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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-28 · Heft 48 (28.11.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 48 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Drogerie, Kurfü-rstendauun 51, Ernst Bogk. Hoffentlich wird der antisemitische Held nicht allzu stark von Mischen Kunden belästigt. <r/D Königsberg i. Pr., 21. November. Ter V e r e i n j ü d i s ch e r R e.l rgi.ons lehr er Ostpreußens hat in einem Gesuch an den Verband der Synagogengemeinden Ostpreußens. folgende. o t st a n ds m i n d e st s v r d e r u n geu f ü r Be a m te kkei ne r (3 e m e i nden erhoben: . 1. Gewährung, eines Ntinidestglchaltes einschließlich Teuerungszulage von 5000 At-ark beim Fehlen einer Amtswohnung oder von. 4500 Mark neben freier Dienstwohnnng. 2. Anstellung >des Beamten nur -auf Grund desostpre-ußi.sche-n Norm-alvertrages. 3. Entlassimg des Beamten auch bei Ablauf seines Vertrages nur beim Vicirliegen eines dringenden Grundes, worüber das Schiedsgericht des ShNiaiglo-genver-banides die Entscheidung h.aben soll. 4. Mitwirkung des jüdischen Lehrers und Kantorsim Gelneindevorstand oder in der Schul- und K-u-ltuskonimifsion der Gemeinde bei allen Fragen der Jugenderziehung, des Kultus und der religiösen Gemeindepflege. Der Ausschuß des Synag-ogenverbandes wird gebeten, die Durch sührung dieser Mindestso-rderungen der ostpreuß-ischen, Lehrerschaft zu rmterstützen durch Anerkenniung d-ieser Forderungen und wirksames Eintreten für dieselben beiden Gemeinden — durch Ausnahme der betreffenden Bestinrmuingen in den. ostpreußischen Normal vertrag — und durch Versagen jeder Beihilfe seitens des Shnagogenverbandes -bei solchen Genieinden-, die diesen Mindestbedingungen bei der Anstellung ihrer Beamten zu entsprechen sich weigern. Soweit dlusnahmeverhältnisse bei. einer Gemeinde vorwalten, soll eine gelneiu>s.a'me Kommission «aus Vertretern des Shnagogenberb>andes und des Lehrervereins über die besonderen Bestimmungen für die betreffende Gemeinde beschließen. Im« allgenlemen aber wird die Atögli-chkeit der Erfüllung der Mindestforderungen auch für kleine Genreinden als gegeben erachtet, wen-n sie sich, mit Nachbargememden zu einen: Schul- bzw. Kultus verbände verbinden. Bei der traditionell sozi-alsortschrittlichen Art des ostpreußischen Synagogenverbandes gegenüber der ostpreußischen jüdischen Be-amten>scha-st, idem bereits die vortreffliche, .gesetzlich -als Ersatzkasse anerkannte ostpreußische jüdische Beam-tenp-ensionskasse, das Verbau d-sschi-edsgericht ltmbder ostpreußische Norm'alvertra'g zu -danken sind, ist auch für die neuen Forderungender ostpreußischen jüdischen Lehrer und Kultusbeamten eine wohlwollende Haltung und tatkräftige Förderungseitens des Synagogienverbaudes zu erwarten. Von der jüdischen Beamtenschaft im Reiche aber wird erwartet, daß sie zur Durchführung der Bestrebungen des ostpreußischen Lehrervereins -auch dadurch hilft, daß sie Bewerbungen aus va.kante Stellen in Ostpreußen nur unter vorstehenden Mindestbedin-gungen aufglbt. Die näheren Verhältnisse bei jeder Stellenvakanz sind vom- Vorsitzenden des ostpreußischen Lehrervereins, Direktor Peritz (Königsberg i. Pr.), zu erfragen. ns. Memel, 17. November. Anläßlich des heutigen hundertjährigen Geburtstages des vor mehr als 18 Jahren hier verstorbenen Kaufmanns Saul Bloch haben seine Kinder in Berlin und anderwärts namhafte Summen für die jüdischen Armen der hiesigen Gemeinde und für das Jüdische Krankenhaus gestiftet. Es tritt dadurch in Erinnerung das Andenken des würdigen Seniors unserer Gemeinde, welcher einer alten Gelehrtenfamilie in Polen entstammte und in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sich hier niederließ. Den alten Traditionen treu, hat er an den Anfängen der hiesigen Shnagogengemeinde mitgewirkt und die Eintracht der verschiedenen Landsmannschaften innerhalb derselben gefördert. Er nahm lebhaften Anteil an den rühmlichst bekannten Hilfsaktionen Dr. Rülfs und war Mitbegründer des so segensreich wirkenden Jüdischen Krankenhauses, dessen Kuratorium er bis zu seinem Ableben angehörte. Ebenso lange gehörte er dem Vorstande der Synagogengemeinde.an, und länger als 40 Jahre waltete er als Vorsteher der ältesten (polnischen) Synagoge hier. „Aeltestes bewahrt mit Treue, freundlich ausgesaßt das Neue", hat er hier in allen Kreisen Ansehen und Achtung genossen. H. Bromberg, 21. November. Unsere antisemitischen Gegner pflegen uns u. a. auch den Vorwurf entgegen,zuschleudern, wir hätten während der verflossenen Kriegszeit nur ein geringes Maß von Patriotismus -gezeigt. Da ist es wohl angebracht, -alle möglichen Beweise beizubringen, die erkennen lassen, daß dieser Vorwurf völlig grundlos ist. Ebnen.solchen Beweis liefert der Rentier Herr Willy Kiewe in Bwm'berg, der, obwohl er wegen seines Alters rächt mit der Masse in der Hand dem Vaterlande dienen konnte, seinen Patriotismus, dadurch bekundete, daß er eine größere Anzahl zündender, von flam-mender Begeisterung getragener Kriegsli-eder verfaßte und auf eigene Kosten verbreiten ließ. Diese Gedichte fanden in allen, selbst den höchsten Kreisen besondere Anerkennung. So erhielt der Verfasser unterm 8. September 1914 durch Vermittlung des Kultusministers ein Königliches Kabinettsschreiben, -in bent für „die in den überreichten Gedichten zum Ausdruck gebrachte vaterländische Gesinnung" gedankt wird. Weitere in gleichem Sinne sich aus sprechende Zu schriften erhielt der Verfasser von fast allen deutschen regierenden Fürstlichkeiten, so von: Könige von Bayern, vom Könige von Württemberg, von Sachsen, den Grohherzögen von Hessen .und von Bälden, den: Herzog von Braunschweig, von den Prinzen Leopold von Bayern, Eitel Friedrich und Joachim von Preußen, vom Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, von v. Tirpih, v. Hindenburg, v. Ludendorff, v. Stein, v. Falkenhayn, Mackensen und noch anderen hochstehenden Militär- und Zivilpersonen. Auch das stellvertretende Generalkommando in Stettin ließ seinen Dank für die von Li-ebe zu- Kaiser und Reich.!getragenen Dichtungen au s sprechen und teilte gleichzeitig mit, „daß die Dichtungen den Reservelazaretten überwiesen werden sollten, wo, sie manchen Verwundeten Freude bereiteu werden". Am 12. Oktober 1915 sandte Generalseldmarschall v. Hindenburg den Rittmeister v. Ch. zw Herrn Kiewe, um diesem für seinen bewiesenen Patriotismus irgendeinen Titel oder ein Ehrenzeichen anzubieten. Herr Kiewe X-efj-nte jede Auszeichnung ab. Roch nm 14. Juni 1918 erhielt Herr Kiewe aus dem- Kaiserl-chen Hauptquartier ein großes, prächtiges Kaiserbild, die letzte -Aufnahme des früheren Monarchen, durch die Post zugestellt, das zwei Tage nach dessen Abreise nach Spa-a -ab-gesandt worben war. Das 90 X 00 ein große Bild trägt die Widmung-: „Den: großen Patrioten und vaterländischen Dichter Herrn Willy Kiewe in Bromberg, in Anerkennung seiner großen Verdienste." Für Ueberseudung von 14 Gedichten und einem Kriegsinarschliede erhielt Herr Kiewe von: „Deutschen Kriegerhilf-slbiund" eine Ehrenurkunde. Die Sendiing wurde der Sammlung des Hiudenburg-Museums zu Posen überwiesen. — Leipzig, 21. November. Wie es mit der gepriesenen neuen Gewissensfreiheit in Sachsen aussteht, kann man an folgendem Beispiel ermessen. Der hiesige Rabbiner Dr. G o l d m a n n hatte an das Ministerium für Kultus und öffentlichen Unterricht ein Gesiich gerichtet, damit sein Sohn an den Sabbaten vom Schulbesuch befreit würde. Dieses Begehren ist nunmehr vom Ministerium glatt abgelehnt worden. Um zu erkennen, welch ein Grad von Intoleranz in dem so freiheitlichen Staat Sachsen herrscht, muß man dem gegenüberstellen, daß im angeblich reaktionären vorrevolutionären Preußen bereits seit dem Jahre 1859 anstandslos jüdischen Eltern gestattet wird, ihre Kinder vom Unterricht am Sabbat fernzuhalten, damit sie eine religiöse Erziehung genießen können. Die sozialdenwkratischen Machthaber in Sachsen scheinen der Gewissensfreiheit eine eigentümliche Ausdeutung zu geben. er. Düsseldorf, 21. November. Eine Abordnung des Contra tvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach bei den: Kultusminister Haenis ch bei dessen kürzlicher Anwesenheit hiervor und legte ihm die Beschwerden der jüdischen Bevölkerung wegen der zunehmenden antisemitischen Verhetzungen an höheren Schulen | Düsseldorfs dar. Der Kultusminister hörte diese Aussührnlig-eri mit großer Ausmerksamkeit an und bezeichnete sich als ein strickter Gegner des Antisemitsmus. Er sagte sein möglichstes zu, um der gehässigen Feindschaft gegen die jüdischen Schüler ein Ende zu machen und den Trägern der Agitation entgegenzutreten, und ersuchte, in gegebenen Fällen alle Klagen an die zuständigen Schulbehörden zu bringen, wo sie sorgsam geprüft würden. — Hoffentlich bleibt es nicht bei Versprechungen. Die Lage der jüdischen Schüler ist in manchen Schulen unseres Bezirkes fast unhaltbar geworden. üuszland. z. Wilna, im November. Bei der Eröffnungssitzung des ZtndttcteS von WÄna am 22. v. Bi. wurde eine Teklarabvn der jüdischen StadtratsmÄglieder in jüdischer Sprache durch Dr. 3& l) - g y d skr Vorgekesen, worin ans die iingerechtchkeiten der Wahlard-

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