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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-12-12 · Heft 50 (12.12.1919) · p. Seite 571

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 50 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 571 (sequence 7)
Language
German
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den Baukosten zu 'beteiligen und dafür als gleichberechtigte Mitbegründerin der Anstalt neben dem Gemeindebund sich geltend zu machen. Die Kaukommission gewann Herrn Baumeister Max Alterthum, de-r nach den fachmännischen Weisungen des Herrn Dr. Nawratzki einen Plan herstellte, der den größten Beifall der Potsdamer Regierung gefunden hat. Besonderer Wert wurde auf die Trennung der beiden Geschlechter gelegt. Der Bau ist folgendermaßen eingeteilt: Er erhebt sich aus einem vier Morgen großen Waldgelände, das ringsum eingezäunt ist, inmitten des Beelitzer Stadtforstes, besteht aus Untergeschoß, Erdgeschoß, erstes Stockwerk und Dachgeschoß. Im Untergeschoß befindet sich die geräumige Küche nebst Vorratsräumen und Anrichte. Diese ist mit dem Speisesaal im Erdgeschoß durch einen Speiseaufzug verbunden. Ferner liegen hier die Badeanlagen für Knaben und Mädchen, in denen je sechs Brausen und eine Badewanne aufgestellt sind, die Werkstätten für den Handfertigkeitsunterricht, ein großer Turnsaal und die Warmwasserversovgungsanlage nebst Kohlenkeller. Um das Wasser für den täglichen Gebrauch nach oben zu pumpen, hat hier auch noch ein Hydrophor mit elektrischem Antrieb Aufstellung gefunden. Im Erdgeschoß liegen die Wohnung des Anstaltsleitrrs und das Bureau. In der Mitte der Anlage ist der Speisesaal. Zu beiden Seiten desselben liegen die beiden Treppenhäuser und die Schul- und Spielzimmer für Knaben und Mädchen. Im ersten Stock sind je zwei Schlaf- und zwei Waschräume für Knaben rrnd Mädchen angeordnet. Zwischen diesen sind die Schlaf- und Wohnzimmer für den Wärter resp. die Wärterin so angelegt, daß durch kleine Kontrollfenster beide Säle überwacht werden können. Wohnzimmer für das Personal, Isolier,Zimmer, Plätt- und Rollstube, Waschküche und Trockenboden liegen im Dachgeschoß. Der Fußboden hat Linoleumbelag, nur in den Badezimmern rrnd der Küche ist Terrazzofrißboden. Das Haus hat elektrische Beleuchtung. Die innere Einrichtung hat Herr Oskar Tietz zum Selbstkostenpreis besorgt. Im Vereinsjahr 1918/10 wurden unterrichtet: In Klasse I 4 Knaben und 3 Mädchen — 7 Kinder. „ II 8 „ 4 zz: 12 „ III 9 „ 2 , „ — 11 „ IV 9 „ 4 13 „ V 8 2 zz 10 Die Schule wurde demnach von 53 Schülern besucht. Diese wurden unterrichtet von dem Direktor, dessen Gattin und einer Kindergärtnerin. Der Erfolg war befriedigend. Wesentlicher Wert wird beim Unterricht auf die Entwicklung der manuellen Fertigkeiten gelegt. So erhalten die Kinder lehrplanmäßig Unterweisung von geprüften Meistern. Sie werden zum Handwerk angeleitet. Schneiderei, Korbmacherei, Gartenbau, sind Hauptbetätigung. In der Landwirtschaft bestellen die Leiter mit den Kindern das Feld allein. So haben die Zöglinge eine angemessene Beschäftigung und leisten einen wertvollen Beitrag zu den! Lebensmitteln. Der Ueberschuß für die landwirtschaftlichen j Erzeugnisse bezifferte sich auf rund 1000 Mark. : Die Anstaltszöglinge stammen aus allen Teilen Deutschj lands, aus Oesterreich-Ungarn, Aegypten. Neßler. Bit Juden im kreile fflstow. ' Von Paul Mockieles. (Schlich.) m Jahre 1623 erhielten die Juden die Erlaubnis, j \ sich in der benachbarten Stadt Deutsch-Krone, und! zwar in der „Vorstadt", niederzulassen; dafür | hatten sie an den Grundherrn, dem damaligen Starosten von Weyher, einen Grundzins in beträchtlicher Höhe! und an die Bürger der Stadt „Zapfengeld" zu zahlen. Für letzteres erhielten sie die Berechtigung: Wein, Branntwein und Met zu schenken, aber nur für die Bewohner der „Judenstraße". Die.größten Gegner einer Ansiedlung von! Juden waren die katholischen Kirchen, weil auf den Stellen, die Juden bewohnen würden, sonst ja katholische Christen wohnen könnten, die Kirchen also Nachteile hätten. Um letztere zu entschädigen, mußten die Juden, die feste Wohnstellen innehaben dursten, alljährlich neun Kalbs-, sechs Rinderbraten, sechs Pfund Talg und zehn Pfund Pulver an die katholische Kirche abliefern. Das Pulver wurde benutzt, um am Ostermorgen und am Fronleichnamstage (t'ostum corporis Domini), dem Tage, an dem diese Kirche die Verwandlung des Brotes in den Leib Christi festlich begeht, zu gebrauchen. An diesem Tage hielt, bis vor wenigen Jahren, die katholische Kirche mit allem Pomp einen Umzug durch die Straßen, wobei allen Juden die Pflicht auferlegt war, ihre Läden zu schließen und sich von den Straßen, in denen dieser Umzug stattfand, fernzuhalten. Bei einer solchen Gelegenheit kam es 1756 in der nahen Stadt Zempelburg zu einer Schlägerei zwischen Juden, die angegriffen worden waren, und den Begleitern der Prozession, bei der zufällig ein Stein das worangetragene Kreuz traf. Gegen diese „Lästerung" wurde von dem amtierenden Propste Strafantrag gestellt. Das Richterkollegium sah die Sache sehr milde an, weil nicht sestgestellt werden konnte, von welcher Partei der Stein geschleudert worden war, und erkannte nur auf eine geringfügige Geldstrafe. Ans die Berufung des Propstes beim „Grodgericht" in Petrikau wurde eine nochmalige Untersuchung an Ort und Stelle angesetzt, die mehrere Tage dauerte; der Prozeß selbst währte fünf Jahre und endete mit der Verurteilung der Juden des Ortes zu einer Gesamtstrafe von , 500 polnischen Gulden und Tragung der sehr erheblichen Kosten.! Für das Strafgeld wurde am Ende der Stadt eine Kapelle (Bozani^ka) ausgebaut. Bei dem Aufbau dieser Kirche ereignete sich ein Wunder. Was nämlich im'Laufe des Tages aufgemauert worden war, wurde über Nacht von unbekannter , Hand wieder abgetragen und die Ziegel des Mauerwerks waren jedesmal verschwunden, so daß 1766, also nach fast fünfjähriger Arbeit, der Bau noch immer nicht fertig-gestellt war. In da-! maliger Zeit besaßen die Juden eine „Oberbehörde für religiöse Die Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Rinder in Beelitz.

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