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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-12-19 · Heft 51 (19.12.1919) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 51 (19.12.1919)
Date
1919-12-19
Page
Seite 580 (sequence 4)
Language
German
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- 580 fonft fflt Lernii<!tu,rgsswScke gar nicht in Betracht kommen. Sie tragen also sicherlich nicht dazu bei, die Wohnungsnot zu vergrößern. Sie sehnen sich nach Arbeit und sind glücklich, wenn sie eine Beschäftigung finden, die sie ernährt. Die ganze Angelegenheit ist ungeheuer aufgebauscht, um sie künstlich zu einer politischen Sache zu machen. Es liegt unseres Erachtens gar kein Grund vor, hier gesetzlich ein- .zugreifen, und ein Ausnahmegesetz gegen gänzlich harmlose Ausländer würde schlecht zum freiheitlichen Zug unserer Zeit Passen. Auch eine polizeiliche Erschwerung der Anmeldung für diese Flüchtlinge des Ostenswürde nur überflüssige Arbeit und Mühe schaffen, und die Strafe der Ueberschreitung dieser Verfügung könnte leicht solche Elemente treffen, die nur aus Mangel an Erfahrung dagegen fehlen. * Eine Gelehrtenkonferenz in Angelegenheit -er hebräischen Universität. Die Leitung der Zionistischen Organisation in London hat durch ihr Erziehungsdepartement eine Konferenz jüdischer Gelehrten einberufen, die vom 14. bis 16. Januar in Basel statfinden wird, um über den Aufbau der hebräischen Universität zu beraten. Diese Gelehrtenversammlung wird folgende Punkte beraten: Einrichtung des Unterrichts in den jüdischen und den philosophisch-philologischen Fächern; Naturwissenschaftliche und medizinische Fakultät; Juristische lind soziologisch-nationalökonomische Fächer; Die organisatorischen und technischen Fragen, den Lehrkörper, die finanzielle Fundierung und sachliche Vorbereitung der Universität betreffend. Eine Anzahl hervorragender Gelehrten, unter ihnen der Berliner Physiker Professor Einstein, 'hat bereits ihre Teilnahme an der Beratung zugefagt, die für das monumentale Unternehmen einer Universität des jüdischen Volkes von entschiedener Bedeutung sein wird. * Die Sonntagsruhe in Polen. Im polnischen Reichstage wurde das Gesetz über den achtstündigen Arbeitstag in zweiter Lesung angenommen. Es dürste nicht nur die Inständige , sondern aller Wahrscheinlichkeit nach sogar die 46stündige Arbeitswoche angenommen werben. Trotz der unzähligen Proteste und Eingaben der verschiedensten jüdischen Organisationen, und obwohl in ein und derselben Sitzung vier jüdische Abgeordnete in wirkungsvollen Reden auf die für das ökonomische lieben der Juden vernichtende Wirkung der absoluten Sonntagsruhe hinwiesen, wurden die Bestimmungen, die selbst Wertstätkenarbeit bei geschlossenen Türen und selbst in den jüdisch-religiösen Institutionen den Arbeitern-, die den Sabbat emhalten, jegliche Arbeit mit Sonntag verbieten, mit -allen Stimmen gegen die des jüdischenk\ 1 ubs angenommen. 6ha rattert st isch ist, baß kein einziger polnischer Abgeordnete gegen diese Bestimmung auftrat oder dagegen stiininte, selbst nicht die vstgalizischen jüdischen Abgeordneten, des alten österreichischen Parlaments, die ohne jede Wahl Sitz und Stimme im Sejm haben. Tie Abgeordneten der Volkspartei hatten zwar beabsichtigt, für gewisse Erleichterungen zu stimmen,, wovon sie jedoch nckch der leidenschaftlichen Rede des Sozialisten P e r l, der als jüdischer Renegat mit aller Schärfe die absolute Sonntagsruhe als auch im Interesse der Juden liegend verteidigte, abtam-en. Es wäre schon Zeit, betonte dieser Renegat, daß die Inden auf den Samstag verzichten, und die Bestimmung der Sonntagsruhe dürste viel dazu beitragen, daß die Inden aus ihrer Absonderung herauskommen und sich vollständig assimilieren. Ta es bei einigen weiteren Punkten des erwähnten Gesetzes im Reichstage zu scharfen Kontroversen kam, wurde das Gesetz zwecks Einigung der Parteien nicht sofort, wie beabsichtigt, in dritter Lesung angenommen, sondern zwecks Weiterberatung an die Kommission zurückverwiesen, so daß den Juden eine weitere kurze Frist gewährt bleibt. * In den „Jewifh Times" veröffentlicht Rabbiner Dr. I u n g einen' längeren Artikel „Ein Wort an die jüdischen Arbeiter- Verbände", worin er die jüdischen Arbeiter Englands unter Hinweis auf die 48stündige Arbeitswoche auffordert, ihre Arbeit so einzuteilen, daß der jüdische Sabbat wieder zu seinem Rechte als allgemeiner Ruhetag komme. Sie mögen Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag 36 Stunden arbeiten und die übrigen 12 Stunden auf den Freitag und Sonntag verteilen. Haltet den Sabbat, so schließt dev Artikel, vereinigt euch brüderlich mit eurem Volke und heiliget den Tag, der für das jüdische Volk der -größte, der heiligste ist. Das Judentum wird sich eures Erfolges freuen und stolz aus euch sein. Durch -euer ideales Streben werdet ihr die Sympathie aller erwerben, und alle werden euch helfen, in Zukunft noch größere Erfolge zu erzielen. Ihr werdet ein Muster für die nichtjüdischen Arbeiter sein und ihnen den Weg weisen, der zum wahren jüdischen Glück und zur wahren Menschlichkeit rührt. * Ein Memorandum der Juden von Saloniki. Die Jüdische Gemeinde von Saloniki überreichte der Negierung ein Memorandum, in welchem sie folgende Forderungen ausstellt: l. Anerkennung der Gemeinde und ihres Rechtes auf freie Ausübung der jüdischen Religion gemäß den bestehenden Sitten und Gebräuchen, Recht auf Gründung und Verwaltung von Schulen und religiösen oder philanthropisckzen Instituten. Recht der Gemeinde auf Erwerb, Kauf und Verkauf von beweglichen- oder unbeweglichen Gütern, die ihre Existenz zu erhalten bestimmt sind. Die Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde sind: der Oberrabbiner und der Präsident der Gemeinde. 2. Anerkennung und Gleichstellung der Diplome der Unterrichtsanstalten auf Basis der Staatstitel. 3. Die Juden, die am Samstag feiern, sind nicht gezwungen, am Sonntag oder an nichtjüdischen Feiertagen sich der Arbeit zu enthalten. An Samstagen und anderen jüdischen Feiertagen können die Juden nicht zu einer Tätigkeit -gezwungen werden, die ihren religiösen Ueberzengungen zuwiderlänft. 4. Aufrechterhaltung und Anerkennung des schon bestehenden Rechtes der rabbinischen Autoritäten auf- Urteilsfällnng in Fragen der Ehescheidung und der Nachkommenschaft. 5. Riecht aus Erhebung von Taxen und internen Steuern, deren Ertrag der Erhaltung der jüdischen Gemeindeinstitutionen dient. (>. Recht auf Gebrauch der jüdisck>-spaniolischen oder hebräischen Sprache in den Handelsbüchern, Korrespondenzen usw. 7. Heiligkeit und ExpropriationHiiinnunität der heiligen Orte, wie Synagogen, Friedhöfe uslv. 8. Befreiling von jeglichen Steuern für die Immobilien der Gelneillde, freier Import von allen Bedarfsartikeln für den Kultus, lvie z. B. Ostermehl usw. 9. Staatliche Subvention proportionell der Zahl und den: Kuli-urgrade der jüdischen Bevölkerung. 10. Tie inneren Statuten der Gemeinde werden nach gründlicher Elaboration der Approbation des Ministeriums vorgelegt werden. Die griechische Presse verhält sich diesen Postulaten gegenüber im allgemeinen reserviert, mit Ausnahme der Athener Tageszeitung „Phos". Viele der Forderungen seien gerechtfertigt, dagegen seien andere weit übertrieben und den Rechten des Staates zuwiderlaufend. Den Verfassern des Memorandums lvird Mangel an Respekt dem Staate gegenüber vorgeworfen. „Independent" schreibt, der Kommentar des „Phos" gebe nicht die Gefühle der offiziellen Kreise wieder, sondern nur einzelner, die über die Tendenzen der Gemeinde schlecht informiert sind. R P- Z. * Die Lage der Juden in Sowjetrutzland. Das Kopenhagener Zionistische Bureau hat im Monat Mai eine Sondernummer seiner „Mitteilungen" über das jüdische Leben in Rußland herausgegeben. Seit dieser Zeit gab es keine Möglichkeit, authentische Berichte über das jüdische Leben in Sowjetrußland zu erhalten. Das K. Z. B. ist jetzt in der Lage, mannigfache Berichte aus Rußland zu veröffentlichen, die bei dem völligen Abgeschnittensein unserer russischen Stammesgenossen von der übrigen Welt vom gesamten Judentum gewiß mit Interesse ausgenommen werden dürften. Wir lassen hier den Bericht über die allgemeine Lage folgen: Bei der Berichterstattung über die allgemeine Lage der Juden in Sowjetrußland muß in Erwägung gezogen werden, daß die Zahl der dortigen jüdischen Bevölkerung einte verhältnismäßig sehr geringe ist.

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