Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1919)
- Date
- 1919-12-12
- Page
- Seite 567 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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567 - Der Berliner „Vorwärts" vom 29. November publiziert folgende Schriftstücke, Die dem sozialistischen „Volkswillen" in Hannover. Zur Kenntnisnahme unterbreitet worden sind. Hannover, 27; Juki 1919. - L'ieb!w>erter Biundiesisreumd! Die Erkenntnis, daß es ein Gebot der Stunde ist, alle antisemitischen Verbände zusammenziuischließen, hat! dazu geführt, daß in unserer M-ikgliede'rveriammlun,g am 24. d. M. nach einstimmi'g,em Beschluß aller anwesenden Mitglieder unsere bisherige Ortsgruppe des Deu-ks,ch-.VölkischeNi Bundes libergegangen ist in den D e u t sche n Sch u tz - und Truhbun d. Dami-L - sind wir eingroßes- Stück vorwiärts g-ekom-men, Parteipoiliti'sche Erörterungen jeder Art und ko wsessio nelle Fragen sind von nun « sowohl in unseren. Versammlungen als auch bei Werbu,n,g neu-er Mitglieder unter allen Umständen grundsätzlich. streng z.u meiden. Werben Sie in Zukunft ausschließlich für den- Deutschen Schutz- und Trutzbund. Suchen Sie darum, auch m die Kreise der Jungmänner einzu dringen. In ihnen herrscht Mut u nd Eifer zur Vollstreckung unserer Pläne. Lenken Sie a Lle Gespräche vo>r si chtig u n d kühl a u s d i e I udenf r a g e und reizen Sie die Leut e, Farbe zu bekennen.. Hier ein A-usnahmegesuch. Trachten. Sie danach, bis zu unserer nächsten Versammlung (Donnerstag, den 31. d. M., 8 Uhr, Wachs'Niugs Hote!), e i n Mitglied z»u, werben. So oft Sie Gleichgesinnte kennenlernen, notieren Sie sich, stets Namen und Wohnung. Bearbeiten Sie -diese Leute — a b e r kei n Wort von P a r t e i p ol i t i k! — und übermitteln Sie uns stets allwöchentlich! zu unseren Versammlungen die gesammelten Anschriften. Kaufen Sie .alles., wasirgend möglich, bei unseren Mitgliedern! Das ist oberste Pflicht! Ter Deutsche muH zum Deutschen halten. Keinen Pfennig b c m Jude n! Weisen- Sie alle Freunde stets daraus hin. Kennzeichnen Sie stets das „Berliner Tagebilat-L" und die „Berliner Illustrierte" als die Allj-u den bl, älter! Eine vorzügliche antisemitische p a r t e i l o s e Zeitschrift ist der „Hammer" (14täglich, vierteljährlich 2,50 Mark, Leipzig, Königstraße 17). H.alten Sie die Nanien unserer Mitglieder, den Ort und die Art unserer- Arbeit Unerforschten gegenüber durchaus geheim. Das Judentum arbeitet -geheim; wir müssen hierin von ihm lernen. Tann werden wir eine Macht. Mit -deutschem Gruß! Ortsgruppe des Deutschen Schutz- und Trutzbundes. V o i >g t s. Geheim! Sie haben die Ortsgru.ppenmi't,gtiedsnu!nmer 260. Sie wollen diese Mitteilung ausbewahren und sich die Nummer aus b e st i m m t e n G r ü n d e n g e n a u merken. Sie genügt u. a. auch bei Zuschriften an uns und bei Ein-tragungen in die Anwesenheitsliste während unserer Versammlungen. Gegen Rückgabe. Aus unserer Mitte wollen wir eine Kern t r u p p e zusammenstellen, die bei besonders vertraulichen Angellegenhei ten in Tä ti g k e i t t reten soll. Sind Sie bereit, einzutreten? Ja nein Bedingun g: S u b ordinati o n! (Unterschrift.) Welche Ziele die Bildung dieser geheimen Kerntruppe verfolgt, darüber lassen sich leicht Vermutungen anstellen. Die ganze Aufmachung ergibt jedenfalls, daß hier Plane verfolgt werden, die das Licht der Öffentlichkeit z u s ch e'.ü e n haben. * ® t n weißer Rabe unter den Rechtsparteien scheint die Deutsch-Hannoversche Partei zu sein, jderen Parteiorgan, die „Deutsche V o l k s z e i t u n g" in Hannover, anläßlich der Stellungnahme der Deutschnationalen und der Deutschvölkischen zum Antisemitismus folgendes schreibt: . „Zurückhaltung in dieser Frage ist um so mehr am Platze für eine Partei, die, wie die deutsch-hannoversche, die Vertretung des Rechts auf allen Gebieten auf ihre Fahnen geschrieben hat. Gewiß, wir verkennen keinen- Augenblick, daß an . manchen unerfreulichen Erscheinungen unseres Wirtschaftslebens die Juden einen großen Anteil haben, und ebensowenig verschließen wir uns dem unheilvollen Einfluß, den manche jüdische Elemente aus Kunst, Literatur und Presse, d. h. auf das sittliche und kulturelle Leben des deutschen Volkes ausüben. Auf der anderen Seite müssen wir jedoch rückhaltlos -anerkennen, daß gerade unsere alteingesessenen hannoverschen Juden sich vielfach durch ein überaus strenges Rechtsgefühl und einen stark entwickelten Heimatsinn auszeichnen, und so erklärt es sich, daß die Deutsch-hannoversche Partei, der gewiß niemand den sonst oft so freigiebig erhobenen Vorwurf der >,Verjudung" zu machen wagt, stets auch jüdische Volksgenossen als gern gesehene Mitglieder in ihren ' Reihen gehabt hat. Aber auch davon abgesehen — schon als Rechtspartei müssen wir gegen unsachliche Verallgemeinerungen und ungerechtfertigte Vorwürfe Front machen. # Den Antisemiten in Frankfurt geht es eigenartig. Vor einiger Zeit mußten sie ihren Führer Hoser-Wohl abhalftern, weil sie plötzlich zu ihrem Schrecken entdeckten, daß . der Rufer im Streit gegen die Juden selbst im Besitz einer jüdischen Frau sei. Sein Nachfolger wurde ein Dr. Silber. Von diesem Herrn wurde in einer antisemitischen Versammlung kürzlich bekanntgegeben, er sei jüdischer Abstammung. Es scheint demnach, daß bei den Antisemiten nur die Personen Führerqualitäten haben, die irgendwie mit Israel verwandt oder verschwägert sind. So ein Pech! Nebbich! * Die Wiener FlrichtLirrgsfrage. Seit einiger Zeit lebt die jüdische Bevölkerung in Wien in einer unaufhörlichen Panik. Der Kohlen- und Nahrungsmittelmangel, der die Erbitterung der gesamten Wiener Bevölkerung Hervorrust, . nimmt letzten Endes die Wendung, daß der Jude, insbesondere der aus Galizien mit dem Kriegsausbruch eingewanderte Jude, der Sündenbock der Kriegs- und Nachkriegswirtschast werden soll. Herr Renner, und seine Regierungsgenossen möchten ihre Position dadurch erhalten, daß sie die Aufregung der Wiener gegen die Juden aus Galizien ablenken und g.gen die eingegangenen Verpflichtungen nach dem schärfsten Mittel greisen, dessen sie sich gegen die Juden bedienen können: dem Mittel der Ausweisung. Ich sage: „gegen die eingegangenen Verpslichtüngen", da bekanntlich nach der seinerzeitigen'Androhung der Ausweisungüber Intervention des Abgeordneten Stricker demselben die Zusicherung gegeben wurde, daß es zur Durchführung der rücksichtslosen Maßregeln nicht kommen, sondern daß schlimmstenfalls eine Perlustrierung der Flüchtlinge stattfinden wird. Nun scheinen.aber die Elemente, die ftden Sonntag den Studenten- . rummel am Franz-Jofess-Kai inspirieren, die Oberhand gewonnen zu haben, und es vergeht seit den letzten vier Wochen kein Tag, wo nicht eine. Anzahl , von Juden einen Ausweisungsbefehl bekommt. Es handelt sich hier nicht um die jüdischen Schieber und Preistreiber, die wir insgesamt mit den nichtjüdischen Schiebern und Preistreibern verdammen. Aber es handelt sich bei uns um die Tausende von arbeitssamen, ehrlichen und braven, jüdischen Einwohnern, die die schwersten Greuel des Krieges, über sich. ergehen ließen, in der Hoffnung, daß es ihnen gelingen , wird, nach fünfjährigem schweren Leiden doch ruhig.ihrer Existenz nachzugehen. Die.„demokratische" Regierung, der Republik Oesterreich bringt nun diese Menge von fleißigen arbeitenden Juden um..ihre letzte Hoffnung. . Laut der erwähnten Ausweisungsandrohung stand jedem der in Betracht Kommenden das Recht, zu, eine Eingabe an die Wiener Polizeidirftwn mit Begründung seiner Ausenthaltsnotwendigkeit in Wien zu.überreichen. Es hatte den Anschein,.daß es allerdings um diese Eingaben