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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-21 · Heft 47 (21.11.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 47 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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bn* Voden kut-turver e i n nvrtb die Großloge. Tor Eintritt ist für jedermann, frei. 2/D Berlin, 18. November. T-er Jüdische F r a u e n b u n d ladet zu seiner VI. Delegi-ertenvers-ammlung am 9. und 10. Dezember nach Elbe r fe ld hin nicht nur die Delegierten seiner 250 angeschlossenen Vereine, sondern auch die anderen interessierten jüdischen Frauen rin. Ter Bund ist politisch neutral, umfaßt alle Richtungen inerhalb des Judentums und hat sich als ein wichtiges konservierendes Element innerhalb des deutschen Judentums bewährt. Fest in dem Boden der jüdischen Ethik wurzelnd, Pflegt er soziale Frauenarbeit -nach modernsten Gesichtspunkten und Erfahrungen; er führt die Frauen der großen wie der kleinen Gemeinden in ihre spezifischen Pfilichtgebiete ein, er hilft den Frauen nach innen und außen ihre Pflicht erkennen und ihre Rechte in Anspruch zu nehmen, er-stärkt die jüdische Gemeinschaft, die Abwehr gegen die Ungerechtigkeit in allen Formen. An allen Stellen der jüdischen Gemeinschaft versucht der Bund eine Verbindung, deutscher undjüdischer Kultur herbeizusühren und ist auf -diesem Wege zu einem Faktor innerhalb der deutschen Frauenbewegung geworden. Außer den geschäftlichen Arbeiten, wie Vorstandswahlen, Statutenänderung usw., finden folgende Referate statt: - 1. „Die Arbeit der Frau in der Gemeinde", Fräulein Sidonie Werner (Hamburg). 2. „Tie jüdische Frau als Erzieherin", Frau Paula Ollendorsf (Breslau). 3. „Erziehung normaler und schwer erziehbarer Kinder", Frau Paula-Na s so u e r (Frankfurt a. M.). 4. „Ueber Antisemitismus", Fräulein Bertha Pappen heim (Frankfurt a. M.). Nähere Mitteilungen durch die Schriftleitung: Frau H e n r i e 41e Map. Bertin^Wi lmersdo rf, Gieselerstraße 16, oder den Ortsausschuß: Frau Lotte Walter, Elberfeld, Barmer Straße 90. — Königsberg, 14. November. Der Iüdi f ch e G e m eindeverein veranstaltete am 3. d. M. einen Vortragsabend, auf dem Dr. L a z a r über „Die Revolution und die jüdische Gemeinde- Verfassung" sprach. Den ersten Vorteil als indirekte Folge der Revolution bringe, trotz seines anders lautenden Programms-, der mächtig erstarkende Antisemitismus, der die Juden zu engstem. Zusammenschluß zwinge. Bis heute habe das jüdische Gemeindewesen unter reaktionären Gesetzen, wie dem Judengesetz von 1847 mit seinen Wahlbestimmungen, schwer zu leiden gehabt. Jetzt habe die Regierung eine demokratische Verfassung geschaffen: aber das Wahlgesetz sei immer noch nicht abgeschafst. Der § 157 der neuen Reichsversassung sehe allerdings die Gleichstellung aller Religionen vor. Die Aufgaben der nächsten Zukunft seien: enger Zusammenschluß, Allshebung! 'des Wahlgesetzes von 1847 -- jeder männliche oder weibliche Jude von 21 Jahren soll gemeindewahlberechtigt sein Gleichstellung der Gemeinde- und Kultusbeamten mit den Staatsbeamten und energische Schritte für die Herbeiführung einer von sozialem Geiste getragenen jüdischen Gemeinde. Eine lebhafte Diskussion füllte den Rest des Abends. — Memel, 14. November. Auf eine an ihn gerichtete Anfrage! hat der hiesige Stadtrat Voigt folgendes erklärt: „Zu dem mir gemachten- Vorwurf des Antisemitismus betone ich und stelle hiermit ausdrücklich fest, daß diese Verdächtigung jeder Grundlage entbehrt. Ich brauche wohl hierbei nur auf die Tatsachen hinzuweisen. Wäre ich wirklich ein Judenhasser und Antisemit, dann würde ich doch nicht die Begutachtung, für Ausweisungen des Aktionsausschusses einholen, sondern von meinem Recht der selbständigen Anordnung der Ausweisungen Gebrauch machen. Ich stelle hiermit fest, daß seit Februar d. I. insgesamt 220 Ausländer, darunter 151 jüdischen und 69 anderen Glaubens, nusgewiesen sind. Seit meinem Dienstantritt Mitte September wurden im ganzen 16 Personen aus-- gewiesen, d. h., während von den Ausländern in Memel drei Viertel jüdischen Glaubensbekenntnisses und nur ein Viertel christlichen Glaubens waren, verteilt sich die Zahl der Ausgewiesenen auf lueitig mehr als zwei Drittel jüdischen und ein Drittel anderen Glaubens. Es sind also im Verhältnis viel weniger Juden als Nichtjuden ausgewiesen. Was nun angebliche antisemitische Aeußernngen von mir betrifft, so weise ich auchdiese Verdächtigungen als unwahr zurück. Ich habe vielmehr des öfteren Ausländern jüdischen Glaubens. die stets betonten, daß sie Juden wären, recht ärgerlich bedeutet, daß die Glanbenszngehörigkeit gar nichts zur Sache zu tun hätte." W. Posen, 14. November. Für die verstorbenen Wohltäter und Stifter der Ri t sche-Fla tau scheu Waisen - E rz i ehi t ng so n s ta l t für Mädchen fand kürzlich eine Gedächtnisfeier statt. DasWohltätigkertsinstitut besteht seit 59 Jahren. Die Aula war mit Topfgewächsen reichlich geschmückt. An den Wänden hingen die Bilder der Wohltäter und Spenoer des Hauses. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach einein Präludium trug ein gemischter Chor einen Teil des 103. Psalms: „T-er Mensch einem Grashalm gleich seine Tage" stimmungsvoll vor, worauf ein Waiscmnädchen ein Gebet für alle diejenigen verrichtete, d e den Verwaisten eine Schutzhütte für das verlorene Elternheim schufen. Nach dem vom Oder kan to-r der Synagoge B (Israelitische Brüdergemeinde) Lilieuthal gesungenen Solo: „Herr, was ist der Mensch, daß du dich seiner annimmst", gedachte der greise Vorsitzende des Waisenhauses, Herr Kaufmann Manasse W e r n e r, all der Männer und Frauen aus nah und fern, die den Grundstein der Anstalt legten ltitb ihre Zukunft sicherten, und dankte für die lmgeteitte Anerkennung der Leistungen seitens der Mitglieder, die mit reichlichen Spenden die Anstalt unterstützt haben, durch deren Hilfe den'verwaisten Mädchen eine Heimstätte gegründet werden konnte, die das Vaterhaus erseht. Auf den Chorvortrag, des 130. Psalms von Joh. H. Rötsch folgte ein Damenquartett, das den Trauerchor von. Fr. Reichardt: „Traure um den Trauernden"" vortrug. Als Schlußgesang stimmte der gemischte Chor ein Bruchstück aus den „Klageliedern Jeremias" von L-ewandows'ki an. Die ernste und würdevolle Feier begann mit dem Mtncha- und endete mit dem Kaddischgebet. Herr Musikdirektor B e r gg r u e n, Dirigent des Chors der Synagoge 6, leitete den gesanglichen Teil der Seelengedenkfeier. Der Anstalt gehören gegenwärtig 18 Zöglinge an. R. Breslau, 14. November. Im überfüllten Lessing-Saale fand am letzten Sonntag vormittag die feierliche E r ö f f n u n g d e r I ü d i s ch e n V o l k s h o ch s ch u l e statt. Ein geleitet wurde die Feier durch den Choral. „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", der vom Synagogenchore unter der Leitung des Kapellmeisters P u I v e r - m acher ton schön vorgetragen wurde. Dann begrüßte Professor Dr. Braun die Anwesenden, vor allem die Vertreter all der Körperschaften und Organisationen, die zur Begründung der Volkshochschule beigetragen haben, so besonders die Synagogengemeinde, die Brüdergesellschasten, die Lessing-Loge und andere Vereine. Dabei wies er darauf hin, daß der Gedanke der Volkshochschule, .der jetzt so weite Verbreitung gefunden hat, im Geist und Wesen des Judentums derart begründet war, daß gleichartige Anstalten, in denen Angehörige aller Klassen.brüderlich beisammen saßen, schon im Altertum und Mittelalter bestanden und das Wissen vom Judentum in weiten Kreisen verbreiteten, wie dies auch die Aufgabe der neugegründeten Volkshochschule sein soll. Die Festrede hielt Dozent Dr. L e w k o w i tz, der auf die Ewigkeitswerte im Judentum hinwies, aus die Macht der Ideen, die in der ersten monotheistischen Religion lebten und, sich in dem Gottesgedanken, dem Menschheitsgedanken und dem Gedanken der sozialen Gerechtigkeit verkörpernd, den sittlichen Wert der freien menschlichen Persönlichkeit zur Geltung brachten und so zur Grundlage der Menschheitskultur wurden. Diesen Ideen soll auch die Volksj Hochschule dienen, die der Liebe zum Judentum das Wissen vorn Judentum hinzusügen soll. Geheimer Justizrat Goldfeld stimmte dein bei und betonte, daß die Jüdische Volkshochschule nicht in Wettbewerb mit der allgemeinen Volkshochschule treten, sondern nur jüdisches Wissen und jüdische Bildung verbreiten und dadurch zur Versöhnung der verschiedenen Richtungen beitragen will. Seiner Rede folgte noch ein Chorgesang, das Hummelsche Halleluja. er. Bremen, 14. November. Der Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung des Christentums unter den Juden, welche ihren Sitz in Uork hat, erklärte in der Generalversammlung, die kürzlich stattfand, daß die Gesellschaft in ihrer Tätigkeit, die sie in Persien entfalte, in der empfindlichsten Weise durch die zionistische Agitation gehemmt werde. „Wo immer", sagte er, „die Gesellschaft in Persien Abteilungen errichtet und an die Gründung von christlichen Schulen schreitet, hat sie unter der kräftigen Opposition der zionistischen Organisation zu leiden, die durch Gründung von Schulen die Arbeit der Mission beträchtlich erschwert." Mit dieser Tätigkeit der Zionisten dürsten auch ihre Gegner zufrieden sein. — Essen, 14. Ncvember. Die.beliebte antiiemiittsche Behauptung, daß die Juden die körperliche Arbeit scheuen, wirdin der „Essener A r b e i t e r z e i t u n g " von einem Angehörigen des Kruppschen Werkes energisch zurückgewieseu. Dieser Korrespondent der „Arbeiterzeitung" weist darauf hin, daß. eine ganze Anzahl mit Namen genannter Juden in den Kruppschen Hütten und Gruben schwerste körperliche Arbeit verrichte und daß es im ganzen Jndustrierevier

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