Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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mit dem Zentralverein deutscher Sitaats-bürgek jüdischen Glaubens kaum ein -größeres Wert gibt, auf dem nicht Juden in der Belegschaft oder als Meister werktätig arbeiten. In Dortmund ist ei-n Jude Innungsobermeister. Gleichzeitig weist der Verfasser auf die Leistungen der jüdischen Loldaten in der deutschen Armee im Weltkrieg hin und hebt die besonders hohe Zahl der jüdischen Flieger hervor. Es ist gut, das; auch von nichtjüdischer Seite der in den Arbcitertreisen von den Deutschnationalerl betriebenen In den Heye ett-tgegengetreten wird. Schwei?. Z. Gens, im November. Eine merkwürdige Frage ist anläßlich der Siegesfeier des italienischen Heeres ansgetaucht. Den Höhepunkt der Feier soll eine,Veranstaltung historischerömtschen Charakters bilden: 'die Abordnungen des italienischen Heeres sollen vom Konstantin-Bogen aus am Kolosseum vorbei über die Via- Sacra des Foru-ms zum Kapitol ziehen. Der Zug muß, um aufs Forum zn -gelangen, int Südosten den Bogen des T i t u § passieren, der die Eroberung von- Jerusalem verherrlicht- und -auf dein linken inneren Relief den Zug der im Triumphe geführten Juden mit der Beute aus -dem Tempel von Jerusalem zeigt: dem siebenarmigen Leuchter, dem heiligen Schaubrot-Tische und den Schosar-Posaunen. Nun veröffentlicht das „Giornale d'Italia" die Zuschrift eines christlichen Lesers, die Judeu hätten geschworen, niemals durch diesen Bogen, der zur Erinnerung an die Schmach ihres Volkes errichtet wurde, hindurchzngehen, m>n'b man könne doch nicht den jüdischen Sjoldaten, die ihre Pflicht gegenüber den; iialienischeu Vaterland erfüllt haben, so etwas zumuten. Tie Sache wird wohl damit enden, das; man den jüdischen Soldaten es anheim stellen wird, ob sie sich an dem Zuge beteiligen. Für den in Italien herrschenden Zug, der Toleranz in einer Zeit, wo fast in allen Ländern eine üppige Blüte des Antisemitismus zu beklagen ist, bleibt die kleine Zuschrift aber bezeichnend. Dolen. z. Krakau, int November 1919. Ende vorigen Monats fand iy Krakau ein Prozeß gegen die Pogrom-Helden des Städtchens Brzesko statt. Zwölf Bauern und Bürger im Atter von 17 bis 40 Jahren sitzen ans der Anklagebaut. Das Protokoll der Gendarmerie bestätigt, daß dem Pogrom lauter jüdische Familien in der Zahl von 241 zmn Opfer gefallen sind. Jüdische Häuser sind verbrannt worden, drei Juden -ermordet und sieben vertotuidet. Der wirtschaftliche Schaden betrügt über sechs Millionen Kronen. Das Protokoll bestätigt weiter, daß vor dem Pogrom einige „Einwohner" der Stadt nach dem Nachbardorfe gekommen sind und die Bauern -überredet haben, die Juden in der Stadt zu überfallen. Die Namen dieser „Einwohner" weiß aber keiner der Angeklagten zu nennen. Noch charakteristischer ist der Bericht des Kapitäns Tr. Ziga. Er bestätigt nicht nur die erwähnten Tatsachen, sondern auch, daß ein großer Teil der christlichen Miliz sich im Einverständnis mit den Plünderern befunden hat. Die Soldaten sind gleich nach Beginn der Unruhen verschwunden. Auch hat die Intelligenz den Versuch unterlassen, auch nur mit einigen Worten auf die aufgereizten Massen einzu wirken. Ztun Schlüsse hob Dr. Ziga hervor, daß, obwohl die Juden die Bauern gegen die polnische Staatsherrschast ansreizen (?), dies doch keineswegs die Pogrome rechtfertige. Bon den Angeklagten sind zwei ztt sechs Jahren Kerker verurteilt, die übrigen freigesprochen worden. Von jflsh unv jfrrn. — Der Berliner Neurologe Dr. Georg Per itz ist zum Professor ernannt worden. Peritz, ein Schüler von Oppenheim und Kraus, war während des Krieges Leiter der Berliner Schule für hirnverletzte Krieger in Buch. Seine Arbeiten betreffen den Zusammenhang von Lezithinverarmung lind Tabes, Ursache und Behandlung der Migräne, den Jnfantilismus u. a. m. Bekannt ist fein Lehrbuch über die Nervenkrankheiten des Kindesalters. — Der „Verein für Ferienkolonien jüdischer Kinder" wendet sich an wohltätige Glaubensgenossen mit der Bitte um Geldspenden. — Der Verein der Synagogendiener und Minjanleute der Jüdischen Gemeinde zn Berlin begeht am Sonnabend, den 22. d. M., abends 8 Uhr, in den Sälen Sophienstraße 17/18 sein erstes Stiftungsfest. — In einer Versammlung jüdischer Studierender der Breslauer Universität wurde zur Bekämpfung der antisemitischen Bewegung unter der dortigen Studentenschaft eine „Jnteressenvereinigung jüdischer Studierender an der Universität und Technischen Hochschule zu Breslau" gebildet. Seit einigen Tagen ist auch bereits durch N-ektoratsverordnnng das Verbreiten und, Anschlägen antisemitischer Flugblätter, in den Instituten der Universität verboten. — Herr Fabrikbesitzer -Julius Schindler in Hamburg hat den Hilfskassen des Lehrerverbandes eine Spende von 5 00 0 Mark zu gewiesen, und zwar je 2500-Mark für den Direkt o r A d l e r scheu D a r l e h n s s o n d s- und für die A dler-Stift u.ng für b e r u f l i che Au s b i l d u n g v o n T ö ch t ern j üd i s ch e r B e a m t e n. — Aus Kiel wird geschrieben: In der Blütezeit des Wdeutschtums'war das Absenden von Telegrammen an den Kaiser ein beliebter alldeutscher Versammlungssport. Da es wohl noch Telegramme, aber keinen Kaiser mehr gibt, ist die hiesige Ortsgruppe des „Reichshammerbundes" auf die gute Idee verfallen, den Reichspräsidenten telegraphisch zu belästigen und Herrn Ebert folgende Forderungen zu unterbreiten: „Kein Jude darf detltscher Beamter werden; kein Jude darf über freigeborene Deutsche ztt Gericht sitzen; alle Juden müssen so bald wie möglich aus den Regierungsstellen entfernt und durch deutsche Männer ersetzt werden." Die Absendung einer in diesem Sinne abgesaßten Depesche an den Reichspräsidenten Ebert wurde einstimmig beschlossen.—Der langjährige Sekretär der Münchener Kultusgemeinde, Herr Moritz G u g g e n h e i m. ist gestorben. Der Verstorbene hat nahezu ein Jahrzehnt im Dienste der Israelitischen Knltusgemeinde gewirkt und sich in dieser Zeit um die Entlvickelung der Gemeinde verdient gemacht. Die Verwaltung verliert in ihm einen befähigten Mitarbeiter von ausgezeichneten organisatorischen Fähigkeiten. — Der Beamtenverein der Kölner Synagogengemeinde hat einstimmig beschlossen, an die Gemeindeverwaltung mit dem Ersuchen heranzutreten, bei Nettregelung des Wahlrechtes auch den Beamten gleich den Gemeindemitgliedern das aktive und passive Wahlrecht zuzusichern. — Der Jüdische Jugendverein Elberfeld-Barnten hat den früheren Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Elberfeld, Dr. A u e r b a ch, der schon feit einer Reihe von Jahren im Ruhestand lebt, aber regen Anteil an der jüdischen Jugend nimmt, zum Ehrenvorsitzenden des. Vereins ernannt. — Der in Hamburg kürzlich verstorbene Rentner Hermann S ch w a r z s ch i l d hat in einer letzten Verfügung der Jüdischen Gemeinde seiner Geburtsstadt Heusenstamm (Kreis Ofsenbach) ein Legat von 10 000 Mark und der Ortsgemeinde ein solches von 5000 Mark vermacht, deren Zinsen für Bedürftige der Stadt Verwendung finden sollen. — Innerhalb der in den Universitäten gepflegten Disziplinen hat die Universität Frankfurt als erste in Preußen Geschichte und Literatur des nachbiblischen Judentums ausgenommen. Der Lehrauftrag, vorläufig in Form eines Lektorats, wurde an beit bisherigen Lektor für jüdische Wissenschaft an der Universität Gießen, Dr. Israel A. Ra bin, erteilt. — Das Londoner Jüdische Korrespondenzbureau berichtet, daß die Jüdische Bank in Riga während des Pogroms, der vor kurzem dort stattfand, geplündert tour de. Große Geldsummen wurdenentwendet. Die Bank, die eine kooperative Vereinigung war, zählte zu ihren Mitgliedern zumeist Handwerker und Arbeiter, die zum Teil ihren! letzten Groschen durch diesen Raub verlöret: haben. — Das „Kiewer Echo" teilt mit, daß ans der Konferenz der sozialistischen Organifationen beschlossen wurde, Schritte gegen die von den Freiwilligen Denikins geführte Pogromagitation zu unternehmen. Branson erklärte, daß Zehntansende Juden ermordet und verwundet und 4000 jüdische Frauen vergewaltigt worden sind. Die Konferenz beschloß, an Denikin eine Delegation zu entsenden mit der Bitte, es nicht zu Pogromen konngen zu lasfett. — Das Jüdische Korrespondenzbureau in London meldet: Die Negierung hat inr englischen Parlantent aus eine Anfrage mitgeteilt, daß die Entscheidung über die Zukunft der Türkei nicht vor März oder April des nächsten Jahres fallen wird. Aus Paris wird gemeldet, daß England als Verhandlungsort London Vorschlägen werde. Auch Brüssel und Genf werden in Vorschlag kommen. — In Bukarest wurde kürzlich eine rumänische Aktiengesellschaft für Handel und Industrie mit einem Grundkapital von 2 Millionen Lei gegründet, mit dem Zweck, engere Handelsbeziehungen mit Palästina anzuknüpsen und einen regen Warenaustausch ztvischen Rumänien und Palästina herzustellen. - Tie Leiche des tut Palästina-Feldzüge gefallenen Majors Evelyn de Rothschild wurde jetzt von Kairo nach Palästina übergeführt und in der Kolonie Rischon-le-Zion unter militärischen Ehren beigesetzt. - Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Flomstraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: MarFahrnländer, Neukölln. Druck und Berl-ag von Rudolf Moffe.