Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1920)
- Date
- 1920-01-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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tan ten erst zum Mim pf park ment geworden ist- -Vom Vorstandstisch., nimmt der stellvertretende-Vorsitzende Herr Bad t Stellung zu den Eingaben. Ter Ge me indevyr stand weist den Vorwurf, daß die Repräsentantenv^rjammlung, der gesetzlichen Berechtigung entbehrt, zurück. Tie einzige Richtschnur der Gemeindebehörden ist. die Rücksicht aus das Wohl der Gemeinde. Sie werden sich durch keinerlei Schritte von außen in ihren' wohlerwogenen Maßnahmen beirren lassen. Daß die Repräsentantenversammlung heute nicht mehr vollzählig ist, ist nicht die Schuld der Gemeindebehörden Das Ausscheiden jener Mitglieder erfolgte freiwillig. Die Wahl ist beschleunigt worden, doch haben sich ihr immer schwerwiegende Hindernisse in den Weg gestellt. Auch heute tut der Gemeindevorstaud alles mögliche, um die Wahl zu beschleunigen. Durch die Verhandlungen mit den interessierten Vereinen ist d'e Angelegenheit so weit gefördert worden, daß der Vorstand hofft, in nächster Zeit den Wahltermin sestsetzen zu können. Die Drohung der drei Vereine macht auf den Gemeinde - Vorstand keinen Eindruck. Die Wahl des Syndikus wird durch die Eingabe keinerlei Verzögerung erleiden. In der Wahlrechtsfrage wird der Gemeindevorstand einen liberalen Snndpuukt einnehmen, der der sozialen Gerechtigkeit entspricht. Ob eine dreijährige Karenzzeit erforderlich ist oder sechs Monate genügen, ist eine zweite Frage. Der Vorstand, wird nach wie vor seinen Weg gehen, der ihm durch sein Pflichtgefühl und die Rücksicht auf das Wohl der Gemeinde vorgeschrieben ist. (Lebhafte Zustimmung). - Hierauf gibt Herr Siegfried Sachs einen ausführlichen Bericht über die Friodhofsfrage, für den ihm Herr Geheimrat Minden im Namen der Versammlung herzlichen Dant ausspricht. Herr Emil P i 11 c ii s betont, daß nur wir Juden andersgläubige Frauen auf unserem Friedhose beerdigen; es sei dies ein schöner Akt der Toleranz. Wenn aber -Fälle, in denen eine Jüdin aus der Gemeinoe austritt, um die Steuern zu sparen, so möge man ihr nicht so ohne weiteres das Begräbnis neben ihrem Manne gestatten, sondern sie zeitig auf ihr Unrecht aufmerksam machen. - Bewilligt wurden der Langeschen Höheren Mädchenschule 1080 M. für Religionsunterricht, zur Subventionserhöhung, der Zickelschen Privatmädchenschule 133,33 M. für Religionsunkrricht, zur Einrichtung von zweiweiteren Wochenstunden. Dem Religionsverein Agudas Achim 250 M., dem Synagogenverein Beth Zion 12 700 M., dem Verein Mvabit und Hansabezirk 13 000 M., dem Roligionsverein im Gesundbrunnen 14 000 M. für 1019. Herr Geheimrat Minden dankte hierauf den Mitgliedern der Versammlung für ihr treues Aushalten im Jahre 1019 und schloß die öffentliche Sitzung. E. M. Berlin, 30. Dezember. Eine überflüssige Neugründung stellt ein in Göttingen ins Leben gerufener „Bund erblindetec jüdischer Krieger" dar, der sich kürzlich mit einem Aufruf an die jüdische Oeffentlichkeit gewendet hat. Ter Bund bezweckt die Förderung aller den Kriegsblinden gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen und will eine energische Propaganda zur Erlangung größerer Geldmittel betreiben, die den jüdischen Kriegsblinden, soweit sie in diesem neuen Bunde organisiert sind, in der Form von monatlichen Beihilfen zufließen sollen. Das Schicksal der erblindeten Krieger hat eine allgemeine große Hilfsbereitschaft ausgelöst. Es ist aber inunec noch nicht genügend bekannt, daß die Zahl der jüdischen Kriegsblinden nur sehr gering und daß kaum die 'Hälfte dieser kleinen Zahl stirfor gebedürftig ist. Für diese ärmsten Opfer des Krieges ist jedock) bereits vor der Gründung des „Bundes erblindeter jüdischer Krieger" in ausreichender Weise Vorsorge getroffen worden. Die Jüdische Blindenanstalt für Deutschland „Beth Jvorim" in Steglitz bei Berlin hat-die sachliche Fürsorge für die jüdischen Kriegsblinden übernommen. Sie stellt für jeden wirtlich Fürsorgebedürftigen einen Pfleger, der die Angelegenheiten feines Schützlings verwaltet; auch tritt die Anstalt im Bedarfsfälle mit Geldunterstütznngen für die Pflegebefohlenen ein. Außerdem stehen auch für jüdische Kriegsblinde Mittel der allgeineinen Stiftung für Kriegsblinde, die mehr als zehn Millionen Mark besitzt, zur Verfügung, ebenso die interkonfessionellen Einrichtungen des Staates und der Kommunen. Für jüdische Kriegsblinde sind außerdem bei der Berlinergroßen jüdischen Gemeinde besondere Fonds vorhanden, die auch, für auswärtige Blinde verfügbar sind. Ein Bedürfnis für eine Sondersammlung liegt also, in keiner Weise vor. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin, äderen Gutachten wir über diese Neugründnng eingeholt haben, warnt vor jeder Unterstützung über- . flüssiger-. Muschi^MMn, für welche in der Tat kein .Bedürfnis vorliegt. E.M.. Berlin, 30. ..Der' Da n i e i b n n ö, der nu Juni d. I. in M ü n chen begvArdM V ege tarier bun d , hat in Berlin eine Ortsgruppe errtäWvbii des ne.cn Bundes' ä-llr Bestrebungen, diepHWchtz^imch.-.stktL.ichc Wiedergeburt des Judentums bezwecken, fördern will.' T^r Dämel - bund erstrebt Ermöglichung einer seinen Zielen -entsprechenden Lebensweise .durch Gründung jüdischer kooperativer Landsiedlnngen, möglichst auf gartenbaulich-vegetarischer Grundlage. In der Errichtung eines jüdischen Voltstnms in Palästina erblickt der Bund nicht die Errichtung einer neuen Scheidewand Zwischen Nationen, sondern die Lösung bestehender, durch die unnatürliche Sit: ation der Juden veranlaßter nationaler, wirtschaftlicher und religiöser Spannungen. Neben diesen innerjüdischen Ausgaben fällt dem Danielbund auch die bedeutsame Mission zu, in den Kreisen der Vegetarier den dort immer stärter an Boden gewinnenden A n t i s e m i t i § m n s zu bekämpfen. Der antisemitische Geist, der in den vegetarischen Zeitschriften schon seit langem erkennbar war, wird vom Danielbund am wirksamsten bekämpft werden können. L/D Posen, 2b. Dezember. Tie R e p r ä s e n t a n t e n Versammlung verabschiedete in ihrer Sitzung vom 14. d. M. den Gesetzentwurf betrossend die Reform des Wahlrechts zu den Gemeinde- Vertretungskörperschaften. Das neue Gesetz bringt das Proportionalwahlrecht für die Wahlen zur Repräsentantenversammlung und zum Gemeindevorstand, das aktive Frauenwahlrecht, das aktive und passive Wahlrecht der Gemeiudebeamten und die Abschaffung jeglichen Zensus für die Ausübung des Wahlrechts. Die liberale Mehrheit der Repräsentantenversammlung hatte außerdem auch das passive Wahlrecht der Frauen votiert und angenommen. Deshalb hatten die konservativen und zionistischen Repräsentanten einstimmig gegen den ganzen Gesetzentwurf gestimmt und diesen, indem eine Stimme an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit fehlte, zu Fall gebracht. In der Sitzung vom 14. d. M. erklärte namens der liberalen Fraktion Justizrat Dr. Kaempfer, daß diese, um die übrigen, der modernen Politischen Entwicklung gerecht werdenden Fortschritte der Vorlage zu retten, unter vorläufigem Verzicht auf das passive Wahlrecht vor Frauen für die umgestaltete Vorlage, als eine Abschlagsloistung auf ihre Forderungen, stimmen werde. So gelangte die Wahlrechtsvorlage schließlich, indem die Liberalen sich bei der Abstimmung über das passive Wahlrecht der Stimme enthielten, einstimmig zur Annahme. Der Schluß der Sitzung gestaltete sich zu einer spontanen Kundgebung für Herrn I n st i z r a t Tr. K a e m p f *o r , der mit Rücksicht aus seinen bevorstehenden Umzug nach Berlin sein Amt als Repräsentant zum 31. Dezember 1919 niedergelegt hat. Ter stellvertretende Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Herr M a n a s s e W e r n e r , sprach Herrn Justizrat Dr. Kaempfer namens der Versammlung das leb- Hasteste Bedauern über sein Scheiden aus, indem er hervorhob, wie segensreich er als Repräsentant für die Pos-ener Synagogengemeindc gewirkt habe. Namens des Gemeindevorstandes dankte dessen Vorsitzender, Herr Israel F r i e d l ä n d e r , der Führer der gesetzetztrouen, konservativen Partei, dem Scheidenden aus vollem Herzen für feine verdienstvolle und an Erfolgen reiche Tätigkeit im Interesse der Gemeinde, ganz besonders aber für den Geist der Friedensliebe, der sein jahreslanges Wirken in der Gemeinde beseelt habe. Justizrat Dr. Kaempfer dankte für die Worte der Anerkennung und schloß mit dem Wunsche einer glücklichen Entwicklung für die Posener Gemeinde. n. BreslMt, 26. Dezember. Zwei Llichtbitdervorträge ergänzten die Veranstaltungen der Palästina-Ausbauwvche in erfreulicher Weise. Der eine führte am Dienstag, den 16. d. M., Palästina, Land nnd Leute, vor, wie es einst war, und wie es jetzt ist. Dr. Elias Auerbach, der vor dem Kriege das Krankenhaus in Ha-ifa geleitet hatte unft jetzt wieder dorthin zurückkehrt, war der fachkundige Erklärer; feine Ausführungen g-ipfelten darin, daß das Land wieder werden wird, was es war. fruchtbar und-blühend, ein Land der Ordnung und des Rechts. — Der zweite Vortrag, am Donnerstag, den 18. d. M., beschäftigte sich mit jüdischer Kunst. Tr. Schwarz legte dar, daß es einst eine jüdische Kunst mit ausgeprägter Eigenart gegeben' habe, und zwar in den Ländern des Ostens, vor allem