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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-23 · Heft 4 (23.1.1920) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 4 (23.1.1920)
Date
1920-01-23
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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40 .Womit beweist aber Herr Fritsch, daß öie Demokratische Partei ein? Judcnpartei sein soll? Er behauptet, daß die In d e 11 dies bei der Parteigründung ,,s e bb « r d u.r ch A n ~- ze i g e n v e r f i: u d e t e n", Durch diese Behauptung wärmt Herr Fritsch eine richtsn utzi ge r eakt.ionSra r rj'* semi t i s ch e Fälschung vom vorigen Jahre w jeder auf. Im Januar v. I. ist in den „Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" nachgewiesen worden, daß die Anzeigen, die hier gemeint sind, „S ch w i n d e l a n n o n c e n" waren, die unter Aufwendung lehr großer Geldmittel seitens der ausgesprochen konservativen I ns ernten agentur Eduard Poppe (Wilmersdorf) in eine große Anzahl von konservativen Blättern eingerückt worden wären und die die genannte Firma auch in linksstehende Bläffer einzuschmuggeln versuchte. Als dann infolge des Charakters der sin Rede stehenden Annoncenfirma die Kreise der, Deutschnationalen Volkspartei für die Inserate in Anspruch genommen wurden, veröffentlichte der Herr Staatsminister a. D. Hergt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vorstandes der Partei eine Erklärung, in der er versicherte, „daß die Leitung und die Organisation der Deutschnationalen Volkspartei jenen Anzeigen völlia fernstehen, derartige Wahlmanöver auch auf das schärfste mißbilligen würden". Der oder die Aufgeber der Schwindelanzeigen konnten leider nicht festgestellt werden, es unterliegt aber nicht dem geringsten Zweifel, daß ihre Urheber in deutschnational-volksparteilichen, und antisemitischen Kreisen zu suchen sind. Es ist jedenfalls für die von Herrn-Theodor Fritsch geplante neue Parteigründung sehr bezeichnend, daß schon >an ihren Uranfängen, noch ehe die Partei überhaupt das Licht der Welt erblickt hat, die Lüge und die Fälschung Pate stehen. Was Herrn Fritsch hauptsächlich zu seinem Projekt veranlaßt hat, ist seine Unzufriedenheit mit der D e n tsch na ti o n alen Volkspartei. Er wirft ihr vor, daß sie auch bis heute eine scharfe Formulierung ihres Programms in den wichtigsten Punkten meidet, und fährt dann fort: „Auch sie möchte es mit der internationalen Geldmacht nicht gern ganz verderben. Darum wagt sie auch nicht, ihr Hans streng rein zu halten. Eine Partei, die völlig unabhängig sein will und es ernst nimmt mit der Lebensfrage des deutschen Volkes, muß völlig judenrein bleiben. Der Jude ist kein Deutscher und gehört nicht in eine wahrhaft deutsche Partei." Am meisten aber leidet die Partei nach Herrn Fritsch unter dem Rufe, daß sie eine Fortsetzung der alten Konservativen darstelle und daß diese als die Urheber und Schürer des Krieges angeschwärzt werden. Er meint zwar, es geschähe ihnen damit bitteres Unrecht, allein es sei mit dieser Stimmung zu rechnen. Wenn er dann noch hinzufügt: „Wir brauchen aber eine große volkstümliche und gut nationale Partei", so erklärt er also ganz offen, daß die Deutschnationale Volkspartei dies nach seiner Meinung nicht ist. Die neue Partei müßte nach seiner Meinung sein: „antljüdisch,antikapitMstisch, bodenresormerisch, Mittelstands- und arbeiterfreundlich, freiheitlich und fortschrittlich in allerfreiestem Sinne." Antijüdisch, also antisemitisch, und freiheitlich sowie fortschrittlich, wie soll sich dies zusammenreimen? Das kann nur jemand, begreifen, der sich in den wirren und krausen Gedankengäugen der antüemitiichen Logik zuvschtzufinden vermag. „D i e neue Partei", so fährt Herr Fritsch fort, „w ird. a r in > ei n: Es werb en i h r n i rge nd s die rei chen Mittel z u s l i e ß e n, d i e d i e i n t e r n a t i o n a l e K a - pitalmacht überall einsetzt, um ihr« Herrsch a f t zu sichern. Rach dem oben Ausgeführten schließt der Gründer der neuen Partei hierbei keineswegs die Deutschnationale Volkspartei aus; man muß es sich wohl merken, daß ein so hervorragender Antisemitenhäuptling auch diese Partei keineswegs von dem Vorwurf ausschließt, daß sie international kapitalistisch verseucht sei. ' Jur übrigen bemerkt auch Herr Fritsch, daß es sich bei seiner Gründung nicht um Z e r splitterung, sondern um-.Sammlung handle. Diese Logik geht auch manchem seiner antisemitischen Gesinnungsgenossen über die Hutschnur. So bemerkt Herr Lebius in seiner ..Staatsbürger-Zeitung" (liu Januar) recht unwirsch zu dem Projekt seines Leipziger Konkurrenten: „In dem mehrere Seiten langen Artikel haben wir vergeblich.sestzustellen versucht, ob die neu« Partei monarchistisch oder republikanisch ist. L eu t e, d i e n icht wissen, w as sie w ollen, sollten erst lieber gar nicht ans au gen." Herr Lebius hat sich bekanntlich selber als Parteigvünder versucht, indem er seine famose. Nationaldemokratische Partei ins Leben gerufen hat. Da sich von dieser inzwischen ein neues Parteichen abgesplittert hat, so weiß dieser Mann offenbar ein Liedchen davon zu singen, was «s mit der von Herrn Fritsch erstrebten Sammlung aus sich hat. * Unter allen wirtschaftlichen Kampfmitteln ist der Boykott aus politischen oder religiösen Gründen wohl das bedenklichste. Es ist allerdings nicht einzusehen, was religiöse oder politische Stellungnahme für eine Rolle spielen kann in Fragen, in denen reine Zweckmäßigkeit allein den Ausschlag zu geben hat. Wenn man unseren antisemitischen Schreiern Glauben schenken wollte, müßte man annehmen, daß auch hier wieder die bösen Juden die Hauptschuldigen wären,, die — gestützt auf die „Monopolisierung" des Kapitals, der Presse usw. in ihren Händen — die „Deutschen" rücksichtslos zu boykottieren drohten, wenn sie sich nicht zu ihren gefügigen Knechten herabdrücken ließen. So klagen auch die „Deutschvölkischen Blätter" (25. Dezember 1919) wieder in einem herzerweichenden Artikel über angeblichen, jüdischen Boykott gegen die „Ostdeutsche Rundschau" in Wien, weil eine Anzahl jüdischer Firmen diesem schamlosen antisemitischen Blatte die Inserate entzogen habe. Begründet war dieser Schritt damit, daß man Juden doch nicht zumuten könne, in einem Blatte zu inserieren, dessen redaktioneller Teil die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens wiederholt angriffe. Ausdrücklich war dieser Begründung vorangeschickt, daß den Einsendern „jede Einwirkung auf die Redaktion fernliege". Diese Jnseratenentziehung ist natürlich für das Blatt, in dem u. a. der bekannte reichsdeutsche Antisomitenhäuptling Professor Werner (Butzbach) fortgesetzt den Oesterreichern heftigsten Kampf gegen die „Riasfenfremden" predigt, sehr peinlich, aber daß gerade das Organ des „Deutfchvölkischen Schutz- und Trutzbundes" darüber so Entrüstet tut, ist doch der Gipfel der Unverfrorenheit. Gerade dieser Bund ist es doch, der an allen Straßenecken, Zäunen, Bedürfnisanstalten usw. Zettel ankleben läßt: „Kauft nicht bei Juden" und ähnliche gute Ratschläge für die „Deutschen"; ja die „Deutschvölkischen Blätter" selbst enthalten fast regelmäßig im Inseratenteildie Mahnungen: „Unterstützt bei Einkäufen den deutschen Kaufmann und Handwerker!" „Kauft nur bei Deutschen!" Sollen etwa jüdische Firmen , ihre Inserate neben derartige Aufforderungen setzen! Auch die übrige antisemitische Presse, an der Spitze, der .Wölkisch« Beobachter" (München), die „Freie Meinung" (Düsseldorf) und Dr. Pudors „Deutscher.Volksrat", fordern dauernd zum. wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykott 'der Juden auf, und: sogar die deu-tschnatioträle „große" Presse beteiligt sich, energisch an diesem Feldzuge, wie erst neuerdings eine Notiz in der „Deutschen Zeitung" (29. Dezember v. I.) beweist. Wir lesen dort: ' :

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