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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-12-12 · Heft 50 (12.12.1919) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 50 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 568 (sequence 4)
Language
German
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568 ernst gemeint ist und daß man nicht des Sportes wegen derartige , Einsprüche wird überreichen lassen. Wie es jedoch scheint, wares den Herren nur darum zu tun,'Erwartung zu wecken, um dätm um so größere Enttäuschungen zu bereiten'. ' Aus den Ausweisungsbefehlen/ die bereits auf gedruckten Blanketten ausgestellt sind. und. nur 'durch das bezügliche Datum ergänzt werden, ist leicht zuersehen,daß die. maßgebenden Faktoren die Eingaben nicht nur nicht studiert^ sondern nicht einmal durchgeschaut.haben. Kurz und binchig lautethier: „Ihrem Ansuchen um Bewilligung zum Aufenthalte in Wen wird keine Folge gegeben. Sie haben demnach das österreichische Staatsgebiet bei Vermeidung der gesetzlichen Folgen bis . . . zu verlassen." Und doch handelt es sich hier in Viesen lakonischen Dekreten lim Dausende von Existenzen, die plötzlich total zugrunde gerichtet'werden. Unter den Ausgewiesenen sind Leute, denen es gelungen ist^ im Laufe von.Jahren und nach mühseliger Arbeit sich einen halbwegs annehmbaren Lebensunterhalt, zu schaffen, wie Bankbeamte, Lehrer usw., aber auch um unzählige Arbeiter, die, sei .es selbständig, sei es alsHilfskräfte, sich, ihr Brot verdienen. All dies will die österreichische Negierung damit entschuldigen, daß Wien unter dern Druck der Not leide. Nun muß aber hervorgehoben werden, daß die 4Ö 000 Flüchtlinge angesichts der 2% Millionen zählenden Bevölkerung der Stadt Wien bzw. der 6-Millionen- Bevölkerung Oesterreichs wirklich nicht mehr in Betracht kommen, dies nm -so weniger,, als,, wie wir uns überzeugt haben, ungefähr sechs jüdische Seelen in einem Zimmer darben, was die Wohnungsnot beispielsweise, sicherlich wenig beeinflußt. Wie. dem aber auch sei, die jüdische Bevölkerung in Wien ist fest entschlossen', sich gegen diesen kardinalen Rechtsbruch und gegen den Bruch des kaum trocken gewordenen Friedensvertrages mit allen Mitteln zu wehren. Wenn man bei einer „fortschrittlicheren" Regierung mit Argumenten der Menschlichkeitnichts ausrichten kann, so bleibt nichts anderes übrig, als auf dem Standpunkt der Paragraphen sein Recht zu. suchen. Die Maßregeln der Herren Tr. Renner und Landeshauptmann Sever sind ein akuter Verstoß gegen die Artikel 228 und 229 des österreichischen Friedensvertrages, wonach erstens die Ausländer, Staatsbürger der alliierten und assoziierten Staaten, nicht schlechter gestellt und belprndelt werden dürfen als die anderen — und wonach zweitens die Ausländer, die Staatsangehörige der alliierten und assoziierten Mächte sind, in ihren primitivsten Freiheitsrechten, wie Ausübung von Handel und Gewerbe, freie Änsiedlung und Wohnung, nicht eingeschränkt werdendürfen. Wohl bezieht sich der Ausweisungsbefehl im Wortlaute nicht nur auf Juden allein, aber tatsächlich sind es nur und ausschließlich Juden, die von den Härten der' Ausweisungen betroffen werden. .■ Wir erleben zum erstenmal — abgesehen von den seinerzeitigen Beispielen in Rußland und Rumänien — den Fall genereller Ausweisungen., die -plötzlich gegen. Tausende gerichtet, werden. Die neue Methode von Mnssenauswei sangen aus Gründen der politischen Taktik ist wohl das modernste Muster, eines ,^demokratischen" Regimes, gegen dys ebenso die Betroffenen als airch die. ganze zivilisierte Vkenfchh ell/und vor Mastem Pie' Lenker her .Diplvnmtie der Jetzt- HW'fich ziir' Whr setzen müssen, insofern' nicht,noch-, im.letzten Moment Ansicht '"i ü' 'Äesterreiitz Plätz 'gr-eift/ ' J: P. Z. .. . S . . .. 7 TftAtisewMsche Pirdapeft. .T e -mo l ie r u n g,uo n sRe.b ak t i o ns.'lVck-a^.n. - - - - Budgpest,8. Dezelnber. [tyii 'g^ftrjgey.,4antisenütrschen DWorrftratjyflers,/Mrden das Rebäktionskokäl',und alle. Äruckereisale des .Parteiorgans, her ungarischen ' .S'özlalvemokra.ten .. „Repszäva" denwliert /.und' 'huch die Ro ta'tkonsmtrl'ch inen zerst'br t.Mnfo"limrde/chuch ^das Lokäl-'devMeWktion-'des-!E'Esp' gänzlich^ . Die widrigey SchitksirLe der jüdischenStudenten in Lemperg. Die MÄ'n ö^r. Letrrbebger Miv^tHäk' sinh. vor der ' WrWn/MWd 'g-sschioE Mrdnu' DuWdiese Herordnuüg zwingt 'Vian-u^/'-acherhalb der LandesgrenzcnlW Aber -Mst 'macht tnän>chr Schwierigkeiten'bei -der- Herallsgäbeder Reisepässe. Oft weigert man sich, wegen kleinlicher Gründe Meiseerlaub- ,xysse Mch^dem Ausland herauszugxhen. DadurchKllt wie jüdische r ^sderWfche * Jugend' -vielfach:: jn Hände verschiedener -»Dokumentenschwipdler,. die, ihnen versprecherr,^ Meisedokumente M Erschaffen. So hat man in Lemberg eine ganze Gesellschaft entdeckt,, die sich mit dev Fabrikation von jüdischeAkttdÄtihm^beidMp lsat, sind' verMt^/,Dovd^n. zll''hübest,die''Dokumente''gefÄscht sind. Diese beweist, wohin das antisemitische Regime führt. ... Dep Mperyche PoWpm t M .j^rf^uer,^ Mildert em:->sochtzw auSr-MtzwutzM getroffener Reiftzstder den, Mitte gefundenen .Pogrom, ,^fyndeM.-'j^elitt«tt'7<habenrrdie jüdischen rpohner. der Straßen« :Maxien skaja^.^ r.WagMoieschtschenstajä und Kusnietschnaja. Beinahe alle jüdischen Wohnungenwurden geraubt und mehr qls vierhundert?Juden getötet.- UnteröhmLLten befinden sich auch. .Dr.. -RMM^Feigill^-dLÄMe - KaseMr geWtetHhiübtzM als er dm. Berwuüdet-ssn -Mfe bringen wollte,^Julius SchrrpowsLutlnd Sohn und der bekannte Zuck^rkömg Hirsch Liebermann. Der Pogrom dauerte drei Tage vorn 18.^bis^O. Oktober, ohne daß die Behörden versucht hätten^ . den' .Pogrmn. einzudäMMnn lpchi.lgins „Kiewljanin" hetzt Unäüshörlich. Mnenv.Deik der. Juden'Mgn^ eß, sich durch Geld loszukaufen.', So/ ^bezahlte ^z. ^8..', Dx<nGchD^urg einer "Gruppe KosakenÄ VM .Rubel, '.hämjt^jze sein Eck^ der 'und^'tzu^rsMuc^ heM^Mp auch alle jüdischen Einwohner dieseZ Hauses gerettet porrrden,:^- Denikin soll für die jüdischen Po-gromopfer 10 Millionen Ruber bewilligt haben. * Die ukrainische Regierung und die Pogrome. Das Londoner Jüdische Korrespondenzbureau vernimmt aris Warschau, daß der dortige Vertreter der ukrarmschen Regierung, Bograd, die Erklärung abgab, daß die ukrainische Regierung kräftige Maßregeln gegen die Pogrome ergreift. Alle Schuldigen werden bestraft. Bisher, sind 75 Soldatenhäuptlinge, die der Organisierung von Judenhetzen beschuldigt wurden, erschossen worden. Andere Schuldige befinden sich im Arrest. Die Regierung hat 25 Millionen Rubel für die Familien der Pogromopfer und 5 Millionen für die jüdischen Gemeinden der Ukraine bestimmt. * Anläßlich der Behandlung der russischen Frage im englischen Unterhaus, bei welcher Gelegenheit Llohd Georges erklärte, daß Koltschak und Denikin nicht nur die Bolschewisten bekämpfen, sondern auch gegen die neugeschaffenen Randstaaten seien und wieder ein großrussisches Reich ausrichten wollen, wobei es fraglich sei, ob dies mit den Interessen Englands im Einklänge stehe, äußerte sich der unlängst von einer Studienreise aus Rußland zurückgekehrte Abgeordnete Kolonel M a l v n e tu einer längeren. Rede folgendermaßen über die Judenfrage: Ich möchte meine Ausführungen vom letzten Donnerstag über den Zusammenhang der Judenfrage und der Lage in Rußland noch erweitern. Es ist sehr delikat, die Judenfrage im Parlament zu behändeln. Man wird da allzu leicht als Antisemit bezeichnet. Ich bin ein Judenfreünd Md Zionistenfreund und überlasse das antisemitische Geplapper der Presse: die sich besonders darin spezialisiert. Ich glaube, daß . in der Lösung der zionistischenFrage--Mch-^dle Lösung der russischen Frage liegt. Wir wollen das voll zwei Punkten . aus analysieren, , Erstens, hat man es mit einer". großem. mächtigen Rasse, zu. tun, die über die ganze Welt verbreitet üst, ohne- Heim unb^.ohpLeingtzvuxzelte. Jnteresim außer den finanziellen.' -Ich will äbsoW' keinerlei Schatten werfen auf eine Rasse, die solche, historische .Verbittdüng-en besitzt// Aber wenn jemand, den . Vater. jn .'Berlin, einen .Onkel iii^^ SBiett, eilten Hessen in Paris und einen Cousin ln Mlv^Hork hat, und-wenn alle eine Anzahl internationaler WertpapieW' besitzen, wie kann man da etwas anderes erwarten als internationale Intrigen. Selbst an der Friedenskonferenz waren, . .wie. ich glaUbe,^^ zwei Brüder, und zwar jeder ln einem anderen' Lagsr, Mkig.^ Dies ist derMassenstandpunkt.'. Was den territorialen - Stand- . Punkt anbelangt, so glaube ichdaß die Lösung, des - Weltfriedensproblems in Palästina.beginnt.. .Diese Frage ist seit. 15 Monaten

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