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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-09 · Heft 2 (9.1.1920) · p. Seite 22

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 2 (9.1.1920)
Date
1920-01-09
Page
Seite 22 (sequence 10)
Language
German
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„Die Macht der Hoffnung" hiugewiesen,. die Israels Harren auf seinen göttlichen Bräutigam ergreifend schildert. Noch näher hierher gehört die , schöne Sage aus Genesis rabb-a Kapitel 11 (vgl. A. Katz, „Die Thora im Lichte der Agada" in „Allgemeine Zeitung des Judentums", 11. April 1919' S. 152): „Als zum ersten Male die heilige Feierstünde des Sabbats angebrochen war, sprach, dieser: „Herr der Welt! Jeder Tag, den du erschaffen, bildet mit dem ihn folgenden ein Paar, nur ich stehe allein da." —- „So möge", erwiderte der Allgütige, „Israel dein Partner sein. Schließt miteinander ein Bündnis für ewige Zeiten und kündet gemeinsam der Welt, daß ich ihr gütiger Herr und König bin." Diese bräutliche Zusammengehörigkeit spricht nun besonders der klassische Refrain des Chors aus, den ganz Israel bildet, das sich zum Empfang der einziehenden Sabbatbraut rüstet, während die Strophen des Borsängers den Sabbat preisen, in Hinsicht darauf, daß er im vierten Gebot („Hüte" und „Gedenke" ein Laut nach dem Midrasch) anbefohlen sowie im Schöpsungsplan mit vorbedacht worden sei. Dann wendet sich der Vorsänger, der die Rolle des Dichters vertritt, der nahen Auferstehung Jerusalems )u, wobei wir uns erinnern, daß Rab Salomo selbst voll mystischer Heilserwartung nach dem Heiligen Land geeilt war. Die Verheißungen nahen Glanzes führen ganz von selbst zu Jesajas und Deuterojesajas hin, die den dichterischen Kern des schönen Liedes bilden- Denn noch einmal wird geschehen, was ehedem geschah. Diese Anrede an Jerusalem lvar sichtlich für die Gemeinde zu Safed bestimmt, der unser Dichter Vorstand. Zum Schluß strömen beide Gedanken. Sabbat und Messias, noch einmal mächtig und rauschend zusammen in dem inbrünstigen Rus: „Komm doch, o Braut!" In formaler Schönheit ist das Lied geradezu ein Wunder und schlechterdings unnachahmlich. Die Verse sind nicht Pedantisch gleichgemacht, sondern strömen frei, nur einander ähnlich, ganz dem zarten Auf und Ab der wechselnden Stimmung angepaßt. Das Ganze ist ein Gemisch von Jambus und Anapäst, von Spannung und Lösung, Ernst und Jubel. Jeder Vers zeigt deutlich höchst wohklautenden, urwüchsigvolkstümlichen dipodifchen Bau. Die Verse bilden Dreireim, jede Strophe zu zwei Terzinen. Man weiß, daß diese Form auch bei den kirchlichen Hymnen (Dies irue) und bei Dante vorkommt. Es ist gar kein Kunstlied, das mit eitlem Pfaue'nrad poetischen Ebenmaßes blenden wollte. So singt die Natur selbst, und wer hätte am Freitagabend diesen Naturlaut noch nicht tief empfunden mit seinem ganzen Zauber? Und das ist ja auch gar kein Wunder, weil der ganze Piut mosaikartig aus biblischen Zitaten zusammengesetzt ist; die Bibel selber hat gewissermaßen das ganze Lied gedichtet. Wie die Methode gewesen ist, ersieht man z. B. aus der Strophe: rtDXToS VnVt hier ist der erste Vers aus Jerem. 30,16, der dritte und vierte dagegen wörtlich, nur mit Umstellung des Hauptsatzes, aus Jes. 62,5. Den zweitenVers: bspm habe ich nicht Nachweisen können; er scheint nach naheliegenden biblischen Mustern selbst erfunden zu sein. So ist das Ganze ein Produkt von Bibelbelesenheit und eigener poetischer Mache. Da es an dieser Stelle des Raumes wegen nicht möglich ist, das ganze Gedicht genau durchzunehmen, verzeichne ich nur die Hauptstellen, die benutzt sind: Schluß des Olenugebetes: Str. 1; I. Sam. 9,10 Str. 2; Gen. 1,19,29, Ps. 84,7 Str. 3; Jes. 52,2 Str. 4; Jes. 51,9,17; 60,1 Str. 5; Ps. 42,6, Jerem. 30,18 Str. 6; Jes. 54,3 Str. 8, Sprüche 12,4, Deut. 7,6 Str. 9. - Eine Uebersetzung Herders „Lied zur Bewillkommnung des großen Ruhetages der goldnen Zeit" in seiner „Adrastea" 1802 (Werke Suphan 26, 422—423) kann mit ihrer freien, reimlosen Rhythmik trotz der hübschen Anmerkungen nicht befriedigen. Ob eine Abweichung in Str.- 5 auf falscher Uebersetzung oder einer Textvariante fußt, ist schwer zu entscheiden. Heinrich Heine (Werke Elster II, 237) hat klarer, einfacher, richtiger, nüchterner übersetzt als Herder, übrigens auch nur in lockerer Rhythmisierung und so, daß man eine lebhafte Enttäuschung nicht los wird. Doch wie vielcönrg und glöckchenhast das „Hochzeitskarmen", das er fälschlich dem Jehuda ben Halevy zuschrieb,.in ihm nachgeklungen, zeigt die wundervolle Verwebung desselben in den Zauberteppich seiner „Prinzessin Sabbat" und „Jehuda ben Halevy" III (Werke I, 437, 456). Eine bemerkenswerte Versübersetzung, die aber leider Ton und Stil des Gedichts verwischt und verfärbt, ist von Brann, „Jüdische Geschichte" II, 299, mitgeteilt. Im folgenden habe ich in enger Anlehnung aus Original zu übersetzen versucht: Auf denn, mein Freund, zu deiner Braut! Begrüßen wir den Sabbat traut! 1. „Gedenke des Sabbats und hüte du sein!" Befahl uns der Herr, der einzig ein'. Der Herr ist einer und seine Name eins Zur Ehre, zum Ruhme und zur Herrlichkeit. 2. Dem Sabbat entgegen kommt sreudenhell! Er ist des Segens süßer Quell, Geweiht vom Anbeginn der Welt, Der Schöpfung Ziel im ersten Entwurf zu Anbeginn. 3. Du Heiligtum, du Königsstadt, Auf denn! Steh, auf von deiner Trümmerstatt! Zu lang weinst im Tränental du dich satt. Er ja erbarmt voll Erbarmens sich dein. 4. Erheb dich! Stuf! Dem Staube entflieh! Gewänder der Pracht, Israel, anzieh! Airs Bethlehems Haus vom Sohn Jsai' Ist Heil deiner Seele liebreich nah. 5. Ermuntre dich, ermuntre dich! Es'kommt dein Glanz! Erwach, mein Licht! Wach auf! Wach auf! In Jubel ausbrich' Die Glorie des Herrn wird dir offenbar. 6. Nicht schäme dich und erröte dir nicht! Was jammerst du so und was beugst bu dich? Die Armen des Volks zu dir retten sich. Erbaut wird die Stadt noch aus dem Ruin. 7. Es werden deine Räuber zum Raube, Und es liegen deine Dränger im Staube. Dein Gott, er jubelt deiner, glaube. So jubelt der Bräutigam seiner Braut. 8. Nach rechts und nach links nimm überhand. Im Schrecken des Herrn halt' den Feind gebannt. Dank Perez' Sohne wohlbekannt. Und wir freuen uns und jubeln laut. 9. Komm du in Frieden, des Gatten schöne Krön'! Heia, mit Wonne und Jubelton Dein treues Volk harrt deiner schon. Komm' doch, o Braut! Komm' doch, o Braut! Benjamins Liebeslied. (27. Forts.) Roman von S a m u e l M e i s c l s eer und verlassen waren die Straßen, denn die Einwohner der Stadt hatten sich vor dem herannahenden Feind wie vor Satanas nach allen Seiten zerstreut, hatten sich in ihre Häuser geflüchtet, in die Keller verkrochen, hatten in versteckten Schlupfwinkeln Zuflucht und Schutz gesucht; es war, als hätte die bebende Erde ihren Schlund aufgetan und die Stadteinwvhncr verschlungen, nnd statt ihrer viele, schreckhaft

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