Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1920)
- Date
- 1920-01-23
- Page
- Seite 46 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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In enMn Hchutzbrief, btn enti sprechende Mrliche ZnWung erhalten, wird Sckmüelmit seiner Familie ausdrücklich! ausgenommen'"), weil er Een in einem besonderen Verhältnis zum Erzbischof fte$t80), . Ueber seinen Einfluß beschwert sich sogar in einem Schreiben an den Erzbischof Papst Gregor XI81). Der Papst behauptet darin sogar, daß Samuel in einer Kapelle eine Synagoge eingerichtet habe, was der Erzbischof schleunigst unterdrücken möge. Am selben Tage beschwert er sich mtcfy beim Bischof von Naumburg mit ähnlichen Worten über den Einfluß eines Juden Marguard8'). Es scheint also, daß die Inden in ihrer Eigenschaft als- Geldhändler zu Einfluß gelangen. Vom Geldhandel der Juden hören wir außerdein8^) aus Weida8* *) und Helmste?dt8Z. Ost werden Gelder nur gegen Pfänder ausgegeben, daher hören wir oft, daß bei den Juden Gegenstände versetzt werden; ja, gewisse.Volksausdrücke zeigen, daß die Juden die ausschließlichen Pfandleiher sind. Der Ausdruck '„zu den Juden gehen", der sich häufig findet88), bedeutet nichts anderes, als einen Gegenstand versetzen. Für die Halleschen Schöppenbücher sind die Ausdrücke: „Vt den Joden" und „in die Joden setzen" oder „versetzen" typisch8'). Auch in Aschersleben verpfändet man Gegenstände bei den Juden und muß sie daher auch von ihnen auslösen88). Wie in Erfurt erweist sich auch in Goslar und Magdeburg der jüdische Friedhof als zu klein und bedarf, einer Erweiterung. Daher erhalten die Aoslarer Juden 1358HÖ) vom Stifte St. Georgenberg einen Platz zum Begräbnis. 1383™) verkauft das Kloster Berge der Judenschaft Magdeburgs zwei Morgen Landes diesseits des Judenkevers; da es sich um einen Vertäuf an die gesamte Judenschaft handelt und die Namen der angesehensten Inden in der Urkunde selbst genannt werden, so ist anzunehmen, daß das Gelände Gemeindezwecken dienstbar gemacht, also wohl zur Vergrößerung des benachbarten Friedhofes, der schon einmal vergrößert worden war81), verwertet wird. Die Verfolgungen von 1349 haben anscheinend eine ganze Anzahl Juden in andere Gegenden geführt. Es ist wohl kein Zufall, daß gerade in dieser Zeit in Frankfurt eine ganze Reihe 7Ö) Urkundend. Stabt Magdeburg 1 329 Ne. 518. 1372 April 21. 80) Achat ich wie bei spi elsine i se viele Goslarer dulden, s. Neu seid, Thüringisch-fjächsifches Gebiet' S.' 75. * 8t) 1372 Juni 15. S. Neufeld a. a. O. S. 32 Amu. 5. Geschichtsgnellen der Provinz Sachsen 22 Nr. 1031. NS) Ebenda S. 283 Nr. 1032: quod tu quendam Marquardum Judeum in tun in familiärem teneas, qui sepius Ghristianorum pressus indiciis et pecunias nomine tuo immaniter extorquet ab eis. 83) S. auch oben S. 49 Anm. 5. **) 1353. Urkundend, der Vögte von Weida, Gera und Plauen 1 S. 491 Nr. 945. 83) Jordan von Helmstedt, Braunschweigisches Magazin 1916 Nr. 6. Schon- 1315 in Magdeburg ivit ad Jndeos, vendens . . . Script. XIV 429. 87) Neufeld, Hallesche Juden 72. *s) 1388 Januar 23. Fninfezig mark, dar dp selbin unse joden unse silbern gef.ez,ze mete losden zu. Aschirslebin uz den joden. Urkundend. Stadk Magdeburg. I S. .407 Nr. 634. H,‘) März 11. Urkundenbnch Goslar IV. S. . ,476. Nr. 627. S. Neu sc Id. Th ü r ing ischsstchsi s ches Gebiet S. 35. -Amn. 5. Daß es sich hier um die Erweiterung desalten Friedhofes handelt, geht freilich ans der Urkunde nicht deutlich hervor. Denkbar ist. aatcf) die Erwerbung eines völlig neuen Friedhofes. . *'") Febr. 10. Urkundenb. Stadt Magdeburg I S. 365 Nr. 572. Urknndenb. Kloster Berge S. 175 Nr. 234, bestätigt 1385 Juli 25. Urkundenb. Stadt Magdeburg I S. 390 Nr. 609, Kloster Berge S. 17 7 Nr. 236. ' ' »') A.. 1312. i. Neufeld, Thüringisch-sächsisches Gebiet S. 82 Anm. 4. Indem genanyt wirb, die an Ihrem Oernamen. erkennest 'Wen: daß sie aus "unsererGegend',JnanAW-ans 'Erfurt"'),: Heiligenstadt^), Mühchansen8*), Nordhansen^) und Römhild1'8) stammen. - SenjamlnK LikbesiikL. (29. Forts.) Roman ' von & >a m u e l M e i s e l s. nd wandelnde Leichen, teils weiße Gestalten, teils dunkle. Schatten, bewegten sich stumm, zwischen den Gräberrechen. Es war der große Abschiedsbesuch, den die ganze Gemeinde ihren Toten abstattete. Die Männer waren in weißen Sterbekitteln, die Frauen in schwarzen Kleidern. Bevor sie den Gang nach dem Ringplatz vor das Haus des russischen Kommandanten antraten, wollten sie in das Grab ihrer einstigen Leuchten, der Gelehrten und der Frommen, der Wohltäter und der Wundertäter, ihren Äbschiedsgruß seufzen. ' Und sie, die sonst Lauten, Ueberlauten, im Schmerz Ungehemmten, taten es jetzt klaglos. Stumm wanderten sie zwischen den Gräbern, blieben hie und da stehen, verneigten sich, murmelten ein stilles Gebet und gingen weiter. Am Grabe des großen Kabbalisten Ascher Lewi stand der Hügel-Rabbi; frei, in der Luft, hatte er seinen rechten Arm zu einem Dreieck gebogen und seinen Kopf darin vergraben. So stand der Rabbi da und ließ fein Gebet, wie die Spiralfeder in einem Uhrgehäuse, zwischen seinen Herzenswänden kreisen.. Es war ein Beten, nach 'innen gekehrt, wo alle Inbrunst in Stummheit verharrt, und im lautlosen Schweigen ihre höchste, weil tiefste Ausdrucksform-findet. Kalman Schlüte stand kopfschüttelnd am Grabe seines Urahns, eines.Gemeindevorstehers^ der. inden älteren Gemeindebüchern lobend erwähnt. wurde. Seitdem Kalman seinen Einzigen, seinen „Kaddisch", in der Schlacht bei Grodek verloren, war ihm das Kopfschütteln das einzige Ausdrucksmittel für alle etwaigen seelischen Emotionen.-. Etwas abseits von den Gräbern, nahm Jankel Krummholz Aufstellung; er ließ seine Blicke bald dorther, bald dorthin schweifen, schien die wandelnden Leichen ein wenig kritisch zu beobachten und Preßte die Lippen aufeinander. Esriel Lamdan aber lief von einem Grabmal zum anderen und rieb mit einem Zipfel seines weißen Totenhemdes den Schnee aus den Inschriften. ' In einem nahezu traumbewußten Zustande'irrte Benjamin auf dem Friedhof umher und postierte sich schließlich vor einem Grabmal, auf dessen Kopfseite zwei Foliantenreihen ausgehauen waren; es war der Grabstein, unter dem die. irdischen Ueberreste seines.Urgroßvaters ruhten, des großen Gelehrten Rabbi Benjamin, dessen Namensträger erwar.- Dämmernd kam es Benjamin ins Gedächtnis, daß er hier schon einmal gestanden; aber wann und mit wem er hier gewesen, daran konnte er sich nicht mehr erinnern. Er wußte nur: der Friedhof hatte damals anders ausgeschett/nns. den" Gräbern hatte »2), 13 73 Krakauer, Urkun'denbuch zur Geschichte der Inden in Frankfurt (Frankfurt a. M. 1914). S. 538 und 911. I") 1398. Meyer von H. in Frankfurt, Kratauer 7'43v '»?) 1366 Bendit v. M-ollhnfen, Krakauer 83, 316.^ .. . ) "h 13i)5 und später; Jakob und Meir von.Nordhaufen in.Mainz and Franksurb ' Krakauer S.' 204 f. und Salfeld, Marchrowgiiim 367.'. . ' ' 7 . ' ' Hfl) 1363 lind später. Krakauer S. 79 s.