Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 544 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3229392-3229438--75348-3287851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
544 frage au feetriuidjt, und i()t Charakter luirb veil einem Tage zuin anderen ernsthafter. Unser Teilgebiet, dieser - bi's jetzt einzige Teil Polens, der von der jüdischen Mut befreit war, beginnt jetzt bereits einige Monate nach der Aufhebung der Grenze den Verjudungsprozeß burchzumachen, der uns unweigerlich ähnlichen Berhül.lnissen entgegenführen wird, wie sie 'in Kongrehpol eil und Galizien herrischen, loenn wir der wachsenden jüdischen Einwanderung nicht beizeiten eineri Damm entgegensetzen. Auch in unserer Universität ist die Iudensrage ausgetaucht. Die Zahl der jüdischen Hörer ist zw.ar vorläufig nicht sehr groß und beträgt nur zwei Prozent. Aber auch dieses zahlenmäßig schwache jüdische Element macht seine Anwesenheit bemerkbar. Die Juden melden sich überfall mit ihren Ansprüchen und stellen die Allgemeinheit der Studierenden vor schwierige und peinliche Probleme. Mancher könnte vielleicht sagen, das einfachste Rezept wäre, die Inden überhaupt nicht in die Universität hereinzulassen. Diese radikale Beschräntung besteht bereits bei der neuen Lubliuer Universität. Aber dort handelte es sich um die Gründung eines Privatmannes. Die Posener Universität, dagegen ist eine staatliche Einrichtung und kann keine direkt Lon-fefstonelle Verfassung haben. Alan darf also auch den Juden nicht grundsätzlich den Zutritt verwehren, und es tonnte allerhöchstens eine prozentuale Beschränkung in Frage kommen. Aber ganz anders verhält es sich mit der Frage der inneren, autonomen Verfassung der polnischen und christlichen daselbst studierenden Jugend. Wir würden es für gefährlich Hallen, wenn diese'Jugend -in ihre Organisationen das jüdische Eleinent nur deshalb hereinlassen würde, weil es sich der polnischen Sprache bedient. Hier handelt es sich um die Verteidigung der polnischen Ratioualseele, der christlichen Ethik -und der polnifchen Rassekultur gegen die Jnsiltrierung einer sreinden Rasse." Sodann bringt das Blatt eine Zuschrift aus Studentenkreifen -über eine StubentenversammLung vom 4. d. M., in der ein „Verein der brüderlichen Hilfe" begründet werden sollte. Der Verfasser der Zuschrift wendet sich dagegen, daß 'die Polnisch sprechenden Juden in diesen Verein ausgenommen werden, und führt u. a. folgendes aus: „Dir Juden des früheren preußischen Teilgebi-etes gingen immer zusainni-en mit den Deutschen. Heute, wo in die Posener Universität ein neuer Typus des Juden eingetreten ist, der Polnisch spricht und sich für eineu Polen ausgibt, mußte die Jugend wissen, daß dieses Polen-:,um mit geringen Ausnahmen nur du äußerlicher Firnis ist, und daß sich unter dieser Hülle die unveränderliche jüdische Ethik verbirgt, die dein Christen und dem Inden gegenüber zweierlei Maß an wendet. Die auf die Truppen der Polnischen Republik durch die Juden abgegebenen Schüsse, das Bündnis mit den Okkupanten gegen das Potentuin, der gegenwärtige Kampf, gegen unsere gerechten Ansprüche aus dem Gebiete der auswärtigen Politik das alles! sind Argumente, die doch wohl genügendsein müßten, nur die Juden . nicht in unsere Jugeudvereiue hereinzulassen. Das ist kein Antisemitismus, sondern Asemitismus." Nein, das ist auch nicht Asemitismus, sondern polnische Ueberhebung und krasser nationaler Egoismus, von dem die gebildete Welt mit Ekel sich abwendet. * Ein ungarischer Politiker über den Antisemitismus. Ter ungarische Bevollmächtigte der Entente, Sir George Clerk, der gegenwärtig in Budapest die Entwirrung der politischen Lage anbahnt, hat unter anderen auch eine Deputation der Rationalen Demokrateu-- partei empfangen, deren Führer Tr. Wilhelm Vazsonhi den englischen Staatsmann auch über die Lage der ungarischen Juden informierte. Dr. Väzfonyi sagte unter anderem: „Wir Juden anerkennen das Recht jedermanns, Antisemit zu sein. Wenn aber jemand Antisemit sein will, so tue er es auf seine eigenen Kosten. Ter Antisemitismus mit öffentlichen Geldern, mit dem Gelte des Staates aber darf nicht geduldet 'werden." Hieraus trat der einstige Minister des Innern', Gabriel v. Ugron, der Sproß einer uralten Liebenbürger Adelsfamilie, hervor und sagte: „Unser Redner und Führer ist ein Jude und trotzdem leiste ich als Christ ihin Gefolgschaft. Ich bin ein Katholik. Meine Familie kann ihren Ursprung auf über tausend Jahre zurückführcu. Dennoch bin . ich, kann ich nicht Antisemit sein. denn ich stamme aus jenem Siebenbürgen, das unter Gabriel Bethlen vor Jahrhunderten die Religionsfreiheit deklariert hat." Es sind dies goldene, unvergeßliche Worte einer dunkeln, an Vorurteilen so reichen Epoche. Sir George Clerk hat .unter den zahlreichen Politikern und Staatsmännern auch, den Rabbiner Dr. Was Adler, den Chefredakteur, des „Pester Lloyd", Josef Veszi, und mehrere andere Inden empfangen und sich von ihnen über die allgemeine Lage und über die Wünsche der patriotischen Jndenschast Ungarns orientieren lassen. * Sie Aurel Stein. Ter. „Pester Lloyd" meldet: Bekanntlich hat unser berühmter Landsmann, der.gelehrte Armin Vämbery, in England großes Ansehen genossen. Ter nun verewigte König Eduard zeichnete ihn besonders aus. Jetzt ist es abermals ein Ungar, der sich um En-gland Verdienste erworben hat. Es ist dies Sir Aurel Stein, der Sohn eines gewesenen Budapester Kaufmanns und Reffe des einstigen Magnatenhau'smikgliedes Tr. Ignaz Hirschler. Stein, der viele Jahre als Ober sind iendirektor in Indien tätig war, hat große Entdeckungsreisen unternommen, und eben jetzt haben im Britischen Museum die kostbaren Manuskripte und Kunstschätze Aufstellung gefunden, die er in Oftturkestan, in der Nachbarschaft der Wüste Gobi, in den unterirdischen Tempelbauten der Taufend Buddhas entdeckt hak. Er hat dort mehrere kaufend Manufkripkrollen gesunden, die seit dem Jahre 1035 in der Verborgenheit geruht hakten und sich wegen der außerordentlichen Trockenheit des Landes in emem vorzüglichen Erhaltungszustände befinden. Tie Handschriften stammen ans der Zeit von 400 bis .1000 .nach Christi. Darunter befindet sich ein Teil der „Jahrbücher des Frühlings und des Herbstes", des einzigen Werkes, das man Konfuzius persönlich zufchreibt, und das an die „Werke und Tage" des Hesiod erinnert, sodann ein Kalender vom Jahre 978, eine offizielle Liste der Familien, die in dem Bezirk von Fuhuan lebten, mit dem Datum von 410. Außer den Akanufkripken wurden -auch einige Druckschriftengesunden, nach denen man die Erfindung des Buchdrucks in China, die bisher Wens-Taho (881- 954) zugefchrieben wurde, um mindestens zwei Jahrhunderte früher anfetzen muß. Unter den Kunstwerken ragt eine schöne Holzschnitzerei hervor, die Buddha im Kreise seiner Anhänger darstellt, wie er seinen Schüler Subhuki unterrichtet. * Ein Bericht -er britischen Militärverwaltung. Die britische Ati'litärverwalkung hat soeben das Budget für das südliche Okkupationsgebiet (Palästina) für das Jahr 1919/20 erscheinen lassen. Dem Budget ist ein Bericht über die allgemeine Lage des Landes beigefügt, der dem Leser wertvolle Einzelheiten bi-eret. Das 'Gesamtbudget beläuft sich aus 735 200 ägyptische Pfund. Alan hatte im. vorigen Jahre erwartet, daß das Jahresbudget 1918/19 mit einem Defizit von 7 0 830 Pfund abschließen iver.de; in Wirklichkeit schloß das Jahr mit einem Ueberschuß von 10 000 Pfund ab. Tiefen günstigen finanziellen Abschluß schreibt die Acilitärverwaltung nächst.der energischen. Steuereinziehung und der strengen Sparsamkeit tu erster Stelle -der materiellen und mvraufchen Hebung der Lage der Bevölkerung zu. Die Besserung der Lage dokumentiert sich sowohl durch den Zuwachs der Bevölkerung wie auch durch die Steigerung des Viehbestan>des und diirch die Vergrößerung des arbeitenden Bodens, gm. ganzen bennden sich im englischen Okkupationsgebiet 047 850 Seeien. hiervon sind Akhammedaner 515 000, Juden 05 300, Christen 02 500. Mit der Landwirtschaft beschäftigen sich: von den Mohammedanern 09 Prozent, von den Christen 40 Prozent, von den Juden 19 Prozent. Der Viehbestand wies 531 000 Stück von besteuertem Vieh gegen 139 000 am 1. März 1918 auf. Jur Berichte heißt es ferner: Die britische Regierung hatte keinerlei Ausgaben für die lokale Verwaltung. Die Einnahmen hätten vergrößert werden können, wenn die politische und ökonomische Lage des Landes mehr gesichert und wenn die Zukunft des okkupierten Gebietes bereits geklärt gewesen wäre. K. Z. B. * Aus London wird berichtet: Abgeordneter A. Shortk richtete an den Minister für auswärtige Angelegenheiten eine Anfrage,, ob er Einzelheiten über die Pogrome