Orientierung über diese Frage dient. Die Herausgeber glauben-, /daß nicht wenige, die sich die MÄheueymen werden, «die hier zuifaimimengLtragenen, PoKuMnte zu prüfen', aus totefer Sammlung mch-r lernen werdenalsaus umfangreichen, ti-efsininilgen- .Abhan-dlungen über -den gleichen Gegenstand, ja, .daß manche in dieser Schrift die Jüdenfrage Mm ersten Male in einem sür sie ganz neuen Lichte sehen werden." Die Einleitung, welche die Lehren der zufammengetragenen Dokumente kurz zusammen,faßt, enthält auch einen geprängiten U eberblick über die Behandlung der Juden-fra,ge auf denver,sch!i>edenen in-ternationalen Friedenskonferenzenseit dem Wiener Kongreß von 1814 und kommt zum Schluffe: „Wir haben also eine fast ununterbrochene Reihe von Präzedenzen für die Behandlung jüdischer Fragen auf großen Friedenskonferenzen ijeit dem Wiener Kongreß." Das- Wert zerfällt in drei Teile. Der erste Teil behandelt 'die jüdische' Volksbewegung. Die große Fülle der indiesem Teil zusamm-engeträgenen Dokumente, die mit einer einzigen Ausnahme (Baseler Zionistisches Programm-)- sämtlich -au-s der Kri-egszeit stammen-, bringt dem- Leser die -ungeheure Ausdehnung der jüdi-fche-n nationalen Bewegung, ihre Wesenseinheit zum Bewußsein. Die Dokumente ansder jüdischttaimerikanifchen B-ew-egun-g und der. gleichgearteten Bewegungen in Rußland, der Ukraine/ Litauen, . Ostgalizien, Teutschi-Oest-erreich, Tischechosilow-akien, d-er Bukowina, Mähren und Schlesien-, Ungarn- sowie v-erschi-edener Parteirichtungen rnrrten ger-adezuwie eine Offenbarung d-er jüd-i-sckKN Volksseele an, so daß der Leser sich' -eines, tiefen. Eindruckes nicht erwehren kann. Der. erste Teil wird mit den Denkschriften des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris -an di-e Friedenskonferenz abgeschlossen. E-in>e bedeiu>tsa>me Z-u s-a.mm-enstellung -bietet der zweite Teil, der die Stellung der internationalen Demokratie beh-andelt. Sehr reichhaltig ist der dritte Tei>l, d-er. Regierrin-g,s-erk>lä-rungen, Gesetze und in-ternätionale Verträge -enthä-lt,. Hier werden zunächst alle Regierun-g-sert'l'är-ungen Palästina betreffend w-i-edergegeben. Es soilgen sodann Regierungserklärungen betreffs der Judensrage in Osteuropa. — Sehr lehrreich ist der Abschnitt: „Die Juden im alten Po-len." - In. der Einleitung wird ein Ueberblick über die jüdische Autonomie im alten Polengegeben. Dann ifolgen die G-ener>alpriv-iilegien der polnischen Judenhei-t. Mit diesen- Dokumenten beabsichtigen di-e Herausgeber, wie sie in ihrer- Einlei-tu-n-g sagen, n-a-chzuweisen, daß di-e gegenw-ärti-ge Judenpolitik der Polen „iw. Widersp-r-u-ch zu ihrer geschichtlichen Ueberlieferun.g steh-t". Es folgt der Abschnitt' „Tie jü-d-ische Au-tono-mi-e in der Ukraine", d-er' di-e Dokumente aus der in nationalpolitischer Hinsicht bahnbrechenden Gesetzgebung d-er ukrainischen Volksrepublik di-e nationalen Minderheiten betreffend enthält. Der Albifchn-iht „Die Juden in Rumänien" gibt die einschlägigen Dokumente seit der Pariser Konvention von 1856 wieder. Es fo-lgt das Gesetz über die „Emanzipation" der Juden Finnlands. — Derdritte Teil schließt mit Dokumenten aus den Pariser Friedens-ver-trägen. Tie Dokumente sindmit gedrängten einleitenden Bemerkungen ver-s.eh-en, die Aufschluß über die geschichtlichen Umstände, unter welchen sie entstanden sind, geben. DiLs-e Bemerkungen stellen -ein wertvolles geschichtliches Material dar und erleichtern ungemein die Orientierung. Tie Sammlung enthält zahlreiche Dokumente undist in ihrer Vollständigkeit und in ihrer systematischen Anlage ein unentbehrliches jü-di-sches pvli-tisches H-andbuch. Auch die Ansstaktung d-er Schrift, die, wie wir hören, auch in englischer und französischer Sprache erscheint, b-efriediglti alle Ansprüche,. und so ist das großzügig angelegte Werk aufs wärmste zu empfehlen. * Die h eb r äi sche Liter at ur in Palästina. Auf dent Gebiete der hebräischen Literatur sind letztens zwei bedeutende Neuerscheinungen, zu verzeichnen: Das Bureau der jüdisch-s-ozialistischeN Arbeiterschaft „Achduth Haawodah" hat soeben das angekündigte Journal gleichen Namens herausgegeben. Das Sammelwerk, das wertvolle Aufsätze von B. Käzenelson, Dr. Wäldstew, I. CH. Brenner unid M. Smilanskh enthält, bietet - reiches Material über die die jüdische Arbeiterschaft in -Palästinajetzt interessierenden Hauptfragen. Auch die von der Arbeiterorganisätion „Hüpoel Hazair" angekündigte Monatsschrift „Maaboröth" hat soeben ihr erstes Heft erscheinen lassen. Es'enthält 17 größere Aufsätze'Und außerdem zahlreiche kurzgesatzte Nebersichten über die laufenden Fragen des jüdischen Lebens. * **

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