Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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LÄdnng. dieser iipekp abz» riiffon. Inzwischen loird fröhlich iveiter Tas war auch das -einzige Ergebni gehetzt. Professoren der 1tniDcrfitat und Lehraustalteii die die Ruhe der Stadt und. das Leben der jüdischen Einwohner bedrohenden Ausschreitungen vor. Professor Dr. Neincke-Bloch er-< klärte dagegen^, die Universität billige die Vorgänge durchaus nicht; es sei von der Universität und den Lehranstalten wiederholt alles getan .worden, um eine antisemitische Propaganda unter der Studentenschaft zu verhindern und die Bewegung zu unterdrücken, doch besitze die Universität für Vorkommnisse außerhalb der Anstalt leine disziplinarischen Machtmittel gegenüber den Studenten. Der 'Dringlichkeitsantrag wurde angenommen. — Dresden, 12. Dezember. In der Versammlung der Ortsgruppe Dresden des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vom 3. d. M. ist folgende Entschließung gefaßt worden: „Die Versammlung legt entrüstet Verwahrung ein gegen die planmäßige Auspeitschung der Volksleideuschasten gegen die Juden, wie sie von gewissen Kreisen mit den skrupellosesten Mitteln -durch Flugblätter, Vlaueranschläge, Vorträge und in 'der Presse zu dem Zwecke betrieben wird, die Schuld an Deutschlands fürchterlicher Heimsuchung auf die Juden abzuwälzen. Die Versammlung erblickt hierin ein Verbrechen gegen das deutsche Vaterland, das nur durch einträchtiges Zusammenwirken aller wieder emporkommen kann und das sich nicht durch solche Kultur'chänduugen herabwürdigen lassen darf. Die Versammlung erklärt, daß die deutschen Juden in ihrer erdrückenden Mehrheit treu zum deutschen Vaterland stehen, für das sie mitgeblnret haben, dessen Not sie teilen und an dessen Wiederausban sie mit allen Kräften Mitarbeiten wollen und werden. Die Versammlung erwartet, daß auch gerecht deutende deutsche Männer und Frauen nichtisraelitischen Bekenntnisses, besonders solche, die berufen sind, das Gewissen zu wecken und die Seelen zu leiten, aus Gerechtigkeitsgefühl, und aus Liebe zum deutschen Vaterlaude vor der Oesseutlichkeit das antisemitische Treiben verurteilen." Ss. Göttingen, 12. Dez ein Gr. Am 27. v. M. starb hier Herr Julius W. Gans. Er war lange Jahre Mitglied der Gemeindeverwaltung und bekleidete in den letzten Jahrzehnten das Amt des S t) n a g v g e n v o r st e h e r s. Mit großer Gewissenhaftigkeit widmete er sich seinen Pflichten. In allen Kreisen der Bürgerschaft erfreute er sich hohen Ansehens. In den letzten Jahren hatte er sich von seinen Berufsgeschäften zurückgezogen. -lUit Umsicht und Geschick leitete er in dieser Zeit die Orts g r u p p e des Z e u t r a t - v e r e i n s. Seine Beerdigung fand am Sonntag, d en 30. November, nachmittags 2'A Uhr, von der Synagoge aus unter großer Beteiligung weiter Kreise statt. Nach einem weihevollen Präludium hielt Herr Stadtrabbiner Tr. Behrens die eindrucksvolle Trauerrede. Unter Klängen der Orgel trugen die N e p r ä s e n ta n t e n den Sarg aus dem Gotteshause, worauf die Beisetzung im Erbbegräbnis auf dem Friedhof staltiaud. Ehre seinem Andenken! -- Halberstadt, 12. Dezember. T i c anti s e miti s ch e H e tz e in Ttadt und Schn le beschäftigte die letzte Stadtverordnetennetenversammlnng. Auf Grund einer Interpellation führte Stadtverordneter L ü d e r s (Soz.) aus, daß in der Stadt eine starke antisemitische Hetze betrieben werde, und daß von einem gewissen Teil der Bevölkerung offen zu Mord und Totschlag an der jüdischen Bevölkerung ansgefordert wird. In der letzten Zeit sind jüdische Bürger des Nachts von Gymnasiasten belästigt worden; auch ein Direktor einer höheren Schule hat Hetzreden gegen die Inden gehalten. Gegen diese Treibereien muß der Magistrat rücksichtslos eiuschreiten. Stadtverordueter Nt o e riete (U. Soz.) bezeichnete die antisemitische Hetze als Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Da die Antisemiten in Arbeiterkreisen nicht genügenden Boden für ihre Werbearbeit finden, agitieren sie jetzt iu den höheren Schulen. Es ist sestgestellt, daß Schüler des Dvmgymunsiums und des städtischen Realgymnasiums antisemitische Zettel an die Häuser kleben; ein Teil der Schüler hat auch eingestanden, daß sie von antisemitischer Seite beeinflußt werden. Schüler der beiden höheren Anstalten sind in der Infanteriekaserne mit Zetteln versehen worden, welche zum Totschlag an den Juden auffordern. Wenn die Leiter der Schulen sich an dieser Hetze beteiligen, so dürfen sie nicht mehr im Amte bleiben. Auch in der Volksschule wird heute bereits alldeutsch-antisemitische Hetze betrieben. Der Oberbürgermeister erklärte, daß das Domgymuasium als staatliche Anstalt der Stadt nicht unterstehe, der Magistrat mißbillige diese Hetze aufs schärfste. Sogar die antisemitische Bürger Partei fühlte sieh veranlaßt, von den — Müychtn, 12. Dezember. . Der V.e rein f ü r j ü d i s ch e G e s ch i ch t e u n d Lite r a t u r ‘ hat ein systematisches Vorte s u u cssw e s tz n einger ichtet, das den in Berlin und B r e s - lauerpichteL-ep jüdischen 'Volkshochschulen entspricht. Seit Mitte November finden regelmäßige, -belehrende, volkstümliche Vortragsturse über verschiedene Gebiete jüdischen Wissens und jüdischen Lebens statt. Dipl.-Ing. A v i g d o t spricht über Palästinakunde, Nabbin er Dr. B a e r w a l d über jüdische Ethik, Professor Dr. A. Eohen unter anderem über die Juden in Staat und Gesellschaft. Ferner lesen: Rabbiner Dr. Finket sch e r e r : Jüdische Religionsphilosophen; Rabbiner Dr. Gärtner: Die Juden in Spanien; Dr. Jakofless: Einführung in den Talmud und Dr. Raphael Levi: Jüdische Spruchweisheit. Ter Jüdische Frauenbund Ortsgruppe München fördert die Kurse durch Vermittlung der Teilnehmerkarten. — München, 12. Dezember. Am 23. v. M. kam es hier vor der Feldherrnhalle nach der Frühmusik zu den ersten monarchistischen Kundgebungen der nntionalistvschen Studentenschaft. Sie brachten Hochrufe auf Kaiser, König und die Monarchie aus, sangen Lieder und schließlich wurde ein jüdischer Herr auf das schlimmste mißhandelt. Es erhob sich der hundertstimmige Pogromruf: „Schlagt ihn nieder! Schlagt ihn nieder!" Die Wache der Reichswehrsoldnten jagte die Demonstranten bald auseinander. Die Folge der Kundgebung ist, daß nun auch die Ntehrheitssozialisten, nachdem kürzlich die Nua'bhängigen ihre Demoustrationsversammtuugen gegen die mouarchistifchen Kundgebungen in aller Ruhe beendeten, ihre Genossen, die Arbeiter, zum Kampfe gegen solche Kundgebungen aufrnfeu. — Barmen, 12. Dezember. Am Sonntag, den 7. d. Nt., wurde die durch den jüdischen Wohlfahrtsverband Elbersetd-Barmen im Franentlub Elberfeld veranstaltete j ü d i s ch e I u g e n d s ch r i f t e n a u s - st e t l u n g durch e>ae kleine Feier erössnet. Nach Begrüßungsworten des Herrn Rabbiners Dr. Herden (Elberfeld) legte Herr Sanitätsrat Tr. Apfel (Barmen) in kurzen Worten Anlaß und Zweck der Ausstellung dar. Tie Veranstalter hätten sich von den Grundsätzen, die der Deutsche-Lehrerverein für Iugendschrifteu ausgestellt hat, leiten lassen. Der Redner bedauerte das Fehlen geeigneten Lesestoffes für die jüngste jüdische Jugend. Ter Ziveck der Ausstellung ist der, der jüdischen Jugend das Wissen vom Judentum zu mehren, die Freude am Judentum zu erhöhen und den Willen zum Judentum zu stärken. Daneben soll die Ausstellung mit zum Kampf gegen die Schundliteratur beitragen. Nachmittags fand eine Unterhaltung statt, zu deren Gelingen in hervorragender Weise Opernsänger Woog (Krefeld), früher Elberfeld, mit Liedern jüdischen Inhalts beitrug. -- Die Ausstellung selbst bietet dem Bücherfreund recht viel Anregung. Unter den schöngeistigen Werken für die reifere Jugend finden sich viele bekannte moderne Schriftsteller, ivie Stefan und Arnold Zweig, Franz Werfel, Mar Brod, Martin Buber. Reich vertreten ist das zionistische und ostjüdische Schrifttum. Bemerkenswert an religiösen Schriften sind eine 12bändige Ausgabe des babylonischen Talmuds und die 5 Bücher Moses mit mittelalterlichen Erklärungen. Auch die bildende jüdische Kunst ist vertreten, u. a. ein ganzes graphisches Werk von Josef Budto und eine Sammelmappe mit beachtenswerten Radierungen von Stanislaus Bender. Bon den ausgelegten Musikstücken seien sechs Vertonungen von Hermann Zivi erwähnt. Auch weiteren Kreisen wird die lehrreiche Ausstellung, die noch Dienstng- und Mittwochnachmittag besichtigt werden kann, vielfache Anregungen bieten. Düsseldorf, 12. Dezember. Tie D e m o trati f i e r u n g der Gemeindeverwaltung forderte eine von etwa 1000 Geineindeinitgliedern besuchte Versammlung, die am 25. v. M. hier tagte. Ein aus Mitgliedern aller Parteien gebildeter Ausschuß hatte im März d. I. dem Gemeindevorstand eine Denkschrift über eine zeitgemäße Wahlreform überreicht. Da bisher vom Vorstände keine Anstalten zur Verwirklichung dieser Reformvorschlüge getroffen wurden, beschloß die Versammlung nach einem Vortrag des Rechtsanwalts Jonas, den Gememdebehörden folgende Resolution zu unterbreiten: „Die am 25. November 1919 in der Tonhalle zu Düsseldorf versammelten etwa 1000 Mitglieder der Düsseldorfer Jüdischen Gemeinde halten die sofortige Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts für unerläßlich. Sie richten an die Gemeindevertretung die dringende