Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-23 · Heft 4 (23.1.1920) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 4 (23.1.1920)
Date
1920-01-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229443-3229447--75497-3288007
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

ltdü'v Angriff? uitd kurz darauf de r^ Ge nkr aloerein äuffnahüt, T)aT tuztonchelt Fortschritte AM acht. Ter. unausgesetzte Kamps, .den wir Juden nur unser Recht'führen muffen, hat tin s andere Wege'gezeigt, '^m^Mr--wrr-n-n^-dtfrchfetzen können. - - - - <V2, Berlin, 20. Januar. Wie seit Jahrzehnten veranstaltet auch in diesem Jahre die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums eine , Reihe von Vorlesungen. Ter Ertrag ist für den Stipendienfonds der Anstalt bestimmt. Auch in diesem Jahre weist die Liste der Vortragenden eine Reihe hervorragender Namen auf. Am 20. Januar würdigt Professor Tr. El bogen die Persönlichkeit Ludwig Geigers. Am 2. Februar spricht Gehe im rat Amtsgerichtsrat Kali scher über „Tie Bedeutung der Gottesnamen für die Religion J'raels". In einem Vortrag am 9. Februar behandelt Töeplitz (Dresden) „Die Sakralbaukunst der Juden im Altertum" (mit Lichtbildern). Am 16. Februar liest Arnold Zweig aus eigenen Dichklingen vor. Geheimrat Prof. Borchardt spricht am 23. Februar über „Tie deutschen Ausgrabungen in Aegypten" (nrit Lichtbildern). Ten Zyklus schließt Rabbiner Tr. H och s e l d mit einer Würdigung des.Lebenswerkes des Heimgegangenen Professor Maybaum. Die Vorlesungen finden in der Aula der Lehranstalt, Artilleriestraße 14, Montag abends 8 HI)c statt. Eintrittskarten zu 6. Mark für den ganzen Zyklus und.zu 1,50 Mart für eine Vorlesung find zu haben tei Herrn Engen Marcus, Unter den Linden 31, sowie im Sekretariat der Lehranstalt. sfr#** Berlin, 20. Januar. Ter Vorsitzeude des Bundes erblindeter jüdischer Krieger (Göttingen), .Herr Karl Areusbecg, bittet uns um Berichtigung einiger irrigen Angaben, welche unsere unter „E. M. Berlin, 30. Dezember" in Nummer 1 unseres Blattes vom 2. d. Al. gebrachte Notiz enthielt. Tie vom Bunde gesammelten Gelder fließen nicht in der Form von monatlichen Beihilfen den jüdischen Kriegsblinden zu, soweit sie in diesem neuen Bunde organisiert sind, sondern, wie aus dem Aufruf unzweideutig hervorgeht, fließt ein Teil des eingehendew Geldes n u r denjenige n v o u' ihnen z u , lvelche um Beihilfe eint o m m e n. Im übrigen besitzt die Allgemeine Stiftung für Kriegsblinde nicht über zehn Millionen Äta-rk, sondern ihr Vermögen belief' sich zu Beginn des Jahres 1919 nur auf vier Millionen sechshunderttauseud Mark, zu einem sehr.großen Teil ans Kriegsanleihe bestehend. & # Berlin. 20. Januar. Tie Zionistische Verein-igung für Deutschland schreibt uns: Herr Dr. Arthur H antke ist am 12. d. M. nach London abgereist, um dort an den Arbeiten der Leitung teilzunehmen. Die Geschäftsfi'lhrung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wurde bis zum nächsten Delegiertentag durch einstimmigen Beschluß des Geschäftsführenden Ausschusses des Zentralkomitees in folgender Weise geregelt: Ten Vorsitz der Zionistischen Vereinigung für Deutschland übernimmt Herr Dr. Alfred Klee; stellvertretende Vorsitzende sind die Herren B l u m enfeld und L ich thei m. Die drei genannten Herren bilden die Exekutive des Geschäftsführenden Ausschusses zur Erledigung der lausenden Geschäfte. Die Leitung 'des Bureaus wurde Herrn Lichtheim übertragen. irn Memel, 15 .Januar. Jm. hiesigen Verein für. jüdische Geschichte -und Literatur sprach Herr..Rahbmer, Dr. Ludwig. L a,z a r u s über -das- Thema- „Ahasver in der-Weltliteratur". Der .Vortragende -knüpfte an-einen Ausspruch Berthold Auerbachs an . der unter Hiu- .tvois ans Lenau von einer dreifachen poetischen Bearbeitung des Weltschmerzes spricht:. „FauDchedentet dieunetaphyfische, Ahasver die weltgeschichtliche und Don Jvgn. die soziale Dissonanz." Während jedoch die. Urbilder des Faust und des Dom Juan, wirklich existiert haben, ist Ahasver der „ungeschichtliche" Sagenmensch, der nur in der Volksphantasie gelebt hat. Das Judentum kennt keinen „ewigen Juden", weil der Geist des Fluches und der ewigen Verdammnis,, der. aus dieser Sage spricht, mit dem.allumfassende. Menschenliebe atmenden Genius des Judentums unvereinbar ist. Diese aus nichtjüdischen Quellen entspringende Sage dürste von der Kirche aus apologetischen Gründen erfunden und besonders zu dem.Zwecke, propagiert worden 'sein, um das Dogma von den ewigen Höllenstrafen an der peinvoÜen, ewigen Existenz Ah.asv.ers zu erweisen. Erst lm 13. Jahrhundert nimmt diese furiose grausame Legende in der Figur, des Kartaphilus eine feste Gestalt an.^. Dieser soll, nach dem, Berichte eines englischen Chronisten im Palaste des. Pontius Pilatus. Pfförtnei gewesen sein, "'jedoch zur Strafe für die Verspottung Christi sei er von diesem zum .. ewigen Wandern verurteilt, worden.. Die - ganze Fabel scheint zu ‘ dem Zwecke ersonnen zu sein, um die'Wahrheit der christlichen Religion zu beweisen. Die Kirche gab sich vielleicht der Hoffnung hin. mit dieser Fabel auch die Juden zn bekehren. Trotzdem bot die Sage viel Stoff für poetische Schöpfungen. Das älteste Dichterprodukt von diesem Sagenstoffe finden wir in den sogenannten Canterburh- Geschichten des 14. Jahrhunderts. In Italien tritt Ahasver im 15. Jahrhundert als Buttadens ans. Er ist Schatzkeuner und nahezu allwissend, denn er versteht alle Sprachen, was den gelehrten Humanisten Leonardo Bruni in Erstaunen setzt. Doch unterscheidet er sich von seinem armenischen Sagenbruder durch die große Unrast, denn er darf an einem Orte nur vier Tage weilen. Er ist wohltätig und rettet während eines Schneegestöbers im Gebirge zwei Kindern das Leben. In den Niederlanden nimmt er eine geheimnisvolle, schreckenerregende Gestalt an, in anderen Gegenden wird er mit Wodan und dem „wilden Jäger" identifiziert, während er in Belgien als Isaak Laquedem auftrilt. Als solcher erscheint er in Brüssel im Jahre 1774 in einer Herberge, wo er stehend einen Trunk einnimmt und gleich darauf verschwindet. Die erste poetische Bearbeitung der Sage nt Deutschland erfolgt durch Ehr. Fr. Daniel Schubart (1783), der uns in seiner gewaltigen Rhapsodie ein fast zwei Jahrtausende umfassendes geschichtliches Kolossalgemälde entrollte. Goethe hat in seinem bekannten Fragmente den Ahasver als eine hulnoristische, originelle Persönlichkeit geschildert, indem er ihn als Vorsteher einer Art Herrnhuter Gemeinde entführt. Zweimal kommt Ahasver im 19. Jahrhundert als Modeprvblem zu Worte, in den dreißiger und vierziger Jahren, dann wieder seit Begimt der neunziger Jahre. Er galt als ein Sinnbild des ruhelos umhergetriebenen, unschuldig verfolgten Israel, er ist und bleibt der jüdische Märtyrertypus, das beklagenswerte Opfer religiöser Unduldsamkeit, der lebendige Protest des einen Gottes gegen den Polytheistnus in jeder Form. Wiehl, Auerbach (in feinem „Spinoza"), Ehamisso (in dem Sonnet „Ein Baal Tschuba"), Engeue S'ue sind die h.rvorrageudsten Vertreter der ersten Periode. Als Ende der siebziger Jahre die Flamme des Glaubenshasses wieder aufloderte, erklangen aufs neue die Töne vom erschütternden Märtyrerlvs Israels. Fritz Mauthner „Neuer Ahasver" (1881) ist der erste datualige Versuch zur Lösung des sogenannten Judenproblems. In einem kleinen Schauspiele hat der holländische Dichter Heijermaus („Ahasver", 1893) ein mit schauerlichem Realismus gezeichnetes Bild einer russischen Judenverfolgung in der Nähe von. Nishuij-N^vtogorod geliefert. Der durch die Xaufe seines Sohnes zur Raserei getriebene alte Mann erscheint hier als ein neuer Ahasver. Sucht man nach einem Grundgedanken fast aller Ahasver-Dichtungen, so sind sie fast durchgängig Dichtungen der Sehnsucht. Weil jedoch die Seele des Judentums die große religiöse Sehnsucht ist, darum eignet sich Ahasver vorzüglich als Vertreter des verkannten und verfolgten Judentums. Auch kann Ahasver als der Träger der großen Menschensehnsucht aufgefatzt werden. Dann wäre eigentlich jeder Mensch, der ruhelos hin und her getrieben tvird, der „ewige Jude". - Das zahlreich erschienene Publikum spendete dem Redner für seine interessanten, fesselnden Ausführungen lebhaften Beifall. 2XD Breslau, 15. Januar. Seit August v. ..I. ./.gibt . die A rbeitsgemeinschiaft jüdisch-liberaler Ju.gendverejne Deutschlands ei u allmonatlich erscheinendes Organ, betitelt „Mitteilungen der Arbeiisgemeinschaft jüdischest berat er. J ugendvereine" hera us. D ie „Mitkellungen" enthalten, neben verschiedenen Vereinsnächricht.en vor alleut Aufsätze über unsere Jugendbewegung und. über die Stellung der jüdischliberalen Jugend zu den . anderen jüdischen Parteien, ferner Besprechungen einzelner ausgewählter Abschnitte aus unserem Schrifttum. Wir können jedem, der Antetl an den Fortschritten unserer jüdisch-liberalen Jugendbewegung nimmt, die „Mitteilungen" aufs wärmste empfehlen. Probenummernsind kostenlos durch Herrn Alfred Berger. B r e s l a u 7 . H ö f ch e n st r a ß e 61, erhältlich. ' C/5> Gleiwitz, 16. Januar. Seinen achtzigsten Geburtstag beging der Fabrikbesitzer und — bis zu den Neuwahlen — langjährige Stadtverordnete Herr Josef Kleczewski. Vor grauen Zeiten, möchte man fast sagen, ist Herr Kleczewski aus Posen nach Gleiwitz gekommen und seit über fünfzig Jahren Bürger unserer Stadt, an deren Entwicklung in materieller und ideeller Hinsicht er den tätigsten Anteil genommen hat. Er hat. die Papierfabrikation in Oberschlesien eingeführt .und seine Fabrik, zu Ansehen und Blüte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.