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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-28 · Heft 48 (28.11.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 48 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Nnng tUifmcrffiim gemacht wird, fcw&ujoI$e es gelungen ist, «durch Hinzuziehung von uinliogon.den Dörferndie jüdische Bevölkerung, die die Hälfte der städtischen Einwohnerschaft bildet, in eine Minderheit zu Verlvandeln. Ai ich bei der Anlegung der Listen habe man aus olle mögliche Weise die Juden benachteiligt. Im Namen der Wilnaer jüdischen- Bevölkerung, ivird der schärfste Protest erhoben und konstatiert, da st der jetzig«- zei-tiv eilige Sta-dtrat, welcher nicht das richtige nationale Verhältnis in Wilna wiedergibt, sich nicht als richtiger Vorstand derganzen Wilnaer Bevölkerung betrachten kann. Tie Juden sind trotzdem, in den Stadtrat eingetreten, um dort ihre ökcnoinischen Interesten zil wahren und um in friedlicher Zniammenarbeit mit. den a.n-deren Nationalitäten produktiv zu arbeiten. Sie haben, von ihren Wählern ein imperatives Mandat erhalten, sich ausschließlich mit den städtischen - lvi-rtscha-ftlichen und kulturellen - Angelegenheiten zu beschäftigen, jedoch keineswegs mit staatlich-rechtlichen Fragen. Weiterhin wurde eine Reihe allgeln einer wie auch speziell ji'l di scher Forderungen -aufgestellt. - Lallt der „Wilnaer Jüdischen Zeitung" übersiedelt nach Wilna -demnächst der bekannte jüdische Hi'storiker Tubn-ow. - - Aus einer am 2 5. Oktober i>m Jüdischen Ministerium in Kowno stattgefllndenen Versammlung wegen der Gründung einer zentralen Indischen Volks bank für Litauen wurde beschlossen, die ausgearbeiteten Statuten ehestens der Regierung zur Bestätigung vorzulegen. Das Aktienkapital dieser Bank soll 3 Millionen Mark betragen. Das Bureau bei bcut> Ministerium für jüdische Angelegenheiren in Litanen meldet, daß die Konferenz der jüdischen Gemeinden Litauens in einigen Wochen stattsinden wird. Das Bureall ersucht alle Protokolle über bereits stattgesundene Wahlen dem Ntinisterium elnzufenden resp. in den anderen Orten sofort die Wahlen vorznnehmen. Von Aah und Lern. - Die Z e n t r a I w ohlf a h r t s st e l l e d e r Deuts ch e n I il d e ll hat mit Rücksicht ans die anhaltenden Verkehrsschwierigteiten, ebenso wie der V e r b an a der D en t s che n I u d e n lind die G r o st l o g e s n r D e ll t s ch 1 a n d (U. £. B. B.), ihre Tagung, die am 1. Dezember stattsinden sollte, absagen müsten. Tie Versammlung wir-d zu einem späteren, günstigeren Termin einberusen lverden, sobald da'inir gerechnet lverden kann, daß die Delegierten der der Zentralwohlfahrtsstelle angeschlostenen Gemeinden und Körperschaften sonne die auswärtigen Ntitglieoer des Vorstandes und des Verlvaltnngsrats ohne allzu große Erschwerung, nach Berlin kommen können. Sanitätsrat Tr. Kurt M a n d o w s kh (Berlin), der als einer der ersteii Aerzte das Ester iw Kreuz zweiter Klaffe erhalten hatte, har jetzt nachträglich die Nachricht erhalten, daß er zum Ritter des Eisernen Kreuzes erster Klasse ernannt worden, ist. -- Sanitätsrat Tr. Otto Mankiewicz in Berlin ist im 55. Lcoensfahre gestorben. Mankiewicz trat ans dem Gebiete der Urologie durch eine Reihe von BeröffentUchnngen hervor und beschäftigte sich besonders gern mit Studien zur Geschichte der Medizin. jiamutt ikiii chm eine Renan sgave des im Jahre 1575 erschienenen Lehrbuches von Bart ich üoer die Blasensreine und deren Behandlung. - Herr Fabritbeptzer Rtax Kotter in Königsberg ut Preußen hat in Gemeinschaft mit seiner Gattin dem, Schwesternonnoe der dortigen Kant-Loge eine Schenkung von 50 000 Mark zum Erwerb eines eigenen mrmt)|tücte* für ein F e r ienhei in zngewlesen. Alis Posen wird uns geschrieben: Zu dem Inspektor der ftidtschen Unterkunftsslätte Hierselbst kam ein angeblicher Polizeibeamter mit Dem Austrage, eine Durchsuchung der Wohnung vorzunehmen. Alls die Aufforderung, das vorhandene Bargeld vorznzeigen, brachte der eingeschüchterte Alann 12 000 Mark zum Vorschein, die sofort beschlagnahmt wurden. Der Wohnungsinhaber sollte nun den Beamten zur Picilize.i begleiten. Kaum hatten sie ein paar Schritte gemeinsam zurückgelegt, als der Mann mit -dem Gelbe verschwand unD nicht lnehr gesunden werden konnte. — An der Volkshochschule von Schönebeck und Umgegend liest der dortige jüdische Prediger Herr Tr. Julius Gallandt: 1. Einleitung indie Philosophie. 2. Jüdische Geschichte und Literatur. Vom Untergang des jüdischen Staates -bis ans das -Anbrechen der neuen Zeit von 70 bis 17S0 der üblichen Zeitrechnung. Beide Vorlesungen werden von über hundert Niichtjüblscheu Hörern besucht. - - Herr Mazs Herschels in Bonn a. Rh. beging das 50jährige Jubiläum seiner Tätigkeit in der Verwaltung der dortigen jüdischen Gemeinde. Der Jubilar ist der Verfasser der in zwei Bänden erschienenen Gedichte „Im Tale Saron", die in weiten Kreisen der deutschen Jud-enheik verdiente Würdigung und Verbreitung gefunden haben. — An der philosophischen Fakultät 'der Straßburger Universität wurde ein Lchrstu-Hl für jüdisch-deutsche Dialekte errichtet. --- Aus Zürich wird geschrieben: Für den Kriegswaifensonbs der Agudas Jisroel wurden bisher durch die jährliche Selbstbesteuerung und durch Spendenin Deutschvand 850 000 Mark und in der Schweiz 50 000 Franken ansgebracht. Die Sammlung ist noch Nlicht abgeschlossen. Im Hinblick a.us das unermeßliche Elend der J'll'deni Osteuropas, zu dessen Linderung rasche Hilfe «und reichliche Mittel dringend benötigt werden, erläßt das Zentralburea.u der dlugudas Jisroel (Zürich) einen Ansruf, bei jeder Gelegenheit des Waisenfonds der -Auguid-as Jisroel eingedenk zu fein und für diesen Zweck in ausreichender Weise zuspenden. — Wie die „Humanite" ureldet, ist aus Anregung einiger jüdischer Intellektuellen in Paris eine Organisation des jüdischen Proletariats in. Frankreich gegründet worden. Sie bekennt sich zu. den Grundsätzen des internationalen Sozialismus radikaler Richtung und bezweckt die Sammlung und Aufmunteru-ng. .der jüdischen Arbeiterschaft zum Kampf, für die vollkommene soziale Befreiung -der jüdischen Arbeiterklasse im Rahmen des -intern.ationa.len Proletariats. — Im Wiener Stad-ttheater küm es jüngst anläßlich der Aufführung von Artur Schnitzlers „Priosest-or Bernhardi" zu> großen Skandalszenen. Es wurde gezischt und getrampelt, und der Skandal wuchs derart an, daß dre Szene unterbrochen werden mutzte. Tie Polizei schritt ein und veryaftete aus dem Stehparterre vier Studenten. Die Absicht der Temonstrantenl, die Kun-dgebiungen vom. Theater aus die Straße zn verpslänze'n und denjeiben einen ant-li-emiitlichen A-n.strich zu geben, wurde durch die Rlaftnahmen der Polizei vereitelt. — Vor kurzem fand m Ezernonntz ein großes- Sportfest -statt, .an dem über 000 jüdische Turner tmo Turnerinnen mitivirtten und ein vielt-auien-dköpfiges P.uvliknrn lc.iNiahm. Das Sporrsest dauerte zwei Tage und geslaltete sich zii einer großartigen Ntanifestation der jüdischen Bu-kowina. Ter Overrabbi-ner von K-ierv hak an die rumänische Regierung die Bitte gerichtet, den Flüchtlingen aus der Ukraine das Pafsteren. des rilniäilifchen Gebiets zu -erlauben. Ter rumänische NUmster für Beßaravien enipfi-ng -oen O-bervadbiner sehr unhöflich und -schlug seine Bitte ao. — Das Londoner Jüdische Korrespondenzbureaiu verichter, daß o-ie Jüdische Bank m vtiga während des Pirgromes, der vor turzeni dort srattsand, geplün.oert wurde. Grosze Gelds.ummen ivnrden entivender. Tie Bank, die eine tooperative Bereini-gung war, zählte zuihren Nti.tg-lied-ern zu-nieist Handwerker und "ArVenter, die zuur Teil ihren letzten Groschen, durch diesen Rand verloren haben. — Wie den „Polnischen Stunnien" aus TLarschau geineldet ivird, verlautet dort in polnischen Kreisen, daß Senator Ätorgelirhau zuni Komuristär der Entente in Danzig ernannt werden soll. Eine Petition, niiterzeichnet von 01 Kaufleuten in Haifa, in Cer um schleunige J-naligrifsnahme der Arbeiten für den H-asenbaii gebeten ivird, -stt dein«!iidüUhxjoaimmnt.r überreicht ivorden. In der Petition ivird bedauert, daß feit der Besetzung, des Landes so viel Zeit verstrichen ist, ohne daß defiN'itive Schritte in dieser Richtung nnternoinmen ivnrden, und es wird die Besorgnis zum Ausdruck gebracht, daß die Nachbar Häfenden .gesarnten Handel an sich reißen könnten. -- Ter erste Hilsssekretär des politischenStaa-tsd-ep-artements der Bereinigten Staaten hat -am 28. September m-itgeteilt, daß Vonv Staatsdepartement an die anierikanis'che Gesandtscha-st in> Warschau Weifu>ng.eii -a-bgega-ngen sind, -ivonach das Visum -allen denjenigen Personen zu erteilenist, die zu ihren Angehörigen nach Amerika rei.sen wollen, gleichviel, o-b ihre Lln-gehörigen in Ll.ni-erika eingebürgert sind oder nicht. In denjenigen Fällen, wo die Ges-andtschaft nicht gewillt ist, das Visum zugeben, hat sie der Regierung nach Washington zu berichten, die .darüber entscheiden wird, ob die Gründe für die Verweigerung des Visums berechtigt sind oder nicht. Verantwortlicher Redakteur: Albert Äatz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln^ Druck und Verlag von Rudolf Mosie.

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