Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1919)
- Date
- 1919-12-26
- Page
- Seite 595 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229392-3229442--75420-3287928- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- 595 Dr. tzeinrich ßrnt ine seltene Feier, die des goldenen Doktorjubilämns! Sie ist nur wenigen Glücklichen Geschieden, und zu diesen Glücklichen gehört Dr. H e i n r i ch B r e i t, Arzt in Mysbowitz. Man kann ihn glücklich nennen, wenn ein arbeitsvolles, gesegnetes, an Erfolgen und Ehren reiches Leben glücklich zu nennen ist. Dies und noch manches andere Rühmliche brachten die Redner zum Ausdruck, welche ihm am 8. November, dem Tage der Feier, die Glückwünsche der Körperschaften aussprachen, denen der Jubilar angehörte. Es waren Vertreter des Vorstandes und der Repräsentantenversa-mmlung der Jüdischen Gemeinde von Myslowitz, des Magistrats und der Stadtverordneten, dieser Stadt, der Regierung, der Kassenärzte nfw. Ihnen allen dankte der Jubilar in tiefbewegten Worten, auch im Namen seiner Gattin, deren menschenfreundlichem Wirken ehrend gedacht worden war. Mögen ihnen beiden in ihrem weiten Familien- und Wirkungskreise noch viele freudenreiche, glückliche Jahre beschieden sein. Dr. Heinrich Breit ist trotz seiner 73 Jahre — er ist am 6. Februar 1846 in Kätscher in Oberschlesien geboren — noch sehr rüstig Und übt seine ärztliche Tätigkeit, wozu auch das Amt eines Stadt-, Polizei- und Gefängnisarztes gehört, unermüdlich und in voller Tatkraft aus. Aus seinem Lebensgange ist zu erwähnen, daß er das Gymnasium in Ratibor besuchte und Ostern 1865 die Universität Breslau bezog. Am 8. November 1869 promovierte er dort zum I)r. med. et chir. An dem Kriege 1870/71 hat er als Militärarzt teilgenommen und wurde 1906 zum Oberstabsarzt im Kriegsfälle vorgesehen. Seit 8. November 1871 ist er als Praktischer Arzt in Myslowitz tätig. Hier entwickelte er bald eine weitreichende gemeinnützige Tätigkeit, wirkt seit 1874 bis heute als Stadtverordneter, war viele Jahre Vorsitzender der Repräsentantenversammlung und weiterhin stellvertretender Vorsteher im Gemeindevorstande. Die Universität Breslau hat ihm in höchst anerkennenden und ehrenvollen Worten das Doktordiplom in klassischem Latein erneuert, und wir wollen ihm zum Schlüsse auch lateinisch kommen, indem wir ihm die Worte Zurufen: Quod felix faustamque sit ad multos annos! — Das goldene Doktorjubiläum sei von glücklicher Vorbedeutung für einen sonnigen, an goldigen Früchten reichen Lebensabend! Bericht über den 23. ordentlichen Grmeindetsg des Verbundes der Synsgogengemrindrn Westfalens im Israelitischen Kinderheim?u Saffendorf sm 18. Oktober 1919. re Tagung wird gegen 2 Uhr vom Verbandsvorsitzenden Herrn Liebenfeld (Bochum) eröffnet. Vertreten sind die Gemeinden Bielefeld, Borgholzhausen, Dortmund, Dülmen, Gelsenkirchen, Gütersloh, Hagen, Halle, Hamm, Hörde, Lippstadt, Lübbecke, Münster, Neuenkirchen, Oelde, Rheda, Marburg, Wattenscheid. Zum Leiter der Versammlung wird Herr Liebenfeld, zu Beisitzern werden die Herren Bachmann (Marburg) und Leeser (Dortmund), zum Protokollführer- Herr Vorsänger (Neuenkirchen) gewählt. Herr Liebenfeld begrüßt die Versammlung mit herzlichen Worten. Er weist auf den Ernst der Zeit hin, die einen festen Zusammenschluß der deutschen Juden erfordert. Trotz der großen Opfer, die von den Juden während des Krieges gebracht worden sind, hat eine starke antisemitische Verhetzung eingesetzt. Die Trennung von Kirche und Staat macht eine weitausschauende Finanzpolitik notwendig. Der Wegfall der staatlichen Organisation erfordert eine straffere Vereinigung der Gemeinden, eine Gesamtorganisation, deren Mittelpunkt der Deutsch-Israelitische Gemeindebund und deren Träger die Provinzialverbände darstellen müßten^ Herr Rabbiner Dr. Kronheim (Bielefeld) erstattet den Bericht, der sich über die Geschäftsjahre 1914 bis 1918 erstreckt. Die Arbeit des Verbandes stand völlig im Zeichen des Krieges. Der- Verband hat sich in den Dienst des Vaterlandes gestellt und enge Fühlung mit den Behörden gehalten. Seine Hauptaufgabe bestand in der Fürsorge für die Kleingemeinden, die durch den Krieg schwer gelitten haben. Die größte Schwierigkeit, die der Krieg mit sich brachte, lag darin, daß er manchen Gemeinden ihre Lehrer entzog und so Unterricht und Gottesdienst, die Stützen des religiösen Lebens, gefährdete. Der Verband hat es sich angelegen sein lassen, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu helfen. Er hat Zunächst in mehreren Fällen die Reklamationsgesuche der Gemeinden für ihre Lehrer beini Generalkommando befürwortet. So hat er den Gemeinden Witten, Oelde, Hattingen nnb Marburg ihre Lehrer wieder verschaffen können. Außerdem hat er in mehreren Füllen den betreffenden Lehrern für die Festtage zum Zwecke des Gottesdienstes Urlaub erwirkt. Der Verband hat dann auch, wie in früheren Jahren, den Kleingemeinden finanzielle Hilfe angedeihen lassen. Es wurden folgende Gemeinden unterstützt: Amelunxen . . mit 100 M. Borgholzhausen. „ 75 „ Bigge . . . . „ 300 „ Driburg . . . „ 125 „ „ 200 „ „ 100 „ chwarzenau. . „ 200 „ Levern . . . . „ 300 „ Pömbsen . . . „ 150 „ Madfeld . 200 „ Rimbeck-Scherfede „ 800 „ Halle . . . . „ 50 „ Der Verband ist in den oben angeführten Zuschüssen über die früheren Bewilligungen hinausgegangen. Es ist ferner die Einrichtung eines Religionsunterrichtes in Altenhundem und Herbede in Aussicht genommen, während Hallenberg und einige andere.Gemeinden in Verbindung mit Bigge versorgt werden sollen. Der Verbandsausschuß will dahin wirken, daß tunlichst kein jüdisches Kind in Westfalen ohne Religionsunterricht aufwächst. Er hat schon eine diesbezügliche Rundfrage an die Gemeinden Westfalens gerichtet, hat aber von dem größten Teile der Gemeinden keine Antwort erhalten. Insbesondere war der Verband bestrebt, die Not der Beamten in kleineren Gemeinden zu mindern. Es wurde zu diesem Zwecke ein Teuerungssonds geschaffen, aus dem mehreren Lehrern Zuschüsse geleistet wurden. Die Zahl der Verbandsgemeinden hat sich nicht geändert: Beckum ist aus dem Verbände ausgeschieden, Dortmund eingetreten. Der Kassenbericht wird ebenfalls von Herrn Dr. Kronheim gegeben. Er lautet: Einnahme: Kassenbestand .. 3704,95 M. Gemeindenbeiträge .... 6793,67 „ Personenbeiträge ..... 381,— „ Bezirk Rhoden. 552,50 „ D. I. G. B. 429,75 „ Zinsen. 253,20 „ Teuerungsfonds . 999,80 „ Summa 13114,87 M. Dr. Breit (Myslowitz O.-S.)