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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-16 · Heft 3 (16.1.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 3 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 16. Januar 1920 84 Jahrgang. Nt. 3 (£>£11100100110X0. Detlsgr zur „ANxrmeinen Leitung deK Judentums". korrkspondkn?kn und Machrichtra. Srutschisnd. E. M. Berlin, 13. Januar. D i.e Verwaltung der j ü - d i f ch e n G e m e i n d> e n ist in der Hauptsache auf -ehrenamtlicher Arbeit aufgebavt. Die Berliner Gemeinde hat Zwar neben zwei höheren Beanvteii', 'deren SLellu>n.g> etlvamit denender besoldeten Magistratsmitglieder verglichen werden darf, dem Syndikus und dem Vorsitzenden der Wohlfahrtskonnnission, eine große Anzahl juristischer Beiräte, doch liegt das Hauptgewicht natürlich immer noch in der Arbeit der ehrenamtlichen. Mitglieder der Verwaltung. Die Gewinnung einer ausreichenden Anzahl von Ehrenbeamten, die neben dem guten Willen auch genügende Fähigkeiten und Sachkenntnis für die betreffende Verwaltungsstelle m'tbringen, ist in. einer Großgemeinde wie Berlin schon mit Rücksicht aus die große Zahl der Ehrenbeamten keine leichte Aufgabe. Zur Auswahl von Ehrenbeamten für die jüdische Geme'nde wurde 1910 eine besondere Kommission eingesetzt, der Mitglieder des Gemeindevorstandes, Tl-bgeordnete der Repräsentantenversammlung und wahlfähige Gemeindemitglieder (Bürgerdeputierte) — in neuester Zeit auch Zwei Frauen — angehören. Gegen die Arbeit dieser Kommission waren von den verschiedenen Verwaltungsstellen Beschwerden bei dem Gemeindevorstand eingelaufen. Der Vorstand hatte eingehend über diese Beschwerden beraten, und war im Sommer 1919 zu dem Beschlüsse gekommen, die „Kommission zur Auswahl der Ehrenbeamten" aufzulösen, da sie die ihr zugewiesene Aufgabe, die für die einzelnen Verwaltungskommissionen erforderlichen Mitglieder den Gemeindebehörden vorzuschlagen, nicht immer in allseitig befriedigender Weise gelöst habe. D'e Repräsentantenversammlung hatte dieseni Anträge zunächst ihre Zustimmung versagt und beschlossen, die Frage der eventuellen Aufhebung der Kommission in gemischter Deputation zu beraten. Die gemischte Deputation ist auf Grund eingehender Verhandlungen zu dem Ergebnis gelangt, daß die Vorteile, die das Weiterbestehen der Kommission den Gemeindebehörden bieten, größer seien als die Nachteile. Sie empfiehlt daher, von einer Auslösung der Ehrenbeamtenkommisston vorläufig abzusehen. Um jedoch d'e Arbeit der Ehrenbeamtenkommisston ersprießlicher zu machen, wird eine Reform in der jetzigen Zusammensetzung und Arbeitsweise der Ehrenbeamtenkommission empföhlen. Durch Aufklärung über d'e Arbeiten der einzelnen Kommission und engeres- Zusammenarbeiten der Kommission mit den übrigen Verwaltungskommissionen sollen die bestehenden Mängel beseitigt, auch soll die Tätigkeit der Kommission auf die Wiederwahl der Mitglieder der Verwaltungskommission ausgedehnt werden. Der Gemeindevorstand hat sich nicht davon überzeugen können, daß durch diese Maßnahme eine w'rksame Abhilfe der zutage getretenen Unzutrüglichkeiten erreicht werden kann. Anderseits verkennt der ^emeindevorstand nicht die bisherigen Leistungen der Ehrenbeamtenkomm'ssion und die Vorteile, die der Bestand der Kommission der Gemeindeverwaltung bietet. Der Gemeindevorstand hatte daher beschlossen, die Anträge der gemischten. Deputation zur Beratung der Frage der Auslösung der Ehrenbeamtenkommission abzulehnen und die Ehrenbeamtenkommisston in der bisherigen Weise bestehen zu lassen Ein entsprechender Antrag stand in der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung zur Beratung. Die Meinung des Repräsentantenkollegiums scheu noch nicht ganz geklärt. Eine vorübergehende Beratung im zuständigen Ausschuß Hatte den unbeständigen Kurs gerügt, den der Vorstand in dieser Frage einschlage. Zuerst sei die Ehrenbeamtenkomm'sston. so schlecht gewesen, daß sie ganz verschwinden sollte, heute lehne derselbe Vorstand, der die ganze Einrichtung radikal beseitigen wollte, jede Verbesserung kurzer Hand ab. Der Ausschuß III, bemerkte Repräsentant Dr. Levh, kann sich mit dieser Behandlung 0er Angelegenheit nicht einverstanden erklären und fordert die Einsetzung eines! Sonderausschusses von sieben Mitgliedern zur Untersuchung der Frage. Die Versammlung einigte sich auch dahin, einen Ausschuß zur eingehenden Prüfung der Angelegenheit einzusetzen, von dessen Vorschlägen sie die endgültige Stellungnahme abhängig machen wird. E. M. Berlin, 13. Januar. Der R e ch n u n g s a b s ch l u ß der F r i e d h o f s v e r w a l t u n g der großen Gemeinde weist in diesem Jahre zum erstenmal ein Defizit von nahezu einer Viertelmillion auf. Die große Teuerung auf dem Gebiete aller Lebensbedürfnisse hat also auch vor dem Tode nicht haltgemacht. Die gewaltigen Ziffern dieses Rechnungsabschlusses erläutern deutlich die zahlenmäßige Bedeutung der größten jüdischen Gemeinde im Deutschen Reich. Die Abschlußziffer beträgt unter Ausgabe 2 385 165,45 Mark, denen eine Gesamteinnahmc von 2 170 992,73 Mark gegenübersteht, so daß eine Mehrausgabe von 214 175,72 Mark zu verzeichnen ist, die aus dem Gemeindesäckel gedeckt werden muß. Krieg und Revolution haben die finanzielle Entwicklung der Verwaltung im verflossenen Jahre sehr ungünstig beeinflußt. Die Ursachen des ungünstigen Bildes liegen in der bedeutenden Steigerung aller Ausgaben. Die Beerdigungsbedürsnisfe haben rund 183 000 Mark mehr erfordert, als veranschlagt war. Für Sterbekleider beträgt der Mehraufwand 90 000 Mark, für Särge 29 000 Mark, für Gebetmäntel 7000 Mark. Das Fuhrwesen verursachte 15 000 Mark für Pferdetransporte und 15 000 Mark für Automobiltransporte. Auch die Beamtenschaft hat erhöhte Ausgaben verursacht. Die Einnahmen der Friedhofsgärtnerei in Weißensee, die erheblich gestiegen sind, erbrachten einen Ueberschuß von 196 391 Mark, den höchsten Ertrag, den diese Gärtnerei seit der 1906 erfolgten Uebernahme in die Gemeindeverwaltung bisher erzielte; die Gärtnerei auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee hat dagegen eine Unterbilanz von nahezu 38 00O Mark zu verzeichnen. Im Berichtsjahr fanden'2361 Beerdigungen von Erwachsenen statt, gegen 2074 im Vorjahr, ferner wurden 187 Kinder beerdigt und 73 Aschenreste beigesetzt. Seit der im Jahre 1880 erfolgten Eröffnung des Friedhofes in Weißensee sind dort insgesamt 55 107 Beerdigungen vorgenommen worden. Auf dem für gefallene Krieger eingerichteten „Ehrenfelde" wurden 75 Beerdigungen, in der „Ehrenreihe" des Friedhofes 3 Beerdigungen vorgenommen. Auf dem Ehrenfelde ruhen jetzt insgesamt 332 Krieger; 114 für das Vaterland gestorbene Soldaten sind an anderen Stellen des Friedhofes beigesetzt worden. Die größte Sterblichkeit und damit auch die höchste Zahl der Beerdigungen war im Monat Oktober mit 303 Fällen zu verzeichnen, die niedrigste Zahl im August mit 147; im Durchschnitt fanden täglich etwa 8 Beerdigungen statt. Bei 1197 Beerdigungen waren Prediger zugegen, bei 1247 fand nur eine liturgische Andacht statt. Im Laufe des Berichtsjahres wurden 187 Erbbegräbnisse neu erworben. Die Gemeiudeverloaltu hat auf dem Grabe Robert Linderers, des Dichters des bekannten „Flaag.euli-ed.es", eine Gedächtnistakel mit folgender I n - s ch r i f t anbringen lassen: „Hier ruht der Dichter des Flaggenliedes, mit dem die deutschen Matrosen für den Sieg und Ruhm des Vaterlandes kämvsten und starben im Weltkrieg 1914/19."- - Die nun niareiche Friedhofsverwaltung liegt in den Händen einer Kommission von 20 Mitgliedern, der ein Stab von fachmännisch ausgebildeten Beamten zur Seite steht. 6. T. Berlin, 13. Januar. „T i e aramäischen Inschriften von Assnr und Hatrü" erläuterte ein Vortrag von Gebeimrat Professor Dr. I e n s e n (Marburg) in der „Vorderasiatischen Gesellschaft". Berhältni>smäßig spät erst hat man sich mit Ausgrabungen in diesen palmyrischen Wüstenstädten beschäftigt, deren Ergebnisse überaus wertvoll sind. Die bis jetzt in Assnr gefundenen Schrifttafeln stammen vermutlich aus der Zeit zwischen 511 und 539 unserer Zeitrechnung, wo die Stadt durch die Sassaniden zerstört wurde. Sie verraten, daß noch tausend Jahre nach dem Untergang Ninivehs der assyrische Götterkultus des Assur und Nebv in dieser Wüstonstadt weiterlebto, ja, daß sich sogar assyrische Namen in einzelnen Familien erhalten haben. Auf assyrischen Kult deutet auch die Tatsache hin, daß die meisten Inschriften im NisamMonat niedergckegt wurden, der als Neujahrsmonat bei den Assyrern besondere Bedeutung hatte. Kulturhistorisch wichtig ist ferner die Erwähnung einer Aerztin, die zu einem syrischen Könige gesandt wurde. Die aus Hatra stammenden Schriften sind undatiert, doch setzte sie der Vortragende in die Zeit zwischen 100 bis 200 n. Ehr. an. Assyrische Götternamen fehlen völlig. Dagegen ist es wahrscheinlich, .daß der Nimrnd-Nimurthil-Knltus Babylons in Hatra fortgelebt hat.

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