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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-16 · Heft 3 (16.1.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 3 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 reicher Beteiligung am Freitag, 19. vorigens Monats, aus dem neuen jüdischenFriedhof. An der Bahre des Ent schlafe ueri hielt Rabbiner Tr. F e u ch-tw a n geinen erg>reifen>de,u Nachruif. Oalm. K. f. d. O. Lodz, im Dezember. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat beim Ministerium für Religions- und Schulwesen schriftlich Protest erhoben gegen den Beschluß des Lodzer Kreisschulrats, der die Abschaffung des hebräischen Religionsunterrichts in den städtischen Volksschulen, die von jüdischen Kindern besucht und dem Ministerium für Religions- und Schulwesen unterstellt sind, angeordnet hat. In diesem Protest wird unter anderem folgendes hervorgehoben: In der Erkenntnis, daß 1. die jüdische Religion mit der hebräischen Sprache eng verknüpft ist; 2. um die Grundprinzipien der jüdischen Religion erlernen zu können, jedes jüdische Kind, besonders männlichen Geschlechts, verpflichtet ist, Elementarkenntnisse der hebräischen Sprache zu besitzen; 3. das bisher seitens der jüdischen Eltern den polnischen Volksschulen entgegengebrachte Vertrauen, sobald die hebräische Sprache abgeschafft wird, sich bedeutend vermindern wird; 4. der hebräische Religionsunterricht sogar während der reaktionärsten Zaristenherrschaft innegehalten wurde; 5. die Schule beim jüdischen Kinde das religiöse Gefühl Wecken und entwickeln muß; 6. der Unterricht des Hebräischen in den Volksschulen den Eltern der jüdischen Schüler besondere Ausgaben für den Unterricht dieser Lehraegenstünde bei unqualifizierten Pädagogen in unhygienischen Lokalen erspart, fordert der Vorstand der jüdischen Gemeinde als Repräsentant der religiösen und kulturellen Interessen der Juden das Ministerium auf, auch fernerhin den hebräischen Religionsunterricht an den städtischen Schulen beizubehalten. Der Klub der jüdisch-nationalen Landtagsabgeordneten beabsichtigt auch seinerseits, diesbezüglich eine Interpellation an den Minister für Religions- und Schulwesen im Landtag einzubringen. Von Sah und Fern. — Dem praktischen Zahnarzt Tr. med. Ko.nrad Cohn ist ein Lehrauftrag für soziale Zahn-Heilkunde an der Berliner Universität! erteilt worden. — Oberkantor Magnus David so h n, der erste Kantor der Synagoge Fasanenstra.ße, ist durch die Verleihung der Roten-Kreuz-Medaille ausgezeichnet worden. — Die vielfachen Anstrengungen bei' jüdischen Organisationen, die aufreizende An.preisungeines ,,Pogrom" benannten Ungezieferverti-lgllngsmittels zu bosei-ti-geu, haben zu dem Ergebnis'geführt, daß ein Berliner Gericht die Benutzung des Mortes „Pogrom" als Handelsmarke verboien hat. Wie vielleicht noch erinnerlich, hat eine deutsche' Firma dieses Wort bei der Reklame eines! Mittels zur Ausrottung von Mäusen und Ratten, benutzt. Das Gericht hat -befunden, daß das Wort, das stets im Zusammenhang mit Judenmetzeleien angewandt wird, geeignet ist, die Menge gegen die Juden aufzuhetzen. — Bei einem Einbruch irr die Synagoge zu Potsdam ist eine größere Anzahl von Gebetmänteln im Werte von etwa 3000 Mark gestohlen worden. Auf die Ermittlung, des Täters und die Wiederbeschaffung der Tallessim ist eine Belohnung von 300 Mark ausgefetzt worden. — Aus Thorn wird uns mil-geteilt: Frau Rabbiner Tr. Rosenberg -und Frau Graf hierfelbst haben bie Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse erhalten. Herr Rabbiner Tr. Rosend erg hat vor längerer Zeit das Verdienstkreuz für den Kriegshilfsdienst erhalten. — Im August v. I. wurde in die Synagoge zu Kattowitz ein Einbruch verübt, wobei Gebetmän!el, Tücher usw. gestohlen wurden. Vorigen Dienstag stand wieder ein Teilnehmer an dem Diebstähl, der Gelegenheitsarbeiter Jendrisczyk aus Kattowitz, vor der Beulhener Strafkammer. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. — Das Ehepaar Jakob und Elise Radlauer in Breslau, Scharnhorststraße 27, hat zum Gedächtnis seiner im> Kriege gefallenen Söhne der Stadtverwaltung eine Spende von 5600 Mark in 4l4proz,entigen deutschen Schatzan weis ungen übergeben. Die Zinsen des Kapitals sind dazu bestimmt, alle zwei Jahre je einem Studenten der hiesigen Universität, -ohne Unterschied der Konfession und des Geschlechts, die Vornahme einer Erholungs- oder Slndienreise zu ermöglichen. Daneben hat das Ehepaar Radlauer die von seinem ältesten . Sohne seinerzeit während der 'Jiahrhundertausstellung zur Schau gestellte Sammlung ostafrilanischer Gegenstände dein Magistrat überwiesen, -der sie auf Grund einer Vereinbarung mit dien Stiftern an die ethnographische Sammlung der Universitäl weilergeleitet hat. — In Fulda ist Rabbiner Dr. Michael Cahn, ein Führer der deutschen Orthodoxie, im 71. L-ebensjahre verschieden. — Der eurer. Rabbiner Professor Dr. Salfeld in Mainz begeht a,m 18. d. M. die Feier seiner goldenen Hochzeit, was viele feiner Freunde und Bekannte interessieren dürfte. Wir entbieten den: verehrten Jubelpaare unsere herzlichsten Wünsche. — In. Arnheim sind 1400 jüdische Kinder aus Wien eingetroffen.. Sie wurden von der jüdischen Bevölkerung und den Vertretern der jüdischen Hilfs'korporationen herzlich empfangen und mit Milch, und Bulterfemm-eln bewirket. — Aus Innsbruck wird geschrieben: Die maßlo-se antisemitische Verhetzung veranlaßle die Deutretung .der jüdischen Gemeinde zu einer Beschwerde beim Landeshauptmann. Dieser versicherte, daß der jüdifckeu Bevölkerung nichts geschehen werde, solange die italienische Besatzung in Innsbruck sei; später könne er sich allerdings nickst weiter für ihre Sicherheit verbürgen. Ter Innsbrucker Oberstaatsanwalt, an den -die Herren die Bitte richteten, der Hetze kraft seines Amtes entgegenzutreten, erwiderte, es hätte doch keinen Zweck, weil bei den Tiroler Gerickten., ins-- besondere den Schwurgerichten, die - Hetzerja ohnedies freigesprochen würden. — Wie -die jüdische Wochenschrift „Mult es Jönö" berichtet, hat der Fi um an er Importeur Bernhard Braun zur Erinnerung an feinen verstorbenen Vater und an seinenin der verflossenen Woche in Budapest den Krieasstrapazen. erlegenen Bruder, Hauplmann Daniel Biro, der Pester orthodoxen Chew-ra* Kadincha eine halbe Million Kronen zu- -einem wohltätigen Zwecke übermittelt. Die 'orthodoxe Gemeinde wird diese Summe zur Errichtung eines kleineren! Spitals mit streng ritueller Verköstigung verwenden. — Das Londoner Jüdische Korrelvondenzburea.u, teilt mit, daß, laut einer Verötf-entli'chuna des offiziellen bolsch-etv-ist'iichen Organs in Witebs.k (Westrußlan-d) auf einer von den rechten sozialistischen P>arteien, d. h. Sozi-alistenrevolu-tionä-ren, M-enschewiikr und- Poale Zion, abgebaltenen Ko-n.- fereu.z beschlossen w-urd-e, die Sowjej>regierung zur Bildung eines jüdischen Regiments aufzufordern, welches die Ausgabe habenfoll, die jüdische Bevölkerung vor Pogromen .zu schützen-. Als das Zentralkomitee des „Bundes" dies erfahrenhat, hat es sichsogleich an die Sowjetreg.i-erung mit einem scharfen. Protest -gewandt und auch du-rchgesetzt, daß diese das Verlangen der sozialisti-icheu Konferenz zurückgewiesen hat. — Der Stadthauvtmann von Odessa hat, dem „Prisyw" vom 17. Dezember zufolge von der Tenikin-Regierung di? Weisung erb alten, den Juden die Ausreise nach Palästina über Konstantinopel zu erleichtern. Tie aus-wandernden Juden stehen unter dem Schutze -einer besonderen amerika-mschen Kommission. — Das türkische Kriegsministerium veröffen-tlich-t einen Befehl, -der -alle Juden, Griechen und Armenier vom Militärdienst befreit. B-ekannitlich werden diejenigen Olto-maneu, w-elche keinen Heeresdienst leisten, milk einer besonderen. Steuer belegt. Der Befehl bedeutet die Rückkehr zu der vor dem Kriege üblichen Praxis. — In zionistischen Kreisen wird der Planerwogen, in Palästina ein neues Valulalystem einzu-führen. Die Umganasmünze s-oll ein „Schekel" fein., dessen Wert einem Frank gleich kommt. Ter Schekel wird 100 „Prutas" -krhalten. 25 Schekel bilden einen Gölddenar, dessen Wert einem englischen Pfund gleick-kommt. 25 Prutas bilden einen Silberdenar oder ein Hundertstel eines Golddena-rs. — Das Wolffsche Bureau verbreitet eine Meldung, wonach die -englische Regierung Sir Herbert Samuel zum Gouverneur von Palästina zu ernennen gedenke. Eine Bestätigung dieser schon früher in der jüdischen Presse Polens aufgetauchten Nachricht bleibt abzuwarten. — Aus Washington wird gemeldet: Staatssekretär L a n f i n a hat in einem Telegramm an Oberst Harry C u t t l e r mitgeteilt, daß die amerikanische Regierung beschlossen hat, alle erforderlichen Maßnahmen zu-m Schutze der ukra-ini-schen Juden zu ergreifen. Ter Generalkonsul, den. die Vereinigten Staaten nach Südrußland -entsandt haben, hat den Auftrag, dem Schutze des jüdischen Lebens und Eigentums seine besondere Aufmerksam keit zu widmen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastrgße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.

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