Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1920)
- Date
- 1920-01-30
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
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56 und Direktor L-eszhnskh (Berlin). Der Vorsitzende macht informatorische Mitteilungen üiber die während des Krieges zugunsten der ' Ostjuden entstandenen, im Arbeiterfürsorgeawh dem. auch 'die Deutsche Zentralstelle mit Stimmrecht . angehört, vereinigten Organisationen. Er bittet, den Anschluß an das Arbeiterfürsorg-eamt; zu genehmigen und die Zentralstelle zu ermächtigen, sich der ostjüdischen Flüchtlinge innerhalb der .der Wirksamkeit der Zentralstelle gezogenen Grenzen anzunehmen. Ans dem vom Schrift'fiührer Tr. Neu mann über die Vorgänge innerhalb der Deutschen Zentralstelle und der ihr angeschlossenen Kassen seit der letzten Mitgliederversammlung am 10. Mai 1914 erstatteten Berichte ist folgendes hervorzuheben. Die genannte Tagung hatte durch die Beteiligung von Herren aus Süddentschland, Wien und dem polnischen Industriegebiet die Vorbedingungen sür eine aussichtsreiche Propaganda in dem noch unzulänglich mit der Deutschen Zentralstelle verknüpften Süddeutschland -und zu> der wünschenswerten Verpflanzung der Tätigkeit nach dem Heimätslgebiet der Wanderarmen geboten. Daran hatten sich sogleich Propa-gandareifen von Freunden 'der Organisation in Süddeutschland und der Provinz Posen geknüpft, in Jargonzei-tungen war Aufklärung üiber die Ziele der Deutschen Zentralstelle gegeben und in Deutschland eine Jnsormationsschrisk des Referenten unter dem Titel „Uebt richtige Wanderarmenfürsorge" in Massen verbreitet worden. Ein Abkommen mit dem Frauenverein in Lodz wegen Beratung der eheverlassenen Frauen war in Vorbereitung. Allendiesen aussichtsreichen Arbeiten machte fter. Kriegslausbruch ein Ende. Die erste Kriegsmaßnahme bestand in der Instruktion der angeschlossenen Kassen bezüglich der. in Kurorten vom Kriege überraschten Glaubensgenossen aus feindlichen Ländern -und Unterbrechung, der zwecklosen Wei-rerbeförderung der Wanderarmen. Spätere Instruktionen betrafen die Beförderung der: österreichischen. HeerespWichtigen,, die Beförderung oder: Zurückhaltung, der. Gälizianer je nach' der Kriegslage in ihre Heimat, die Heimführung, der aus den Konzentra-tionsliagern Entlassenen. In den letzten Kri-egsjahren trat die Frage der Rückbeförderung der von der Deutschen Arbeitszentrale nach Deutschland gebrachten, vielfach für die ihnen zugewiesene Arbeit nicht .geeigneten ostjüdischen Arbeiter in den Vordergrund. Die Deutsche Ze-nträl.- stelle, die ihre knappen Mittel für die Bewilligung des nach Friedensschlusses erwarteten Zustromes aufsparen mußte, vertrat den Standpunkt, daß für die Rückbeförderung diejenigen Stellen zuständig seien, die die Leute ins Land gebracht hatten/ und hat nur in besonderen Fällen für die Repatriierung Sorge getragen. Kurz nach Ausbruch der Revolution brachten, die Pogrome die Welle der ostjüdischen Flüchtlinge ins Land. Trotzdem die Statuten dafür keine Handhabe bieten, haben doch die Provinzialkassen und die Berliner Durchreisekommisston die richtige Empfi-ndung gehabt, sich; der Aufgabe der Beförderung, Beherbergung und Un-terbringung der Unglücklichen, soweit es in ihren Kräften stand, sich nicht entziehen zu sollen. Ter Tätigkeitsbericht der Provinziallkassen betraf Interna. Wichtige Anregungen mit Bezug ans die neben der Verankerung der Ostjuden für sorge sich beschäftigenden Organ isationen, zuerst durch die der Deutschen Zentralstelle zum Ar'beitersürs.orgeamt, enthielt ein zur Verlesung und Besprechung gelangtes längeres Schreiben des Vorsitzenden der rheinischen Provinzialkasse, des um die Begründung der Deutschen Zentralstelle hoclWerdienten Herrn Bernhard F e i l ch e n - seid (Köln). Zu dieser Frage nahnr das großzügig angelegte Referat des Herrn Generalsekretärs Tr. Kahn: „Die Ausgaben unserer Organisation beim Hilsswerk für die Ostjuden" Stellung. Es streifte die Ausgaben, die dem A>rbeiterfürsorgeamt, einer durch den Namen nicht erschöpfend bezeichneten freiwilligen Vereinigung der mit der Ostjudenfürsorge sich beschäftigenden Organisation, zuerst durch die halb zwangsweise Einführung der ostjüdischen Arbeiter, dann durch die beschleunigte Entlassung beim Friedenswerk, jetzt durch die Pogromflucht erwachsen. Da auf längere Zeit mit der Wan'derbewegung der Ostjuden und den Schwierigkeiten der Beförderung. und den Hindernissen der Einwanderung zu rechnen ist, .so. gilt es die Erfahrung, zu nutzen, die in anderen Ginwanderungsländern gemacht. worden sind: , wir .wollen kein deutsches -Whitechapel entstehen lassen-, sondern die Durchwandernng . förde^n, Die Deutsche Zentralstelle hat innerhalb des- Arbeiterfürsorgeamtes die Aufgabe für die ostjüdischen Flüchtlinge zu erfüllen, die sie bisher für die Wanderarmen und die Rückwanderer aus dem Westen so erfolgreich ausgeübt habe. Hinsichtlich ihrer Finanzierung sei die Deutsche ZErälMÜ-e auf den Opfermut der. Gemeindenangewiesen; es ^gche nicht an-/., sich auf-die ' Subventionen der großen Verbände zu stützen. , Wir. ruhigere Zeiten; bleibt das^alte Ziel, in den Heimatländern.der Einwanderer bessere . Verhältnisse zu schaffen, wodurch die Zuwanderung von selbst aufhören würde. — In denr sich anschließenden Referat des Herrn Tr. Neumann über „Reorganisation der Einrichtungen der Deutschen Zentralstelle" wurde ausgeführt, daß durch die neue Aufgabe der innere Aufbau und die bewährte Arbeitsmethode der'Deutschen Zentralstelle kaum eine Veränderung zu erfahren brauchen. Einen weiteren Ausbau erfordern allerdings die bisherigen Einrichtungen für Arbeitsbeschaffung und das Herbergswesen. Ein Zusammenschluß aller örtlichen einschlägigen Institutionen zugunsten der Ostjuden unter Leitung der Provinzialkassen ist unerläßlich." Zur Vermeidung von Zersplitterung ist es notwendig, daß das Berliner Arbeitsamt darauf verzichtet, an Orten, wo bereits Institutionen der Deutschen Zentralstelle und der ihr angeschlossenen Jnstitui-iouen, insbesondere des Verbandes der Arbeitsnachweise, bestehen, neue Einrichtungen zu treffen oder mit den bestehenden Unter Umgehung der Deutschen Zentrabstelle in Verbindung zu treten. Wo Abkommen, mit dem Arbeitsamt getroffen sind, ist deren baldige Beseitigung anzustreben. Für die Hebung der Leistungsfähigkeit hat eine großzügige Propaganda bei den Gemeinden und Privatpersonen auch innerhalb der bisher von der Organisation sich fernhaltenden Reichsteile Sorge zu tragen, aber auch der „Verein der Ostjuden" und eine oder die andere Organisation hätten sich der Deutschen Zentralstelle anzuschließen, die innerhalb des Arbeiterfürsorgeamtes in bezug auf ihre speziellen Aufgaben ihre Selbständigkeit bewahren müsse. Die besonders durch die rheinische Kasse erfolgte Wiederanknüpsung der Beziehungen zu den westlichen Ländern ist der Ostjudenfürsorge nutzbar zu machen. Die in dem Referat ausgesprochenen Grundgedanken geben den von dem Referenten vorgeschlagenen, von der Versammlung einstimmig angenommenen Ergänzungen der Satzungen die notwendige Grundlage. — Tie an die beiden Referate sich anschließende anregende Debatte, an der sich außer den Referenten und dem Vorsitzenden ein - großer Teil der Anwesenden beteiligte, erstreckte sich .gleichzeitig auf die Ostjudenfrage im allgemeinen, auf die Reorganisation der Deutschen Zentralstelle und auf ihr Verhältnis zu den anderen Organisationen. Die allgemeine Meinung ging dahin, daß die Deutsche Zentralstelle erhalten und reorganisiert und mit dem Ärbei tersürso rgeamt zusammen arbeiten solle. Einstimmig gelangte der folgende Antrag. Casp ar h zur Annahme: „Die Deutsche Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge tritt dem Arbeiterfürsorgeamt bei. Sie schließt ihre im Lande befindlichen Verbände und Kassen zur Mitarbeit bei der Fürsorge für die in Deutschland befindlichen Ostjuden zusammen und hilft dem Arbeiterfürsorgeamt bei jeder Fürsorge für die Ostjuden." — Der Rechnungsbericht wunde angenommen und Decharge erteilt. In den Vorstand wurden durch Zuruf die nachbenannten Herren gewählt: Sanitätsrat Dr. W r esch ner (Berlin) 1. Vorsitzender, B. Fei l ch e nseL-d (Köln) und Tr. Kahn (Berlin) stellvertretende Vorsitzende, Dr. Neumnnn (Berlin) und Tr. Hirsch (Halberstadt) Schriftführer, H. Aron (Berlin) rund M. Beer (Berlin) Schatzmeister. Einige Herren wurden dem Beirat zugewählt. Nachdem noch einige Anfragen aus dem Kreise der Mitglieder durch den Vorstand beantwortet worden waren, wurde die Sitzung um 2 Uhr geschlossen. Lur Methodik des jüdischen Grlchichtsunlerrichts. Von Bczirksrabbi-iver Dr. Bcermann (Heilbronn). Unterricht in der jüdischen Geschichte soll dem J Schüler die Einsicht in die Entwickelung des Judentums bis zur Gegenwart vermitteln und die. Kräfte aufdecken, die diese Entwickelung bestimmt haben. Diese Einsicht kann aber nur da erzielt werden, wo wie aus der Oberstufe der höheren Schule — Gelegenheit vorhanden ist, alle wesentlichen Phasen der geschichtlichen Wandlung des Judentums vorznführen. Wo dies nicht möglich ist, wie z. B. auf der Ober-