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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-21 · Heft 47 (21.11.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 47 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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y Jusirzrat S\ a n z o lv , M. d. L., Justizrat Tr. Bollert. M. d. L. (Berlin). Bankier Abg. S. Marburg (Hamburg), Rechtsanwalt Dr. Bär wald und .Justizrat Dr. Gehrke (Frankfurt ä. M.); neu traten ein Finanzminister Dr. Südekum und Dr. Paul Nathan. In den Ausschuß wurden u. a. zuge^vählt die Pfarrer Dr. An er und Bleie r (Charlottenburg), J-de (KleimAünerode), M o e x i ix g (Breslau), Richter (.König swalde), ferner Fürst Lich - n o w s k h , Kultusminister Dr. Strecker (Darmstadt), Geh-.^Rat Bürgermeister Dr. Reicke (Berlin), die Oberbürgermeister Domini c u s (Schöneberg), Poffl m a n n (Kattowitz), Schm i eder (Eisenach), Borgt (Frankfurt a. M.), Fdl. Dr. Bäum er (Hamburg), Frau Berta Pappen he im (Frankfurt a. M.). Nachdem aus der Versammlung dem Borstand für feine Mühewaltung gedankt worden war, schloß der Borsit'ende die erhebend verlaufene Veranstaltung mit einer warmen Aufforderung zu weiterer rüstiger "Arbeit, um der Sache der (Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. 2XD Berlin, 18. November. Der Verband der Deutschen Juden hat sich entschließen müssen, mit Rücksicht aus die gegenwärtigen Verkehrsschwiorigkeiten seine für den 30. d. M. in Aussicht genommene Hauptversammlung bis auf weiteres zu vertagen, und hat von diesem Beschluß Gemeinden und Organisationen mit folgendem Schreiben Mitteilung gemacht: „Angesichts der gegenwärtigen Verkehrsschwierigkeiten haben wir uns aus Grund eingehender Beratung entschließen müssen, die auf den 30. d. M. anberaumte Hauptversammlung des Derbandes zu vertagen, in der Absicht, sie mit angemessener Frist von neuem einzuberufen, sobald die Verkehrsverhältnisfe günstiger werden. Zwar ist unser Aufruf zu besonders festem Zusammenschluß der deutschen Judenheit gerade in der jetzigen schweren Zeit offenbar gewürdigt und beachtet worden. In überaus anerkennenswerter Meise hat der weitaus größte Teil der jüdischen Gemeinden Deutschlands die Entsendung von Abgeordneten trotz der zu erwartenden Reiseschwierigkeiten in Aussicht gestellt. Aber diese Haben sich mit der Jahreszeit in solchem Maße zum Schlechtern gewandelt, daß schließlich ans einer Reihe von Gemeinden doch erklärt wurde, daß die berufenen Vertreter nicht würden erscheinen können. Wir setzen das Einverständnis der Gemeinden und Verbände, die ihre Vertreter benannt haben, voraus, diese — vorbehaltlich etwa in Einzelsällen notwendiger Abänderungen von ihrer Seite — für die neu einzubern sende Hauptversammlung gelten zu lassen, u»d bitten gleichzeitig die wenigen Gemeinden, die von vornherein unter Hinweis ans die gegenwärtigen Verhältnisse von, einer Bezeichnung von Abgeordneten für den 30. November Abstand genommen hatten, uns, sobald wir den neuen Termin feststellen und bekanntgeben können, ohne besonderes Ersuchen baldmöglichst die Delegierten für die Hauptversammlung bezeichnen zu wollen, die dann hoffentlich eine uneingeschränkte allseitige Vertretung der deutschen Judenheit ans allen Teilen des Deutschen Reiches darstellen wird. Der Ausschuß des Derbandes der Deutschen Juden. C affet. Geheimer Justizrat, Vorsitzender." 22 Berlin, 18. November. Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Das „Berliner Tageblatt" vom 5. November und auch die letzte Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" bringen eine Notiz über die Gründung einer „Jüdischen Emigrationsorganisation" in Deutschland. Mit der ostjüdischen Frage befaßt sich in Deutschland feit einer Reihe von Jahren eine große Anzahl jüdischer Organisationen. Gerade in den letzten Monaten haben sich dieselben, nachdem bereits während des Krieges für die ostjüdischen Arbeiter das „Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationcn Deutschlands" gegründet worden war, zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. An dieser sind beteiligt: Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Großloge für Deutschland, der Hilfsverein der deutschen Juden, der Zentralverein für jüdische Auswanderungsangelegenheiten, die Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsvrge des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, die Jüdische Gemeinde in Berlin, die Zionistische Vereinigung für Deutsche land, das Jüdische Arbeitsamt, das Komitee für den Osten, das Ar'beitersürsorgeamt unddie ihm angeschlossenen Organisationen der ostjüdischen Arbeiter und des Verbandes der Ostjuden. Diese Organisationen stehen auch bereits seit längerer Zeit mit der deutschen Regierung im Interesse der Ostjuden in Verhandlungen und müssen Wert darauf legen, daß die Möglichkeit einer befriedigenden Regelung nicht durch das Eingreifen von Unlegitimierten gestört wird. Die Arbeitsgemeinschaft dieser Organisationen beschäftigt sich mit der Fürsorge für die in Deutschland befindlichen Ostjuden. Inwieweit spater, wi-e in der Zeit vor dem Kriege, eine jüdische Durchwanderung von Osteuropa durch Deutschland in größerem Stile, stattfinden wird, ist heute nicht zu -übersehen. Wenn die Möglichkeiten für sie vorhanden sein werden, so werden diese Organisationen, die zum Teil eine vieljährige Praxis Äuf dem sehr schwierigen Gebiet der Massenauswanderung haben, diese Aufgabe durchführen. Ein Grund, eine neue jüdische Emigrationsorganisation zu gründen, liegt hiernach durchaus nicht vor. Nachdem die verschiedenen Gruppen der deutschen Judenheit organisiert sind, ist die Zeit vorüber, in der Privatpersonen ohne ein Mandat der Organisationen so schwierwiegende und schwierige Aufgaben, wie es die Auswanderersürsorge ist, in die Hand nehmen können. E-M. Berlin, 18. November. Professor Dr. Ludwig Stein in Berlin beging, wie schon mitgeteilt, am 12. November seinen 60. Geburtstag. Dr. Stein ist 1859 in Erdö-Benye in Ungarn geboren. Er widmete sich dem Philvsophiestudinm auf den Universitäten Berlin und Halle und habelit'erte sich 1866 als Privatdozent der Philosophie in Zürich, wo er gleichzeitig das Amt des Rabbiners bekleidete. 1891 wurde er als ordentlicher Professor an die Universität in Bern berufen, wo er bis 1910 mit bedeutendem Erfolge lehrte und wirkte. 1910 trat Professor Dr. Stein von seinem akademischen Lehramt zurück. Er gehörte zu den beliebtesten Lehrern der Universität. Seine Zuhörerschar vermochte selbst der größte Hörsaal nicht zu fassen. Neben seiner außerordentlich bedeutsamen akademischen Lehrtätigkeit entfaltete er auch eine reiche schriftstellerische Arbeit. Von seinen Arbeiten seien hier angeführt: „Psychologie de r S t o a", „L e i b n i z und S p i n o z a", „F r i ed r i df> Nietzs che", „D e r soziale Optimismus", „D i e s o zi a l e Fr a g e, i m L i ch t e der Phi l o s o p h i e" und „P h i l o s o p h i f ch e Ström u n g c n d e r G e g e n w a r t". 1887 begründete er mit Eduard Zeller das „Archiv für Geschichte der Philosophie". In einer tief schürfenden Arbeit „Dualismus oder Monismus" nahm Professor Tr. Stein auch Stellung zum Judentum. Professor Dr. Stein hat sich eingehend mit dem Rassenproblem beschäftigt. Seit zehn Jahren lebt der Gelehrte in> Berlin, wo er die Zeitschrift „Nord u n d S üd" herausgibt. Professor Dr. Stein bringt allen jüdischen Fragen das größte Interesse entgegen und fördert eine Anzahl der größten jüdischen Institutionen durch, eifrige Mitarbeit. Einen der Höhepunkte seiner Wirksamkeit bedeutete der Soziologenkongreß, der 1912 unter seiner Leitung in Rom tagte. An seinem Geburtstage sind Professor Tr. Stein zahlreiche Ehrungen zuteil geworden. E. M. Berlin, 18. November. Der Verlag „Ost und We st" hat mit seinen jüdischen Konzertabenden das Berliner jüdische Leben in erfreulicher Weise bereichert. Im Blüthner-Saal fand am 11. d. M. die dritte Veranstaltung statt, die sich eines außerordentlich starken Besuches erfreute. Den Hauptteil des Programms bestritten vier Glieder der Familie Spiwakowski, unter denen besonders der jugendliche Geiger T o s s y Spiwakowski hervorzuheben ist, der verschiedene Weisen, darunter eine besonders stimmungsreiche chassidische Volksmelodie, zum Vortrag brachte. Claire Spiwakowski sang mit sympathischer Stimme jüdische Vio.lkslieder in Bearbeitung von Nadel und R o s k in, während Janot S. Ros ktn großen Beifall mit einer hebräifchein Ballade von Jehuda Halevi erntete. Sehr großen Eindruck machte die „Psalnwdische Melodie" Bogmnil Zepters. I a scha S p i w a ko w s k i zeigte sein großes Können am. Klavier, wobei etwas weniger Technik sympathischer empfunden worden wäre. Der Abend darf als sehr ^gelungen bezeichnet werden. Das Publikum nahmallerlebhaftesten Anteil an den Darbietungen. Die jüdische Volksmusik, b-ie hier geboten wurde, sprach sichtbar zu den Herzen einer begeisterten Gemeinde. ^2 Berlin, 18. November. Montag, den 24. November, wird der wohlbekannte Bodenreformer Dr. Adolf Damaschke im Oberlichtsaal der Philharmonie einen öffentlichen' Dortrag, über „Judentum und Bodenkultur" halten. Der Vortrag beginnt pünktlich um 8 Uhr und wird voraussichtlich eine, um so zahlreichere Zuhörerschaft heranziehen, als doch Her.r' Damaschke nicht nur als Anhänger der mosaischen Bodengesetzgebung und Reformator des Bodenbesitzes angesehen wird, sondern auch bekanntlich als Re ichspräfiden t skan di da t bereits eine große Anhängerschaft hat. Die Veranstalter des Abends sind gemeinschaftlich

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