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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-12-12 · Heft 50 (12.12.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 50 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Fpre-borg (Heffen), 5. Dezeinber. Der Direktor der h iesigen Städtischen Polytechnischen Lehranstalt Mich c n f elde r hat a-m „Schwarten Brett" folgendes bekänntgemacht: „Zn wiederholten Mäleysind heute Zettel antisemitischen Charakters in den Räumen unserer'Anstalt angeklebt worden, Verstößt die unbefugte Anbringung ixt Zettel an sich schon gegen das generelle.Verbot eigenmächtiger Anschläge, so h-at man in dem vorliegenden Falle eine Betätigung unreifer Elemente vor sich, die die uns so nötige Rühe und Ordnung und ein friedliches Zusammenarbeiten ernstlich gefährden. Ich bitte deshalb alle Studierenden dringend, dazu beizutragen, daß eine solche Störung oder ein Versuch hierzu,, such bei -uns nicht wiederholt. Im Falle.einer Wiederholung sehe ich mich gezwungen, gegen diejenigen, die ihre verhetzerische Tätigkeit gegen politisch oder religiös Andersdenkende auch bei uns glauben aus üben zu können, mit der sofortigen Ausweisung vorzugehen:" er. Frankfurt a. M., 5. Dezember/ Die Statutenr e v i s i o n in d er I ü d i sch e n Gemeinde hat ein modernes, durchaus demokratisches Wahlrecht ergeben, Die Gemeindevertreter, auf je 500 Wähler entfällt ein Repräsentant, werden von allen männlichen und weiblichen, mindestens 20 Jahre alten Gemeindemitgliedern nach dem Proportionalwahlsystem unabhängig von jeder Steuerleistung gewählt. Es .ist zu begrüßen, daß gerade eine so angesehene und so jüdische Gemeinde ein allen demokratischen Forderungen gerecht werdendes Wahlrecht schafft. Allerdings gilt in Frankfurt nicht das preußische Judengesetz von 1847, das in 'einem Geltungsbereich in Altpreußen den Reformbest gedungen der Synagogengemeinden vielfache Fesseln anlegt. G. Stuttgart, 5. Dezember. Am 1. d. Al. waren 25 Jahre verflossen, seitdem Lehrer und Kirchen Pfleger Meyer seine ganze Arbeitskraft dem Wohle unserer Gemeinde widmet. Durch sein großes Lehrgeschick und hingebende Liebe gewann er sich die Herzen seiner zahlreichen Schüler und Schülerinnen, nicht minder die Herzen der Eltern. Als hochgeschätzter Verwalter und Berater der Gemeinde ist er Träger und Förderer 'vieler Wohlfahrtseinrichtungen, sein Bureau das von reich und arm ausgesuchte Anskunstsheim. Daß es dem wackeren Alaune nicht an Anerkennung fehlt, ist selbstredend. Oberkirchenbehörde, Kirchenvorstehermnt, Gemeinde, Vereine, die Rektoren der höheren Lehranstalten, die Kollegen, frühere und jetzige Schüler und Schülerinnen ehrten und erfreuten ihn in reichem Maße. Oberkirchenrat Tr. Kroner verlieh ihm den Titel eines Chowers. Möge es unserer Gemeinde nie an solchen Männern, unserer Jugend niemals an solch hervorragendem Schulmanne fehlen und möchte die stählerne, stets freudige Arbeitskraft unseres Lehrers Aleyer noch weitere Jahrzehnte zum Wohle der Gemeinde erhalten bleiben. Dies ist der aufrichtige Wunsch aller Gemeindegenossen. — München, 6. Dezember. Ein bedauerlicher Vorfall ereignete sich gestern abend in dem bekannten hiesigen Restaurant „Hvstheater". Ein Münchener Geselligkeitsverein hatte zu seiner gestrigen Versammlung ans die Tagesordnung die Beschlußfassung darüber gesetzt, daß nur noch Mitglieder ausgenommen werden, die nach bestem Wissen und Gewissen versichern können, daß sie rein deutscher Abstammung sind und daß unter ihren Vorfahren sich kein jüdisches Blut befindet. Außerdem sollte -darüber entschieden werden, ob die seit der Gründung bereits als Mitglieder geführten Juden in dem Verein verbleiben können. Das Resultat der Abstimmung war die Annahme des antisemitischen Antrages. Ein junges Mitglied, ein israelitischer Student, entfernte sich nach der Abstimmung aus dem Saale und erschoß sich in einem Nebenraum. Der junge Mann wollte in der nächsten Zeit eine Stelle als Syndikus in Berlin annehmen. Düsseldorf, 5. Dezember. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich eine Trauerseier, die die hiesige Ortsgruppe des Vaterländischen' Bundes jüdischer Fr o n t s o l d a t e n zu Ehren der gefallenen jüdischen Kameraden veranstaltete. Etwa 1200 Personen-, darunter auch viele Mchtjuden, waren erschienen -und lauschten den Gesängen des Synagogenchors und des Gemeindekantors W i 11 e nberg , eines Mitgliedes der Ortsgruppe. Rabbiner Dr. Klein begrüßte als 1. Vorsitzender die Erschienenen. Er hob hervor, daß die Ortsgruppe es für ihre Ehrenpflicht gehalten habe, einen Akt der Pietät an die Spitze ihrer Tätigkeit nach außen .hin Zu setzen. Die Zahl der .Toten der. Gemeinde und die Zahl der Mitglieder, die . schon nach-LruMrn Bestehen der Ortsgruppe beigetreten seien, übersteigen bei weitem die Prozentnorm lind widerlegen au sich schon die Verleumdungen unserer Gegner. Der Bund werde aufrecht und rücksichtslos eintreten für die Ehre des Judentums; das schwöre er beim Andenken feiner Toten, beim Anblick der Trauernden, deren Ängehörige man noch im Grabe zu schänden wage. Die jüdischen Frontsoldaten/"fühlen sich einig mit dem Dichter, der von Deutschland singe: „Doch Gott behüt's vor Klassenhaß, Und Rassenhaß und Massenhaß, Und derlei Teufelswerken." Holland. L2 Den Haag, im Dezember. Bei den kürzlich in London stattgefundenen Sitzungen des Großen A C bildeten die Situation und die Tätigkeit , des Jüdischen Nationalfonds in der nächsten Zeit Gegem stand eingehender Beratungen. Von dem Verwaltungskomitee des INF im Haag nahm an den Sitzungen außer den AC - Mitgliedern Jean Fischer und I. H. Kann Herr Nehemia de Lieme teil. - Herr de Lieme resevierte über die gegenwärtige Lage des Nationalfonds und wies aus die Notwendigkeit hin, daß der INF sich vornehmlich auf seine ' rjprüngliche Aufgabe des Bodenerwerbs und die Aufforstung in Palästina konzentriere. Nach, einer eingehenden Beratung, an der sich besonders die amerikanischen Zionisten, mit Herrn Brand eis an der Spitze, beteiligten, wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die die Zionistische Gesamtorganisation und die einzelnen Föderationen verpflichtet, die Tätigkeit der INF - Organisation zur Schaffung der Mittel für die ihr in nächster Zeit zufallenden großen Aufgaben mit allen Kräften zu unterstützen. Im Anschluß an die AC-Sitzungen wurde, zum ersten Male seit Ausbruch des Krieges, eine außerordentliche Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds abgehalten, an der folgende Mitglieder des INF unter dem Vorsitz von Mr. Keßler sich beteiligten: M. U s s i s ch tin. I. R o s s o f f, Dr. Victor Iaco b s o n , I. S i m o n , I. Naid i t s ch , Professor O. Marburg, O. H a n t ke. Ter Vorsitzende legte die Gründe dar, die es verhinderten, während des Krieges eine ordentliche Generalversammlung einzuberusen, und widmete sodann Worte des Gedenkens den verstorbenen Direktoren Wolfssohn und Tschlenow, die sich so unvergängliche Verdienste um den Zionismus und um den Nationalfonds im besonderen erworben haben. An Stelle der Genannten wurde auf Antrag der Herren Keßler und Rossoff die Herren Borris Goldberg (zurzeit London) und Nehemia de Lieme (Haag) in das Direktorium des Nationalfonds gewählt. Die Generalversamlung sprach sodann dem Hauptbureau und dem für die Kriegszeit im Haag eingesetzten Verwaltungskomitee seinen tiefen Dank für die wertvollen Dienste aus, die sie dem INF während der kritischen Kriegsjahre geleistet haben. Für die Folge wurde beschlossen, daß an Stelle des Komitees wieder ein Direktor des INF dem Hauptbureau vorsteht, mit welcher Aufgabe Herr Nehemia de Lieme betraut worden ist. Oülkv. z. Warschau, im Dezember. In Polen machen jetzt die Vorlesungen des „Professors" T s ch e r b a f über, den Ritualmord viel böses Blut, die er in Warschau gehalten hat, und in denen er vor einem großen Publikum, zum Teil mit bildlichen Darstellungen, „bewies", daß zwar nicht alle Juden, wohl aber ein Teil, eine Sekte, des christlichen Blutes zu religiösen Zwecken bedarf.. Wer ist „Professor" Tscherbak? Wir--erfahren darüber aus dem „Czenstochauer Tageblatt" folgende. charakteristische Einzelheiten: Bor ungefähr zwei Jahren kam nach Czenstochau ein Herr, der sich den Namen Professor Tscherbak beilegte, Sein Professordiplom hat zwar niemand gesehen, aber er hat sich jedenfalls so. titulieren lassen. Dieser Titel -ermöglichte ihm auch einen Verkehr mit den hiesigen Polnischen Kreisen. Zuerst befaßte sich Tscherbak mit öffentlichen Angelegenheiten, hatte, aber keinen Erfolg. Dann . ließ, er in Zeitungen annoncieren, daß er eine Tanzschule eröffnet hat, in der er rhythmische, plastische und allerlei andere Tänze lehrt; außerdem unterrichte er auch in Gesang, Auch Stimmbildung, Klavierspiel, Gymnastik, Deutsch, Spiritismus, kurz, alles, -was man wollte, konnte man bei-Tscherbak lernen: Alle diese Gegenstände haben ihm jedoch zu wenig eingebracht muh er trat als Lehrer der Gymnastik ins jüdische Gymnasium eip. Er führte, hier .die,.gymnastischen.- Üehungen, für die er sich die Kommandoformeln m hebräischer Sprache einpqukte; außerdem studierte er mit. den Kindern die. ,-Hathikwah" ein, ja, er kündigte schon eine baldige Ueberfiedelung nach. Kalästina an. Infolge dieser. Tätigkeit in -den polnischen Kreisen det Provinz „kompromittiert", übertrug er sein

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