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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-12-12 · Heft 50 (12.12.1919) · p. Seite 570

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 50 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 570 (sequence 6)
Language
German
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570 VrII. Wo die Mittel und Kräfte nicht vorhanden sind, allen diesen Anforderungen gerecht zu werden, soll auf die erschöpfende Darstellung einzelner Gebiete gedrungen werden, und zwar sind diese Gebiete in folgender Reihenfolge zu berücksichtigen: a) Baukunst, b) Kunstgewerbe. c) Schreibkunst und Buchschmuck, 6) ^riedhosskunst, e) Trachtenkun.de. VIII. Die Inventarisierung hat sich auf alle jüdischen Kunstdenkmäler zu erstrecken, ganz gleich, ob sie sich im Besitz der jüdischen Gemeinden. Bibliotheken, Vereine. Museen und in den öffentlichen Sammlungen und Bibliotheken, wissenschaftlichen Instituten und Vereinen befinden, auch muh versucht werden, die im Privatbesitz oder Kunstbandel befindlichen Gegenstände aufzunehmen. IX. Die zeitliche Grenze, bis zu der die Inventarisierung heranzugchen hat, ist im allgemeinen die Zeit der Emanzipation der deutschen Juden. Doch ist auch auf hervorragende Arbeiten der Zeit bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Rücksicht zu nehmen. X. Die Berichte der Inventarisierung sind so herzustellen, daß sie, zusammenaefaßt, ein Ganzes ergeben; die Illustrierung dieses Buches soll so weit gehen, als es die Mfftel irgend gestatten. Wichtigere Bauwerke sind iit Grundrissen, Schnitten und Aufrissen darzustellen. XI. Ein Inventar erfüllt erst dann vollständig seinen Zweck, wenn es die Unterlage für eine spätere Nachprüfung des Besitzstandes bietet. Es ist also die in geeigneten Zeiträumen abrubaltende Nachprüfung des Bestandes an der Hand des Inventars anruregen und sind entsprechend sortzubildende Neuauflagen ' der Jnventarisatio^s'werke vornrbereiten. XII. Zu diesem Zweck ist am „Archiv der deutschen Juden" eine Abteilung für Kunstaeslbichte anarleaen, in der die zur Kenntnis der die Denkmäler verwaltenden Behörden aelanaenden Nachrichten über die Umgestaltungen im Dl>nkmälerbestand gesammelt werden. XIII. Es wird erstrebt, mit den Inventarisatoren und Denkmalsarchiven der deutschen Bundesstaaten in Austausch Mi arbeiten. XIV. Die vorliegenden Thesen sollen nur Anregungen zu dem guf verschiedenen Wegen erreichbaren Ziele sein. Wenn es gelingt, diese Gedanken in die Tat umzüsetzen, würden die Juden Deutschlands damit als erste beginnen, sich wieder um die jüdischen Kunstdenkmäler zu kümmern. Von welchem Wert ihre Erforschung für die Wissenschaft des Judentums ist, braucht nicht erst erörtert zu werden, aber auch für die allgemeine Kunstgeschichte würde die Kenntnis der jüdischen Kunst von großer Bedeutung sein. Beachten doch die heutigen Kunsthistoriker immer mehr den Einfluß des Ostens, besonders Kleinasiens, auf die Kunst des Abendlandes und die Einwirkungen der internationalen Handelsbeziehungen, deren Träger die Juden infolge ihrer eigenartigen, politischen Lage bereits seit der historischen Zeit sind, auf die künstlerische Entwicklung überhaupt. Die Ursrlilrlchr LrHirhunysanltsIt kür rrnttia surütfttrrbltrfornf Linder in Sreiit?. ie segensreich ivirkende Anstalt blickt auf ein elfjähriges Bestehen zurück. Durch Professor Dr. Martin P h i l i p p s o h n im Verein mit dem' Deutsch-Israelitischen Gemeindebund begründet, istdie Anstalt in stetem Aufblühen begriffen. Einem wie großen Bedürfnis die Gründung dieses Hauses für geistig zurückgebliebene Kinder entgegenkam, kann nur der ermessen, welcher Gelegenheit hatte, solche unglücklichen Wesen im Elternhäüfe, in" allgemeinen Anstalten verstreut zu beobachten. Oft verspottet, meist, auch von den Angehörigen, feindselig betrachtet, bilden sie überall einen Stein des Anstoßes. Unter sachgemäßer Anleitung entwickeln sich solche Kinder noch später, mit wenigen Ausnähmefällen, zu brauchbaren Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft. Meist stammen sie von mit geistigen Defekten behafteten Eltern ab. In den Jahren 1898 bis 1900 wurden, nach der Statistik, in Anstalten ausgenommen: 35 638 Evangelische, 14 107 Katholiken, zusammen 49 745-Christen, und 1796 Juden. Dr. W i lh. N e u m a n n, Generalsekretär des D. I. G. B., welchem die Anstalt in Beelitz unterstellt ist, hat es sich angelegen sein lassen, behufs einer tabellarischen Uebevsicht über die Zahl der jüdischen idiotischen, imbezillen und epileptischen Kinder eine Enquete in 37 Anstalten verschiedener Art in Deutschland zu veranstalten. Dr. W. Neumann wandte sich zunächst an 74 im Preußischen Medizinälkalender aufgeführte Heil- bzw. Unterrichts- .und, Pflegeanstalten für Schwachsinnige und Epileptiker. Die Fragen bezogen sich auf Anzahl, Art, Geschlecht und Grad der Krankheit: insbesondere bei jüdischen Pfleglingen. Es liefen über 60 Antworten ein. Sie enthielten klare Auskunft und weitere schätzbare wissenschaftliche Anregungen auf diesem Gebiete. In den aufgeführten 37 Anstalten sind 210 jüdische Pfleglinge verzeichnet. Außerdem sind weitere 12 Anstalten aufgeführt, in denen sich 23 südische Imbezille, darunter zwölf Evilektiker. befinden. Diese Auszeichnungen sind Herrn Pastor Strillers Schrift in Alt-Alsterdorf: „Die Heil-, Erziehungs¬ und Pflegeanstalten für schwachsinnige Kinder und Idioten" entnommen. Nach dieser Tabelle sind, die männlicken Pfleglinge mit 130, die weiblichen mit 71 ausgesührt. Somit bestätigt sich die alte Erfahrung. daß die männlichen Pflealinqe überwiegen. Dieses Mißverhältnis zeigt sich bei den Juden in höherem Maße. Es befanden sich 1904 in allen 97 deutschen Anstalten 22 949 Pfleglinge. Ueber das Alter der Pfleglinge gibt die Tabelle ebenfalls Auskunft. Im Kindesalter, vor Beginn der Schulpflicht befindet sich kein einziger Pflegling. Es zeigt sich, daß die Zähl der Volljährigen mit 80 bereits 40 Prozent aller jüdischen Pfleglinge ausmacht. Die meisten Schwachsinnigen kommen erst in vorgerücktem Alter in Anstaltspflege. Eine größere Anzahl solcher älteren befindet sich in der Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemütskranke zu Sayn b. Koblenz. Die Kategorie der. Bildungsunsähigen zählt allein 91 Personen. Der . Bau des ebenso zweckmäßig wie schön angelegten Hauses in Beelitz kam durch eine Sammlung des Deutsch- Israelitischen GemeindebunLes zustande. Am 8. August 1907 ivurde der geplanten Anstalt durch Erlaß des Königs von Preußen der Name Wilhelm-Auguste-Biktoria-Stistung verliehen. Es zeichneten sich die Vorstände der Gemeinden zu Breslau, Frankfurt a. M. und Berlin durch Spenden von je 10 000 Mark aus, und durch Sammlungen taten sich noch die Gemeinden Potsdam und Nürnberg hervor. Sodann kamen noch Terrainschenkungen seitens verschiedener Kommunen hinzu, von denen dasjenige der Stadt Beelitz in der Mark, sowohl wegen der günstigen örtlichen Lage als wegen der vorzüglichen hygienischen Bedingungen, den Vorzug erhielt. Die Sammlungen wurden bis zum Frühjahr 1907 fortgesetzt und es gingen imsgesamt 68 709 Mark ein. Die Ausführung des Baues einschließlich der inneren Einrichtung stellte sich auf 105 000 Mark. Es fehlten noch weitere 40 000 Mark. Da faßte die Großloge des Ordens Bne-Brith am 17. März 1907 den. Beschluß, sich aus eigenen Mitteln an

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