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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-21 · Heft 47 (21.11.1919) · p. Seite 534

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 47 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 534 (sequence 6)
Language
German
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534 twii Uri.tzky und das Attentat gegen Lenin im verflossenen Herbst waren beide von Mitgliedern dieser Organisation begangen worden. O Eine Erklärung im englischen Parlament. Der ^taatsuntersekretär H a r m s w o r t h erwiderte auf eine Anfrage des Abgeordneten A. Fell, daß Palästina noch nicht offen für den Neisendenverkehr sei. daß aber trotz der bestehenden Schwierigkeiten wegen mangelnden Schliffsraumes alle Anstrengungen gernacht werderr, um Personen, die konkreter Geschästsgründe halber nach Palästina gehen wollen, die Möglichkeit chierzu zrr bieten. Die llÜbertragung von Grundbesitz ist gegenwärtig verboten. Keine Konzessionen kommerziellen Charakters rverden gewährt. Jur allgemeinen bestehen keine Einschränkungen für das Geschüftsleben, soweit sie nicht durch militärische Erwägungen notwendig sind. Die alten türkischen Zölle bleiben bestehen. * Die syrische Frage und Palästina. Die Anwesenheit des Emir F eisul in Europa hat die syrische ,vraae wieder aufs Tapet gebracht. Der Vorschlag des Emir, durch die Einsetzung einer militärischen Konunission in London den Rückzug der englischen Truppen von Syrien aufzuhalten, ist von der englischen Regierung als eine Frage bezeichnet worden, die der Emir selbst in voller Berücksichtigung der zwischen England und Frankreich getroffenen Vereinbarungen vom 17. September zu regeln habe. Emir sseisul hat in Paris den Schiedsspruch Amerikas angerufen, wurde aber von dem amerikanischen Vertreter auf die Tatsache Hingelviesen, daß das französisch-englische Abkommen vom 17. September von dem Oberrat der Alliierten genehmigt worden sei, lind daß Amerika darum keine Möglichkeit sehe, zu intervenieren. Der Aufenthalt des Emir in Paris hat indes, wie der Pariser „Dtatin" zu berichten weiß, zu einein neuerlichen Zwischenfall zwischen Frankreich und England geführt. In England wirft man der französischen Regierung vor, den Emir Feisul in Opposition gegen England treiben zu wollen. Diese Behauptung wi.rd allerdings von der französischen Presse als unwahr zurückgewiesen, aber in einem Interview, das Jules Sanerwein, der Redakteur des „Matin" für auswärtige Angelegenheiten, mit einer „autorativen" Persönlichkeit in London hatte, und das, wie das Blatt behauptet, die Ansichten des englischen auswärtigen Amtes wiedergibt, finden wir folgende bemerkenswerte Auslassungen: „In keinem Augenblicke hat Großbritannien auch nur davon geträumt, sich der Einhaltung der 1916 eingegangenen Verpflichtungen zu entziehen. Wir waren niemals einer anderen Meinung, als der wir in der Vereinbarung vorn 17. September Ausdruck gaben. Was aber geschah vor wenigen Tagen in Paris? Man erzählte dem Emir Feisul: Die Engländer versuchen. Schwierigkeiten in Syrien für Frankreich zu erzeugen, und gebrauchen sie als ihr unbewußtes Instrument. Das muß aufhören. Sie müssen tun, was wir verlangen; Sie müssen sich von Frankreich lostrennen. Ihre Politik muß die unsere und nur die unsere sein." Ist eine derartige Politik nicht gefährlich? Besteht nicht die Möglichkeit, daß sie in diesem Augenblick eine arabisch-nationalistische Bewegung erregt. Es würde wahrer Wahnsinn sein, zu erlauben, daß unsere Beziehungen zu Frankreich eines Territoriums halber gespannt werden, das nur am allerwenigsten brauchen und jetzt, wo ein intimes Einverständnis zwischen uns nötiger denn je ist. Eine nationalistische Bewegung hat im Ottomanischen Reiche mächtige Formen angenommen. Wer kann sagen, ob wir. nicht im Februar oder März, wenn wir zu einer Vereinbarung gelangen sollten, nicht einer Türkei gegenüber stehen werden, die es rundweg abschlagen wird, uns nachzugeben. Wir werden bann eng verbündet sein müssen, um einer fürchterlichen diplomatischen Niederlage zu entgehen. L.J.K. Das Schicksal Palästinas. (Ein? Anfrage i ni englis ch e n Unter h a n s.) Am 29. Oktober erklärte Bonar L aw in seiner Antwort auf eine an ihn gerichtete Anfrage, eine endgültige Erklärung 'bezüglich der zukünftigen Regierung und Verwaltung in Syrien und Palästina könne noch nicht abgegeben werden. Die Ordnung dieser Frage hänge von der Friedenskonferenz ab, die bisher nicht ln der Lage war, den Friedensvertrag mit der Türkei in Erwägung zu ziehen, weil die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Haltung bezüglich der Berantnwrtlichkeiten, die sie auf sich zu nehmen bereit seien, noch nicht definiert hätten. Die britische Regierung habe der Friedenskonferenz im März nntgeteilt, daß Großbritannien das Mandat über Syrien nicht übernehmen werde. Mit Frankreich und dem Emir Feisul seien Vereinbarungen für die sofortige Zurück« ziehnng der britischen Truppen aus Syrien und die Besetzung dieses Gebietes durch die Franzosen und Araber bis zum Friedensschluß mit der Türkei getroffen worden. Wenn 'die Friedenskonferenz Großbritannien ein Mandat über irgendwelche Territorien des früheren türkischen Reiches erteilen werde, so beabsichtige die britische Regierung Formen der Verwaltung einzuführen, die in jeder Weise eine wachsende Entwicklung der lokalen Regierung und Institutionen fördern werden. K- B* Z. Literatur?ur Getünchte des Oltens. Von Dr. Willy Cohn (Breslau), ie Bedeutung, die die Ostjudenfrage -auch für chlser Leben immer mehr gewinnt, zwingt uns, unser Wessen über die Geschichte unserer östlichen Nachbarvölker auf Mne breitere Grundlage zu stellen. Trifft ja für die ostjüdifcheWeschichte das zu, was auch für die jüdische Geschichte im.Allgemeinen gilt, daß sie nur zu begreifen ist aus der Geschichte der die Juden umgebenden Völker, und daß sie daher niemals isoliert betrachtet werden kann. .! Der Mangel an flämischen Sprachkenntnisfen begrenzt zumeist schon rein äußerlich die Zahl der uns zugänglichen Bücher. Deshalb ist es besonders dankenswert, daß Paul Reiche in einer gründlichen Studie „Deutsche Bücher über Polen" einen Beitrag zu den Beziehungen beider Nationen zusammengestellt hat (Breslau 1917, Priebatsch? Verlagsbuchhandlung, Preis 4 Mark). Es ist ja vor allem für östliche Fragen besonders mühevoll, sich Kenntnis von dem zu schaffen, was weit verstreut erschienen ist, und so wird manche wertvolle Abhandlung aus diesen äußeren Gründen unbeachtet bleiben. Hier bewahrt Reiche vieles vor der Vergessenheit. In einem Abschnitt: „Das Judentum in Polen" stellt der Verfasser das bis 1916 erschienene Schrifttum über dieses Gebiet zusammen. Da gerade die letzten Jahre eine Anzahl wichtiger Schriften! über diese Fragen gebracht haben, wäre zu wünschen, daß zu dem so sehr brauchbaren Buche von Reiche möglichst bald ein bis auf unsere Tage reichender Nachtrag erscheinen möchte, dessen Weiterfortführung als jährliche Bibliographie sicher' einem Bedürfnis entspricht! Die bekannte „G e s ch i ch t e P o l e n s" von E. Missalek hat W. Komischke einer neuen Bearbeitung unterzogen. Mit. Recht kann dieser im Vorwort darauf Hinweisen, daß man noch vor wenigen Jahren Polen und seine Geschichte möglichst zu vergessen suchte! Nun zwingen die Ereignisse der Gegenwart bekanntlich zu einer intensiven Beschäftigung mit der Geschichte dieses Landes, und in ihr haben ja auch die Juden ihre Rolle gespielt! Die vorliegende Geschichte ist flüssig geschrieben und gibt einen guten Ueberblick von den Zeiten der slawischen Vorgeschichte bis zu den Zeiten der geistigen Wiedergeburt. Doch kann eine Beschäftigung mit der politischen Geschichte allein uns noch nicht tief genug in den Geist und die Sinnesart des polnischen Volkes einführen, hier muß die Kenntnis der wichtigsten polnischen Dichter ergänzend hinzutreten! Diesen Zwecken will die „Geschichte der polnischen Literatur" dienen, die W. K o m i s ch k e gleichfalls im Verlage von Priebatsch (Breslau) hat erscheinen lassen. Gerade durch dieses Buch wird man einen tieferen Einblick in das Wesen der polnischen Dichter und des polnischen Gemütslebens überhaupt bekommen und damit auch die Möglichkeit einer verständnisvolleren Betrachtung der östlichen Fragen.

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