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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-30 · Heft 5 (30.1.1920) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 5 (30.1.1920)
Date
1920-01-30
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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Wie der „Haager Nienwe Courant "-meldet, äußer nstch die meisten amerikanischen Blätter zur Antwortnote Hollands zustim'men'd, nu r die „New Jorker Tribüne" greift die Niederlande - wegen ihrer Haltung heftig an. O In der Vormittagssitzung des Zentrnmparteitages am 21. d. M. ergriff Universitätsprofessor Dr. Schreiber das Wort zur antisemitischen Bewegung und führtevon Zustimmung und Beifall wiederholt unterbrochen, folgendes aus: „Die Politik des Zentrums gegenüber den Israeliten hat nicht bloß ihre Grundsätze, sondern auch ihre geschichtliche Grundlage. Die Partei hat stets in der Geschichte die Gefährlichkeit der antisemitischen Bewegung erkannt. Windthorst hat die 'antisemitische Haltung von Strecker, Ahlwardt und deren Epigonennicht mitgelnacht. Er wollte keine Airsuahmegefetze für die Juden, weil er genau wußte, wie schwer die Katholiken selbst an den Ausnahmegesetzen des Kulturkampfes zu tragen hatten. Die Katholiken Halles am eigenen Leibe erfahren, was Unparität und Zurücksetzung in Beamtenstellungen und im öffentlichen Leben bedeuteten. Was die Katholiken nicht wollen, das ihnen selbst geschieht, dürfen sie den Juden nicht zumuten. Als Windthorst seinerzeit für die Rabbiner in Militär rechtlichen Fragen ein trat, brachte der „Kladderadatsch" höhnend ein Bildwie lein indischer Posten vor ihm das Gewehr präsentierte. Windthorst war stolz aus diese Zeichnung. Es lag ein tief symbolischer Sinn, darin, daß man Minoritätskonfesstonen nicht v erg ewalügen wollte. Ebenso hat der verstorbene Abgeordnete Gröber für das Judentum mehr als einmal sich eingesetzt. Weiterhin hat die Zentrumsfraktion des Preußischen Abgeordnetenhauses mit allein Nachdruck beim Volksschulunterhaltungsgesetz den berechtigten Forderungen des Judentums Rechnung getragen: das ist ctudf) ein Ehrentitel für die Partei, und weiter: In Köln haben sich zwischen dem gläubigen Judentum und der kölnischen Zentrumspartei stets freundliche Beziehungen ergeben. Ich verweise nur auf die ausgezeichnete Rede des Rabbiners Dr. Schesteiliowitz in einer großen Zen'trmnsversa!mml-un!g dieses Winters, in der die Katholiken und gläubigen Israeliten gleichzeitig sich gegen jene Vergewaltigung marrbtcit, die ihnen vom Ministerium Adolf Hossmann drohte. Auch deshalb müssen wir den Antisemitismus bekämpfen, weil er sich politisch als unfruchtbar erwiesen hat. Die großen Judenyetzen, die in den neunziger Jahren und später in der deutschen Parteigeschichte einsetzten, haben sich als politisch gerade zerrüttend herausgestellt. Wir haben trotz allen Lärmens praktisch keine Ausnahmegesetze gegen die Juden zustande gebracht. Dieses Gesetz wäre im übrigen auch intolerant n.nd unparitätisch gewesen. Es wäre, rein juristisch gesprochen, auch praktisch unmöglich gewesen, es auszuführen, weil es tatsächlich nicht angängig ist, zwischen gläubigen Inden und Reformjuden zu unterscheiden, ebenso zwischen Israelit,eg, die zum Christentum übergetreten sind, und zwischen Rassejuden. Die antisemitische Bewegung, hat in der Deutschen Sozialreformpartei und in der Deutschen Reformpartei. Gebilde geschaffen, die nicht leben und nicht sterben konnten. Ich fasse zusammen: Die antisemitische Bewegung ist im Grunde genommen ch r i st c n t u nt s f, e i n dl ich. Sie ist' politisch unfruchtbar und überaus gefährlich. Deshalb ist von unserer Pr,esse, die es mit dem Christentum und mit der Zeutrumspolitik ernst nimmt, zu erwarten, daß sie sich nicht in den Bühnen des Antd semitismus verliert. Wir haben in dieser Hinsicht in letzter Zeit vereinzelt Erscheinungen zu beklagen, die zum Glück nicht die Regelt sind, die aber doch nach allen einzelnen Erscheinungen bedauerlich - sich) anlassen. Es gilt für diese Blätter eine Nachprüfung ihres Standpunktes im Sinne des Zeutrumsgrundsatzes, der die Wahrheit betont und dabei christliche Wahrheiten nicht erschüttert wissen will, -im Sinne jener Freiheit, die sich -gegen Ausnahmegesetze wendet, im Sinne des Rechts, das auch das Recht der Minoritätskonfession schützt. Wer Antisemit ist-, besorgt die Geschäfte der D e u t s ch n a t i o n a l e n , und daß Anhänger der Zentrumspartei die , Geschäfte eines politischen Gegners besorgen, das -darfnie und nimmer geschehen!"- (Lebhafter -Beifall im ganzen .Hause.); - - G - Vor kurzem brachte der „Vvrtruhpv das Organ des bekannten Schriftstellers Landrichter Hermann' P o P eri, einen Artikel über die Ostjudensrage, in dem. die Maßnahmen der Staatsregierung heftig angegriffen wurden. Der preußische Minister des Innern Dr. Wvlsgang H e i n e hat an den Herausgeber des „Vortrupp" folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr geehrter Herr Landrichter! Ich habe den Artikel „Ostjuden" in Nr. 22 des „Vortrupp" zugesendet bekommend Sie sind nicht im Bilde,, um was für eine Mnisteriälverordnung' es sich'gehandelt hat. In, Preußen bestand von alters her die- Bestimmung, daß über die Einbürgerung von Juden nur das Ministerium des Innern entschied, und daß die Gesuche fast immer abgelehnt wurden. Solcher Ablehnung verfielen auch Familien, die seit Generationen in Deutschland lebten, sich die größten Verdienste um das wirtschaftliche und geistige Leben Deutschlands erwarben, und die in jeder Beziehung einwandfrei waren. Als der Krieg ausbrach, wurden solche Familien, deren Söhne im Felde für Deutschland kämpften, immer noch vielfach von der Einbürgerung ausgeschlossen. Dann trat die Praxis ein, die Einbürgerung solchen zu geben,' die selbst oder deren Söhne Heeresdienst leisteten. Davon wurden wieder ungerecht solche betroffen, die zufällig keine Söhne hatten. In gleicher Weise wurden jüdische frühere Deutsche, die durch längeren Ausenthalt im Ausland die deutsche Staatsangehörigk-eit verloren hatten, ungleichmäßig behandelt. Ich habe über alle diese Fragen eine ausführliche Verordnung erlassen, in der die Abstellung dieser Sinnwidrigkeiten und Ungerechtigkeiten angeordnet ist. Es heißt darin, daß die Einbürgerung solcher Ausländer ohne Rücksicht aus die- Konfession vorgesehen werden solle, welche als ein in sozialer, politischer und wirtschaftlicher Beziehung erwünschter Bevölkerungszuwachs anzusehen sind. Es handelt sich also nicht -um die in Ihrem. Artikel so ausführlich behandelten halbbarbarischen Bevölkerungsschichten der östlichen Länder." Dr. Popert hat in seiner Antwort an den Minister die „Alldeutschen Blätter" als seine Quelle angegeben und versichert, daß er, trotzdem er politischer Gegner der „Alldeutschen" sei, doch bisher annähm, daß ihr verbandsamtliches Organ in tatsächlichen Behauptungen von solcher Wichtigkeit zuverlässig sei. Er bedaure, daß er sich infolgedessen habe irreführen lassen, und, werde gegenüber dem Inhalte der „Alldeutschen Blätter" künftig auch in dieser Beziehung vorsichtig sein. In seinen Schlußausführungen stimmt Dr. Popert der Auffassung des Ministers zu. * Staatssekretär v. Delbrück, der bekannte deutschnationale Abgeordnete, erläßt in der „Jenaischen Zeitung" eine Erklärung über seine Stellung zur antisemitiischien Frage. In dieser Erklärung, die wohl -aus Erörterungen innerhalb der Deutschnationalen Partei über die Stellungnahme einzelner Abgeordneter zu diesem Problem hervorgegangen ist, sagt Herr v. Delbrück folgendes: Die völkische Frage birgt schwierige Probleme in sich, die nicht mit einer Handbewegung beiseite geschoben werden können. Der überhanldnehrmende Einfluß des jüdischen Geistes und des jüdischen Geldes auf dem Gebiet der Presse und dem Gebiet der Kunst, die Vorherrschaft des Judentums auf politischem Gebiet, wie sie durch und nach der Revolution in Erscheinung getreten ist, bedeutet für unsere völkische Entwicklung ernste Gefahren, die mit allen erlaubten Mitteln bekämpft werden müssen. Die Ueberwindung des jüdischen Einflusses ist in Deutschland von jeher um deswillen besonders schwierig gewesen, weil im Laufe des vorigen Jahrhunderts über unsere Oftgrenzen fortwährend neue stamm- und landfremde. Elemente hereinströmten, die auf dem denkbar niedrigsten Kulturniveau standen. Die preußische Regierung hat diesen Zustrom im Laufe des letzten Menschenalters nach Möglichkeit zu beschränken gesucht. Die jetzige Regierung hat aber unsere Oftgrenzen ohne jede Einschränkung auch völlig mittellosen- und legitimationslosen. Elementen vollständig geöffnet. Diches. Verhalten muß rückhaltlos bekämpft werden.' Dagegen verwerfe ich jede Be-

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