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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-12-26 · Heft 52 (26.12.1919) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 52 (26.12.1919)
Date
1919-12-26
Page
Seite 599 (sequence 13)
Language
German
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,-M.)!) . y öleich aufgesprungen und blieb, an die Spiegelwand gelehnt, wie zur Bildsäule erstarrt stehen. Das Krachen war gar zu höllisch --- betäubend; es ließ sich wie ein donnerähnliches Tosen an, setzte sich in ein knackendes, in raschen Stößen aufeinanderfolgendes Brechen fort und ging blitzschnell in ein wirres Splittern über. Dazwischen schwirrte es dumpf und bang durch die Luft; es war ein Flügelrauschen in Moll, ein Singen und Summen und Surren, das gespenstisch klang. Dann hörte das Gekrache jählings auf, nur das Surren in der Luft hielt noch eine Zeitlang an. Beim ersten Stoß und Schlag der Explosion durchtoste ein kurzes, abgehacktes „Ah!" den Saal des Cafes; das klang wie ein Schrei, der von einem rapid einsetzenden Atemstocken mitten entzweigerissen wird. Die Gäste waren vor Schreck wie gelähmt, die Büfettdame war einer Ohnmacht nahe, selbst der Zählkellner umfaßte sein Handtuch mit beiden Händen, als wäre es sein einziger Rettungsanker. Ein Offizier, der im Eafö faß und bei der gewaltigen Erschütterung ein wenig aufgeregt wurde, ohne indes seine Fassung zu verlieren, suchte die Anwesenden zu beruhigen. Allmählich erholten sich die Gäste nacheinander. Einer wagte sich ans Fenster und sah hinaus. Die Gasse, die zuerst wie im Aufruhr schien, war jetzt wie ausgestorben. Es dauerte jedoch nicht lange, da begann sich das Straßenbild von neuem zu beleben. Die Menschen krochen aus den Häusern wie aus Verstecken hervor. Die Gasse geriet neuerdings in Aufruhr. Man lief und rannte in wilder Hast, einer .zog den anderen mit, einer lief dem anderen nach, und die Läufertruppen wälzten sich in der Richtung nach dem Platze Am Tor. Eine Stimme rief: „Ein feindlicher Flieger hat Am Tor Bomben abgeworscn!' Eine andere ergänzte: „Ein Mann isbtödlich getroffen worden!" Mit vielen anderen Stammgästen verließen Benjamin und Doktor Riegler das Kaffeehaus Stäubler. Doktor Riegler war leichenblaß und hielt sich krampfhaft an Benjamin. Unversehens waren sie mitten unter die laufende Menge geraten und wurden von dem sich unablässig wälzenden Menschenstrom in der Richtung nach dem Platze Am Tor mitgerifsen. Die Menge staute sich Am Tor. Aus dichten Menschenmassen hatte sich ein Ring um den Mann gebildet, der mit zertrümmerter Schädeldecke auf dem Straßenpflaster lag. Die Neugierigen — und es war fast keiner, der nicht neugierig war — drängten sich heran, um das Opfer der Fliegerbombe zu sehen. Jedermann stellte eine Frage, jedermann ivußte eine Antwort, und dennoch war es nicht möglich, klar herauszukriogen, wie das Unglück geschah, und wer der Tote war. Benjamin versuchte bald hier eine Menscheumauer zu durchbrechen, bald dort durch einen Menschenknäuel sich hindurchzuwinden, um bis zu dem Mann mit der zertrümmerten Schädeldecke zu gelangen; aber die Durchbruchsversuche waren trotz seiner Anstrengungen und Kraftentfaltung vergeblich. Von einem, der es mit angesehen haben wollte, erfuhr er, daß der feindliche Flieger zuerst Am Tor eine Bombe herabgeworfen hatte, die in den Vorhof der Kirche gefallen war, ohne einen Schaden anzurichten, die Leute hatten dann nach allen Seiten zu laufen und sich in die offenstehenden Häuser zu retten angefangen, der Mann aber, das unglückliche Opfer, war langsam seines Weges gegangen, ganz gemächlich, als drohte gar keine Gefahr von oben; da war die zweite Bonrbe herniedergesaust, war dicht neben dem Manne explodiert und — er war tot. So erzählte einer, der es mit angesehen haben wollte. Ein Kluger, der es hörte, war ganz verwundert und entrüstet darüber und erklärte, daß er die Dumncheit der Menschen nicht begreifen könne, die es fertig brächten, bei solch drohender Gefahr nicht zu laufen. Zwei Männer kamen mit einer Tragbahre. Die Menge zerteilte sich nach rechts und links in zwei Reihen und ließ eine Gaste frei für die Männer, die die Tragbahre trugen. Benjamin nutzte die Gelegenheit, ans dem freigegebenen Raum durchguschlüpsen; mit einer raschen Wendung kam er den Männern zuvor und befand sich dicht neben dem Toten, Benjamin beugte sich über den Toten und wich jählings einen Schritt zurück. Sein Kopf schwindelte. Regenbogenfarbige Räder kreisten ihm vor den Augen. Einen säuerlichbitteren Geschmack verspürte er im Munde. Mit verbissenem Trotz, mit bewußtem Wollen, sich durch nichts unterkriegen zu lassen, hielt er sich aufrecht. Und wie um die Kraft seines Willens zu erproben, wie um sich selbst zu beweisen, daß er dem Unglück trotzig ins Gesicht blicken kann, beugte er sich abermals über den Toten. Ja, er war's. Der Mann mit der zertrümmerten Schädeldecke war — Onkel Chajim. (Fortsetzung folgt.) Mcheremlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Geist und Judentum. Von Arthur T r e b i t s ch. Verlag Ed. Strache, Wien-Leipzig, 1919. Das deutsche I u d e n t u m, seine Parteien und Organisationen. Eine Sammelschrist. Verlag der Neuen Jüdischen Monatshefte, Berlin-München, 1919. M. Gonzer : Der historische Moment. Betrachtungen über jüdischen Zeitsragen (Jiddisch). Berlin, 1919. Verlag von H. Jtzkowski. Das neue Reich. Perthes' Schriften zum Weltkrieg, neue Folge, 7. und 8. Heft. Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G„ Gotha. Der Neue Merkur. November 1919. Verlag Der Neue Merkur, München. M ouatsschrist s ü r Geschichte u n d Wissenschaft d e s I u d e n t u m s. 68. Jahrgang, Heft 7/12. Breslau, Koebnersche Ver lag sbuchh a ndlu ng. Das jüdische Palästina. Von Dr. L. Weinberg. Berlin 1919, Verlag Jüdische Rundschall. Jüdischer Nationalkalender. Almanach für das Jahr 5680 (1919—1920). Fünfter Jahrgang. Herallsgegeben von Otto A b e l e s und Ludwig Bato. Wien 1919, Verlag „Jüdische Zeitung". M. I. bin G o r i o n. Vor dem Sturnl. Ostjüdische Geschichten. 9t. Löwit Verlag, Berlin-Wien. Esra, Monatsschrift des jüdischen Akademikers. 1. Jahrgang, Heft 1 bis 4. Herailsgegeben vom Jüdischen Hochschulausschuß in Wien. Verlag Esra, Wien IX, Alfer Straße 28. Heinrich M arg ui res: Kritik des Zionismus,' I. Teil: Volk und Gemeinschaft. R. Löwit, Verlag, Wien und Berlin, 1920. Raphael S e l i g m ei n n : Probleme des Judentums. 1919, R. Löwit Verlag (Dr. Präger), Wien und Berlin. Uriel Birnbaum: Gläubige Kunst. 1919. Bücher der Arche. R. Löwit Verlag, Wien und Berlin. Das Neue Reich. Im Austrage der Arbeitsgemeinschaft für staatsbürgerliche und wirtschaftliche Bildung. Herailsgegeben von Hans Ostwald und Paul Remer. I. Jahrgang, Heft 30, Berlin W 8, Kronenstraße 4/5. Dr. Fritz Kahn: Die Zelle. Mit zahlreichen Abbildungen im Text und 8 Tafeln nach Zeichnungen von Georg Helbig. Stllttgart 1919, Franckhsche Verlagshandlung. Central Conference o f American Rabbis. Thirtiet’h Annual Convention. April Second to Seventh 1919. Cincinnati (Ohio), lsaac M. Wise Centenary. Volume XXIX. Edited by Rabbi lsaac E. Märcuson. Dr. Curt Nawratzki: Das neue jüdische Palästina. 1919. Jüdischer Verlag, Berlin. Religiöse Strömungen im Judentum. Mit besonderer Berücksichtigung, des Ehasstdismus. Von Dr. S. A. Horodezky. .1920. Ernst Bircher Verlag in Bern und Leipzig. Die kleine Kindersibel. Ein Schulbuch für die Unterstufe. Enthaltend biblische Erzählungen im Rahmen der kindlichen Vorstellung und Fassungskraft. Dargestellt von Hermann Wallach, Lehrer an der jüdischen Gemeindeschule in Aachen. Aachener Verlags- und Druckerei-Gesellschaft, Aachen 1919.

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