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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-23 · Heft 4 (23.1.1920) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 4 (23.1.1920)
Date
1920-01-23
Page
Seite 43 (sequence 7)
Language
German
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Dr. Mtntm SernkeM. Zu feinem 60. Geburtstage und 40 jährigen Schriftstellerjubiläum. Jubilar, einer unserer bekanntesten Schriftsteller und Gelehrten, wurde am 6. Januar 1860 zu Stanislau (Galizien) geboren. Im Hause eines gelehrten Vaters ausgewachsen, wurde er schon früh in die Kenntnis der hebräischen Sprache und Literatur eingcführt- Auf den Universiäten Breslau, Königsberg und Berlin und auf der dortigen Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums vollendete er sein Studium, schon hier als Schriftsteller auf dem Gebiet der Wissenschaft des Judentums tätig. Nach Abschluß seiner Studien war Bernseld einige Jahre Oberrabbiner in Belgrad. Von dort zurückgekehrt, wid- ' mete er sich in Berlin ganz der Erforschung des Judentums und seiner Wissenschaft. Eine große Reihe von Schriften und Aufsätzen in hebräischer und deutscher Sprache legt Zeugnis ab von seiner erfolgreichen vierzigjährigen Tätigkeit auf diesem Gebiet. Daneben war Bernfeld lange Jahre als Politischer Schriftsteller und Essayist tätig, und Aufsätze über allgemeine Politische und kulturgeschichtliche Fragen zeigen seine Meisterschaft auch auf «diesem Gebiet. Besonders haben Bernfelds Arbeiten in hebräischer Sprache einen großen Einfluß aus das Hebräisch lesende Publikum gewonnen. Eine ganze Generation des Ostens ist durch sie erzogen worden. Hat doch Bernfeld in fast allen bedeutenden hebräischen Zeitschriften mitgearbeitet, vom „Hamagid" der achtziger Jahre bis zur jüngst begründeten Zeitschrift „Mikkat". Eine nicht minder große Verbreitung fanden seine Bücher, vor allem die „Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie" (Daat elohim), die neben allen wissenschaftlichen Vorzügen noch den der Allgemeinverständlichkeit besitzt. Andere Arbeiten behandeln historische Stoffe (Mahommet, Rapoport, Rießer, Michael Sachs, die Geschichte der Reformbewegung). Nicht minder bedeutend sind Bernfelds Schriften in deutscher Sprache. Neben einer Monographie über den Talmud sei seine Schrift „Juden und Judentum im 10. Jahrhundert" erwähnt, eine historische Darstellung dieser für die Entwicklung des Judentums so wichtigen Epoche, sowie „Kämpfende Geister im Judentum", vier vortreffliche Biographien hervorragender Männer (Leon Modena, M. Eh. Luzzatto, Salomo Maimon, S. T. Luzzatto). Bedeutender fast noch sind Bernfelds Arbeiten auf dein Gebiet der Bibelwissenschaft, denen wir sein „Buch der Bücher" verdanken. Vor allem aber ist hier seine Bibelübersetzung zu nennen, die in vielen Auflagen über ganz Deutschland verbreitet ist. Endlich hat Bernfeld während des Krieges ein umfangreiches bibelkritisches Werk in hebräischer Sprache vollendet, das wir als reife Frucht seiner langjährigen Forschungen auf diesem Gebiete mischen können. Wünschen wir. daß dieses Werk, das der Verfasser als sein«Lebenswerk bezeichnet, recht bald der Oeffentlichkeit übergeben wird. Ein anderes Werk, das demnächst erscheinen soll, ist dem dogmatischethischen Inhalt des Judentums gewidmet und aus Bernfelds langjähriger Tätigkeit als Leiter des Apologetischen Archivs des Verbandes der deutschen Juden erwachsen. Seit zwei Dezennien gehört der Jubilar dem Vorstande des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur an, beteiligte sich als Mitglied der Kommission zur Herausgabe der in vielen Tausenden von Exemplaren verbreiteten Schrift „Judentum lind Christentum, Parallelen" mit großem Eifer an deren Arbeiten (1905) und schreibt seit 1910 alljährlich die „Literarische Jahresrevue" für das vom Verbände der Literaturvereine herausgegebene Jahrbuch. Nicht zuletzt sei Bernfelds Betätigung als Lehrer der Jugend. erwähnt. Schon in Belgrad war dies seine Lieblingsbeschäftigung, und noch jetzt trägt er durch Vorlesungen an der Freien jüdischen Volkshochschule und sonstige Vorträge in hebräischer und deutscher Sprache zur Verbreitung der Kenntnis und der Liebe zum Judentum bei. Möge es Bernfeld noch recht lange vergönnt sein, zum Wöhle des Judentums wirken und schaffen zu können. Dr. Simon Atelier Kaufhain Lmkdktto Warrello und die slljüdilchkn Melodien. Von Musikdirektor Aron Friedman n (Berlin). 3 m 6. Artikel seiner „Hei ne^Stüdien" A llgemeine Zeitung des Judentums" 1918, Nr. 37, S. 438) sprach Ludwig Geiger von den Schmähungen, denen Bernfeld. die musikalischen Schöpfungen des Westens. Mendelssohn-Bartholdys wegen der jüdischen Abstammung ihres Autors ausgesetzt waren. Auch Marcello, heißt es dort, mußte wegen seiner Psätmenkompositionen manche Gehässigkeit erdulden. Da Geiger Mendelssohn mit Marcello in Zusammenhang bringt, dürfte es von Interesse sein, etwas Näheres über den italienischen Komponisten zu erfahren. Benedetto Marcello, einer der genialsten und vielseitigsten Meister der alten venezianischen Schule, bedeutend sowohl als Komponist wie als Dichter, stammte aus -einem der angesehensten Patviziergeschlechter Venedigs und wurde 'daselbst am 24. Juli 1686 geboren. Talent und. Neigung drängten ihn, obgleich er für die Advokatenlaufbahn bestimmt war,- zur Musik. Nach absolvierten Studien bei Antonio.Lotti und Casparino komponierte er Oratorien, Kantaten, Serenaden, Motetten und Messen. Marcello lenkte seine, kompositorische Tätigkeit auch auf die Psalmen, weil sie „vom. Geiste der Tonkunst so durchdrungen sind, daß sie in jedem ihrer. Glieder Jubel und Klang gleichsam mit sich führen". Die Marcello- Psalmen erlangten einen ungemeinen, Ruf durch ihre edle, einfache Erhabenheit und Größe und wurden oft in den

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