Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1920)
- Date
- 1920-01-09
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 gemeinnützigen Institutionen; auch viele Vertreter der Kaufmannswelt hatten sich eingefunden. Die Gedenkrede hielt Oberrabbiner Dr. S. Sp itze r, der in bewegten Worten der segensvollen Tätigkeit des Verblichenen für die Gemeinde gedachte; der Redner entwarf dann ein getreues Lebensbild des Verstorbenen, dessen Gedenken stets in Ehr-en gehalten werden wird. Im Namen der Verwandten und Freunde widmete Oberrabbiner Dr. Lerner aus Altona dem Dahingeschiedenen ein tief empfundenes Abschiedswort. Die Bestattung fand, auf dem Friedhof in Langenfelde statt. M. Hamburg, 2. Januar. Das Rep rä sentan tentolleg-ium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt unter Vorsitz des Herrn Alfred L i s se r eine Sitzung ab, in der der Voranschlag für den Haushaltsplan für das Jahr 1920 genehmigt wurde. Die Einnahmen aus Steuern sind mit 300 000 Mark gegenüber 240 000 Mark im Voranschläge für 1919 eingestellt, da das Ertragnis für 1919 bereits diesen Betrag erreicht hat. Weitere Einnahmen von Belang sind außer den Zinsen der Grundstücke und Kapitalien die Pachtgebühren für die Friedhofsgärtnerei in Ohlsdorf mit 10 000 Mark und Gebühren für die Erlahbniserteilung zum Setzen von Grabsteinen mit 15 000 Mark. Unter den Ausgaben figuriert an erster Stelle das Armen- und Wohlsah rtswesen mit 128 270 Mark. Von diesem Betrage beansprucht allein das Armenwesen 90 000 Mark, während das Siechenheim einen Zuschuß von 17 000 Mark erhält. Das Schulwesen erfordert einen Betrag von 152 400 Mark, von dem die Töchterschule die Summe von 124 400 Mark Und die Talmud-Thora-Realschule 25 000 Mark erhält. Unter den Ausgaben für das Beerdigungswesen werden 15 000 Mark für Erschließung des neuen Terrains in Ohlsdorf und 2500 Mark als fünfte Rate für den Ehrenfriedhof für gefallene Krieger verlangt. Der genehmigte Voranschlag schließt mit einem Fehlbetrag von 96 077 Mark. Der Vorstand wurde weiter ermächtigt, für das Jahr 1920 die Gemeindesteuer bis zu 1 Prozent des jährlichen Einkommens zu erheben. <!S*> Elberfeld-Barmen, 2. Der I ü d i sch e Wohlf a h r t s v e r b a n d E l b e r s e l d - B a r m e n veranstaltete mit dein t Mendolssohin-Verein eine jü-dische I ug e n d f-ch ristenansste'llung vom 7.. bis 10. Dezenrber 1919. Vor der Eröffnung der Ausstellung begrüßte Herr Rabbiner Dr. Norden die zahlreich erfch'i.ein'en'en Besucher and Gäste, insibesondere Herrn Rabbiner' Tr. Samuel (Essen) und den Direktor der Stadtbücherei, der der Veranstaltung großes Interesse entgegengebracht l;at. Sodann sprach Herr Sanitätsrat Tr. A p f e l (Barmest über „Die Jrllgenid'schri'f'ten im allgelneinen rind die jüdische Jngendschrist im besonderen". Er betonte einleitend, 'daß der Jude bei der Auswahl seiner Lektüre außer dem allgeniein-literarischeu Interesse infolge der Jahrtausende i nähr enden Entwicklung und der besonderen Stellung des Judentums ein besonderes jüdisches Interesse habe. T-i-e J-U'gendschriist ist es, so führte der Redner weiter.aus, die bk Aufmerksaiinkeit iveiter Kreise gerade in den letzten Jahren in hohem Maße in Anspruch genommen hat. Der Deutsche LehrervePba'nd, an der Spitze Heinrich Wolgast, gab eine Reihe wertvoller Ingendschriften h-era-us und beschästilgte sich theoretisch eingehend mit der Frage der Juaerrdliteratur. Ter Lesestoff der Jugend find Mä-rchen und Sagen, Fabeln, Schnurren und Schwänke, jedoch nur solche Werke, die bei aller Einfachheit und leichten Faßlichbeit bleibenden literarischen Wert besitzen. Den Stofs für -jüdische Jugendliteratur müßten vornehmlich Kultur- und Geschichtsbilder ans. der. langen Zeit jüdischen Volks- und Geisteslebens bilden. Nachmittags fand eine Dorfeier zum Ehanukaseste statt, die. durch eine -besonders anregende und geistvolle Ansprache des-Herrn Rabbiners Dr. Sa m u e l aus Essen eingeleitet wurde. -Herr- Dr. Samuelhobden hohen erzieherischen und moralischen Einfluß hervor-, den.gerade die jüdische Jugendschrift - auf. das Gemüt des jüdischen«- Kindes ausübt. Sodann.trug Fräulein Schönfeld m ansprechender Weise Gedichte, von Loewenberg,. Salus, Grünau und- L-iwenseld vor. Die Feier schloß mit Gesangvortrügen des-Opernsängers Herrn Walter Woog (Krefeld), unter denen eine Reihe jiddischer Lieder besonderen Beifall ernteten.. — Wavvurg, 2. Januar. Vorigen Monat fand hier eine öffentliche Versammlung statt, in der Dr. Lange (Essen) über den „Antisemitismus der Gegenwart" sprach. Zu dieser Versammlung waren die Mitglieder des Deutschem Schutz- und Trutzbundes im Kreise Warburg besonders eingeladen. ' Der Besuch war außerordentlich stark. Der große Saal des „Westfälischen Hofes" war beängstigend voll und Hunderte mußten wieder umkehren. Der Redner wies nach, daß die Juden schon zur Zeit der Römer in Germanien gewohnt haben; er sprach von den Verfolgungen, die. sie im Mittelalter zu erdulden hatten, von den Märchen der Ritualmorde und des schwarzen Todes. Auf 5 die Gegenwart übergehend, widerlegte er überzeugend die Vorwürfe, die Zurzeit wider die Juden erhoben werden. Er schloß mit der Mahnung an alle, sich auszusprechen und sich verstehen zu lernen. In der Diskussion kamen vier Antisemiten zu Wort: die Redner ergingen sich in einem wüsten Geschimpfe, wie sie schon vorher durch Zwischenrufe die Versammlung zu stören versuchten. Sie beschränkten sich zum Teil darauf, längere Ausschnitte aus antisemitischen Zeitungen zu verlesen. Den wirklich sachlichen ernsten Ausführungen des Referenten konnten. sie Gleichartiges nicht bieten. Parteisekretär Kühne (Kassel) sagte den Antisemiten manche unangenehme Wahrheit. Vom Standpunkte eines christlichen Demokraten verwarf er in scharfen Worten die antisemitische Bewegung. Er stellte die Unwahrheit des von den Antisemiten gebrauchten Materials in dieser Versammlung fest. Im Schlußwort wußte Dr. Lange die antisemitischen Redner treffend abzuführen. — Hannover, 2. Januar. Die am 12. v. M. stak (gehabte Studentenversannnlung der hiesigen Tierärztlichen Hochschule befaßte üch erneut mit der Frage des am 25. Oktober beschlossenen Au s - s ch l u s s e s d c r I u d e n zum S t u d e n t e nauss ch u ß. Der zur Versammlung erschienene Vorsitzende der „Vertretung der deutschen Studentenschaft" legte dar, daß, obwohl noch mehrere Hochschulen bzw. Universitäten diesem Beispiel gefolgt wären-, dennoch im Interesse der bevorstehenden Anerkennung der allgemeinen Studentenausschüsse (Asta) als einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft seitens der Regierung sowie im Interesse der Erledigung der Fragen der bevorstehenden Hochschulreform dieser Beschluß nicht allfrechterhalten werden könne. In einer sich hieran anschließenden 1X> ständigen lebhaften Aussprache lvurden teilweise schwerrviegende Bedenken, sowohl bezüglich des für die deutsche Studentenschaft wirklich vorteilhaften Z us am me na r beite ns mit der heutigen Regierung als auch besonders in nationaler Hinsicht aus der Versammlung heraus gegen diese Darlegungen geäußert. Allseitig wurde betont, daß die Stellung der Studierenden zu der Jüdensrage nach wie vor unverändert bleibe und es die Studentschaft als eine heilige Pflicht betrachten müsse, in allen Schichten der Bevölkerung in nationalem Sinne aufklärend zu wirken. Anderseits ließ sich die Versammlung unter Annahme einer vor gelegten Entschließung davon überzeugen, daß durch die Ausschließung der Juden von der Wahl zum „Asta" diesen mehr genützt als geschadet würde, indem dann die „Vertretung der deutschen Studentenschaft" ebensowenig wie die einzelnen Studentenausschüsse eine Vertretung der gesainten deutschen Studentenschaft darstellen und als solche von der Regierung anerkannt würden. Man Hütte damit erreicht, daß der Zusammenschluß der deutschen Studentenschaft, in der die national gesinnten Studenten die Mehrheit bilden, als gescheitert nuznsehen und damit der deutschen Studentenschaft die Möglichkeit genommen wäre, in der Frage der Hochschulreform nationale Arbeit zu leisten. - Hierauf beschloß die Versauuulung die Streichung des besagten strittigen Punktes aus den Satzungen. — Frankfurt a. M., 2. Januar. Nach gründlichen Beratungen einer gemischten Kommission ist dem Ausschuß der Israelitischen Gemeinde der Entwurf einer neuen Satzung vorgelegt worden, welche die Gemeinde aus eine gänzlich neue Grundlage stellt. Wahlrecht erhalten alle männlichen und weiblichen Genreindemitgbieder, die das 20.- Lebensjahr erreicht haben. Es werden nach dem Prinzip der Verhältniswahlen zwischen 27-und. 45 Gemeindevertreter gewühlt, die ihrerseits einen zwölsgliedrigen Vorstand.wählen. Frauen haben aktives und passives Wahlrecht. Ten Rabbinern ist das Recht zugestanden, an solchen Vorstandssitzungen teilzunehiueii, in denen Ku l t us a iigekoenheiten behandelt werden. Tie Vorstände der einzelnen Synagogen werden von den Platzinhabern der betreffenden Synagoge vorgeschlagen und'vom Eemeindevorstande ernannt. Angsrn. Z. Budapest, im Dezember. Es scheint dem Auslande jetzt wohl, daß mit der Bildung des Konzentrationskabinetts in Ungarn auch eine Konsolidierung der Verhältnisse eingetreten sei, doch scheint dies, nur so. In diesen neuen, aus