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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-02 · Heft 1 (2.1.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 1 (2.1.1920)
Date
1920-01-02
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 ettdiictivii nicht rutV in ungarischer und delltscher/solldern auch in englischer, srallzösischer' und italienischer Sprache. Sein tiefes Wissen sicherte :l)m die ungeteilte Anerkennung der Berufskollegen, die auch darin zum Ausdruck kam, daß er bei zahlreichen Kongressen und Wanderversammlungen die Präsidentenwürde' bekleidete, und daß ihn zahlreiche' in- und' ausländische Vereine -yr ifyrem Ehreumitgliede lvählten. Von Iah und Lern. — Das Komitee des Hilfswerks für Palästina (Palästina-Aufbaufonds) versendet einen Aufruf an die deutschen Inden ohne Unterschied der Partei, mit aller Kraft durch tätige Teilnahme sein Werk zu fördern. Dem Komitee gehört eine große Zahl hervorragender. im deutschen Judentum bekannter Persönlichkeiten an. - Beim Verband der Ostjuden in Deutschland ist ein besonderer Emigrationsausschuß gebildet worden, deut folgende Herren angehören: Moritz Brenner, Redakteur Dr. Hellmann, Dr. N.. K a tz e n e l s o h n, Max L e w i t, Joses L i n, Paul L a ch s <5-. ,S c a i i t, T. Scalit, Davis D r i e t s ch und Ingenieur Warschawsky. Der Ansschuß soll durch Hinzuziehung anderer auf dem Gebiete der jüdischen Emiarationsfraaen kompetenter Persönlichkeiten erweitert werden und mit den in Betracht kommenden Organisationen an den großen und schweren Aufgaben der Regulierung der jüdischen Emigration gemeinsam arbeiten. Die Geschäftsstelle des Emigrationsausschusses, ist: E. Scalit, Berlin Knesebeckstraße 96. --Tie Ostjüdische Fortbildungsschule, Berlin, Linienstraße l9, halt ihre Lehrstunden lvochentäglich von * bis 10 Uhr abends. Lehrgegenstände: Hebräisch, Deutsch, Englisch, Rechnen, Naturlvissenschaft, Hygiene, Rechtsknnde, Völkerwirtschast, jüdische Geschichte und Literatur der alten und neuen Zeit. .Der Unterricht ist unentgeltlich. Anmeldungen beim Verband der Ostjuden iu Deutschland, Linienstraße 19: Telephon Norden 3480. - öu dnr Räumen der Talmud-Thora Knesseth-Jsrael, Linienstraße U», ist ein orthodoxer hebräischer Kindergarten mit sephardischer Aussprache eröffnet worden. Der Kindergarten ist in erster Reche für ostjüdische Kinder bestimmt und steht imter der Leitung des Fräulein Salomon, die auch im Westen Berlins einem hebräischen Kindergarten oorsteht. Der Kindergarten ist von 1 bis 6 Uhr nachmittags geöffnet. Anfang Dezember verschied nach langem Leiden die taubblinde Dichterin Jenny Bergmann, die vor einigen Jahren mit ihren dichterischen Schöpfungen an die Oessentlichkeit trat. Ihre Gedichtsammlnng „Tie Dämmerstunde" hat sowohl in der gewöhnlichen Schriftnusgabe wie auch in der Blindenschrift mehrere Auflagen erreicht. Wir werden der Verstorbenen, die eine treue Freundin unseres Blattes ivar, ein treues Gedenken bewahren. ~~ —- In der Nacht zum 26. Dezernber starb in Berlin, wo er von schwerem Leiden Heilung suchte, im Alter von 59 Jahren Herr Rechtsanwalt Justizrat Nt o r i tz B a e r iv a l d aus Bromberg, Nbitglied der Nationalversammlung. Das deutsche Judentum verliert in dem Heimgegangenen einen seiner edelsten und besten Söhne, einen tapferen Kämpfer für Wahrheit und Recht. -- Der Vorsitzende der Repräsens tantenversammlnng der Synagogengemeinde Tarnowitz, Herr Emanuel Fischer, ist nach langem. Leiden in Breslau im Alter von 67 Jahren gestorben. - Am 1. Januar kann der in Breslau, Rehdigcrptatz 3, wohnhafte Waisenhausdirektor Adolf Sch eye sein 50jähriges Tienstjubiläum feiern. Ter trotz seiner fast siebzig Jahre noch sehr rüstige alte Herr leitet nun schon zirka zehn Jahre das Erziehnngsheily für hilfsbedürftige israelitisckje Kinder mit Vorbildlichem Eifer und erfreut sich in weitesten Kreisen größer Sympathie. - Ans Stettin wird uns geschrieben: Ein reges j. ü d i s ch e s S p o r t l e b e n hat sich seit Kriegsende hier entwickelt. Es besteht hier ein indischer Ruderklub Jvriah", der in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits eine große Anzahl von Mitgliedern gewonnen hat, ' deren sportliche Ausbildung mit Ernst und Geschick betrieben wird. - Das erste Boot des' Vereins stellt der Berliner jüdische Ruderklub „Jvriakst bereitwilligst zur Verfügung. Die Ausbildung der Mitglieder soll so schnell gefördert werden-, daß der Verein im kommenden Sommer an der vom Verband jüdischer Jugendvereine veranftaltetelr Regatta teilnehmen kann. — Dem Lektor für talmndische und spätjüdische Wiffenschasten an der Uni.versität Leipzig, Israel Kahan, wurde vom sächsischen Knktusministeri.U'M der Titel Professor verliehen. Professor Kahan ist einer der bedeutendsten Gelehrten aus j dein Gebiet der spätjndischen Literatur- und Religionsgeschichte. — In 1 Düsseldorf ist kürzlich ein jüdischer Turn- und Sportverein begründet worden. Der Verein zählt bereits über 60 Mitglieder, darunter eine ganze Anzahl bewährter Turner, die gern in die jüdische Spovtorganffation übergetreten sind. Der Verein will neben der sportlichen Betätigung auch eine gut jüdische Gesinnung unter seinen Mitgliedern fördern und beabsichtigt, alle Kreise der Gemeinde zur cktrnerrschen und sportlichen Betätigung hier anzuziehen. Besondere Frauen- und Jugendgruppen sollen begründet werden. — In Pirmasens starb das Mitglied des Shuagogenausschusses Herr Jacob Baer. — Aus Hannover wird gemeldet: In der Gemeindeshnagoge in der Bergstraße wurde ein Einbruch, verübt, bei dem die beiden Geldbüchsen an der Tür erbrochen und ihres Inhalts beraubt wurden. Gestohlen wurden weiter zwei silberne und zwei andere metallene Leuchter. Mehrere Facher wurden erbrochen und die darin enthaltenen gottesdienstlichen Gebrauchsgegenstände entwendet. Vor einiger Zeit ist schon einmal in die Synagoge eingebrochen worden. - In Frankfurt a. M. sind vor kurzem f ü di sche Elternabende des „Philanthropin" eingerichtet worden. Es hat bereits ein gut besuchter Elternabend stattgefunden, an dem die Frage der jüdischen Schulen eingehend erörtert wurde. Eine Anzahl von Besuchern der Elternversammlung hat sich zu einem Ausschuß zuisammengeschlossen, der die Förderung des jüdischen Schulwesens in Frankfurt a. M. bezweckt. — (Sin Prager Blatt bringt die Meldung, daß in der Totenhalle des jüdischen Friedhofes bereitsseit drei Monaten eine sechsköpsige Jndenfancilie wohne, die in Prag keine Wohnung finden konnte. Bon den Kindern sind zwei schulpflichtig, während die übrigen zwei noch klein sind. Die Familie schläft auf Strohfäcken, die auf die Steinfliesen der Totenhalle gelegt werden. - Aus Wien wird uns geschrieben: Tr. Bernhard Münz, der verdienstvolle Bibliothekar der hiesigen Kultnsgemeinde, ist im 64. Lebensjahre gestorben. Der Heimgegangene war ein großer Gelehrter, dessen Ableben ein harter Schlag für die Wissenschaft des Judentums ist. Ein gebürtiger Leipniker, war er durch sein tiefes Wissen in der Gelehrtenwelt sehr bekannt und geschätzt. Aus feiner Feder stammt neben einer Anzahl bedeutsamer jüdischer Studien eine ganze Reihe philosophischer Werke, so: „Die Keime der Erkenntnistheorie in der vorsophistifchen Periode der griechischen Philosophie", „Die Erkenntnistheorie des Protagoras", „Lebens- und Weltfragen", „I. Froschammer, der Philosoph der Weltphantasie", „Briefe von und über Froschammer". Außerdem schrieb er über Adolf Pichler und Moriz Lazarus. Dr. Münz war Mitarbeiter der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" (auch diese Nummer enthält einen Beitrag von ihm) und zahlreicher Zeitungen und Zeitschriften. Die Beisetzung erfolgte aus dem neuen jüdischen Friedhof in Döbling. - Die Alliance I s r a e 1 i t e richtet -an die französischen Juden einen dringenden Aufruf um rasche und reichliche Hilfe für die Inden in Polen und in der Ukraine.Nach einer Pressemeldung hat das englische Ministerm-m des Aeußern beschlossen, bei allen englischen Konsulaten spezielle Palästina-Abteilungen zu schaffen, die alle nationaljüdischen Angelegenheiten, die im Zusammenhang mit der Emigration nach Palästina stehen, zu erledigen haben werden. Die Abteilungen sollen von Juden geleitet werden. — In Oswiecim in Galizien hat sich eine Bereinigung gebildet, die sich das Ziel gesetzt hat, die Leichen jener Glaubensgenossen, die im Kriege gefallen sind und ein provisorisches Grab gefunden haben, zu exhumieren und ans jüdischen Friedhöfen der nächstgelegenen Städte zu bestatten. Die „Israelitische Kriegsgräberabteilung Ost" in Osnüeciom ersucht alle jene Glaubensgenossen, die Angehörige aus einem Schlachtfeld verloren haben bzw. die Vermißte beklagen, ihr nähere Daten schriftlich bekanntzugeben. Die Jüdische Gemeinde von Schanghai besteht aus einigen, hundert Familien, -bie in zwei Gruppen geteilt sind, eine arabisch-sephardische und eine russischaschkenasische. Die erstere ist wohlhabeyd und besitzt einen mit Luxus ausgestatteten Klub. In letzter Zeit ist ein Versuch gemacht worden, diese beiden Gruppen zu vereinigen. Es ist eine Kadimah genannte Gesellschaft für palästinensische Zwecke gegründet worden. Diese Gesellschaft hat eine natiionalj'üdische Schule ein,gerichtet und hebräische Kurse und Vorlesungen für Erwachsene organisiert. 'Sie ist im Begriff, ein Bureau zu eröffnen, um Auskunft über Europa, Amerika und Palästina betreffende Fragen zu erteilen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenän. Druck und Verlag von Rudolf Masse.

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