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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-12-26 · Heft 52 (26.12.1919) · p. Seite 596

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 52 (26.12.1919)
Date
1919-12-26
Page
Seite 596 (sequence 10)
Language
German
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5S6 Ausg ab e: Zuwendungen an Gemeinden 2742,35. M. Inspektion . 25,25 „ D. I. G. B. 60,— „ Verband der Deutschen Juden 100— „ Reisekosten . 47,10 „ Sekretariat . 550 — „ Bezirk Marburg. .178,90 „ Drucksachen und Porto . . . 301,29 „ Lehrer im Felde .. 1600— „ Marks-Haindorfsche Stiftung . 500— Teuerungssonds . 400 — „ Zur freien Verfügung . . . 6609,98 „ Summa 13114,87 M. Die Kasse ist von zwei Herren geprüft undmit den Büchern und Belegen übereinstimmend gefunden worden. Ans Antrag des Herrn Juskizrats Dr. Cohn (Münster i. W.) wird Entlastung erteilt. Auf Vorschlag des Vorsitzenden' erfolgt zunächst die Neuwahl des Ausschusses, der durch folgende Herren gebildet wird: M. Liebenseld (Bochum), Rechtsanwalt Dr. Katzenstein (Bielefeld), Rabbiner Dr. Kronheim (Bielefeld), D. Bachmann (Marburg), G. Blank (Witten), I. R. Bendix (Münster), I. Koppel-Bamberger (Hamm), D. Leeser (Dortmund), Geh. Sanitätsrat Dr. Bonnin (Wattenscheid), Rabbiner Dr. David (Bochum), F. Jonas (Dortmund), S. Goldschmidt (Soest), D. Klestadt (Gelsenkirchen), Justizrat Nassau (Hagen). Alsdann erhält Herr Justizrat Dr. Cohn (Münster) das Wort zu seinem Referat über die Marks-Haindvrfsche Stiftung. Er schildert die Notlage der Anstalt und bittet um eine allsreichende Hilfeleistung durch den Verband und die Gemeinden. Herr Dr. Kronheim gibt alsdann die llebersicht über den Haushaltsplan für 1919/1920. Einnah m e : Kasseubestand . 6609,98 M. Beiträge der Gemeinden . . 7000 — „ Persönliche Mitglieder . . . 350 — „ Bezirk Rhoden. 1500,— „ D. I. G. B.. 400 — „ Zinsen .. 280,— - Summa 16139,98 M. Ausgabe: Zuwendungen an Gemeinden 4500 — M. Inspektionen . 250,— „ D. I. G. B. 55,— „ Verband der Deutschen Juden 50,— Reisekosten . 150,— Sekretariat . 900,— „ Verwaltung Marburg . . . 200,— „ Drucksachen und Porti . . . 500,— „ Rückstellung für Gebetbücher . 4000 — „ Zur freien Verfügung . . . 5534,98 " ,98 M. Einstimmig wird dann folge der Satzungen beschlossen: Der erste Absatz des 8 6 der Satzungen soll lauten: Die Verbandsgemeinden haben 1 Prozent der eingegangenen Staatseinkommensteuer ihrer Gemeindemitglieder, berechnet nach dem Durchschnitt der letzten drei dem laufenden Geschäftsjahre vorangegarlgenen Jahre, mindestens aber 15 Mark als Verbandsbeitrag zu entrichten. Sie haben die Höhe des Staatseiutomlnensteuer-I st der letzten drei vorangegangenen Jahre beim Verwaltungsausschutz spätestens drei' Monate vor Beginn des Geschäftsjahres zu erklären und ihren Beitrag in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres portofrei an den Schatzmeister des Verbandes abzuführen. Der zweite Absatz des 8 9 soll lauten: Mindestens alle zwei Jahre findet ein ordentlicher Gemeindetag statt, dessen Ort undi Zeit vier Wochen zuvor den Mitgliedern. durch den Verwaltungsausschuß bekanntzugeben ist. Anträge, die auf die Tagesordnung gesetzt werden sollen, müssen mindestens zwei Wochen vor Abhaltung des genannten Tages schriftlich bei dem Verwaltungsausschuß eingebracht werden. Die Tagesordnung, die der Verwaltungsausschuß sestzustellen und in die er auch die rechtzeitig eingegangenen Anträge aufzunehmen hat, ist den Mitgliedern spätestens eine Woche vor Abhaltung des Gemeindetages mitzuteilen. Im Interesse der Marks-Haindorfschen Stiftung wird beschlossen, an die Verbandsgemeinden heranzutreten mit dem Ersuchen, Prozent des Staatseinkommensteuer-Soll zugunsten der Stiftung in den Gemeindeetat einzustellen; es wird ferner dem Verwaltungsausschuß anheimgegeben, aus Derbandsmitteln einen Beitrag zu bewilligen. Der Gemeindetag. wurde um 5 Uhr geschlossen. Der Tagung ging ein gemeinsames Mittagsmahl voraus, bei dem die Delegierten und ihre Angehörigen in aufmerksamster Weise bewirtet wurden. Herzlicher Dank gebührt allen denen, die den überaus gastlichen Empfang vorbereitet hatten, insbesondere der Oberin Schwester Irene für ihre große Mühewaltung. Lum ttlv. Geburtstage von Th. Fontane. (30. Dezember 1910). Theodor Fontane und die Juden. r hat sie nie geliebt. Es wäre ein großer Irrtum aus den berühmt gewordenen Schlußworten seines Dankgedichts am 70. Geburtstage, jetzt vor 30 Jahren, schließen zu luoüen, er hätte für die Judcnschaft als solche eine Zuneigung gehegt. Es ging ihm in seinen Beziehungen zum Judentum ähnlich wie seiner Lene in „Irrungen, Wirrungen": den Adeligen liebte sie, der Kleinbürger führte sie heim. Aber die Vevstandesehe wurde glücklich. In seinem jahrzehntelangen fruchtlosen Werben um das Verständnis des von ihm so bewunderten Abels hatte er im innersten Gemüt gedarbt und schwer gelitten unter der unerschütterlichen Gleichgültigkeit dieser ihm mit wenigen Ausnahmen teilnahmslos gegenüber stehenden Kreise. Nun sah er mit freudigem Erstaunen, welch starken Widerhall seine Werke in der breiten Schicht eines gebildeten aufnahmefähigen Leserkreises seit Jahren gefunden hatten; er sah sich verstanden, geliebt und nahm dankbar den späten ersehnten Erfolg, wo er ihn fand. Es war ein Fall, wie er sich so häufig im Kunstleben unseres deutschen Vaterlandes abspielt, und die Kreise, deren Angriffe auf das Judentum auf Verallgemeinerungen einzelner Fälle fußen, täten gut daran, auch diesen ans seine Häufigkeit zu prüfen. Deutsche Künstler schaffen Werke für die Tribüne eines hohen Adels und eines verehrlichen deutsch-völkischen Publikums, aber die diesem bereit gehaltenen Platzreihen bleiben leer. Da erscheint der lern- und bildungsfrohe, deutsch empfindende „Fremdling". Er braucht sich gar nicht vorzudrängen, denn außer ihm ist niemand anwesend, da er aber im leeren Raum in Mengen erscheint und vom Künstler bemerkt werden muß, so konstatieren die bisher durchaus Teilnahmslosen mit Bedauern den völligen Mangel an Zurückhaltung in „gewissen Kreisen". Aber gerade die durch kein Entgegenkommen des Dichters Fontane entstandene selbstlose Liebe spricht für den literarischen Geschmack des gebildeten jüdischen Lese- Publikums. Fontane hat keinen Juden, keine Jüdin zum Helden eines seiner zahlreichen Romane gemacht. Wo Juden episodisch auftreten, sind sie nur zur stärkeren Färbung des Zeit- oder Gesellschaftsbildes gebraucht. Sie sind dann sehr scharf gesehen, mit Interesse gezeichnet, aber ohne Verschönerung, nirgends in ihren edelsten Typen geschildert; im Gegensatz zu dem in allen seinen Vertretern so körperlich schönen wie geistreich Plaudernden Fontaueschen Adel. Brauchte der Romanschriftsteller Fontane für seine Helden eine gewisse dichterische Verklärung, so sah derselbe Mann in seinem Privatleben Menschen und Zustände in klarstem, nüchternstem Tageslichte. Als er im Mai 1870 nach langem inneren Kampf sich entschließt, die Stellung in der Redaktion der „Kreuzzeitung" aufzugeben, begründet er diesen für die Finanzen eines Familienvaters bedeutungsvollen Schritt im Briefe an

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