Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1920)
- Date
- 1920-01-23
- Page
- Seite 44 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Hauptstädten, Europas aufgeführt. Wenn Marcello dennoch von'manchen Musikern beißende Kritik erfahren hat, so liegt wohl die Ursache darin, daß er, wie aus seiner Selbstbiographic zu ersehen ist, Synagogen besuchte und für seine Psalmenkompositionen Motive aus den Gesängen der Kantoren benutzte. Marcello war von der Bedeutsamkeit dieser Melodien derart überzeugt, daß er sich sogar veranlaßt fand, jeder seiner Psalmkompositionen das betreffende Melodiefrag,ment in Mensuralnoten, und zwar der hebräischen Textaufzeichnung zuliebe, von rechts nach links geschrieben, voranzustellen. So finden wir im ersten Folioband „Salmi di Da vidi" mustergültige musikalische Motive zu den Texten: ’rxntr'* nsiiz ,vnrr tc ”p it® vmv.'z “|Tix und “pia TH1? mit der Ueberschrist: »lowoasrone degli ebei dedeschi sopra il salmo“. Im zweiten Band, wo auch Gebetstücke, wie Kaddisch für Mosch hascliana wn®1 -nsc 7irö,p sn bo 122Vi*rn nrta ‘r-can vertont sind, hat Marcello ebenfalls jüdische Gesangsmotive benutzt. Josef Singer (s. A.) hat sich in seiner Studie über Benedetto Marcello der Mühe unterzogen, die Originalmotive aus der in alten Schlüsseln und Atensuralnoten vorsindlichen Aufzeichnung in moderner Form zu transskribieren und der Oessentlichtelt zu übergeben'). Singer schreibt dort folgendes: „Bei Atarcellos Ausschreibung flehen die Vertreter des Synagogengesanges vor einer authentischen Ueberlieferung altsynagogarer Gesanges denn diesem markanten, ernsten Ater,rer war es srcheruch nur daran gelegen, nach den gebräuchlichsten der damals üblichen Synagogenmelodren zu forschen. Diese Bevorzugung der jüdischen Psalmodien den dazumal üblichen laryouscheu und proleilantlschen gegenüoer seitens eines solch großen Meisters kann die Vertreter des Synagogengesanges mit stolzem Selbstbewußtlein erfüllen und erorrngt den Beweis, daß dre damals jüdischen Sänger und Voroerer ihre Vorträge in künstlertsch bedeutsamer Werse zum Ausdruck brachten, wenn ein Ateister wie Ätarcello ihnen ferne Beachtung zuwendet." Vor Singer hatte bereits Eduard Birnbaum in sernem dritten „Könrgsberger Brief" an Francrs Eohen (London) eine lehrrerche Analyse über Atarcellos Komposttlonen im „Jüdischen Kantor" 1883 veröffentlicht. Bei ernem Vortrag, den Birnbaum ün Berliner Verein jür jüdische Geschichte und Literatur hielt, sang er “yü; ilPö ur Atarcellos Melodie, die von der allgemeinbekannten vollständig abweicht. Ein objektives Urteil über Benedetto Atarcellos Gesänge hatte auch Goethe, Er hörte dieselben in Rom in der Sixtinischen Kapelle, wo der Palestrura-Stil durch die „römische Schule" gepslegt wurde, und äußerte sich wie folgt darüber: „So haben wir eine mertwürdrge Sammlung Psalmen un Hause; sre sind in italienische Verse gebracht und von einem venezianischen Novae, Benedetto Marcello, zu Anfang dieses Jahrhunderts in Musik gesetzt. Er hat bei vielen die Intonationen der Juden, teils der spanischen, teils der deutschen, als Motiv angenommen; zu anderen hat er alte griechische Melodien zugrunde gelegt und sie mit großem Verstand, Kunstkenntnis und Mäßigkeit ausgekührt. Sie sind teils als 0cii,„ Duett, Ehor gesetzt und unglaublich originell, ob man gleich sich erst einen Sinn dazu machen muß. Kayser (ein Freund Goethes und ein hervorragender Musiker) schätzt sie sehr und: wird einige daräus abschreiben. Vielleicht kann man einmal das ganze Werk haben, das in Venedig 1724 gedruckt ist und' die ersten 50 Psalmen enthält." So werden Marcellos Psalmen und Gesänge sowie die Musikschöpfungen Mendelssohns, die Zelter an Goethe als Neues, Schönes, Eigenes, Geist, Fleiß *) Unionkalender, Wien 1900. und Wohlklang hezeichnete, trotz mancher erlittenen Änseinduttgen ihren hohen Wert für immer'behalten. — Benedetto Marcello starb am 24. Juli 1739, gerade an seinem 53.- Geburtstage, nachdem er.noch vorher in den „Rat der Vierziger" gewählt worden war. In der Kirche des heiligen Josef der Franziskaner zu Breschia steht aus seinem Grabstein geschrieben: Benedicto Marcello scentissimo Philologo Pitoitae Musiees'Principi. Sie lkinwirkung des „Schwarzen Codes" auk die IschAch-thürmsllchrn Juden. Bon Rabbiner Dr. Siegbert Neu selb in Briesen (Wpr.s, (Schluß.) s scheint danach, als wohnten zur Zeit keine Juden in Salzwedel; was mit der Judenschule wird, ist nicht ersichiuch. Alarkgvas Friedrich 111. und seine Brüder Balthasar, Ludwig und Wilhelm lassen sich nach der Verfolgung von Kaiser Karl IV. den Besetz der etwa in Meißen, Thüringen und dein Osterilande sowie der Mavk Landsberg, dem Lande Meißen und den Städten Zeitz, Naumburg und Halle wohnenden Juden urkundlich bestätigen"). Die Belehnung mit den Halleschen Juden geschieht jedoch, genau wie bei den-Mühlhäusern"), irrtümlich; denn diese gehören dem Magdeburger Erzbischof"'), der Kaiser besitzt also gar kein Verfügungsrecht. Auch erklären 1368 die Landgvasen Balthasar und Wilhelm urkundlich, daß Erfurt und Halle außerhalb ihres Schätzungsgebiets liegen"). Auch in Halle siedeln sich bald wieder Juden an. Sie bleiben unter der Oberhoheit des Magdeburger Erzbischofs. Das Judendors aber geht in den Besitz der Stadt Halle über"). Nach den Verfolgungen haben sich die Juden ari einigen Orten bald wieder angesiedelt. 1354 erhalten zwei Familien Wohnrecht und Schutz in Erfurt'"). Schon drei Jahre später kommen mindestens vier andere Familien nach Erfurt und mieten vom Rate die bis dahin wüstliegende Judenschule. Sie ziehen wieder in die ehemaligen Judenhäuser ein und begeben sich in den Schutz des Rates. Doch müssen sie dem Rate zur Reparatur der Synagoge und der Judenhäufer viel Geld geven""). Bis dahin war die Synagoge und auch der Friedhof im Besitz von Nichtjuden gewesen"). Nach anderer Ansicht wird mci)t die alte Synagoge repariert, soiidern eine neue gebaut"-), doch ist dies unwahrscheinlich Ebenso unwahrschein- ") Böhmer-Huber, Regesta lmperii VIII, 1. Ergänznngshest (Innsbruck 1889), S. 700, Nr. 6637. Neues Lausitzifches Magazin, Band 88, 3. 175. 1350 Febr. 6. Bautzen. ") S. oben S. 46. , '*) Belege aus dieser Zeit bei Neuseld, Hallesche Juden 38, 39. ") Ludewig, Rolchuiao Uanuseriptoium (Frankfurt und Leipzig 1720) X 230. Kroner, Festschrift zur Eimveihang der neuen. Synagoge in Erfurt am 4. September 1884, S. 10. '") Neufeld, Hallesche Juden, 38 f. '") lluo hospites cum uxori'bus et pueris, atque per consules. defensi mansionem ibidem receperunL Geschichtsquellen der Provinz Sachsen 42, S. 137. 1354 Nov. 14. Also mir hospites, sie genießen nur Gastrecht! . Vgl. auch Süßmann, Mitteilungen des Gefamtarchivs der deutschen Juden, V, S. 11. ’ ch Jalckenstein 260 f.. Jaraczewsky 33. . k. ch Jaraczewsky 82. anno 1350. ,1- 5S) Die Rechnungsbücher, welche zwischen Bauen und Bessern unterscheiden, sprechen hier vom Bauen einer Synagoge. Jaraczewsky 70. S. Neuseld, Die Juden im thüringisch-sächsischen Gebiet während des Mittelalters (Berlin 1917), S. 27 Anm. 3.