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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-28 · Heft 48 (28.11.1919) · p. Seite 546

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 48 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 546 (sequence 6)
Language
German
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-Ö46 - Daß drese Deklaration nicht vereinzelt dasteht, nicht etwa die durch Opportunitätsrücksichten diktierte Aeußerung bloß der offiziellen Vertreter des „assimilatorischen" hauptstädtischen Judentums ist, beweist die in der jüngsten Nummer des „Egyenlösög" veröffentlichte feierliche Erklärung der Szegeder Judenschast vom 26. Juni. Damals, als sich in der von den Umtrieben der Bolschewisten verschont gebliebenen zweitgrößten Stadt Ungarns unter Führung des Grafen Julius Karolyi eine neue -ungarische Regierung konstituierte, die den Kampf gegen den Bolschewismus in Ungarn aufnehmen wollte, damals schloß -sich die Szegeder Judenschaft auf den ersten Ruf dieser Regierung mit größter 'Begeisterung an. In ihrer feierlichen, erst jetzt vor die große Oeffentlichkeit gelangten Deklaration erklärt diese Juden-schaft mannbar: „Wir dulden nicht und weisen, wo immer er herrühre, jeden Vorwand zurück, der der Tendenz, dienen wollte, uns wegen unserer jüdischen Konfession in unserer Treue zum ungarischen Vaterlande, zur ungarischen Nation zu verdächtigen . . . Wer den Verlauf dieser traurigen Welt mit offenen Augen ansieht, der muß auch sehen, daß der russische Bolschewismus nicht nur den Körper der ungarischen Nation zerfleischt, sondern auch die Lebenstätigkeit Deutschlands, Bayerns und der Nationen anderer europäischer Länder bestürmt. Darf man also in dieser rein ungarischen Bürgerstadt das Aussprießen einer Verleumdung dulden, die die Verantwortlichkeit für die Verbrechen der ungarischen Räteregierung oder welch geringen Teil dieser Verantwortung immer auf die ungarischen Bürger jüdischer Konfession wälzen will? ... Wer wagt es zu bezweifeln, 'daß wir Szegeder Ungarn jüdischer Konfession Triebkräfte der die ungarische Nation entwickelnden Kulturwirkungen waren und sind, daß wir an den kulturellen, administrativen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Werken der ungarischen Nation mit unermüdlichem Eifer, Fleiß, ehrlich, hingebungsvoll und treu teilgenommen haben? Wer wagt es zu bezweifeln, daß unsere Söhne während des Weltkrieges auf den Schlachtfeldern ihrer Soldatenpflicht mit Heldenmütiger Selbstaufopferung Genüge geleistet haben? . . . Wir wollen für das ansgesteckte, große und heilige Ziel arbeiten: daß wir das neue Ungarn schaffen und die ungarische Nation zu blühendem, unsterblichem neuen Leben zu wecken helfen." Und so wie die Pester und Szegeder Judenschast,- so denkt die Judenschast ganz Ungarns. Ihren Gefühlen, ihren Sorgen und Befürchtungen gibt auch der Aufruf Ausdruck, den die vor kurzem gegründete Allgemeine Hilsskommission der •' ungarischen Juden und die Vertreter der Israelitischen Religionsgemeinden von Budapest und Umgebung an die ungarische Ration gerichtet haben. Das hinter uns liegende Halbjahr hat mit seinen bitteren Erfahrungen die eindringliche Lehre von der Notwendigkeit der Einheitlichkeit aller jüdischen Kreise Ungarns festgewurzelt, und zum erstenmal finden wir in diesen! Aufruf alle Inden Ungarns, ohne Unterschied der Schattierung, vereint, finden wir unter den Unterschriften neben den Namen der bekanntesten Vertreter des modernen Judentums, wie des Präsidenten der Pester Israelitischen Reliaionsgemeinde Franz Szokely, des Präsidenten der Ungarischen Israelitischen Landeskanzlei Tr. Moritz Mezei, des Professors Ignaz Goldzieher, die Namen der bekanntesten Führer der ungarischen Orthodorie, wie des Präsidenten der Autonomen Orthodoren Israelitischen Zentralkanzlei Adolf Frankl, des Präsidenten der Autonomen Israelitischen Religivnsgemeinde Abraham Freudiger de Obuda und des Vizepräsidenten dieser Gemeinde Desider Korein. Dieser Aufruf an die ungarische Nation widerspiegelt mithin die Anschauungen der gesamten ungarischen Juden. In ihm verweisen die Führer des ungarischen Judentums auf die Hundertta Ilsen de jüdischer Soldaten, die ihr Blut ans den Schlachtfeldern des Weltkrieges für ihr Vaterland und für die ungarische Nation vergossen haben. Sie weisen mit voller Entschiedenheit die Anklage zurück, die die Gesamtheit der ungarischen Judenschaft für die der Nation feindlichen und unmenschlichen Verbrechen des bolschewistischen Regimes verantwortlich machen will. Sie -erklären „v o r G o t t und d e n Menschen, da ß d ie ungar isch e Judensch ast d e m Kommunis m u s in j e d er BeZi e h u rt g u n d in jederRichtung geistig und materiell vollständig fern stand und fern steht und daß jüdische Religion, jüdische Erziehung und j ü d i s ch es Fa Milieu leben jede Identifizierung d e s I u d e n t u m § nt i t den s ündenbefleckten Lehren des Ko mm u n i s mu s a usschließen". Der Aufruf lehnt jede Gemeinschaft mit den der jüdischen Rasse entstammenden Bolschewisten ab, die sich gegen die Nation und gegen die Judenschaft schwer versündigt, zum großen Teile die jüdische Konfession längst Verlässen haben und gesellschaftlich nicht jener Judenschast angehörten, die sich eins bekennt mit der ungarischen Nation. Er verweist auf die unzähligen Opfer, die die Henker des Bolschewismus auch den Reihen des Judentums entnommen haben, auf die jüdischen Kansleute, Gewerbetreibenden und Grundbesitzer, die von den Bolschewisten ebenso geplündert wurden wie die christliche Mehrheit der bürgerlichen Gesellschaft, auf den Raub jener Vermögensfonds, aus welchen die Juden ihre schönsten Institutionen: Spitäler, Waisenhäuser, Taubstummen- und Blindenanstalten erhielten. Und er fährt dann fort: „W i r erwarten von der Gesellschaft u n - s e r e s u n g a rischen V a t e r l a n d e s G e r e ch t i g k e i t. Die schwere Faust der strafenden Gerechtigkeit möge e r b a r m u n g s l o s a u f d i e S ch u ld ig e n n i e d e r s a u s e n, die U n s ch u l d i g e n j e d o ch möge n in ihren Schutz genommen werden. Wir, die wir ebenfalls Ungarn sind, wollen uns in den Schutz der Gerechtigkeitsliebe der ungarischen Nation stellen und vertrauen aus die Grädheit der ungarischen Gesellschaft, die sich von aller Verleumdung, aller Hinterhältigkeit und allen eigenmächtigen Rachegelüsten nur mit Verachtung abwenden kann. Die Augen der ganzen Welt sind auf unser unglückliches Vaterland gerichtet. Sie wartet ab und will sehen, mit welcher Geisteskraft die ungarische Nation nach so vielen Erschütterungen eines Jahrtausends sich der schrecklichen Schicksalsschläge entwinden werde, denen sie nach dem traurigen Ausgange des Weltkrieges anheimfiel. Wenn je, muß sie jetzt dahin streben, sich groß und großmütig zu erweisen, auch unter den Schlägen des Verhängnisses, damit keine Anschuldigung wegen Ungerechtigkeit an ihr haften bleibe ... Wir wollen und werden arbeiten, arbeiten für das Vaterland, für unsere Kompatrioten, für die zukünftige Generation, ohne Rücksicht auf Religion; wir wollen für sie arbeiten als treue Söhne der ihre ruhmreiche Vergangenheit betrauernden, aber auf eine bessere Zukunft vertrauenden ungarischen Nation." J. K. | Orok. Br. Moritz GolLlchttndt. | Von Dr. E in i l D e h v e n s, Oberlehrer am staatlichen Gymnasium zu Kattowitz. as Jahr 1919 brachte den jüdischen Oberlehrern schweren Verlust; drei der hervorragendsten Pädagogen jüdischen Glaubens hat der wahllos würgende Tod dahingerafft: Direktor Dr. A d l e r (Frankfurt), Direktor Dr. Tacha u lWolfenbüttel) und Prof. Dr. Moritz Go I d s ch m i d t (Kattowitz). Tieferschüttert beklagen wir den Heimgang dieser

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