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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-28 · Heft 48 (28.11.1919) · p. Seite 545

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 48 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 545 (sequence 5)
Language
German
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545 mitteilen tonne, die in den Ländern stattgefunden hätten,, die früher das russische Reich Zusammengesetzt hätten.. Insbesondere erbitte er Berichte über Pollen und jene Territorien, die von den Truppen Denikins besetzt seien, und die Anzahl von Juden, die in diesen Ländern getötet worden seien.. . Der Minister für auswärtige Angelegenheiten, Gecil Harms Worth, antwortete, daß er Vorzüge, jeden Bericht über die Art, wie Juden in Polen behandelt würden, aufzuschieben, bis die Berichte von Sir.Stuart Samuel, der jetzt im Aufträge der englischen Regierung die jüdische Situation in Polen erforsche, in seinen Händen sein würden. Das auswärtige Amt sei nicht in der Lage, Berichte über, andere Teile des früheren russischen Reiches vorzulegen. Die. Berichte der entsendeten besonderen Untersuchungskommission müßten abgewartet werden. Abgeordneter Oberstleutnant Kenworthy interpellierte, ob das Ubgeordnetenhans^ diese Mitteilung so zu verstehen habe, daß die Kommission, die sich bei Denikin befinde, den, Auftrag habe, der jüdischen Situation ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und alles, was in ihren Kräften läge, zu tun, um Pogrome zu verhindern. Minister Harmsworth erwiderte, daß er diese Frage entschieden bejahen könne. General D. H. Edgecrost richtete die Anfrage an den Minister, ob. er wisse, daß General Denikin es als einen Verstoß gegen die Kriegsgesetze erklärt habe, die Juden ,in den Gebieten, die er besetzt halte, irgendwelchen Verfolgungen auszusetzen. Minister Harmsworth: „Ich . bin gern bereit, es zu. glauben. Abgeordneter P. Pilling: Ist es dein Herrn Minister bekannt, daß die jüdischen Synagogen die einzigen religiösen Gebäude sind, die von den Bolschewiki verschont wurden?" Keine Antwort. Eine Liga der Religionen. Als Pendant zur Volkerliga wurde in England eine Liga der Religionen gegründet, die Hand in Hand mit der ersteren für den Gedanken der Völkerversöhnung kämpfen will. Die erste Konferenz fand am 5. November statt. Alle kirchlichen' Genossenschaften Englands waren vertreten. Die Israeliten wurden durch Großräbbiner Dr. I. Hertz vertreten. Der Jüdische Voltsverein in London hat auf einem Meeting unter Vorsitz von Ehacham Dr. Güster beschlossen, sich in einem Aufruf an alle jüdischen Organisationen Englands zu wenden, zwecks. Schaffung e irres Verbandes der breitesten Volksmasseu. Hauptpunkte des Programmes sind: Rechte für die Minderheiten und Anteil an dern Aufbau eines jüdischen Palästina. Im allgemeinen sollen die Juden in England gehörig vorbereitet werden, um jeder möglichen politischen Situation gewachsen £u sein. L. J. K. Chacham Dr. G a st e r protestierte anläßlich der Session der „Königlichen Asiatischen Gesellschaft" in London gegen die Fortfchaffung irgendwelcher Altertümer aus Palästina. Er führte aus, daß alles, was sich aus dem Boden des Heiligen Landes befindet, heilig sei, und mit Achtung behandelt werden muß. Er findet es auffallend, daß während von Kleinasien so gut wie keine Altertümer fortgeschafst werden, die Ausgrabungen in Palästina dauernd nach Europa oder Amerika wandern. Er fordert, dag diese für die Geschichte des Landes und des jüdischen Volkes wichtigen Fundgegenstände in palästinensischen Museen aufbewahrt werden müssen. Die „Morning Post", die seit Monaten eine heftige Kampagne gegen die jüdische Presse Englands führt, gegen die sie den Vorwurf erhebt, daß sie mit den Bolschewisten sympathisiere und dagegen sei, daß England Koltschak und Denikin unterstütze, bekennt jetzt ihren Irrtum. Sie erklärt, nach genauem Studium des „Jewish Ehronicle" und des „Jewish World" sich vom Gegenteil überzeugt zu haben. Die jüdische Presse Englands beteilige sich nicht an der Bekämpfung der Nußlandpolitik Englands. 4. P. Z. - * Einem statistischen Bericht über die Teilnahme der amerikanischen Juden in dem Heere der Vereinigten Staaten von Nordamerika während des Weltkrieges entnimmt die „I. P. Z." folgende Zahlen: Zu Land und zu Wasser kämpften im Heere der Vereinigten Staaten von Nordamerika über 200 000 Juden. Aus dem Staate New Dort allein befanden sich im Heere 50 000 Juden. Die Zahl der jüdischen Offiziere erreichte 8000, darunter ein General, der Brigadekommandant war, ein Admiral bei der Kriegsflotte, 69 Obersten und Oberstleutnants, 370 Majore, 1263 Kapitäne und 5524 Leutnants. Nach den offiziellen Listen 'wurden mehr als 600 jüdische Soldaten während des Krieges ausgezeichnet. Drei haben die Kongreß-Ehrenmedaille erhalten. In der amerikanischen Armee wurden von dieser Medaille im ganzen 78 verteilt. Ungefähr 3500 Juden sind rat Felde gefallen und etwa 12 000 wurden verwundet. ßxitit aus Angarn echs Monate unendlicher Leiden und Verfolgungen, die dem Judentum Ungarns mit dem Untergänge drohten, sechs Monate erschütternder Katastrophen, die Ungarn an 'den Rand des vollständigen Niederbruchs brachten, sind über uns hinweggeigangen. Der ungarische Bolschewismus lagerte wie ein schwerer Alpdruck aus diesem unglücklichen Lande, mehr aber noch auf seinem Judentum, das von den Schergen und Bluthunden dieses Systems noch grimmiger verfolgt wurde als alle übrigen Bürger des Landes. Dev unseligen Wirtschaft der Räteregierung folgte eine naturgemäße Reaktion der Ntassen des ungarischen Volkes, dessen Wut sich besonders in den ersten Wochen gegen alle jene wendete, die mit dem räuberischen System der Rateregierung in irgendeinem noch so entfernten Zusammenhänge standen — und abermals war es das Judentum, das unter dieser natürlichen Reaktion in größtem Maße $ti leiden hatte. Nicht als ob dieses Judentum als solches etwas mit dem Bolschewismus gemein gehabt hätte, doch die Tatsache daß zahlreiche ihrem Glauben 'schon längst abtrünnig gewordene Führer des Bolschewismus jüdischen Ursprungs waren, genügte den von gewissenlosen Wühlern ohnehin aufgewiegelten, in den ersten Augenblicken der Befreiung nicht klar und nüchtern denkenden Massen, sich an vielen Orten gegen die ungarischen Juden zu wenden un!d sie als die vermeintlichen Urheber all der Bitternisse und Leiden der traurigen Epoche zu verfolgen. Das ungarische Judentum hat also in diesen sechs Monaten doppelt zu leiden gehabt. Trotzdem blieb es und bleibt es seinen bewährten Traditionen treu. Wie die großen Massen der ungarischen Inden während der Räteregierung treu und fest am Ungarlande hingen, mit dem sie sich für immerwährende Zeiten auf Gedeih und Verderb verknüpft wußten, so blieben und bleiben sie trotz der sie bedrängenden pogromartigen Ausbrüche fanatisierter Mengen auch weiterhin treue Söhne dieses Landes, für dessen .Kultur, Wirtschaftsleben, Wissenschaft und Literatur sie in den letzten fünf Dezennien so Ersprießliches geleistet, daß die Spuren dieser Leistungen rat Leben Ungarns nimmer ganz, verwischt werden können. Kaum hatte die Sonne der Freiheit über Ungarn wieder zu leuchten begonnen, gab auch schon der Vorstand der Pester Israelitischen Religionsgemeinde, dieser größten jüdischen Gemeinschaft Ungarns, in seiner Sitzung vom 28. August der ungeteilten Freude über den Zusammenbruch „des törichten und gewalttätigen RegierungssysLems der sogenannten Proletarierdiktatur Ausdruck, von den heiligen Traditionen der jüdischen Religion wie auch vom eigenen moralischen Gefühl ailsgehend, jede Solidarität mit jenen ablehnend, die an der bolschewistischen Propaganda oder an deren Verbrechen aktiv teilgenontmen haben". Der Gemeinbevorstand weist ferner mit größter Entschiedenheit die gegen die ungarische jüdische Konfession erhobenen Verleumdungen zurück und erklärt, in guten wie in schlechten Zeiten dem Vaterlande treu, zu allen Opfern für Vaterland und Nation bereit, a u f demStand - Punkt des ungarischen Gesetzes zu stehen, das die Juden zu vollberechtigten Bürgern dies e s La n d e s gemacht h a t.

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