Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1920)
- Date
- 1920-01-02
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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f) mt Königreich* Polen, wo die Juden jahrhundertelang in völliger Freiheit saßen, bis sie nn>ter die russische Knute gerietest. An . den Bildern« eines Hirschenberg und vieler anderer zei-gte der Redner bic hohe künstlerische Entwicklung des J-ndlontnrns jener Zeit Und stellte ihnen die Werke jüdischer Künstler entgegen, von denen Struck wie ein Nachfahre jener Maler erscheint,, andere ab>er in ihren Leistungen nicht jüdische, sondern 'allgemeine oder doch die Kunst der Länder, in denen sie loben,, .zur Geltung bringen. Mit Stolz können die Inden, .ans Männer wie Israels und Liedern rann blicken, die Vertreter des Impressionismus; aber auch unter den neueren Künstlern sind Expressionisten von Ru.s, die zu der Hos.fnung berechtigten, daß auch die Zeiten der jüdischen Kunst nickst vorüber sind, sondern daß sie wieder er stehen irnd sich glanzvoll entwickeln wird als eine echte Kttltur'trä'gerin, vor -allem in Palästina, dom. L-an-de der Verheißung. — Leipzig, 26. Dezember. Wie arbeiterfeindlich sich die Antisemiten als Unternehmer aussühren, und welche „vorbildlichen" Arbeit s v e r h ü l t n i s s e bei diesen, „erstklassigen" Menschen und Antijuden herrschen, mag ein Arbeitsangebot belegen, das der Vorkämpfer rassereinen Germanentums, Herr Dr. Heinrich P u d o r , Leipzig, Roßstraße 10, ergehen läßt. Dieser Menschenfreund hat einem stellungsuchenden Angestellten folgendes Angebot gemacht: „Frl. Schl . . , Wenn Sie noch frei sind, mit 1 Mark die Stund? einverstanden sind und mit Juden und Sozialisten keine irgendwelchen Beziehungen haben, bitte ich, sich vorzustellen. Hochachtend Der Deutsche Volksrat. Dr. Heinrich Pudor." Wenn der Herr Pudor in Kürze mit seinen antisemitischen Tiraden wieder unter den Angestellten krebsen gehen wird, sind diese Kreise wenigstens darüber unterrichtet, wie es in der Praxis um die Angestelltenfreundlichkeit dieses tapferen Streiters für das Deutschtum aussieht. Im übrigen reiht sich dieses Stellungsangebot würdig den übrigen antisemitischen Kulturdokumenten an. er. Elberfeld, 26. Dezember. Der Vorstand des Jüdischen Wohlfahrtsverbandes Barmen-Elberfeld hielt eine interne Versammlung ab, tn der Dr. Elias Auerbach aus Haifa vor dem Vorstand des Wohlfahrtsverbandes und einigen geladenen Gästen über die politische Lage, die Aussichten und Ausgaben für den Ausbau Palästinas sprach. Die Ausführungen des Redners wurden mit sichtlichem Interesse ausgenommen und die dringende Notwendigkeit einer gemeinsamen Aktion allseitig anerkannt. Es wurde der Beschluß gefaßt, eine Wiederholung des Vortrages des Herrn Dr. A n e r - dach in einer öffentlichen Gemeindeversammlung vorzunehmen. — Wiirzbrrrg, 26. Dezeiübe,r. Inder letzten Sitzung 'des Stadt-- rats erwiderte Herr. Bürgermeister G r i eser aus. die Frage nach den Gründen für die Ueberwachnng von Versammlungen der U. S. P.: Die Ueberwachnng beruhe au f allgemeiner staatlicher Anordnung, die gleichmäßig anwendbar fei auf die äußerste Linke, aus die äußerste Rechte oder aus an ti semt t i sche Verhetzungen. Tie Ueberwachung sei keine eigentliche Genteindeangelegenheil, sondern ein Geschäft der staatlichen Polizeiverwaltung. Falls die Berrolj'fenen sich durch die Anordnung .öfter durch ihre Anwendung i beschwert fühlen, bler.be ihnen, anheimge stellt, die Sache im Wege der i Beschwerde bei. den vorge'/etzien staatlichen Stellen weiter zu versorgen.! Ter Behauptung des Herrn Stadtrats Schuwer, daß hinsichtlich der Versammlungen der U. S. P. und der Antisemiten zweierlei Maß angewendet' werde, trat Herr Bürgermeister Gries er energisch entgegen. Er habe «die Polizeiorgaue angewiesen, die unflätigen und.gehässigen antiseinitischen Plakatzettel an den Säulen abzureißen, und habe .auch eine antisemitische Versammlung verboten. Im Augenblick sei das Wichtigste die Erhaltung der demokvatischen Dersasiung des Staates. Das Volk, das nicht seine Verfassung schütze, mache sich selbst schutzlos. Herr Stadtrat Startz erklärre: In den Versammlungen der> U. S. P. werde nicht gewaltsam revolutioniert; die U. S. P. revolutioniere nur die Köpfe, sie kämpfe' mit geistigen Waffen. Herr Stadtrat Stadelmayer stellte fest, daß in- Sachen, der J>u d e n h> e tz e hier Haussuchungen aibgehalten und das beschilag.nahmte Material der Staatsanwaltschaft übergeben wurde. Herr Stadtrat K a h n bestätigte, daß seitens des Herrn. Bürgermeisters Grieser alles getan werde, was in seiner Macht stehe, um der antisemitischen Hetze entgegenzutreten. Die israelitische Bevölkerung! halbe zu Grieser volles Vertrauen, sie schaue mit Ehrfurcht zu dem Manne aus, der nicht zurückschrecke, das zu tun, was Recht und Billigkeit, fordere. Die I u den hetze toMüü nicht, von der Wüuzlureger Bü rgerscha ft, sie fei von Norddeutschland. hereingetragen worden wie eine Seuche. Die Würzburger Bürgerschaft. habch bisher im tünsessionellen Friede« gelebt, und hoffentlich werde es' so bleiben. . er. Frankfurt M., 26. Dezember. Der Israelitischen Waisenanstalt sind vom Stiftungsausschuß 10000 Mark bewilligt worden. Wie erinnerlich, hatte sich, als um dre Bewilligung dieser Summe gebeten wurde, Bürgermeister Dr. Luppe dagegen ausgesprochen, weil in dieser Anstalt auch Kinder von auswärts erzogen würden. Sanitätsrat Dr. Ha n a u er hatte aber das Wesen und Wirken der Waisenanstalt geschildert und der Stiftungsa-nsschuß hat sich daraus einmütig für die Bewilligung ariisgesp rachen. Es ist sehr erfreulich, daß diese Einmütigkeit immer dann konstatiert werden kann, wenn es sich um Ausgaben handelt, deren Zweck unbestritten ethischer Art ist. Ängsrn. Z. Budapest, im Dezember. Der Landesverband der Jüdisch- Ungarischen Hochschüler hielt kürzlich im Sitzungssaale der Posier Israelitischen Religio nsgemeinde seine konstituierende Generalversammlung ab, welcher seitens des Kultusministeriums Sektionsrat Arthur Närneth, seitens des Gemeindeprästdiums Präsident Franz SMelh, Vizepräsident Dr. Alexander Lederer und Vorsteher Dr. Wilhelm Grauer, seitens der Israelitischen Landeskanzlei Vizepräsident Tr. Franz Mezei beiwohnten. Nach einer Begrüßung der Gäste und der Mitglieder durch den Hochschüler Franz Hevesi startete Daniel Perl' über die bisherige Tätigkeit des Verbandes Bericht ab. Der Verband hat zur materiellen Unterstützung seiner Mitglieder die jüdische Reusa academica in eigene Verwaltung übernommen, die heute schon einen Ausgabeetat von 30 000 Kronen nrouaMchausweist. Die angewiesenen Geldunterstützungen ergeben 5000 Kronen monatlich, die Versorgung mit Kleidern, Wäsche und Schuhen erheischt jetzt schon einen Kostenaufwand von 30 000 Kronen jährlich. Auch die Veranstaltung der Lehrkurse und der kulturellen Vorträge erfordert eine größere Summe, so daß dev Verband .auf eine reichliche Unterstützung seitens der jüdischen Gesellschaft der Hauptstadt und des Landes angewiesen ist. Im Namen' de; ncugowählteu Funktionäre hielt Ingenieur Karl Szekely eine gehaltvolle Ansprache, die darin gipfelte, daß der Verband eine Jugend heranziehen wolle, die religiös und patriotisch, die in jeder Hinsicht das Musterbild der ungarischen Juden sei. Nun. hielt Oberrabbiner Tr. Simon Hevesi einen Festvortrag über „Wissenschaft und Religion", der in einen Segensspruch für den neuen Verband ausklang. Gemeindepräsident Franz Szökely forderte zum Schlüsse die Jugend auf, den Traditionen des ungarischen Judentums treu zu. bleiben. „An seiner Religion hängt der anständige Jude mit Leib und Seele fest" — sagte er unter anderem. „Nicht nur, weil er zürnt und trotzt, sondern weil er sie liebt, weil sie. seiner Ueberzeugung entspricht, weil die Patina von Jahrtausenden, die Schönheit und die Größe von Jahrtausenden diesen Erinnerungen, diesen großen und schönen Tradiuonen anhasten. Warum sollten wir auch aus unsere Religion nick/stolz .sein? Hat doch unsere Rasse, unsere Religion den Völkern der Welt schon zueiner. Zeit, da die heute lebenden, heute blühenden größten Kulturnatiotten noch nackte Barbaren waren, jene literarische Erinnerung gegeben!, die auch heute noch das größte der literarischen Denkmäler .bildet: die Bibel. Ich glaube, sie bildet ein Denkmal, eine Tradition, ans die wir mit Recht stolz sein können. Und, noch eines, meine lieben Freunde: die Dater.landsli.ebe. Wir können nicht in Zorn .mit unserer Mutter leben, und Ungarn ist unser aller Mutter. Selbst wenn die Mutter ungerecht ist, selbst wenn sie uns auch mit Bitterkeit erfüllt, müssen wir sie, müssen wir unser Vaterland lieben.. Es ist unsere Pflicht, Ungarn, unsere Mutter, zu lieben, und wir können gar nicht anders tun, als sie lieben." — In Budapest ist am 15. v. M. der 'berühmte Laryngologe Universitätspr-osessor Dr. Adolf Onodi gestorben. Er war 1867 als Sohn jüdischer Eltern in Miskolcz geboren und absolvierte die medizinischen Studien an der Budapester Universität, an der er auch 1887 zum Privatdozen.ten, 1910 zum außerordentlichen Universitätsprosessor ernannt wurde. Als Fachschriststeller war Onodi ein Bahnbrecher seiner Wissenschaft, und seine Studien