Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1920)
- Date
- 1920-01-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Nabels zu finden ist. Ein gut zusammengesetztes Quartett sang noch die Verkündigung aus den Propheten, wie sie Oberkantor Hähnele (Hamburg) für den Gottesdienst der hohen Feiertage intoniert hat. Zum Schluß kam ein vom Berliner Chordirigenten Kellermann unter Benutzung von im Osten üblichen Melodien vertonter Psalm zu Gehör. Als ganzes war der Abend geeignet, sowohl der Bibel als auch der jüdischen Musik gerecht zu werden. Er hat jedenfalls besser für die Achtung der kulturellen Werte des Judentums gewirkt, als die jetzt so beliebten Protestresolutionen gegen den Antisemitismus. 22 Hannover, 9. Januar. Am 14. v. M. fand in den Räumen der Simonschen Stiftung zu Hannover die alljährlich eSitzung des Kuratoriums der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem statt. Vor Eintritt in die. Tagesordnung hielt der Vorsitzende «Herr Geheimrat Berend einen warmen Nachruf auf'die verewigten Mitglieder des Vorstandes und Kuratoriums, Herrn Konsul M. L. Ja,sie (Hannover) und Herrn Otto Wolfs (Darmstadt). Er gratulierte dann dem hochverdienten Mitgliiede des Kuratoriums Herrn Sigm. Feder lein zu seinem 80. Geburtstage und richtete seinen b>- sonderen Dank an Herrn Kommerzienrat Joseph Berliner, Mitglied des Vorstandes, der sich um die Förderung der Ahlemer Bestrebungen unvergängliche Verdienste erworben hat. — Die turnusmäßig ausscheidenden Vorstands- und Kuratoriumsmitgli-eder wurden wieder gewählt. Neu in den Vorstand gewählt wurden die Herren Kaufmann Hans Wolfes und Chemiker Dr. Weil; neu in das Kuratorium gewählt wurde Herr Ludwig Trier (Darrnstadt). Herr Geheimrat Berend, der seit Begründungder Anstalt die Geschäfte des Kuratoriums in hervorragender Weise geführt hat, legte sein Amt aus Gesundheitsrücksichten nieder. An seine Stelle wurde Herr Justizrat Tr. B-enfeh I gewählt. Aus dem Bericht sei folgendes erwähnt: 175 ehemalige Schüller der Ahlemer Anstalt haben im Felde gestanden, 40 erhielten Ausze'ichnungi7n, darunter sechs das Eiserne Kreuz erster Klasse, 26 sind gefallen', unter ihnen eine Reihe der ältesten, die sich bereits in selbständigen Stellungen befanden. Am 1. Februar wurde das seit Kriegsbeginn in der Anstalt bestehende Lazarett aufgelöst, und die Anstalt konnte ihre Arbeit in vollem Umfange wieder aufnehmen. Zurzeit befinden sich in derselben 103 Zöglinge, und zwar 55 männliche Lehrlinge, acht Gartenbauschülerinnen (ab Januar 14), 17 Haushaltungsschülerinnen, 16 Schulknaben und sieben Schulmädchen. Die im Laufe des Berichtsjahres zur Entlassung gekommenen. Gärtnergehilfen und HauZhaltungsschülerinnen fanden leicht gutbezahlte Stellungen. Die Gärtnerei, die nunmehr unter Leitung eines ehemaligen Ahlemer Schülers steht, hat zur Zufriedenheit gearbeitet. Die Rechnung des Jahres 1918 und der Voranschlagfür 1920 wurden genehmigt. Ferner nahm das Kuratorium davon Kenntnis, daß der Leiter der Anstalt, Herr Direktor S i l b e r b e r g , zum Geschäftsführer der Simonschen Stiftung «gewählt ist. Derselbe wird daneben die Oberleitung der Gartenbauschule Ahlem, an der er seit 23 Jahren wirkt, beibehalten. E. G. Gietzerr, 9. Januar. In der heutigen Zeit, in der die Wogen des Antisemitismus wieder sehr hoch gehen, sei aus ein Dl'ch hingewiesen, das -im Jahre 1908 bei Eckard in Leipzig erschienen ist. Es führt den' Titel: „Der Humani tat sge danke". Der Verfasser ist der Gießener Hochschullehrer Dr. Walter Kinkel. Ganz vortrefflich -und sehr zeitgemäß sind seine Ausführungen über Rassen- und Klassenhaß. Ter Antisemitiismus, -teils dem. Rassenhatz, teils religiösem Fanatismus entsprungen, ist ein Ueberbleilbsel einer Primitiven und rohen Kulturstufe, das die Menschheit einmal endlich abwerfen sollte. Auch die anderen Gedanken -Kinkels über Prinzip und Idee der Humanität, über -den modernen Staat, und besonders sein Urteil über Treitschke sind so interessant, daß essich empfiehlt, das Büchlein zu lesen und für Büchereien anzu schaffen. Schwei?. Z. Zürich, im Januar. Infolge starken Schneesalls ereignete sich am 23. Dezember v. I. in Davos ein tragisches Unglück. Eine der Lawinen, die durch das Schiatobel hinuntersauste, stürzte sich mit ungehemmter Kraft u. a. auch aus die jüdische Heilstätte „Ethania", die erst kürzlich auf Anregung des Herrn A. I. Rom von -der Schweizer Judenheit für 575 000 Franken erworben und am 16. Juni v. I. eingeweiht worden war. Die Schneemassen, die auch aus -die weiter unten liegenden Häuser sielen, drangen^ ohne die Außenmauern zu beschädigen, durch Türen und Fenster auf -der Bergseite ein, drückten im Innern der Häuser Wände und Türen ein, stürzten durch Treppenhäuser und Lichtschächte hinunter, die Zimmer, Gesellschaftsräume und sogar teilweise noch die Kellerräumlichkeiten mit Schnee füllend. Unter den sechs Toten, die das Unglück forderte,' sind auch zwei jüdische Opfer zu beklagen, die jedoch nicht im jüdischen Sanatorium, sondern im Sanatorium Davos Dorf vom Tode ereilt wurden. Es sind dies die Krankenschwester Berta Silberer aus Zürich unddie zur Kur in Davos weilende Rebekka Vaksmann aus Kischinew. Die jüdische Heilstätte „Ethania" selbst hat, abgesehen von dem gewaltigen Materialschaden, der mit 125 000 Franken -nicht, zu. hoch angegeben sein dürfte, glücklicherweise kein Menschenleben zu beklagen. Tank der Geistesgegenwart und Energie des Chefarztes Dr. Oeri gelang, es, die Patienten an der Sü-dterrasse der Heilanstalt zu bergen und sie von 'der Flucht auf die Straße abzuhalten, wo sie zweifellos von den nachfolgenden Lawinen verschüttet worden wären. Später konnten sämtliche Patienten und Angestellte unverfehr die Heilstätte verlassen. Durch die rührige Arbeit der LokaUommission Davos sind sämtliche Patienten in zwei Sanatorien bis auf weiteres untergebracht. Die Verhandlungen mit einem Sanatorium sind soweit gediehen, daß dort die Patienten sofort einziehen und in der gleichen Weise wie in der „Ethania" verpflegt werden können bis der Betrieb der jüdischen Heilstätte „Ethania" wieder aufgenommenwerden kann. Skutsch-Okllrrreich Z. Wien, 8. Januar. Tie „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" hielt kürzlich die elfte ordentliche Generalversammlung ab. Die Beteiligung der Mitglieder war eine rege, und groß war die Zahl der erschienenen Gäste, unter denen man die Vertreter des Präsidiums der Israelitischen Kultusgemeinde. des Professor.cnfolleqiums der „Israelitisch - Theologischen Lehranstalt," der „Israelitischen Allianz" und anderer Vereine und Korporationen bemerkte. Der Vorsitzende, Herr Hosrat Professor Tr. A. Politzer, eröffnete die Versammlung, indem er zunächst die zahlreich Erschienenen begrüßte. Sodann erstattete er den mit vielem Beifall aufgenommenen Tätigkeitsbericht des Kuratoriums für die abgelaufene Berichtsveriode 1914—1918. Beginnend mit der Motivierung der durch die Kriegsereignisse und deren Folgen eingetretenen Berichtspause hielt der Redner einen warmen Nachruf den im verflossenen Zeiträume Hingeschiedenen Mitgliedern des Kuratoriums: dem weltbekannten Altertumsforscher Abram Epstein (gestorben 6. April 1918), dem unvergeßlichen Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann (gestorben 5. August 1918) und dem seit dem Tode Sonnenthals als erster Vizepräsident fungierenden Tr. Bela Taussig (gestorben 3. November 1918). Er gedachte in trefflicher Schilderung des Könnens und Leistens dieser um die Sache des Museums so hoch verdienten Männer und feierte unter den anderen dahin geschiedenen 45 Mitgliedern der Gesellschaft. deren Zahl nun 311 betrügt, insbesondere das Andenken des am 25. April 1917 Heimgegangenen vielge rühmten Wohltäters Salo Cohn und des erfolgreichen Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern (gestorben 1. Dezember 1919), die beide stete Förderer und Gönner der Gesellschaft gewesen sind. Der Vorsitzende berichtete hierauf über die durch den Heimgang Dr. Bela Taussigs erforderlich gewordene Veränderung unter den Funktionären des Kuratoriums, der Art, daß Herr Hofrat Dr. Frankfurter nun die Stelle des ersten Vizepräsidenten bekleide, und schlug mit Berufung auf 8 6 der Satzungen die Wahl des Herrn Oberrabbiners Dr. H. P. Chajes als Nachfolger Dr. Güdemanns und des Herrn Samuel Glück sel i g als Antiquarsachverständigen ins Kuratorium. — Am 17. vorigen Monats ist, wie bereits mitgeteilt, der Bibliothekar der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Bernhard Münz im 64. Lebensjahre gestorben. Dr. Münz, ein -gebürtiger Leipniker, war durch seine umfassenden Kenntnisse und ^ein reiches Wissen in der Gelehrtenwelt sehr bekannt und geschätzt. Er war Verfasser zahlreicher philosophischer und literarischer Schriften, auch ein treuer Mitarbeiter der „Allgemeinen Zeitung des- Judentums". (Wir werden ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahven. Die Redaktion.) Tr. Bernharb Münz war seit einem Vi-erteljahrh'.indert Bibliothekar der Wiener Kultusgemeinde; in dieser Eigenschafthat er dazu beigetrag-en, die Schätze der Gemeindebibliothek zu mehren und deren Benützung den Forschern und Lernbegierigen zu erleichtern. Die'Beisetzung -erfolgte unter zahl-