Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Dr. H e i n em a n n: „Zeitsragen im. Lichte Mischer Leben s^- anschauung." Diensta-g 6 bis 7 Uhr. Seminarrabbiner Dr. Horov i-tz: „Der Talmud." Mittwoch 6 bis 7 Uhr. Dr. W>(. KaPlun - K og a n: „Jüdi-sche Wirtschafts>P>rob'leme." Montag 6 bis 7 Uhr. Dozent Tr. Lew ko Witz: „Religion und Ration." Donnerstag- 7 bis 8 Uhr. Rechtsanwalt Dr. Markiewitz: „Die Nechtsverhältnisse der Juden in Deutschland unter Berücksichtigung der Geschichte des jetzt -geltenden Gemein'derechts undseiner künftigen?tusgestaltung." Sonnabend 6 bis 7 Uhr. Rechtsanwalt Samuel Nothmann: „Jüdische Zeitprobleme in der modernen Dichtung." Dienstag 8 bis 9 Uhr. Magistratisassessor Dr. O lle n do r f!f: „Jüdische Wohlsahrtspslege mit besonderer' Berücksichtigungihres Verhältn-jsses zur allgemeinen Woh-lsahrt-spslege." Montag 7 bis 8 Uhr. Rabbiner Dr. S ä n g -e r: „Die Probleme des Buches Hiob." Donners't-agl'8 bis 9 Uhr. Rabbiner Dr. S i m o n s o h n: „EinsLlhruN'g in die Heilige Schrift." Mittwoch 7 bis 8 Uhr. er. München, 7. November. Der deutsche Kreis der I ü d i s che n T u r n e r sch a st hielt hier eine Sitzung ab, zu der fast alle Verbandsvereine Vertreter entsandt hatten. Neu ausgeuommen wurden die jüdischen Turnvereine in Che m n i tz und Leipzig sowie der Jüdische Ruderklub in Stettin. Der Geschäftsbericht des Vorsitzenden gab ein befriedigendes Bild von der Entwicklung der größten jüdischen Turnorganisation in Deutschland. Die in der letzten Zeit -errungenen bedeutenden sportlichen Erfolge ergaben große Befriedigung. Der Verband hat -einen großen Zustrom neuer Mitglieder; so wurden -allein im letzten Halbjahr etwa 1500 Jugendliche der Bewegung zu-g-eführt. Aus den von den Vertretern erstatteten Berichten sind als besonders erfreulich diejenigen der Vertreter der Gruppen in Kattowitz, Frankfurt a. M. und- Köln zu bezeichnen, wo sich ein reges turnerisches und jüdisches Lebenentfaltet hat. Eine rege Debatte, bei der Erziehungsfragen im Vordergrund standen, schloß sich an die Berichte cher Vereins- Vertreter. In der Aussprache wurde eine Vertiefung der jüdischen Erziehung durch obligatorische Arbeit in jüdischer Geschichte, Literatur und der hebräischen Sprache gefordert. Zur Festigungdes engeren Gemeins-chaftsgesühls soll der Dukomment eingesührt und zur Stärkung des äußeren Zusammenhanges eine gemeinsame Verbandsnadel geschaffen werden. Der Frankfurter Turnverein wurde mit der Ausarbeitung eines neuen Vereinsliederbuches betraut. Den beiden Vereinsvorständen wurde ein einstimmiges Vertrauensvotum und der Dank für bk geleistete Arbeit ausgesprochen. Sämtliche Beschlüsse wurden einstimmig gefaßt. — Frankfurt <t. M., 7. November. Die Beerdigung des Gehei mrats Dr. Berthold Geiger vereinigte, wie bereits mitgeteilt, auf dem Gemeindesriedhof eine große Trauergemeinde, in der die jüdische Gemeindeverwaltung, die städtischen Behörden, die Anwaltschaft und die Richter stark vertreten waren. Rabbiner Dr. S e l i g m a n n hielt die Grabrede, in der er des treuen Mitarbeiters in allen Fragen des öffentlichen Wohls rühmlich gedachte. Vaterstadt und Glaubensgemeinde trauern um ihren treuen Sohn. Wie der Name seines- Vaters in der jüdischen Geschichte für ewig eingezeichnet ist, so vereinigte er in sich den Geist des treuen Judentums mit dem des treuen Deutschtums. Geheimrat Dr. Friedleben rühmte namens der Anwaltskammer Berthold Geiger als einen Mann, der durch seine starke Persönlichkeit, durch seinen Charakter, edle Wahrheitsliebe und Gerechtigkeit berufen war, das Standesinteresse der Rechtsanwälte zu vertreten. Nachdem Rechtsanwalt Dr. N e u h a u s für den Anwaltsverein und Justizrat L i e b m a n it für den Notarverein dem Ehrenvorsitzenden Worte des Dankes gewidmet hatten, brachten Oberstaatsanwalt S.e e l für den Oberlandesgerichtspräsidenten, die Richter und Staatsanwälte Frankfurts die letzten Grüße dar. Justizrat Dr. Heilbrun, der als Freund sprach, rühmte die volle Hingabe Geigers im Dienste der Gemeinde und Vaterstadt und bedauerte, daß ihur dabei der Undank seiner Mitbürger zuteil geworden ist. Nachdem noch Vertreter der I s r a e - l i t i s>ch e n V e r so rgungsan st a I t und des Bau- und Sparvereins gesprochen hatten, legte Justizrat Dr. Helff einen Kranz für den Demokratischen Verein nieder. Stadtrat H i n widmete 'für Magistrat und Elektrizitäts- und Bauamt dem Verstorbenen Worte des Dankes und der Anerkennung. Nach den üblichen Gebeten wurde der Sarg zur Gruft getragen. Schwrtz. z. Zürich, im November. Wer geglaubt hat, daß es in der Schweiz keine Judenfrage gibt, wird durch die antisemitischen Auslassungen, die in der letzten Zeit immer häufiger in den Spalten einer Reihe schweizerischer Blätter gefunden werden können, eines Besseren belehrt. Symptomatisch ist die folgende Aeußerung der „Zürichsee-Zeitung" vom 3. Oktober: „Unsere Juden sollten für die Abwanderung der neueingewanderten Juden sorgen, denn, sagen wir es offen heraus, die Stimmung im Schweizervolk gegen die Juden ist auf einem Punkt angelangt, der nicht mehr eine Steigerung verträgt, ansonst auch bei uns an gewisse Möglichkeiten zu denken wäre. Das Schweizervolk will diese Orientalen nicht. Und wenn hier nicht Abhilfe geschaffen wird, so könnten selbst für die altansässigen Juden sehr unangenehme Folgen eintreten. Dieselben handeln also in ihrem eigenen Interesse, wenn sie ihr möglichstes tun, um hier Remedur zu schaffen." Lähmen. Z. Nachod, 4. November. Hier fand in einem überfüllten Saale vor -einem aus allen Schichten der Bevölkerung bestehenden Auditorium ein Vortrag über die „tschechisch^jüdische Frage" von Herrn Dr. Fuchs, Vertreter der assimilatorischen Richtung, statt. In die Debatte, die dem Vortrage folgte, -griff auch der Ortsrabbiner Dr. Sicher ein, der unter anderem sagte: „Ob wir Juden hier Fremdlinge sein werden oder nicht, das werden weder die Zionisten verschulden nochdie Assimilanten verhüten, sondern von euch, dem tschechischen Volke, wird es abhängen, ob wir uns hier heimisch fühlen werden, daß wir das Land unserer Wiege und der Gräber -unserer Väter werden so lieben müssen, um dafür sterben zu können, oder obwir uns hier als Fremdlinge werden fühlen müssen, daß dieser Staat zu jenen gehören wird, wo wir alle Mittel ersinnen müssen, h-inauszukommen. Ich billige euch zu, daß viele von uns gesündigt haben. Ich billige das Deutschtum von Juden, die im tschechischen Milieu .ausgewachsen sind, nicht, auch nicht das Prager Kasinojudentum und die Förderung des Deutschtums im tschechischen Mähren, das aufdrinKiche Hindrängen in die Turnvereine, wo der Jude mit Fußtritten traktiert wurde. Aber gestattet mir, das kluge Wort' des Tatwuds zu zitieren: „Wer der Vergangenheit nachjammert, betet -ein falsches Gebet." Die Politik kann nicht ewig in Reminiszenzen der Vergangenheit sich -erschöpfen. Wir müssen in die Zukunft sehen, wir beide müssen einen Modus vivendi miteinander finden. Ter Antisemitismus wäre ein sehr unglückliches Mittel hierzu. Ein begabtes Volk zu -unterdrücken, ist für den Staat unheilsam, und wir sind ein hochbegabtes Volk. Ihr seid euch dessenkaum bewußt, wie ihr verjudet seid! Nehlnet aus eurer Kultur unsere biblischen Schriftsteller, Christus, Spinoza, Marx, die Börse usw. usw.? Was bleibt da übrig? Ein so begabtes Volk durch Unterdrückung den Umsturzparteien zuzutreiben, ist ein bedenkliches Experiment für jeden Staat, und ich weiß nicht, ob die tschechoslowakische Republik so konsolidiert ist, daß sie sich den Luxus gestatten darf, so wertvolle Mtarbeiter, wie es die Inden sind, beiseite zu schieben. Schimpfet nicht den jüdischen Kaufmann einen Kettenhändler! Der Betrug allein macht keinen tüchtigen Kaufmann aus. Lernet vom jüdischen Kaufmann feine Zähigkeit und Zielstrebigkeit, beachtet es, wie er sich von früh bis abend um nichts- -als um sein Geschäft und feine Familie und um sehr wenig Alkohol kümmert, und reichen wir, die Ehrlichen in allen Lagern, Zionisten, Assimilanten und Tschechen, uns die Hand zu -einem Zielendem Wohle unserer Republik!" Die mutigen Worte machten aus das zumeist christliche Publikum, das aufmerksam zuhörte, eine:: sichtlichen Eindruck. Amerika. X. k. d. 0. New Aork, Ende Oktober. Nachdem die größte Konzentration des jüdischen Volkes in Rußland in eine Reihe klemerer Ansammlungen zerschlagen worden -ist, ist die geistige Hegemonie im Galuth, welche bis zum Weltkrieg dem russischen Judentum gehört hatte, zur größten jüdischen Konzentration der Gegenwart, namentlich zum -amerikanischen Ju-den-tmn, übergegangen. Das-ganze amerikanische Judentum ist in der Meinung einig, daß es Wache darüber halten muß, was die Juden aus der Friedenskonferenz erobert haben (die Garantien der Rechte nationaler Minderheiten). Z-u diesem Zweck wirdder Amerikanisch-jüdische Kongreß sich, von einer periodischen Institution zu einer permanenten umwandeln. Noch breitere Pläne haben die amerikanischen Juden betreffend ihre kulturellen- Aufgaben. Das amerikanische Judentum hat sich zur