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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-28 · Heft 48 (28.11.1919) · p. Seite 547

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 48 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 547 (sequence 7)
Language
German
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- 547 Edlen, die gleich ausgezeichnet waren als Menschen, als Lehrer und — last not least — als Juden. Doch erfüllen wir zunächst einmal die Pflicht des Chronisten und werfen einen Blick auf den Lebensgang des zuletzt Verschiedenen, dessen Schüler ich itt Wolfenbüttel vor mehr als zwanzig Jahren war und mit dem ich 1918/19 als Amtsgenosse, wenn auch nicht an derselben Anstalt, so doch in derselben Stadt zusammen wirken durfte. Moritz Goldschmidt wurde am 24. Januar 1864 in Nordhausen geboren, absolvierte das dortige Gymnasium als Primus, studierte Germanistik und neuere Sprachen in Berlin und Bonn, promovierte mit einer tiefgründigen, gelehrten Arbeit zum Dr. phil., bestand, nach einem längeren Aufenthalt in Frankreich, das Oberlehrerexamen im Jahre 1888 zu Bonn „mit bestem Erfolg" und erwarb die Lehrbefähigung in Deutsch, Französisch, Englisch für die erste Stufe. Das Probejahr legte er 1888/89 am Philanthropin in Frankfurt a. M. ab und wurde bereits Oktober 1889 als Oberlehrer an die Samsonschule zu Wolfenbüttel berufen. Hier wirkte er, unter T a ch a u s genialer Leitung, an der Seite seiner vortrefflichen Gattin, die den Lesern dieser Zeitschrift durch manchen Roman aus dem jüdischen Leben bekannt geworden, bis zum Jahre 1903 mit dem größten Erfolge als Lehrer, be- - sonders des Französischen. Noch heute erinnere ich mich dankbar seiner vortrefflichen Stunden, die, nicht selten von Humor gewürzt, von lebendigster Anschaulichkeit waren, die wirklich in die fremde Sprache einführten, in der man, systematisch angeleitet, tatsächlich sprechen lernte, während so viele andere Pädagogen sich damit begnügen, neben oder an Stelle von zwei toten Sprachen (Latein und Griechisch) noch eine dritte tote Sprache zu lehren, respektive eine vierte, falls noch Englisch dazutritt. — Aber dem jungen Oberlehrer lockten höhere Ziele, „Mazedonien war ihm zu klein"; die Samsonschule schloß mit dem „Einjährigen" ab, Goldsch m i d t jedoch wünschte, an einer V o l l - a n st a l t seine volle Lehrbefähigung zu verwerten. Das Jahr 1903 brachte ihm die Erfüllung seiner Sehnsucht: er wurdet an die Oberrealschule zu Kattowitz, eine der wenigen höheren Simultanschulen Schlesiens, gewählt und folgte dein ehrenvollen Ruse. Er hat es nie zu bereuen gehabt. In kurzer Zeit schuf er sich eine geachtete Stellung, bewundert wegen seiner seltenen Gelehrsamkeit, geehrt wegen seiner außerordentlichen Gewissenhaftigkeit und Gerechtigkeit, geliebt wegen seines anspruchslosen, bescheidenen Wesens, dem es dabei keineswegs an aufrechter Mannhaftigkeit und energischer Festigkeit fehlte, wenn es galt, Anschauungen und Gedanken zu vertreten, die er einmal als richtig erkannt hatte. Bald drang sein Ruf weit über die Grenzen Schlesiens hinaus. Leitete er doch seit 1899 mit steigendem Erfolg die „Neuphilologischen Blätter", die „Zeitschrift neuphilologischer Verbindungen an deutschen Hochschulen". Mit rastloser Schaffensfreude, mit unermüdlichem Fleiß bereicherte er dieses Blatt durch seine mnsterprof. Dr. Moritz*Goldschmidt. geb. 24. Januar 1864, gest. 29. Juli 1919. Phot. Willi Lange (Kattowitz.) gültigen Kritiken aller Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Germanistik und neueren Sprachen. Die letzte, noch in Kattowitz fertiggestellte Nummer, September 1919, enthält nicht weniger als 15 Besprechungen aus Gold schm idts Feder. Damit leistete er den jungen Studenten einen Dienst, der bei weitem nicht hinlänglich gewürdigt zu sein scheint. Konnte doch an Hand der sehr sorgfältigen Uebersichten des Herausgebers der angehende Fachgenosse sich schnell und doch gründlich über alle bedeutsamen neuen Bücher informieren. Trotz seiner aufreibenden und zeitraubenden Tätigkeit als Lehrer, der mit Korrekturen überhäuft, als Herausgeber und Schriftleiter, der mit Zuschriften und Zusendungen überschüttet wurde, als Gelehrter, der es keinen Tag versäumte, sich weiter zu bilden, trotz alledem fand G o l d f chm i d t noch Muße, eine Menge Ehrenämter zu bekleiden, ein Zeichen für das große Vertrauen, das man allseits in seine Gediegenheit und Zuverlässigkeit setzte. Bis zu seinem Tode war er Vorsitzender des Kattowitzer Philologenvereins und, was uns hier noch mehr interessiert, der Loge und des Zentralvereins, auf dessen Boden er stand. Daraus ergibt sich auch seine Stellung zum Judentum. Er war im besten Sinne liberal. Ein Mucker und Frömmler war er allerdings nicht. Und doch war er von jener tiefinnerlichen Frömmigkeit, deren oberster Leitsatz ist: Arbeit ist der schönste Gottesdienst. In der Arbeit ging er auf, dabei ein freier und weitschauender Geist, der sich neben der Philologie auch in die Probleme der Geschichtswissenschaft gern vertiefte. Ein Soldat der Arbeit ist er airch, bis in die letzten Stunden seines gesegneten Lebens wissenschaftlich tätig, leider erst 55 Jahre alt, am 29. Juli d. I. gestorben. Für das Judentum bedeutet der Tod dieses außerordentlichen Mannes jgerade in der Zeit der antisemitischen Hochflut einen unersetzlichen Verlust. So groß ist die Zahl derer nicht, die durch Wort und Tat, durch Beispiel und Lehre, durch innere Berufung und äußeres Ansehen zu wirken und zu leiten vermöchten. Zu früh ist er von uns gegangen, der Mann der eisernen Pflichttreue, des kategorischen Imperativs, ein vorbildlicher Mensch und daher airch ein vorbildlicher Jude. Ave, pia anima! Kotigen?ur Geschichte einer polenlchen tudengemeindr^—^ nach ft. Warlchauer: „Gelchichte der Stadt "Gnelen". Zusammengestellt von Tr. I. Jacobson. (Schlntz.1 ’ eber die Lage der Gnesener Juden während des kurzerr Zwischenspiels des von Napoleon geschaffenen Grotzherzogtums Warschau (1807 bis 1815) bringt Warschauer keine wesentlichen Nachrichten, auch nichts darüber, wie die Gnesener u

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